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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Betriebsratsbüro, Betriebsrat: Internetzugang
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 7 ABR 23/11
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 17.10.2012
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Berlin, Beschluss vom 27.07.2010, 34 BV 22183/09
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 4.03.2011, 10 TaBV 1984/10
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

7 ABR 23/11
10 TaBV 1984/10

Lan­des­ar­beits­ge­richt

Ber­lin-Bran­den­burg

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

18. Ju­li 2012

BESCHLUSS

Schie­ge, Ur­kunds­be­am­ter

der Geschäfts­stel­le

In dem Be­schluss­ver­fah­ren mit den Be­tei­lig­ten

1.

An­trag­stel­ler und Be­schwer­deführer,

2.

Rechts­be­schwer­deführe­rin,

hat der Sieb­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der Anhörung vom 18. Ju­li 2012 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Lin­sen­mai­er, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Zwan­zi­ger und
 


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Prof. Dr. Kiel so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Will­ms und Busch für Recht er­kannt:

Die Rechts­be­schwer­de der Ar­beit­ge­be­rin ge­gen den Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg vom 4. März 2011 - 10 TaBV 1984/10 - wird zurück­ge­wie­sen.

Von Rechts we­gen!

Gründe

A. Die Be­tei­lig­ten strei­ten um die Ge­stal­tung des In­ter­net­zu­gangs für den Be­triebs­rat so­wie um Frei­stel­lung von vor­ge­richt­li­chen Rechts­an­walts­kos­ten.


Die zu 2. be­tei­lig­te Ar­beit­ge­be­rin ist ein bun­des­weit täti­ges Ein­zel­han­dels­un­ter­neh­men. Sie be­treibt in Deutsch­land mehr als 300 Fi­lia­len, in de­nen Be­klei­dungs­ar­ti­kel und Ac­ces­soires ver­kauft wer­den. An­trag­stel­ler ist der für die Fi­lia­le in B ge­bil­de­te fünfköpfi­ge Be­triebs­rat.

Die Ar­beit­ge­be­rin hat mit dem Ge­samt­be­triebs­rat ei­ne Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung über die „Einführung und An­wen­dung von Hard- und Soft­ware zur Nut­zung ei­nes In­tra­net-/In­ter­net­an­schlus­ses und zur Möglich­keit der Kom­mu­ni­ka­ti­on mit E-Mails“ (nach­fol­gend: GBV In­ter­net) ge­schlos­sen. In die­ser heißt es ua.:


㤠1
Persönli­cher und räum­li­cher Gel­tungs­be­reich

Die­se Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung gilt für al­le Ar­beit­neh­mer in al­len Be­trie­ben des Ar­beit­ge­bers, mit Aus­nah­me der lei­ten­den An­ge­stell­ten im Sin­ne des § 5 Abs. 3 Be­trVG, de­nen die Nut­zung ei­nes In­tra­net- und/oder In­ter­net­an­schlus­ses und/oder die Möglich­keit der Kom­mu­ni­ka­ti­on mit E-Mails ein­geräumt wird so­wie für die Ar­beit­neh­mer, die Zu­griff auf die Da­ten und Pro­gram­me zur Nut­zung der Hard- und Soft­ware ha­ben.
...

§ 3
Da­ten­er­he­bung und -aus­wer­tung

(1) Per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten der Ver­bin­dung, die bei der Nut­zung von Hard- und Soft­ware zur Nut­zung ei­nes In­tra­net-/In­ter­net­an­schlus­ses und zur Möglich­keit der Kom­mu­ni­ka­ti­on mit E-Mails ge­spei­chert und pro­to­kol­liert wer­den und ih­re re­gelmäßigen Aus­wer­tun­gen, sind in An­la­ge 2 do­ku­men­tiert.


...


(3) Zu­griff auf Pro­to­kol­le und Aus­wer­tun­gen hier­aus im Zu­sam­men­hang mit der Nut­zung des In­ter­nets und/oder der Kom­mu­ni­ka­ti­on mit E-Mails ha­ben le­dig­lich die hierfür be­rech­tig­ten Ad­mi­nis­tra­to­ren (IT-Se­cu­ri­ty Group) in S.

(4) Die re­gelmäßig er­stell­ten Aus­wer­tun­gen gemäß An­la­ge 2 sind dem na­tio­na­len Se­cu­ri­ty Ma­na­ger, der na­tio­na­len Geschäftsführung so­wie der na­tio­na­len HR-Lei­tung zugäng­lich.

...

§ 4
Ver­ga­be von Nut­zungs­be­rech­ti­gun­gen und
Zu­griffs­be­rech­ti­gung

(1) Die Nut­zung des In­tra­nets und In­ter­nets so­wie die Möglich­keit der Kom­mu­ni­ka­ti­on mit E-Mails ist den Ar­beit­neh­mern nur auf­grund ei­ner im Ein­zel­fall von dem Ar­beit­ge­ber zu er­tei­len­den persönli­chen Be­rech­ti­gung ge­stat­tet. Die Er­tei­lung der Be­rech­ti­gung ob­liegt dem Er­mes­sen des Ar­beit­ge­bers. Die Über­las­sung der Nut­zungs­be­rech­ti­gung, ins­be­son­de­re die Wei­ter­ga­be des persönli­chen Pass­worts, an an­de­re Per­so­nen ist un­ter­sagt.
...


§ 5
Grundsätze der Nut­zung

(1) Die Nut­zungs­be­rech­ti­gung für das In­tra­net und In­ter­net und die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit E-Mails be­steht aus­sch­ließlich zur Erfüllung von Ver­pflich­tun­gen aus dem Ar­beits­verhält­nis. Jed­we­de Nut­zung aus an­de­ren Gründen ist un­ter­sagt. So­weit Be­triebsräte ei­ne Nut­zungs­be­rech­ti­gung ha­ben, er­streckt die­se sich
 


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auch auf die er­for­der­li­che Be­triebs­rats­ar­beit.
...

(4) Zuständig für die Ad­mi­nis­tra­ti­on des lo­ka­len Netz­werks in Deutsch­land sind le­dig­lich die mit der Sys­tem­ver­wal­tung be­trau­ten Per­so­nen. In­for­ma­tio­nen über die In­hal­te von persönli­chen oder Grup­pen­lauf-wer­ken wer­den von den Ad­mi­nis­tra­to­ren nur auf Ver­an­las­sung der Geschäftsführer in Deutsch­land her­aus­ge­ge­ben. Im Fal­le von persönli­chen und Grup­pen­lauf­wer­ken des GBRs und der Be­triebsräte be­darf dies der vor­he­ri­gen Zu­stim­mung des GBR/BR.“

Die An­la­ge 2 der GBV In­ter­net be­stimmt aus­zugs­wei­se: 


„• Der Pro­xy-Ser­ver pro­to­kol­liert Da­tum, Uhr­zeit, Be­nut­zer­na­me, Quell-IP-Adres­se, Ziel-IP-Adres­se, In­halt (i. W. kom­plet­te HTML-Sei­te), Zu­griffs­me­tho­de, Da­ten­men­ge und Pro­to­koll (HTTP, FTP ...).

