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Zit­tern um die Jobs - Sie­mens-Stel­len­ab­bau ver­un­si­chert Be­schäf­tig­te

Das Sie­mens-Spar­pro­gramm ist zum Dau­er­bren­ner ge­wor­den: Nur scheib­chen­wei­se er­fährt die Öf­fent­lich­keit bis­her von Ein­schnit­ten an zahl­rei­chen Stand­or­ten des Elek­tro­kon­zerns. Vie­le Be­schäf­tig­te ha­ben Angst um ih­re Jobs
Taschenrechner auf Geldscheinen

19.04.2013. (dpa) - Der Ab­bau tau­sen­der Ar­beits­plät­ze sorgt für Un­ru­he bei den Sie­mens-Be­schäf­tig­ten.

Fast täg­lich tröp­feln In­for­ma­tio­nen über ge­plan­te Ein­schnit­te an ei­nem der vie­len Stand­or­te des Elek­tro­kon­zerns in Deutsch­land her­aus, so­dass es selbst Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern mitt­ler­wei­le schwer­fällt, den Über­blick zu be­hal­ten.

Ins­ge­samt wird seit län­ge­rem über 10 000 be­droh­te Stel­len spe­ku­liert.

Der Kon­zern kämpft mit Kon­junk­tur­flau­te und Pro­ble­men bei wich­ti­gen Pro­jek­ten.

Doch Kon­zern­chef Pe­ter Lö­scher bleibt bis­her bei sei­ner Li­nie: Stel­len­ab­bau sei zwar nicht aus­ge­schlos­sen, aber kein Ziel des Mil­li­ar­den-Spar­pro­gramms "Sie­mens 2014", er­klärt er be­reits seit Vor­stel­lung des Pro­gramms vor et­wa ei­nem hal­ben Jahr. Ent­spre­chend ge­be man auch kei­ne Zah­len vor.

Nur für den In­dus­trie­sek­tor hat­te das Un­ter­neh­men kürz­lich über­ra­schend ein­mal ei­ne Rech­nung auf­ge­macht: In dem zweit­größ­ten Be­reich von Sie­mens ste­hen laut Spar­ten­chef Sieg­fried Russ­wurm welt­weit gut 3000 Jobs auf der Kip­pe, da­von ein Groß­teil in Ver­trieb und Ver­wal­tung des Sek­tors.

Wann al­le Maß­nah­men de­fi­niert sein wer­den, lässt sich der­zeit aber of­fen­bar noch nicht ab­se­hen. "Wir sind mit­ten im Pro­zess, und der dau­ert", sagt der Spre­cher des Sie­mens-Ge­samt­be­triebs­ra­tes, Pe­ter Kropp. Schlan­ke­re bü­ro­kra­ti­sche Struk­tu­ren bei Sie­mens hält er grund­sätz­lich schon für not­wen­dig.

"Man muss sich aber schon fra­gen, ob an­ge­sichts des zweit­größ­ten Ge­winns der Un­ter­neh­mens­ge­schich­te ein Sechs-Mil­li­ar­den-Spar­pro­gramm auf dem Rü­cken der Be­schäf­tig­ten aus­ge­tra­gen wer­den muss", sagt der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter. Dass die In­for­ma­tio­nen da­zu nur scheib­chen­wei­se kom­men, be­un­ru­hi­ge die Be­schäf­tig­ten na­tür­lich.

Aber auch für die Au­ßen­wir­kung des Elek­tro­rie­sen ist die­se Stra­te­gie pro­ble­ma­tisch, sagt der Ex­per­te für gu­te Un­ter­neh­mens­füh­rung Prof. Joa­chim Schwal­bach von der Ber­li­ner Hum­boldt-Uni­ver­si­tät. "Der Ab­bau von Ar­beits­plät­zen ist ein höchst­sen­si­bler Be­reich." In­for­ma­tio­nen dar­über soll­ten plan­voll und erst dann her­aus­ge­ge­ben wer­den, wenn die De­tails ge­nau fest­ste­hen und die Mit­ar­bei­ter auch in­tern be­reits dar­über be­scheid wis­sen.

"Sonst wird na­tür­lich so­fort Un­si­cher­heit pro­du­ziert und das ist Gift für das Un­ter­neh­men", sagt Schwal­bach. Das Da­mo­kles­schwert dro­hen­der Job­ab­bau wir­ke de­mo­ti­vie­rend. Vie­le Be­schäf­tig­te kon­zen­trier­ten sich dann nicht mehr auf ih­re ei­gent­li­che Ar­beit, das bin­de wich­ti­ge Ka­pa­zi­tä­ten, sagt Schwal­bach. Das Ma­nage­ment müs­se die­se Pro­ble­me lö­sen. Da­bei gel­te: "Al­les was das Un­ter­neh­mens­in­ter­es­se schwächt oder be­schä­digt, muss ver­mie­den wer­den."

Bei der Ge­werk­schaft herrscht oh­ne­hin Un­mut über die Sie­mens-Sa­la­mi­tak­tik. "Die Sie­mens-Be­schäf­tig­ten wer­den seit Mo­na­ten stand­ort­über­grei­fend durch ei­ne an­hal­ten­de Fol­ge von Schre­ckens­mel­dun­gen ver­un­si­chert", kri­ti­siert Ha­gen Rei­mer vom Sie­mens-Team der IG Me­tall.

"Nie­mand weiß zur Zeit, wie lan­ge das noch so wei­ter­geht oder wen es als nächs­tes tref­fen könn­te. Dass Mo­ti­va­ti­on, Leis­tungs­wil­len und Pro­duk­ti­vi­tät durch sol­ches Vor­ge­hen nicht ge­ra­de ge­stei­gert wer­den, liegt auf der Hand."

Sie­mens hält all dem ent­ge­gen, dass man le­dig­lich ge­nau so vor­ge­he, wie bei der Jah­res-Pres­se­kon­fe­renz im No­vem­ber an­ge­kün­digt: Die ein­zel­nen Ge­schäfts­be­rei­che hät­ten Vor­schlä­ge er­ar­bei­tet, wie sie ef­fi­zi­en­ter und kos­ten­güns­ti­ger ar­bei­ten wol­len. Die­se wür­den im­mer zu­nächst mit den Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern be­spro­chen, sag­te ein Sie­mens-Spre­cher. "Klar ist wei­ter­hin: Wir wol­len be­triebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen ver­mei­den."

Ih­rem Frust mach­ten der­weil am Don­ners­tag wie­der Be­schäf­tig­te ei­nes mit Sie­mens ver­bun­de­nen Un­ter­neh­mens Luft: Rund 500 Be­schäf­tig­te pro­tes­tier­ten in Mün­chen ge­gen die ge­plan­te Schlie­ßung der Ser­vice-Toch­ter des Netz­werk­aus­rüs­ters No­kia Sie­mens Net­works. Die Maß­nah­me steht al­ler­dings nicht mit dem Mil­li­ar­den-Spar­pa­ket in Zu­sam­men­hang und war be­reits im De­zem­ber of­fi­zi­ell ver­kün­det wor­den.

Der nächs­te Mit­ar­bei­ter­pro­test steht schon be­vor: Für kom­men­den Mon­tag rief die IG Me­tall Sie­mens-Be­schäf­tig­te ver­schie­de­ner Münch­ner Stand­or­te zu ei­ner De­mons­tra­ti­on ge­gen ge­plan­te Ein­schnit­te auf.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 6. April 2016

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