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10 Jah­re Hartz IV am Ber­li­ner So­zi­al­ge­richt: Knapp 216 000 Ver­fah­ren

Wenn Hartz-IV-Be­trof­fe­ne vor Ge­richt zie­hen, brau­chen sie oft schnell ei­ne Ent­schei­dung: Ber­li­ner So­zi­al­rich­ter kämp­fen seit Jah­ren ge­gen die Viel­zahl von Kla­gen und An­trä­gen

15.01.2015. (dpa) - Am deutsch­land­weit größ­ten So­zi­al­ge­richt in Ber­lin sind in den zehn Jah­ren seit dem Start von Hartz IV knapp 216 000 Ver­fah­ren im Zu­sam­men­hang mit der Ar­beits­markt­re­form ein­ge­gan­gen.

Zwar ge­he die Kla­ge­wel­le wei­ter zu­rück, die La­ge blei­be aber an­ge­spannt, teil­te das Ge­richt am Mitt­woch mit.

Pro Mo­nat gin­gen durch­schnitt­lich noch knapp 2000 neue Hartz-IV-Ver­fah­ren ein.

Die Grund­si­che­rung für Ar­beits­lo­se wur­de 2005 ein­ge­führt.

2014 re­gis­trier­te das Ge­richt knapp 23 600 Ver­fah­ren zu Hartz IV, 2013 wa­ren es et­wa 26 600. Die Zahl der Un­tä­tig­keits­kla­gen ge­gen Job­cen­ter sei deut­lich ge­sun­ken. Gip­fel­punkt war das Jahr 2010 mit et­wa 30 400 Kla­gen und An­trä­gen. "Wir sind über den Berg, aber noch lan­ge nicht im Tal", sag­te Ge­richts­prä­si­den­tin Sa­bi­ne Schu­do­ma.

Rund 60 Pro­zent al­ler Strei­tig­kei­ten am So­zi­al­ge­richt in der Haupt­stadt be­tref­fen Hartz IV. 49 Pro­zent die­ser Ver­fah­ren en­de­ten im Vor­jahr mit zu­min­dest ei­nem Teil­er­folg der Klä­ger (2013: 54 Pro­zent).

Hartz IV sei auf der ei­nen Sei­te zur Pro­jek­ti­ons­flä­che für die Angst vor dem so­zia­len Ab­stieg ge­wor­den, sag­te Schu­do­ma. An­de­rer­seits ha­be die öf­fent­li­che Hartz-IV-Dis­kus­si­on Hilfs­be­dürf­ti­gen Mut ge­macht, ih­re Rech­te ein­zu­for­dern. Grund für die Kla­ge­wel­le sei je­doch auch das Ge­setz selbst. Seit 2005 ha­be es mehr als 70 Än­de­run­gen ge­ge­ben.

Eil­ver­fah­ren müss­ten mit Vor­rang er­le­digt wer­den, hieß es. Da­bei ge­he es zu­meist um die Exis­tenz­si­che­rung von Men­schen - et­wa dro­hen­de Strom­ab­schal­tung, Miet­schul­den oder Leis­tungs­kür­zun­gen der Job­cen­ter. 2014 be­an­trag­ten rund 6700 Men­schen vor­läu­fi­gen Rechts­schutz. An­de­re Ver­fah­ren ver­schö­ben sich da­durch.

Der Ak­ten­berg sei wei­ter hoch, sag­te Schu­do­ma. 2014 gin­gen ge­nau 38 418 neue Ver­fah­ren ein (2013: 41 975). Knapp 42 000 Men­schen war­te­ten auf ei­ne Ent­schei­dung der rund 130 Rich­ter, so auch zu Ren­ten oder Kran­ken­ver­si­che­rung. Hartz IV sei die größ­te Her­aus­for­de­rung in der Ge­schich­te des So­zi­al­ge­richts, sag­te die Prä­si­den­tin.

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Letzte Überarbeitung: 7. Mai 2016

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