Aus dem Pro­xy-Pro­to­koll wer­den - ne­ben nicht per­so­nen­be­zo­ge­nen Aus­wer­tun­gen - zur­zeit re­gelmäßig in S die fol­gen­den 3 per­so­nen­be­zo­ge­nen Aus­wer­tun­gen er­stellt:


Top Be­nut­zer, die trotz Warn­hin­weis zu­ge­grif­fen ha­ben

Ak­tivs­te Sur­fer

Ak­tivs­te Down­load-Be­nut­zer
...“

Dem Be­triebs­rat steht im Be­triebs­ratsbüro ein Per­so­nal-Com­pu­ter (nach­fol­gend: PC oder Rech­ner) zur Verfügung, zu dem die Mit­glie­der des Be­triebs­rats Zu­gang ha­ben. Mit Schrei­ben vom 23. Sep­tem­ber 2009 for­der­te der Be­triebs­rat die Ar­beit­ge­be­rin nach ent­spre­chen­der Be­schluss­fas­sung auf, ihm über die­sen Rech­ner Zu­gang zum In­ter­net zu eröff­nen. Nach der Be­schluss­la­ge soll­te die­ses Be­geh­ren im Fall ei­ner Wei­ge­rung der Ar­beit­ge­be­rin mit an­walt­li­cher Hil­fe außer­ge­richt­lich und er­for­der­li­chen­falls ge­richt­lich durch­ge­setzt wer­den. Die Ar­beit­ge­be­rin ver­wei­ger­te den In­ter­net­zu­gang. Dar­auf­hin man­da­tier­te der Be­triebs­rat sei­ne jet­zi­gen Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­ten. Die­se for­der­ten die Ar­beit­ge­be­rin mit Schrei­ben vom 27. Ok­to­ber 2009 auf, dem
 


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Be­triebs­rat das In­ter­net auf dem vor­han­de­nen Rech­ner frei­zu­schal­ten. Zu­gleich stell­ten sie für die­se Tätig­keit Gebühren und Aus­la­gen iHv. zu­letzt noch streit­be­fan­ge­nen 140,42 Eu­ro in Rech­nung. Mit Schrei­ben vom 4. No­vem­ber 2009 lehn­te die Ar­beit­ge­be­rin die Ein­rich­tung ei­nes In­ter­net­zu­gangs er­neut ab. Die Auf­for­de­rung zur Zah­lung der an­walt­li­chen Kos­ten wies sie un­ter Hin­weis auf ähn­lich ge­la­ger­te Be­schluss­ver­fah­ren zurück, die von den Be­vollmäch­tig­ten des Be­triebs­rats für Be­triebsräte an­de­rer Fi­lia­len geführt wur­den. Ver­geb­lich bemühte sie sich um den Ab­schluss ei­nes sog. „Un­ter­wer­fungs­ver­gleichs“.
 

Am 15. De­zem­ber 2009 lei­te­te der Be­triebs­rat das vor­lie­gen­de Be­schluss­ver­fah­ren zur Ein­rich­tung ei­nes In­ter­net­zu­gangs so­wie zur Frei­stel­lung von der Gebühren­rech­nung ein. Nach­dem die Ar­beit­ge­be­rin am 17. Fe­bru­ar 2010 vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt in ei­nem Ver­fah­ren mit ähn­li­chem Ge­gen­stand un­ter­le­gen war, eröff­ne­te sie den or­dent­li­chen Mit­glie­dern des Be­triebs­rats ei­nen sog. per­so­na­li­sier­ten In­ter­net­zu­gang. Seit­her müssen sich die Mit­glie­der des Be­triebs­rats un­ter Ver­wen­dung ih­res Vor- und Nach­na­mens am PC des Be­triebs­rats an­mel­den, um über die­sen Rech­ner auf das In­ter­net zu­grei­fen zu können. Der von der Ar­beit­ge­be­rin mo­di­fi­zier­te An­mel­de­vor­gang ver­an­lass­te den Be­triebs­rat, sei­nen An­trag im Ver­fah­ren zu ändern. Nun­mehr ver­langt er den Zu­gang zum In­ter­net auf dem ihm zur Verfügung ge­stell­ten Rech­ner oh­ne per­so­na­li­sier­te An­mel­dung mit ei­ner für al­le Be­triebs­rats­mit­glie­der ein­heit­li­chen Nut­zer­an­mel­dung. Er hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Ar­beit­ge­be­rin sei ver­pflich­tet, den PC so ein­zu­rich­ten, dass al­le Mit­glie­der über ei­nen ge­ne­rel­len „Ac­count“ auf das In­ter­net zu­grei­fen können. Es müsse aus­ge­schlos­sen sein, dass die Ar­beit­ge­be­rin im Ein­zel­nen nach­voll­zie­hen könne, wel­ches Mit­glied des Be­triebs­rats sich wann im In­ter­net wel­chem The­ma wid­me. Die Ar­beit­ge­be­rin müsse den Be­triebs­rat außer­dem von den vor­ge­richt­li­chen Kos­ten der Rechts­ver­fol­gung zur Nut­zung des In­ter­nets frei­stel­len.


Der Be­triebs­rat hat zu­letzt - so­weit für die Rechts­be­schwer­de noch von Be­deu­tung - be­an­tragt,


1. der Ar­beit­ge­be­rin auf­zu­ge­ben, ihm ei­nen Zu­gang zum In­ter­net zur Verfügung zu stel­len mit der Maßga­be, dass ihm der Zu­gang zum In­ter­net
 


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a) auf dem im Raum des Be­triebs­rats vor­han­de­nen Per­so­nal-Com­pu­ter

b) oh­ne per­so­na­li­sier­te An­mel­dung des je­wei­li­gen Be­triebs­rats­mit­glieds am Com­pu­ter mit ei­ner (wie früher) für al­le Be­triebs­rats­mit­glie­der ein­heit­li­chen Nut­zer­an­mel­dung ein­geräumt wird;

2. der Ar­beit­ge­be­rin auf­zu­ge­ben, ihn von den vor­ge­richt­li­chen Kos­ten der Rech­nung der Rechts­anwälte B Nr. 8223 vom 27. Ok­to­ber 2009 iHv. (noch) 140,42 Eu­ro frei­zu­stel­len.


Die Ar­beit­ge­be­rin hat be­an­tragt, die Anträge ab­zu­wei­sen. Sie hat die An­sicht ver­tre­ten, ein per­so­na­li­sier­ter In­ter­net­zu­gang sei zum Schutz vor Miss­brauch ge­bo­ten. Ei­ne nicht in­di­vi­dua­li­sier­ba­re Nut­zung des In­ter­nets wi­der­spre­che auch § 4 Abs. 1 GBV In­ter­net. Außer­dem sei die An­mel­dung zum PC über ei­nen sog. Grup­pe­nac­count auf­grund da­ten­schutz­recht­li­cher Be­stim­mun­gen, ins­be­son­de­re der An­la­ge zu § 9 Satz 1 BDSG, un­zulässig. Die Gebühren­rech­nung sei nicht zu er­stat­ten, weil der Be­triebs­rat die Hin­zu­zie­hung der Rechts­anwälte nicht ha­be für er­for­der­lich hal­ten dürfen. Im be­rech­tig­ten Kos­ten­in­ter­es­se ha­be der Be­triebs­rat den Aus­gang der von der­sel­ben Kanz­lei par­al­lel geführ­ten Ver­fah­ren ab­war­ten oder das An­ge­bot auf Un­ter­wer­fung un­ter das Ver­fah­ren­s­er­geb­nis an­neh­men müssen.


Das Ar­beits­ge­richt hat die Anträge ab­ge­wie­sen. Auf die Be­schwer­de des Be­triebs­rats hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt den Anträgen ent­spro­chen. Mit der Rechts­be­schwer­de be­gehrt die Ar­beit­ge­be­rin die Wie­der­her­stel­lung des ar­beits­ge­richt­li­chen Be­schlus­ses. Der Be­triebs­rat be­an­tragt de­ren Zurück­wei­sung.


