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16/180a Kampf für Ta­rif­ver­trag: Ge­werk­schaf­ten ma­chen nach Me­tall­run­de wei­ter

Die IG Me­tall hat­te sich die Aus­wei­tung der Ta­rif­bin­dung in den jüngs­ten Me­tall­ver­hand­lun­gen auf die Fah­nen ge­schrie­ben: Nach dem Ab­schluss kämp­fen die Ge­werk­schaf­ter in Fir­men oh­ne Ta­rif­ver­trag wei­ter. Mit un­ter­schied­li­chem Er­folg

08.06.2016. (dpa) - We­ni­ge Wo­chen nach dem Ta­rif­ab­schluss für die Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie lau­fen die Ge­sprä­che bei Sei­fert Lo­gis­tics in Malsch noch auf Hoch­tou­ren.

Die IG Me­tall ver­sucht, bei dem Lo­gis­tik­un­ter­neh­men an dem Stand­ort mit mehr als 300 Mit­ar­bei­tern ei­nen Haus­ta­rif­ver­trag durch­zu­set­zen.

Doch die Po­si­tio­nen ge­hen noch im­mer weit aus­ein­an­der: "Es gibt un­ter­schied­li­che An­sich­ten, was ein Ta­rif­ver­trag ist", sagt Ge­werk­schafts­se­kre­tär Fre­de­ric Strieg­ler.

Of­fen­bar gibt es aber noch grund­sätz­li­che­re Dif­fe­ren­zen: Wäh­rend die Ge­werk­schaft von "Ver­hand­lun­gen" für den Stand­ort Malsch spricht, will Ge­schäfts­füh­rer Tho­mas Hüt­te­mann nur von Ge­sprä­chen über ein an­ste­hen­des Pro­jekt bei Mer­ce­des-Benz in Ras­tatt re­den. "Wir tau­schen uns im Mo­ment mit den Ta­rif­part­nern dar­über aus", sagt er.

Die Si­tua­ti­on bei dem Lo­gis­ti­ker, der un­ter an­de­rem Auf­trä­ge für Au­to­her­stel­ler wie Daim­ler an­nimmt, ist un­ein­heit­lich. "Wir schlie­ßen un­se­re Haus­ta­ri­fe stand­ort­be­zo­gen und pro­jekt­be­zo­gen ab", sagt Hüt­te­mann. "Es macht ei­nen Un­ter­schied, ob wir auf dem Ge­län­de des Auf­trag­ge­bers ar­bei­ten oder nicht."

An an­de­ren Or­ten hält sich Sei­fert Lo­gis­tics auf Druck von Por­sche be­reits an Ta­rif­ver­trä­ge. Der Sport­wa­gen­her­stel­ler hat­te im ver­gan­ge­nen Jahr ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung für die Ver­ga­be von Werk­ver­trä­gen ge­schlos­sen, die auch bei Lo­gis­ti­kern die glei­chen Ent­gel­te wie in der Me­tall­bran­che und ei­ne An­nä­he­rung bei den Ur­laubs­ta­gen vor­sieht. Die Re­ge­lun­gen gel­ten für Sei­fert-Mit­ar­bei­ter in Sach­sen­heim bei Stutt­gart und in Leip­zig. "Wir wol­len da­mit ei­nen Ord­nungs­rah­men ge­ben", sagt Bernd Krup­pa, der für die IG Me­tall in Leip­zig an der Be­triebs­ver­ein­ba­rung mit­ge­ar­bei­tet hat.

Die Ta­rif­bin­dung zu er­hö­hen, das war das Ziel der dies­jäh­ri­gen Ta­rif­ver­hand­lun­gen für die Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie. Ers­te Er­fol­ge ha­be man vor­zu­wei­sen: In 40 Fir­men ist es den An­ga­ben zu­fol­ge ge­lun­gen, die Ta­rif­bin­dung für et­wa 10.000 Mit­ar­bei­ter her­zu­stel­len. In et­wa 100 Un­ter­neh­men bun­des­weit gibt es der Ge­werk­schaft zu­fol­ge kon­kre­te Ver­hand­lun­gen über ta­rif­ver­trag­li­che Lö­sun­gen.

