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Zehn Jah­re nach Ost­erwei­te­rung wer­ben Fir­men um pol­ni­sche Mit­ar­bei­ter

Als sich die EU nach Os­ten aus­dehn­te, kur­sier­te die Angst vor bil­li­gen Ar­beits­kräf­ten: Ein An­sturm blieb aus - ge­ra­de in Deutsch­land, das sich län­ger als an­de­re ab­schot­te­te. Heu­te wä­re man­ches Un­ter­neh­men für Ver­stär­kung aus Ost­eu­ro­pa dank­bar
Europafahne

29.04.2014. (dpa) - Wenn Per­so­nal im ei­ge­nen Land schwer zu fin­den ist, rich­ten Fir­men den Blick über die Gren­ze.

Die Grä­fen­dor­fer Ge­flü­gel- und Tief­kühl­fein­kost Pro­duk­ti­ons-Gmbh scheu­te so­gar den Weg von Mock­reh­na bei Tor­gau bis ins pol­ni­sche Zgor­zelec nicht.

Auf ei­ner Job­bör­se in der Nach­bar­stadt von Gör­litz hielt Fuhr­park­lei­ter Mat­thi­as Wüs­te Aus­schau nach neu­en Mit­ar­bei­tern, et­wa nach Kraft­fah­rern.

"Wir ha­ben es das ers­te Mal ver­sucht", sagt er.

Die recht­li­chen Be­din­gun­gen sind schon seit dem 1. Mai 2011 deut­lich ein­fa­cher: Po­len, die in Deutsch­land ar­bei­ten wol­len, brau­chen seit­her kei­ne Ge­neh­mi­gung mehr.

Aus Furcht vor ei­nem An­sturm aus Bil­lig­lohn­län­dern hat­te die Bun­des­re­pu­blik be­schlos­sen, ih­ren Ar­beits­markt nach der EU-Ost­erwei­te­rung 2004 nur be­dingt zu öff­nen. Zehn Jah­re spä­ter ist die be­fürch­te­te Ver­drän­gung deut­scher Ar­beit­neh­mer durch die Kon­kur­renz aus Ost­eu­ro­pa aus­ge­blie­ben, fand das In­sti­tut zur Zu­kunft der Ar­beit (IZA) in Bonn jetzt her­aus. Es ge­be kei­ne Be­le­ge da­für, dass Ein­hei­mi­sche zu­neh­mend ih­ren Platz für Zu­wan­de­rer räu­men muss­ten.

Die ein­ge­schränk­te Markt­öff­nung war nur ma­xi­mal sie­ben Jah­re mög­lich. Eben­so wie Ös­ter­reich schöpf­te Deutsch­land die Frist kom­plett aus - of­fen­bar mit Fol­gen. "Vie­le Po­len, die ins Aus­land ge­hen woll­ten, sind lan­ge weg", sagt Zyg­munt Wa­roch. Er ar­bei­tet im Gör­lit­zer Kon­takt­zen­trum für säch­sisch-pol­ni­sche Wirt­schafts­ko­ope­ra­ti­on bei der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer. Wer mo­bil ge­we­sen sei und Ar­beit such­te, sei schon vor Jah­ren in Län­der ge­gan­gen, wo die Bar­rie­ren zei­ti­ger fie­len, be­rich­tet Wa­roch. So hat­ten Groß­bri­tan­ni­en, Ir­land und Schwe­den be­reits vom 1. Mai 2004 an ih­re Ar­beits­märk­te kom­plett ge­öff­net.

Für deut­sche Fir­men sei es heu­te nicht ein­fach, pol­ni­sche Ar­beits­kräf­te zu fin­den - schon weil die­se oft gu­te Chan­cen im ei­ge­nen Land hät­ten, schätzt Wa­roch ein. So zie­he die auf­stre­ben­de Wirt­schafts­re­gi­on um Wro­claw (Bres­lau) vie­le jun­ge Leu­te an. Re­gel­mä­ßig wer­den seit Jah­ren Job­bör­sen im Grenz­ge­biet or­ga­ni­siert, et­wa im pol­ni­schen Je­le­nia Go­ra oder in tsche­chi­schen Städ­ten wie in Us­ti nad La­bem und Kar­lo­vy Va­ry. Sol­che Ver­an­stal­tun­gen nut­zen deut­sche Ar­beit­ge­ber gern zu­min­dest als Platt­form, um Stel­len zu of­fe­rie­ren.

Auch die SQS Soft­ware Qua­li­ty Sys­tems AG such­te auf die­se Wei­se nach Ver­stär­kung für ih­re Gör­lit­zer Nie­der­las­sung. Die Fir­ma mit Haupt­sitz in Köln prüft die Soft­ware ih­rer Kun­den auf Funk­ti­ons­fä­hig­keit, klagt je­doch über Fach­kräf­te­man­gel. Vier der 220 Mit­ar­bei­ter am ost­säch­si­schen Stand­ort kom­men bis­lang aus Po­len. Ei­nen neu­en Be­wer­ber fand SQS-Mit­ar­bei­te­rin An­nett Bäu­mel kürz­lich in Zgor­zelec. "Es gibt gu­te Leu­te mit pas­sen­der Aus­bil­dung", stell­te sie auf ei­ner Job­bör­se fest. Oft schei­te­re es je­doch an gu­ten Deutsch­kennt­nis­sen, die ih­re Fir­ma von den Kan­di­da­ten er­war­te.

Ge­ne­rell pro­fi­tier­ten Un­ter­neh­men im Drei­län­der­eck bei Ge­schäf­ten oder Ko­ope­ra­tio­nen von der Markt­öff­nung, ur­teilt der Prä­si­dent der Hand­werks­kam­mer Dres­den, Jörg Dittrich. "Be­trie­be ha­ben ei­nen Teil der Wert­schöp­fungs­ket­te nach Po­len ver­la­gert und sich da­durch auch neue Märk­te er­schlos­sen." Wä­sche­rei­en et­wa wür­den ei­nen Teil ih­rer Auf­trä­ge nach Po­len ge­ben. Dittrich hat seit mehr als 15 Jah­ren selbst ei­nen Bau­be­trieb in Bres­lau, zu­sam­men mit ei­nem pol­ni­schen Part­ner.

"Auf der pol­ni­schen Sei­te fin­det man Ta­lent, Fleiß und viel­leicht ei­nen Tick mehr Lei­den­schaft", schätzt der Hand­werks­kam­mer­prä­si­dent ein. "Mit der Zu­ver­läs­sig­keit, Qua­li­fi­ka­ti­on und dem Or­ga­ni­sa­ti­ons­ta­lent der Deut­schen er­gänzt sich das gut." Al­ler­dings: "Die Ver­zah­nung dau­ert län­ger als wir uns das wün­schen, aber sie pas­siert."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 20. August 2014

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