B. Die statt­haf­te Rechts­be­schwer­de ist un­be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat bei­den Anträgen zu Recht ent­spro­chen. Zu­tref­fend hat es zum ei­nen er­kannt, dass die Ar­beit­ge­be­rin ver­pflich­tet ist, dem Be­triebs­rat auf dem ihm zur Verfügung ge­stell­ten PC Zu­gang zum In­ter­net mit ei­ner ein­heit­li­chen Nut­zer­an­mel­dung für al­le Mit­glie­der des Be­triebs­rats zu eröff­nen. Der An­spruch folgt aus § 40 Abs. 2 Be­trVG. Be­rech­tig­te In­ter­es­sen der Ar­beit­ge­be­rin oder zwin-
 


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gen­de ge­setz­li­che Be­stim­mun­gen ste­hen dem An­spruch nicht ent­ge­gen. Die Ar­beit­ge­be­rin ist fer­ner nach § 40 Abs. 1 Be­trVG ver­pflich­tet, den Be­triebs­rat von den Kos­ten der außer­ge­richt­li­chen an­walt­li­chen Ver­tre­tung in dem zu­letzt noch ver­fah­rens­ge­genständ­li­chen Um­fang von 140,42 Eu­ro frei­zu­stel­len. Der Be­triebs­rat durf­te die außer­ge­richt­li­che Rechts­ver­fol­gung durch ei­nen Rechts­an­walt bei pflicht­gemäßer Würdi­gung der Umstände des Ein­zel­falls für er­for­der­lich hal­ten.

I. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat in Abände­rung der Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts zu Recht dem An­trag zu 1. ent­spro­chen.

1. Die Rechts­be­schwer­de der Ar­beit­ge­be­rin ist in­so­weit nicht et­wa schon des­halb be­gründet, weil das Lan­des­ar­beits­ge­richt die Be­schwer­de des Be­triebs­rats ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts als un­zulässig hätte ver­wer­fen müssen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­schwer­de zu Recht für zulässig er­ach­tet. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Ar­beit­ge­be­rin genügte die Be­schwer­de­be­gründung den Er­for­der­nis­sen des § 89 Abs. 2 Satz 2 ArbGG.


a) Nach § 89 Abs. 2 Satz 2 ArbGG muss die Be­schwer­de­be­gründung an­ge­ben, auf wel­che im Ein­zel­nen an­zuführen­den Gründe die Be­schwer­de gestützt wird. Der Be­schwer­deführer muss die Be­schwer­de grundsätz­lich für je­den an­ge­grif­fe­nen Streit­ge­gen­stand be­gründen. Ist die an­ge­grif­fe­ne Ent­schei­dung für ei­nen Streit­ge­gen­stand auf zwei oder meh­re­re von­ein­an­der un­abhängi­ge, selbstständig tra­gen­de recht­li­che Erwägun­gen gestützt, muss die Be­schwer­de­be­gründung sämt­li­che Erwägun­gen an­grei­fen; sie muss im Fall ih­rer Be­rech­ti­gung ge­eig­net sein, die Ent­schei­dung in Fra­ge zu stel­len. Er­for­der­lich ist hier­zu ei­ne hin­rei­chen­de Dar­stel­lung der Gründe, aus de­nen sich die Feh­ler­haf­tig­keit der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung er­ge­ben soll. Es reicht nicht aus, die tatsächli­che oder recht­li­che Würdi­gung durch das Ar­beits­ge­richt mit for­mel­haf­ten Wen­dun­gen zu rügen und le­dig­lich auf das erst­in­stanz­li­che Vor­brin­gen zu ver­wei­sen oder die­ses zu wie­der­ho­len (BAG 15. März 2011 - 9 AZR 813/09 - Rn. 9 ff., AP ArbGG 1979 § 64 Nr. 44). Die Aus­le­gung und An­wen­dung der ver­fah­rens­recht­li­chen Re­ge­lung des § 89 Abs. 2, Abs. 3 ArbGG darf an­de­rer­seits we­gen des durch Art. 2 Abs. 1 GG iVm. dem Rechts­staats­prin­zip
 


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geschütz­ten An­spruchs auf ei­nen wir­kungs­vol­len Rechts­schutz nicht da­zu führen, dass dem Recht­su­chen­den der Zu­gang zu den in den Ver­fah­rens­ord­nun­gen eröff­ne­ten In­stan­zen in un­zu­mut­ba­rer Wei­se er­schwert wird (vgl. BVerfG 21. April 2006 - 1 BvR 2140/05 - Rn. 17 mwN).


b) Da­nach genügte die Be­schwer­de­be­gründung ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Ar­beit­ge­be­rin den ge­setz­li­chen An­for­de­run­gen. So­weit das Ar­beits­ge­richt den An­trag zu 1. man­gels An­spruchs­grund­la­ge ab­ge­wie­sen hat, be­nennt die Be­schwer­de § 40 Be­trVG als an­spruchs­be­gründen­de Norm. Dem Ar­gu­ment des Ar­beits­ge­richts, die In­for­ma­ti­ons­be­schaf­fung könne auch mit ei­nem per­so­na­li­sier­ten In­ter­net­zu­gang er­fol­gen, setzt die Be­schwer­de­be­gründungs­schrift ua. ent­ge­gen, das An- und Ab­mel­den des je­wei­li­gen Be­triebs­rats­mit­glieds zie­he er­heb­li­che War­te­zei­ten nach sich und be­hin­de­re da­mit die Be­triebs­rats­ar­beit. So­weit das Ar­beits­ge­richt darüber hin­aus dar­auf ab­ge­stellt hat, dass die GBV In­ter­net ei­nen per­so­na­li­sier­ten In­ter­net­zu­gang vor­schrei­be, hat die Be­schwer­de ua. den Stand­punkt ein­ge­nom­men, die GBV In­ter­net sei man­gels Re­ge­lungs­kom­pe­tenz des Ge­samt­be­triebs­rats un­wirk­sam und bin­de den Be­triebs­rat schon des­halb nicht.

2. Wie das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­tref­fend er­kannt hat, ist der An­trag zu 1. zulässig und be­gründet. Der Be­triebs­rat kann von der Ar­beit­ge­be­rin nach § 40 Abs. 2 Be­trVG für sei­ne Mit­glie­der die Ein­rich­tung ei­nes ein­heit­li­chen In­ter­net­zu­gangs über den ihm zur Verfügung ge­stell­ten PC be­an­spru­chen.


a) Der An­trag ist zulässig. Er ist ins­be­son­de­re hin­rei­chend be­stimmt iSd. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO, be­darf al­ler­dings der Aus­le­gung.

aa) Der Be­triebs­rat ver­langt mit dem An­trag zu 1. den Zu­gang zum In­ter­net über den im Be­triebs­ratsbüro vor­han­de­nen PC. Die In­ter­net­nut­zung soll den je­wei­li­gen Mit­glie­dern des Be­triebs­rats oh­ne per­so­na­li­sier­te An­mel­dung eröff­net wer­den. Mit der an­ge­streb­ten Ein­rich­tung ei­ner („wie früher“) für al­le Be­triebs­rats­mit­glie­der ein­heit­li­chen Nut­zer­an­mel­dung (sog. Grup­pe­nac­count) geht es ihm um die über­wa­chungs­freie Nut­zung des In­ter­nets. Ziel des An­trags ist nicht die an­ony­me Nut­zung von per­so­nen­be­zo­ge­nen Da­ten, die auf dem Rech­ner
 