Auch die Be­leg­schaft von Ma­gna Spie­gel­sys­te­me in As­sam­stadt hat sich an den Ak­tio­nen be­tei­ligt. Et­wa 450 der ins­ge­samt 700 Mit­ar­bei­ter leg­ten dort am 10. Mai die Ar­beit nie­der. "Das ha­be ich in den kühns­ten Träu­men nicht er­war­tet", sagt Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de Sa­bi­ne Mau­rer: "Das Werk stand kom­plett still." Mit ent­spre­chen­dem Ef­fekt auf die Ver­hand­lun­gen, die ver­gan­ge­ne Wo­che fort­ge­setzt wur­den.

Es ge­be sehr kon­struk­ti­ve Ge­sprä­che mit Blick auf ei­nen Bei­tritt in den Ar­beit­ge­ber­ver­band von Ma­gna in As­sam­stadt, sag­te ein Fir­men­spre­cher. Das ist die Vor­aus­set­zung da­für, dass der Ma­gna-Be­trieb dort den Me­tall­ta­rif­ver­trag in Tei­len an­er­kennt oder so­gar kom­plett an­nimmt. Be­triebs­rats­che­fin Mau­rer ist sich si­cher: Wä­re die Be­tei­li­gung am Warn­streik nicht so hoch ge­we­sen, hät­te sich der Ar­beit­ge­ber nicht be­wegt.

Über die Ta­rif­bin­dung in der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie ha­ben we­der Ge­werk­schaft noch Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de ge­naue Zah­len. Das In­sti­tut für Ar­beits- und Be­rufs­for­schung geht für 2014 in West­deutsch­land von 56 Pro­zent aus. Der Ar­beit­ge­ber­ver­band Ge­samt­me­tall zähl­te En­de 2015 rund 3550 Fir­men mit 1,8 Mil­lio­nen Be­schäf­tig­ten, die sich an den Me­tall­ta­rif­ver­trag ban­den. Et­wa 3350 Un­ter­neh­men mit 450.000 Be­schäf­ti­gen sei­en Mit­glied im Ver­band und ori­en­tier­ten sich frei­wil­lig an den gel­ten­den Ta­rif­ver­trä­gen.

Dass die Warn­streiks wäh­rend der Me­tall­ta­rif­run­de tat­säch­lich vie­le Fir­men in den Ar­beit­ge­ber­ver­band ge­trie­ben hät­ten, glaubt man bei Ge­samt­me­tall nicht. "Ei­nen ra­san­ten An­stieg der Mit­glie­der­zah­len in den Ar­beit­ge­ber­ver­bän­den auf­grund der Streik­stra­te­gie der IG Me­tall kann ich nicht er­ken­nen", sagt Haupt­ge­schäfts­füh­rer Oli­ver Zan­der.

Nicht über­all läuft es so wie bei Ma­gna: Bei Op­ti­ma Pa­cka­ging in Schwä­bisch Hall war­tet man auch in die­sem Jahr wie­der dar­auf, dass die von der Ge­werk­schaft aus­ge­han­del­te Ta­rif­er­hö­hung - wohl mit Ver­zö­ge­rung - vom Un­ter­neh­men nach­voll­zo­gen wird. Der Be­triebs­rat hät­te gern ei­nen An­er­ken­nungs­ta­rif­ver­trag, der klei­ne Ab­wei­chun­gen vom Ta­rif­ver­trag er­laubt. Noch bes­ser wä­re die Ta­rif­bin­dung - doch die muss die Ge­werk­schaft mit dem Un­ter­neh­men aus­han­deln. Und dort gibt es we­nig In­ter­es­se, dem Ar­beit­ge­ber­ver­band bei­zu­tre­ten. An ei­nen wei­ter­ge­hen­den Streik, der in nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Be­trie­ben je­der­zeit mög­lich wä­re, ist an­ge­sichts der nied­ri­gen Ge­werk­schaf­ter­dich­te in dem Un­ter­neh­men nicht zu den­ken.

Bei Sei­fert Lo­gis­tics in Malsch will die IG Me­tall noch nicht auf­ge­ben: "Der Druck im Kes­sel ist hoch", sagt Ge­werk­schafts­se­kre­tär Strieg­ler. Er ist sich si­cher: Gibt es bis En­de des Mo­nats kei­ne Be­we­gung, wird man die Be­leg­schaft zu Ak­tio­nen be­we­gen - viel­leicht so­gar zu ei­nem Warn­streik.

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Letzte Überarbeitung: 31. August 2016

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