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ver­ar­bei­tet wer­den. Die­ses An­trags­verständ­nis er­gibt sich be­reits aus dem Ver­lauf des Ver­fah­rens und wur­de durch die Erklärun­gen des Be­triebs­rats im Anhörungs­ter­min bestätigt. Ursprüng­lich konn­ten al­le Mit­glie­der des Be­triebs-rats nach An­mel­dung über ei­nen Grup­pe­nac­count mit dem PC im Be­triebs­ratsbüro ar­bei­ten, hat­ten je­doch kei­nen Zu­gang zum In­ter­net. Ei­ne per­so­na­li­sier­te Zu­gangs­be­rech­ti­gung sah die Ar­beit­ge­be­rin erst vor, als sie im Lauf des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens das In­ter­net für den Be­triebs­rat frei­schal­te­te. Da­durch las­sen sich die In­ter­net­re­cher­chen der ein­zel­nen Be­triebs­rats­mit­glie­der die­sen persönlich zu­ord­nen. Dies - aber auch nur dies - will der Be­triebs­rat durch den geänder­ten An­trag auf Ein­rich­tung des Grup­pe­nac­counts ver­hin­dern. Da­ge­gen be­an­sprucht er nicht, den ihm zur Verfügung ge­stell­ten Rech­ner und die dar­auf ver­ar­bei­te­ten per­so­nen­be­zo­ge­nen Da­ten oh­ne Ein­hal­tung da­ten­schutz­recht­li­cher Be­stim­mun­gen nut­zen zu können. Das hat er in der Anhörung vor dem Se­nat aus­drück­lich bestätigt.


bb) Der so ver­stan­de­ne An­trag zu 1. ist hin­rei­chend be­stimmt iSv. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO. Die Ar­beit­ge­be­rin soll ver­pflich­tet wer­den, dem Be­triebs­rat den Rech­ner so zur Verfügung zu stel­len, dass die ein­zel­nen Be­triebs­rats­mit­glie­der im In­ter­net oh­ne persönli­che Ken­nung re­cher­chie­ren können. So­weit der Be­triebs­rat die hier­zu not­wen­di­gen tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen nicht näher be­schrie­ben hat, steht dies dem Be­stimmt­heits­er­for­der­nis nicht ent­ge­gen. Die tech­ni­sche Um­set­zung der Vor­ga­ben des Be­triebs­rats ist Sa­che der Ar­beit­ge­be­rin. Sie muss im An­trag nicht näher be­schrie­ben wer­den (vgl. BAG 17. Fe­bru­ar 2010 - 7 ABR 81/09 - Rn. 8, AP Be­trVG 1972 § 40 Nr. 100; 14. Ju­li 2010 - 7 ABR 80/08 - Rn. 13, BA­GE 135, 154). Nicht Ge­gen­stand des An­trags sind vom Be­triebs­rat zu ver­ant­wor­ten­de und ggf. in Ab­spra­che mit der Ar­beit­ge­be­rin vor­zu­neh­men­de Maßnah­men, um den Da­ten­schutz der auf dem PC ver­ar­bei­te­ten per­so­nen­be­zo­ge­nen Da­ten zu gewähr­leis­ten.


b) Der An­trag zu 1. ist be­gründet. Der Be­triebs­rat kann von der Ar­beit­ge­be­rin nach § 40 Abs. 2 Be­trVG die Ein­rich­tung ei­nes nicht per­so­na­li­sier­ten In­ter­net­zu­gangs über den ihm zur Verfügung ge­stell­ten PC ver­lan­gen. Der An­spruch auf Zu­gang zum In­ter­net über ei­nen Grup­pe­nac­count ist we­der durch


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den ge­setz­li­chen Da­ten­schutz noch durch die GBV In­ter­net ein­ge­schränkt. Der Da­ten­schutz er­for­dert kei­ne In­di­vi­dua­li­sie­rung der In­ter­net­nut­zung. Da­ten-schutz­recht­li­che Si­che­run­gen nach Maßga­be des BDSG sind al­ler­dings beim Zu­gang zu ei­nem PC er­for­der­lich, auf dem per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten ver­ar­bei­tet wer­den. Dafür hat der Be­triebs­rat in ei­ge­ner Ver­ant­wor­tung zu sor­gen.

aa) Nach § 40 Abs. 2 Be­trVG hat der Ar­beit­ge­ber dem Be­triebs­rat für die lau­fen­de Geschäftsführung in er­for­der­li­chem Um­fang ua. sach­li­che Mit­tel so­wie In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik zur Verfügung zu stel­len. Zur In­for­ma­ti­ons­tech­nik iSv. § 40 Abs. 2 Be­trVG gehört das In­ter­net (BAG 14. Ju­li 2010 - 7 ABR 80/08 - Rn. 16 mwN, BA­GE 135, 154). Der Be­triebs­rat kann ei­nen In­ter­net­zu­gang al­ler­dings nur ver­lan­gen, wenn dies zur ord­nungs­gemäßen Wahr­neh­mung der ihm nach dem Ge­setz ob­lie­gen­den Auf­ga­ben er­for­der­lich ist (BAG 14. Ju­li 2010 - 7 ABR 80/08 - Rn. 17 mwN, aaO). Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Se­nats ob­liegt dem Be­triebs­rat die Prüfung, ob ein von ihm ver­lang­tes Sach­mit­tel zur Er­le­di­gung von Be­triebs­rats­auf­ga­ben er­for­der­lich und vom Ar­beit­ge­ber zur Verfügung zu stel­len ist. Die Ent­schei­dung hierüber darf er nicht al­lein an sei­nen sub­jek­ti­ven Bedürf­nis­sen aus­rich­ten. Von ihm wird viel­mehr ver­langt, dass er die be­trieb­li­chen Verhält­nis­se und die sich ihm stel­len­den Auf­ga­ben berück­sich­tigt. Da­bei hat er die In­ter­es­sen der Be­leg­schaft an ei­ner sach­ge­rech­ten Ausübung des Be­triebs­rats­amts und be­rech­tig­te In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers, auch so­weit sie auf ei­ne Be­gren­zung der Kos­ten­tra­gungs­pflicht ge­rich­tet sind, ge­gen­ein­an­der ab­zuwägen. Die­se Grundsätze gel­ten auch für das Ver­lan­gen des Be­triebs­rats auf Über­las­sung von In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik (BAG 14. Ju­li 2010 - 7 ABR 80/08 - Rn. 18 mwN, aaO). Die Ent­schei­dung des Be­triebs­rats über die Er­for­der­lich­keit des ver­lang­ten Sach­mit­tels un­ter­liegt der ar­beits­ge­richt­li­chen Kon­trol­le. Die­se ist auf die Prüfung be­schränkt, ob das ver­lang­te Sach­mit­tel auf­grund der kon­kre­ten be­trieb­li­chen Si­tua­ti­on der Er­le­di­gung der ge­setz­li­chen Auf­ga­ben des Be­triebs­rats dient und der Be­triebs­rat bei sei­ner Ent­schei­dung nicht nur die In­ter­es­sen der Be­leg­schaft berück­sich­tigt, son­dern auch be­rech­tig­ten In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers Rech­nung ge­tra­gen hat. Dient das je­wei­li­ge Sach­mit­tel der Er­le­di­gung be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­cher Auf­ga­ben und hält sich die In­ter­es­sen­ab-

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wägung des Be­triebs­rats im Rah­men sei­nes Be­ur­tei­lungs­spiel­raums, kann das Ge­richt die Ent­schei­dung des Be­triebs­rats nicht durch sei­ne ei­ge­ne er­set­zen (BAG 14. Ju­li 2010 - 7 ABR 80/08 - Rn. 19 mwN, aaO).


bb) Da­nach kann der Be­triebs­rat für sei­ne Mit­glie­der ei­nen nicht per­so­na­li­sier­ten Zu­gang zum In­ter­net über den im Be­triebs­ratsbüro vor­han­de­nen Rech­ner ver­lan­gen. Er darf ei­nen sol­chen Zu­gang für er­for­der­lich hal­ten. Be­rech­tig­te In­ter­es­sen der Ar­beit­ge­be­rin ste­hen nicht ent­ge­gen. Kon­kre­te An­halts­punk­te für ei­ne Miss­brauchs­ge­fahr sind nicht dar­ge­tan. Zu Un­recht be­ruft sich die Ar­beit­ge­be­rin auf Gründe des Da­ten­schut­zes. Für die Ein­hal­tung der da­ten­schutz-recht­li­chen Be­stim­mun­gen bei der Nut­zung des ihm zur Verfügung ge­stell­ten Rech­ners hat der Be­triebs­rat selbst zu sor­gen. Auch die GBV In­ter­net steht dem An­spruch nicht ent­ge­gen.


(1) Der Be­triebs­rat durf­te den Zu­gang zum In­ter­net über den im Be­triebs­ratsbüro vor­han­de­nen PC für sach­dien­lich er­ach­ten. Es liegt auch im Rah­men sei­ner pflicht­gemäßen Be­ur­tei­lung, wenn er von der Ar­beit­ge­be­rin ei­ne Ein­rich­tung des In­ter­net­zu­gangs ver­langt, die es der Ar­beit­ge­be­rin nicht ermöglicht, die In­ter­net­nut­zung durch die ein­zel­nen Be­triebs­rats­mit­glie­der per­so­nen­be­zo­gen nach­zu­voll­zie­hen. Der Be­triebs­rat kann ver­lan­gen, dass die­se Kon­trollmöglich­keit der In­ter­net­nut­zung durch Ein­rich­tung ei­nes Grup­pe­nac­counts aus­ge­schlos­sen ist.

(a) Wie der Se­nat zu­letzt wie­der­holt ent­schie­den hat, kann der Be­triebs­rat die Ein­ho­lung von In­for­ma­tio­nen aus dem In­ter­net als zur Erfüllung sei­ner Auf­ga­ben er­for­der­lich an­se­hen. Er muss da­zu kei­ne kon­kret an­ste­hen­den be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Auf­ga­ben dar­le­gen, zu de­ren Er­le­di­gung In­for­ma­tio­nen aus dem In­ter­net benötigt wer­den. Auch ist die vom Be­triebs­rat zu be­ur­tei­len­de Dien­lich­keit ei­nes Sach­mit­tels zur Auf­ga­ben­wahr­neh­mung nicht erst dann ge­ge­ben, wenn der Be­triebs­rat oh­ne den Ein­satz des Sach­mit­tels sei­ne ge­setz­li­chen Pflich­ten ver­nachlässi­gen müss­te (vgl. BAG 14. Ju­li 2010 - 7 ABR 80/08 - Rn. 24 mwN, BA­GE 135, 154). Ver­ant­wort­li­che Be­triebs­rats­ar­beit setzt vor­aus, dass sich je­des Be­triebs­rats­mit­glied - ins­be­son­de­re bei der
 


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Vor­be­rei­tung auf Be­triebs­rats­sit­zun­gen - über an­ste­hen­de Be­triebs­rats­auf­ga­ben in­for­mie­ren und hier­zu re­cher­chie­ren kann.


(b) Es liegt fer­ner re­gelmäßig im Rah­men des Be­ur­tei­lungs­spiel­raums des Be­triebs­rats zu ent­schei­den, ob der Zu­gang zum In­ter­net den ein­zel­nen Be­triebs­rats­mit­glie­dern nur über ei­nen zen­tra­len Rech­ner im Be­triebs­ratsbüro oder auch ei­nen am Ar­beits­platz des Be­triebs­rats­mit­glieds vor­han­de­nen PC er­fol­gen soll (vgl. BAG 14. Ju­li 2010 - 7 ABR 80/08 - Rn. 25, 27, BA­GE 135, 154).

(c) Eben­so ist es grundsätz­lich Sa­che des Be­triebs­rats fest­zu­le­gen, ob beim Zu­gang ein­zel­ner Be­triebs­rats­mit­glie­der zum In­ter­net über ei­nen ge­mein­sa­men Rech­ner des Be­triebs­rats ei­ne Per­so­na­li­sie­rung statt­fin­den soll oder nicht. Ins­be­son­de­re darf es der Be­triebs­rat für er­for­der­lich er­ach­ten, dass der In­ter­net­zu­gang ein­zel­ner Be­triebs­rats­mit­glie­der über den Rech­ner des Be­triebs­rats in ei­ner Wei­se ein­ge­rich­tet wird, die es der Ar­beit­ge­be­rin nicht ermöglicht, die In­ter­net­re­cher­chen der ein­zel­nen Be­triebs­rats­mit­glie­der nach­zu­voll­zie­hen (vgl. ähn­lich zur Be­hin­de­rung der Be­triebs­ratstätig­keit durch die Re­gis­trie­rung von Te­le­fon­ver­bin­dungs­da­ten im Nah­be­reich: vgl. BAG 1. Au­gust 1990 - 7 ABR 99/88 - zu B II 3 der Gründe, AP ZA-Na­to-Trup­pen­sta­tut Art. 56 Nr. 20; zur Be­hin­de­rung der Be­triebs­ratstätig­keit durch die Spei­che­rung von Ver­bin­dungs­da­ten ei­nes Te­le­fax­geräts: vgl. LAG Nie­der­sach­sen 27. Mai 2002 - 5 TaBV 21/02 - LA­GE Be­trVG 2001 § 40 nF Nr. 2; zur Be­hin­de­rung der Be­triebs­ratstätig­keit durch die Spei­che­rung von Druck­aufträgen: vgl. LAG Hamm 18. Ju­ni 2010 - 10 TaBV 11/10 - NZA-RR 2010, 521). Vor­lie­gend wäre das bei ei­nem per­so­nen­be­zo­ge­nen Ac­count über den sog. Pro­xy-Ser­ver möglich. Dort wer­den Be­nut­zer­na­me, Da­tum nebst Uhr­zeit des Zu­griffs, die Quell- und Ziel-IP-Adres­se, Zu­griffs­me­tho­de und Da­ten­men­ge auf­ge­zeich­net. Über die Ad­mi­nis­tra­to­ren des zuständi­gen Kon­zern­un­ter­neh­mens in S könn­ten die­se Da­ten der In­ter­net­nut­zung dem Si­cher­heits­be­auf­trag­ten der Ar­beit­ge­be­rin, der Geschäftsführung so­wie der Per­so­nal­lei­tung der Ar­beit­ge­be­rin zugäng­lich ge­macht wer­den. Die Vor­aus­set­zun­gen da­zu sind in § 3 und § 5 Abs. 4 der GBV In­ter­net ge­re­gelt. Sieht der Be­triebs­rat in die­ser tech­ni­schen Kon­trollmöglich­keit die Ge­fahr ei­ner Be­hin­de­rung sei­ner Ar­beit, kann er ei­nen In­ter­net­zu­gang ver­lan-


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gen, bei dem Re­cher­chen ein­zel­ner Mit­glie­der für Außen­ste­hen­de nicht er­kenn­bar sind.


(2) Be­rech­tig­te In­ter­es­sen der Ar­beit­ge­be­rin ste­hen dem Ver­lan­gen des Be­triebs­rats nach ei­nem nicht per­so­na­li­sier­ten In­ter­net­zu­gang nicht ent­ge­gen.


(a) Bei der Ent­schei­dung des Be­triebs­rats über ei­nen In­ter­net­an­schluss können - abhängig vom Ein­zel­fall und der kon­kre­ten be­trieb­li­chen Si­tua­ti­on - ne­ben der Be­gren­zung der Kos­ten­pflicht wei­te­re Ge­sichts­punk­te Be­deu­tung er­lan­gen. So kann die kon­kre­te Möglich­keit der Gefähr­dung be­son­de­rer Ge­heim­hal­tungs­in­ter­es­sen ge­gen ei­nen In­ter­net­zu­gang spre­chen. Auch dann, wenn der Ar­beit­ge­ber greif­ba­re An­halts­punk­te für die Ge­fahr des Miss­brauchs des ver­lang­ten Sach­mit­tels vor­bringt, kann dies je nach den Ein­zel­fal­l­umständen dem Sach­mit­tel­ver­lan­gen ent­ge­gen­ste­hen. Be­deut­sam im Rah­men der Berück­sich­ti­gung be­trieb­li­cher In­ter­es­sen können schließlich das be­triebsübli­che und kon­kret das auf Ar­beit­ge­ber­sei­te vor­han­de­ne Aus­stat­tungs­ni­veau sein. Ins­ge­samt ver­bie­ten sich aber sche­ma­ti­sche Lösun­gen (BAG 14. Ju­li 2010 - 7 ABR 80/08 - Rn. 27 mwN, BA­GE 135, 154).

(b) Hier­nach steht die von der Ar­beit­ge­be­rin gel­tend ge­mach­te abs­trak­te Miss­brauchs­ge­fahr dem An­spruch des Be­triebs­rats nicht ent­ge­gen. Al­lein die theo­re­ti­sche Möglich­keit der sach­frem­den Nut­zung des In­ter­net­an­schlus­ses durch ein­zel­ne Be­triebs­rats­mit­glie­der genügt in­so­weit nicht (vgl. BAG 17. Fe­bru­ar 2010 - 7 ABR 81/09 - Rn. 27, AP Be­trVG 1972 § 40 Nr. 100). Kon­kre­te An­halts­punk­te für die An­nah­me, ein­zel­ne Be­triebs­rats­mit­glie­der könn­ten ei­nen nicht per­so­na­li­sier­ten In­ter­net­zu­gang in ei­ner die be­rech­tig­ten In­ter­es­sen der Ar­beit­ge­be­rin be­ein­träch­ti­gen­den Wei­se miss­brau­chen, hat die­se nicht dar­ge­tan.


(3) Oh­ne Er­folg be­ruft sich die Ar­beit­ge­be­rin ge­genüber dem An­spruch auf Gründe des Da­ten­schut­zes. Die Eröff­nung ei­nes Zu­gangs zum In­ter­net über ei­nen Grup­pe­nac­count ver­langt von den Nut­zern un­ter dem Ge­sichts­punkt des Da­ten­schut­zes kei­ne be­son­de­ren tech­ni­schen oder or­ga­ni­sa­to­ri­schen Maßnah­men. Für die Be­ach­tung des Da­ten­schut­zes beim Zu­gang zu ei­nem von

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al­len Be­triebs­rats­mit­glie­dern ge­nutz­ten PC, auf dem per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten ver­ar­bei­tet wer­den, hat der Be­triebs­rat in ei­ge­ner Ver­ant­wor­tung zu sor­gen. Es ist nicht Sa­che des Ar­beit­ge­bers, ihm in­so­weit Vor­schrif­ten zu ma­chen.

(a) Das BDSG ver­langt vom Nut­zer des In­ter­nets kei­ne ge­son­der­ten Maßnah­men zum Schutz per­so­nen­be­zo­ge­ner, im In­ter­net öffent­lich zugäng­li­cher Da­ten. Zwar ha­ben öffent­li­che und nicht-öffent­li­che Stel­len, die selbst oder im Auf­trag per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten er­he­ben, ver­ar­bei­ten oder nut­zen, nach § 9 BDSG die tech­ni­schen und or­ga­ni­sa­to­ri­schen Maßnah­men zu tref­fen, die er­for­der­lich sind, um die Ausführung der Vor­schrif­ten des BDSG, ins­be­son­de­re die in der An­la­ge zu § 9 Satz 1 BDSG ge­nann­ten An­for­de­run­gen, zu gewähr­leis­ten. Re­cher­chen im In­ter­net stel­len aber al­lein kei­ne Ver­ar­bei­tung oder Nut­zung per­so­nen­be­zo­ge­ner Da­ten im Sinn der An­la­ge zu § 9 Satz 1 BDSG dar.


(b) Wer­den da­ge­gen auf dem Rech­ner des Be­triebs­rats per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten au­to­ma­ti­siert ver­ar­bei­tet oder ge­nutzt, ist die in­ner­be­trieb­li­che Ge­stal­tung nach der An­la­ge zu § 9 Satz 1 BDSG so zu or­ga­ni­sie­ren, dass sie den be­son­de­ren An­for­de­run­gen des Da­ten­schut­zes ge­recht wird. Da­bei sind ins­be­son­de­re Maßnah­men zu tref­fen, die je nach der Art der zu schützen­den per­so­nen­be­zo­ge­nen Da­ten oder Da­ten­ka­te­go­ri­en ge­eig­net sind zu gewähr­leis­ten, dass nachträglich über­prüft und fest­ge­stellt wer­den kann, ob und von wem per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten in das Da­ten­ver­ar­bei­tungs­sys­tem ein­ge­ge­ben, verändert oder ent­fernt wor­den sind (Nr. 5 der An­la­ge zu § 9 Satz 1 BDSG). Die Ver­ant­wor­tung dafür trägt aber der Be­triebs­rat, der die ge­eig­ne­ten und er­for­der­li­chen Si­che­run­gen fest­zu­le­gen hat. Als Teil der ver­ant­wort­li­chen Stel­le iSv. § 3 Abs. 7 BDSG ist der Be­triebs­rat selbst dem Da­ten­schutz ver­pflich­tet und hat ei­genständig über Maßnah­men zu be­sch­ließen, um den An­for­de­run­gen des BDSG Rech­nung zu tra­gen (vgl. BAG 12. Au­gust 2009 - 7 ABR 15/08 - Rn. 27 mwN, BA­GE 131, 316). Aus der Ei­gen­ver­ant­wort­lich­keit des Be­triebs­rats folgt des­sen Pflicht, ua. für die in Satz 2 Nr. 5 der An­la­ge zu § 9 Satz 1 BDSG vor­ge­se­he­ne Ein­ga­be­kon­trol­le Sor­ge zu tra­gen und zu gewähr­leis­ten, dass nachträglich über­prüft und fest­ge­stellt wer­den kann, ob und von wem per­so-


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nen­be­zo­ge­ne Da­ten ein­ge­ge­ben, verändert oder ent­fernt wor­den sind. Die da­nach grundsätz­lich ge­bo­te­ne in­di­vi­du­el­le Zu­gangs­re­ge­lung zum ge­mein­sam ge­nutz­ten Be­triebs­rats-PC setzt je­doch nicht zwin­gend ei­nen für die Ar­beit­ge­be­rin er­kenn­ba­ren per­so­na­li­sier­ten Zu­gang zum PC vor­aus. Ei­ne ge­eig­ne­te Ein­ga­be­kon­trol­le lässt sich auch an­ders kon­fi­gu­rie­ren, et­wa über Ein­ga­ben, de­ren persönli­che Zu­ord­nung nicht dem Ar­beit­ge­ber, son­dern nur dem Be­triebs­rat be­kannt ist (zB durch die Be­zeich­nun­gen als BR 1, BR 2, BR 3 usw.).

(4) Sch­ließlich steht auch die GBV In­ter­net dem An­spruch auf Ein­rich­tung ei­nes Grup­pe­nac­counts zum In­ter­net nicht ent­ge­gen.

(a) § 5 Abs. 4 Satz 3 GBV In­ter­net setzt die Möglich­keit der Ein­rich­tung von Grup­pen­lauf­wer­ken zur ge­mein­sa­men Nut­zung er­kenn­bar vor­aus („Im Fal­le von ... Grup­pen­lauf­wer­ken des GBRs und der Be­triebsräte be­darf dies [die Wei­ter­ga­be von In­for­ma­tio­nen über die In­hal­te des Grup­pen­lauf­werks an die Geschäftsführung] der vor­he­ri­gen Zu­stim­mung des GBR/BR.“). § 4 Abs. 1 GBV In­ter­net („Ver­ga­be von Nut­zungs­be­rech­ti­gun­gen und Zu­griffs­be­rech­ti­gung“) re­gelt al­lein die Ver­ga­be von Nut­zungs-/Zu­gangs­be­rech­ti­gun­gen. Die Fra­ge des Zu­gangs über ei­nen na­ment­lich per­so­na­li­sier­ten oder ei­nen Grup­pe­nac­count ist da­mit nicht fest­ge­legt. Es kann da­her da­hin­ste­hen, ob der Sach­mit­tel­an­spruch des Be­triebs­rats nach § 40 Abs. 2 Be­trVG durch ei­ne mit dem Ge­samt­be­triebs­rat ge­schlos­se­ne Ver­ein­ba­rung ein­ge­schränkt wer­den könn­te. Dar­an be­ste­hen nicht un­er­heb­li­che Zwei­fel.

(b) Der Zu­gang zu dem dem Be­triebs­rat zur Verfügung ge­stell­ten PC wird durch die GBV In­ter­net oh­ne­hin nicht ge­re­gelt. Re­ge­lungs­ge­gen­stand der GBV In­ter­net ist aus­sch­ließlich die Einführung von Hard- und Soft­ware zur Nut­zung des In­tra-/In­ter­nets.

II. Zu Recht hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt auch dem An­trag zu 2. ent­spro­chen. Es hat zu­tref­fend er­kannt, dass die Ar­beit­ge­be­rin nach § 40 Abs. 1 Be­trVG ver­pflich­tet ist, den Be­triebs­rat von den Kos­ten der an­walt­li­chen Ver­tre­tung in dem zu­letzt noch ver­fah­rens­ge­genständ­li­chen Um­fang von 140,42 Eu­ro frei­zu­stel­len.


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1. Der Be­triebs­rat durf­te die Be­auf­tra­gung ei­nes Rechts­an­walts mit der Durch­set­zung sei­nes An­spruchs auf Zu­gang zum In­ter­net für er­for­der­lich hal­ten.


a) Nach § 40 Abs. 1 Be­trVG trägt der Ar­beit­ge­ber die durch die Tätig­keit des Be­triebs­rats ent­ste­hen­den Kos­ten. Hier­zu gehören auch die Ho­no­rar­kos­ten für ei­nen Rechts­an­walt, des­sen Her­an­zie­hung der Be­triebs­rat in Wahr­neh­mung sei­ner be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Rech­te für er­for­der­lich hal­ten durf­te. Die Prüfung der Er­for­der­lich­keit hat der Be­triebs­rat nicht al­lein an­hand sei­ner sub­jek­ti­ven Bedürf­nis­se vor­zu­neh­men. Er ist viel­mehr ge­hal­ten, die In­ter­es­sen der Be­leg­schaft an ei­ner sach­ge­rech­ten Ausübung des Be­triebs­rats­amts ei­ner­seits und die be­rech­tig­ten In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers an­de­rer­seits ge­gen­ein­an­der ab­zuwägen. Der Be­triebs­rat darf bei der Wahl sei­ner Rechts­ver­fol­gung bzw. -ver­tei­di­gung das In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an der Be­gren­zung sei­ner Kos­ten­tra­gungs­pflicht nicht miss­ach­ten. Er hat wie je­der, der auf Kos­ten ei­nes an­de­ren han­deln kann, die Maßstäbe ein­zu­hal­ten, die er an­wen­den würde, wenn er selbst bzw. sei­ne be­sch­ließen­den Mit­glie­der die Kos­ten tra­gen müss­te. Die Kos­ten­tra­gungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers entfällt bei ei­ner of­fen­sicht­lich aus­sichts­lo­sen oder mut­wil­li­gen Rechts­ver­fol­gung des Be­triebs­rats. Of­fen­sicht­lich aus­sichts­los ist die Rechts­ver­fol­gung, wenn die Rechts­la­ge un­zwei­fel­haft ist. Mut­wil­lig­keit kann vor­lie­gen, wenn das In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an der Be­gren­zung sei­ner Kos­ten­tra­gungs­pflicht miss­ach­tet wird (BAG 29. Ju­li 2009 - 7 ABR 95/07 - Rn. 16 f. mwN, AP Be­trVG 1972 § 40 Nr. 93 = EzA Be­trVG 2001 § 40 Nr. 15; 18. Ja­nu­ar 2012 - 7 ABR 83/10 - Rn. 12, NZA 2012, 683). Dies ist ex an­te im Zeit­punkt des Be­schlus­ses zu be­ur­tei­len, in dem die Kos­ten aus­gelöst wor­den sind (BAG 15. No­vem­ber 2000 - 7 ABR 24/00 - zu B I 4 a der Gründe mwN, EzA Be­trVG 1972 § 40 Nr. 92).


b) Da­nach durf­te der Be­triebs­rat die Be­auf­tra­gung ei­nes Rechts­an­walts zur Gel­tend­ma­chung des von der Ar­beit­ge­be­rin ab­ge­lehn­ten An­spruchs auf Nut­zung des In­ter­nets über den PC im Be­triebs­ratsbüro für er­for­der­lich an­se­hen. Die­ser An­spruch ist - wie aus­geführt - be­gründet. Der Be­triebs­rat hat bei dem Be­schluss über ei­ne außer­ge­richt­li­che und ggf. ge­richt­li­che an­walt­li­che
 


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In­ter­es­sen­wahr­neh­mung auch nicht das be­rech­tig­te In­ter­es­se der Ar­beit­ge­be­rin an ei­ner Kos­ten­be­gren­zung miss­ach­tet. Der Se­nat kann da­hin­ste­hen las­sen, ob und un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen der Be­triebs­rat dem An­ge­bot des Ar­beit­ge­bers zu­stim­men muss, das Er­geb­nis ei­nes sog. Mus­ter- oder Par­al­lel­ver­fah­rens ab­zu­war­ten, be­vor er ei­nen ent­spre­chen­den An­spruch mit an­walt­li­cher Hil­fe außer­ge­richt­lich und ggf. im Rah­men ei­nes Ge­richts­ver­fah­rens gel­tend macht (vgl. grds. be­ja­hend Wed­de in Däubler/Kitt­ner/Kle­be/Wed­de Be­trVG 13. Aufl. § 40 Rn. 28; ErfK/Koch 12. Aufl. § 40 Be­trVG Rn. 3; Fit­ting 26. Aufl. § 40 Rn. 22; H/S/W/G/N/R/Glock 8. Aufl. § 40 Rn. 24; Thüsing in Ri­char­di Be­trVG 13. Aufl. § 40 Rn. 22; Kreft in Wlotz­ke/Preis/Kreft Be­trVG 4. Aufl. § 40 Rn. 13). Im vor­lie­gen­den Fall konn­te der Be­triebs­rat im Zeit­punkt der Be­schluss­fas­sung am 23. Sep­tem­ber 2009 nicht da­von aus­ge­hen, dass der Aus­gang von par­al­lel geführ­ten Ver­fah­ren oder ei­nes Mus­ter­ver­fah­rens die Fra­ge des Zu­gangs zum In­ter­net zwi­schen den Be­tei­lig­ten endgültig geklärt hätte. Die da­ma­li­ge Recht­spre­chung des Se­nats ver­lang­te die Er­for­der­lich­keit des In­ter­net­zu­gangs auf­grund kon­kre­ter be­trieb­li­cher An­for­de­run­gen im Ein­zel­fall (so noch 23. Au­gust 2006 - 7 ABR 55/05 - Rn. 15 ff., AP Be­trVG 1972 § 40 Nr. 88). Die Not­wen­dig­keit der Ein­rich­tung ei­nes In­ter­net­zu­gangs war maßgeb­lich durch die be­trieb­li­chen Verhält­nis­se und die sich im Be­trieb kon­kret und ak­tu­ell stel­len­den Auf­ga­ben be­stimmt. Erst mit Be­schluss vom 20. Ja­nu­ar 2010 hat der Se­nat die­se Recht­spre­chung wei­ter­ent­wi­ckelt und klar­ge­stellt, dass die Nut­zung des In­ter­nets durch den Be­triebs­rat „in der Re­gel“ der ge­setz­li­chen Auf­ga­ben­erfüllung dient (- 7 ABR 79/08 - Rn. 19, BA­GE 133, 129). Die vor­he­ri­ge Ent­schließung des Be­triebs­rats, nicht auf den Aus­gang der Mus­ter- oder Par­al­lel­ver­fah­ren und - im Fall des Er­folgs der dort be­tei­lig­ten Be­triebsräte - auf des­sen un­ter­neh­mens­wei­te Um­set­zung durch die Ar­beit­ge­be­rin zu ver­trau­en, ist da­her nicht zu be­an­stan­den. Im Übri­gen hat die Ar­beit­ge­be­rin erst­mals mit Schrei­ben vom 4. No­vem­ber 2009, dh. nach der Be­schluss­fas­sung des Be­triebs­rats am 23. Sep­tem­ber 2009, ih­re Be­reit­schaft zum Ab­schluss ei­nes Un­ter­wer­fungs­ver­gleichs si­gna­li­siert. Dies lässt die Er­for­der­lich­keit der vor­aus­ge­gan­ge­nen Rechts­ver­fol­gung nicht nachträglich ent­fal­len.
 


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2. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ist fer­ner rechts­feh­ler­frei da­von aus­ge­gan­gen, der Be­triebs­rat ha­be über die Be­auf­tra­gung ei­nes Rechts­an­walts am 23. Sep­tem­ber 2009 ei­nen ord­nungs­gemäßen Be­schluss ge­fasst.


a) Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts hat der Ar­beit­ge­ber nur die Kos­ten ei­ner an­walt­li­chen Tätig­keit zu tra­gen, die auf ei­ne Be­auf­tra­gung auf­grund ei­nes ord­nungs­gemäßen Be­triebs­rats­be­schlus­ses zurück­ge­hen. Liegt ein ord­nungs­gemäßer Be­schluss des Be­triebs­rats vor, ent­steht mit der Be­auf­tra­gung des Rechts­an­walts ein An­spruch des Be­triebs­rats auf Frei­stel­lung von den da­durch ver­ur­sach­ten er­for­der­li­chen Kos­ten. Stellt der Ar­beit­ge­ber die Wirk­sam­keit des Be­triebs­rats­be­schlus­ses über die Be­auf­tra­gung ei­nes Rechts­an­walts nach § 40 Abs. 1 Be­trVG in Fra­ge, ob­liegt es dem An­spruch­stel­ler, die Vor­aus­set­zun­gen für das Zu­stan­de­kom­men ei­nes ord­nungs­gemäßen Be­triebs­rats­be­schlus­ses vor­zu­tra­gen. Legt der Be­triebs­rat die Ein­hal­tung der Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen wirk­sa­men Be­schluss des Gre­mi­ums im Ein­zel­nen und un­ter Beifügung von Un­ter­la­gen dar, ist ein sich dar­an an­sch­ließen­des pau­scha­les Be­strei­ten des Ar­beit­ge­bers mit Nicht­wis­sen un­be­acht­lich. Der Ar­beit­ge­ber muss dann kon­kret an­ge­ben, wel­che der zu­vor vor­ge­tra­ge­nen Tat­sa­chen er be­strei­ten will (BAG 29. Ju­li 2009 - 7 ABR 95/07 - Rn. 18 bis 20 mwN, AP Be­trVG 1972 § 40 Nr. 93 = EzA Be­trVG 2001 § 40 Nr. 15).

b) Der in der Rechts­be­schwer­de er­ho­be­ne Ein­wand, das Lan­des­ar­beits­ge­richt ha­be durch die Berück­sich­ti­gung der erst kurz vor dem zweit­in­stanz­li­chen Anhörungs­ter­min zu den Ak­ten ge­reich­ten, die Be­schluss­fas­sung des Be­triebs­rats vom 23. Sep­tem­ber 2009 be­le­gen­den Do­ku­men­te den An­spruch der Ar­beit­ge­be­rin auf recht­li­ches Gehör ver­letzt, stellt kei­ne zulässi­ge Ver­fah­rensrüge dar. Er genügt den An­for­de­run­gen des § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Buchst. b ZPO nicht. Viel­mehr hätte hier­zu kon­kret dar­ge­legt wer­den müssen, wel­chen tatsächli­chen Vor­trag die Ar­beit­ge­be­rin ge­hal­ten oder wel­che für die Ent­schei­dung er­heb­li­chen recht­li­chen Ausführun­gen sie ge­macht hätte (vgl. BAG 14. Fe­bru­ar 2007 - 7 ABR 26/06 - Rn. 25, BA­GE 121, 212). Dar­an fehlt es hier. Im Übri­gen hat­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt im Anhörungs­ter­min am
 


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7. Ja­nu­ar 2011 zunächst ei­nen auf die Bil­lig­keit der in Rech­nung ge­stell­ten Geschäfts­gebühr (§ 14 Abs. 2 RVG) ge­rich­te­ten Be­weis­be­schluss er­las­sen. Erst nach­dem die Rechts­an­walts­kam­mer den Gut­ach­ten­auf­trag zurück­ge­wie­sen hat­te, be­raum­te es mit ge­richt­li­cher Verfügung vom 17. Fe­bru­ar 2011 ei­nen Verkündungs­ter­min für den 4. März 2011 an. Da­mit blieb für die Ar­beit­ge­be­rin, die be­reits auf­grund des Be­weis­be­schlus­ses zur Gebührenhöhe er­ken­nen konn­te, dass das Lan­des­ar­beits­ge­richt von ei­ner ord­nungs­gemäßen Be­schluss­fas­sung des Be­triebs­rats aus­geht, hin­rei­chend Ge­le­gen­heit, sich zu den vom Be­triebs­rat ein­ge­reich­ten Do­ku­men­ten zu erklären. Auf die Gren­zen zulässi­gen Be­strei­tens mit Nicht­wis­sen hat­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt be­reits mit ge­richt­li­cher Verfügung vom 7. De­zem­ber 2010 hin­ge­wie­sen.


Lin­sen­mai­er 

Zwan­zi­ger 

Kiel

Busch 

Will­ms

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