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LAG Ham­burg, Be­schluss vom 20.02.2014, 1 TaBV 4/13

   
Schlagworte: Betriebliches Eingliederungsmanagement, Mitbestimmung in sozialen Angelegenheiten, Betriebsvereinbarung, BEM
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Hamburg
Aktenzeichen: 1 TaBV 4/13
Typ: Beschluss
Entscheidungsdatum: 20.02.2014
   
Leitsätze:
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Hamburg, Beschluss vom 10.04.2013, 20 BV 15/12
Nachgehend Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 22.03.2016, 1 ABR 14/14
   

Ak­ten­zei­chen:
1 TaBV 4/13
20 BV 15/12
Ar­beits­ge­richt Ham­burg
Ent­schei­dung vom 20.02.2014

Te­nor:

Auf die Be­schwer­de der Be­tei­lig­ten zu 1 wird der Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 10. April 2013, 20 BV 15/12, ab­geändert und fest­ge­stellt,

dass der Ei­ni­gungs­stel­len­spruch „Re­ge­lung be­trieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment“ vom 20. Sep­tem­ber 2012 un­wirk­sam ist.

Die Rechts­be­schwer­de wird zu­ge­las­sen.

Gründe:

I.

Die An­trag­stel­le­rin ver­langt die Fest­stel­lung, dass die Ent­schei­dung ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le zum be­trieb­li­chen Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment (im Fol­gen­den: BEM) un­wirk­sam ist.

Die an­trag­stel­len­de Ar­beit­ge­be­rin ist ein Lo­gis­tik­un­ter­neh­men, das in ih­rem Be­trieb in Ham­burg-1 mehr als 1.000 Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer beschäftigt. Der Be­tei­lig­te zu 2 ist der dort ge­bil­de­te Be­triebs­rat.

For­de­run­gen des Be­triebs­rats zu Ver­hand­lun­gen über ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung zum The­ma BEM lehn­te die An­trag­stel­le­rin ab, weil ih­rer Mei­nung nach der Be­triebs­rat kein Initia­tiv­recht zur Einführung von ge­ne­rel­len Re­ge­lun­gen zum BEM hat. Die Be­tei­lig­ten ei­nig­ten sich auf ei­ne Ei­ni­gungs­stel­le zu die­sem The­ma, wo­bei die An­trag­stel­le­rin ih­ren Stand­punkt auf­recht­er­hielt.

Zur ers­ten Sit­zung der Ei­ni­gungs­stel­le am 21. Fe­bru­ar 2012 leg­te der Be­triebs­rat den Ent­wurf ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung (An­la­ge AG 3 zur An­trags­schrift, Bl. 55 ff d. A.) vor, über den in der Fol­ge­zeit ver­han­delt wur­de, u.a. in ei­ner Sit­zung am 29. März 2012 (vgl. Pro­to­koll der Ei­ni­gungs­stel­len­sit­zung vom 29. März 2012, An­la­ge AG 5 zur An­trags­schrift, Bl. 73 ff d. A.). In die­ser Sit­zung ver­trat die An­trag­stel­le­rin er­neut die Auf­fas­sung, dass nur sie die Ent­schei­dungs­kom­pe­tenz über die BEM-Maßnah­men ha­be. In ei­nem neu­en Ent­wurf des Be­triebs­rats (An­la­ge AG 6 zur An­trags­schrift, Bl. 78 ff d. A.) war nicht mehr die Re­ge­lung ent­hal­ten, dass ein in der Be­triebs­ver­ein­ba­rung vor­ge­se­he­nes „In­te­gra­ti­ons­team“ über die Durchführung der BEM-Maßnah­men ent­schei­den sol­le. In ei­ner Sit­zung der Ei­ni­gungs­stel­le am 18. Mai 2012 ver­ein­bar­ten die Be­tei­lig­ten, die noch strei­ti­gen Punk­te in­tern wei­ter erörtern zu wol­len. Ein neu­er Ter­min für die Fort­set­zung der Ei­ni­gungs­stel­le wur­de auf den 25. Sep­tem­ber 2012 fest­ge­legt. Am Frei­tag, dem 21. Sep­tem­ber 2012, über­mit­tel­te der Be­triebs­rat um 19:19 Uhr der Ar­beit­ge­be­rin ei­nen neu­en Ent­wurf der Be­triebs­ver­ein­ba­rung (An­la­ge AG 8 zur An­trags­schrift, Bl. 89 ff d. A.). Die­ser Ent­wurf enthält un­ter § 3.4 fol­gen­de Re­ge­lung:

„Vor­schlags­recht

Über die Maßnah­men des BEM ent­schei­det der Ar­beit­ge­ber. Das In­te­gra­ti­ons­team un­ter­brei­tet dem Ar­beit­ge­ber Vor­schläge für Maßnah­men des BEM. Kommt das In­te­gra­ti­ons­team nicht zu ein­ver­nehm­li­chen Vor­schlägen zu Maßnah­men des BEM, hat je­de Be­triebs­par­tei das Recht, dem Ar­beit­ge­ber Vor­schläge zu Maßnah­men des BEM zu un­ter­brei­ten.

So­fern von Ver­tre­tern des In­te­gra­ti­ons­teams ar­beits­platz­be­zo­ge­ne Maßnah­men im Rah­men des be­trieb­li­chen Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment vor­ge­schla­gen wer­den, ist die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats er­for­der­lich. Kommt kei­ne Ei­ni­gung zwi­schen den Be­triebs­par­tei­en zu­stan­de, ent­schei­det über die­se ein­zel­ne Maßnah­me die E-Stel­le nach §§ 87 Abs. 1 Nr. 7, 87 Abs. 2, 76 Be­trVG.“

Der an­walt­li­che Be­ra­ter der An­trag­stel­le­rin hat­te kei­ne Ge­le­gen­heit, vor der Ei­ni­gungs­stel­len­sit­zung mit der An­trag­stel­le­rin über die­se Re­ge­lung zu be­ra­ten.

In der Sit­zung der Ei­ni­gungs­stel­le am 25. Sep­tem­ber 2012 von 10:00 Uhr bis 16:30 Uhr ver­han­del­ten die Be­tei­lig­ten u.a. über den zwei­ten Ab­satz von § 3.4 des neu­en Be­triebs­ver­ein­ba­rungs­ent­wurfs (An­la­ge AG 8, Bl. 89 bis 93 d. A.). Nach ei­ner Un­ter­bre­chung der Sit­zung be­an­trag­te die An­trag­stel­le­rin we­gen der Neu­fas­sung des § 3.4 die Ver­ta­gung der Ei­ni­gungs­stel­le. Die­sen An­trag lehn­te die Ei­ni­gungs­stel­le in ei­ner Ab­stim­mung mit der Stim­me des Vor­sit­zen­den ab. Ei­nen wei­te­ren An­trag der Ar­beit­ge­be­rin, die Ei­ni­gungs­stel­le möge sich für un­zuständig erklären, lehn­te die Ei­ni­gungs­stel­le in zwei­ter Ab­stim­mungs­run­de eben­falls mit der Stim­me des Vor­sit­zen­den ab. Nach ei­ner Un­ter­bre­chung der Sit­zung stell­te die Ar­beit­ge­be­rin ei­nen von ihr er­stell­ten Ent­wurf ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung (An­la­ge 1 zum Pro­to­koll der Ei­ni­gungs­stel­len­sit­zung vom 25. Sep­tem­ber 2012 in An­la­ge AG 2 zur An­trags­schrift, Bl 39 ff d.A.) zur Ab­stim­mung. Die Ei­ni­gungs­stel­le wies die­sen An­trag in zwei­ter Ab­stim­mungs­run­de mit der Stim­me des Vor­sit­zen­den ab. So­dann stimm­te die Ei­ni­gungs­stel­le über ei­nen vom Be­triebs­rat er­stell­ten Ent­wurf ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung (An­la­ge 2 zum Pro­to­koll der Ei­ni­gungs­stel­len­sit­zung vom 25. Sep­tem­ber 2012 in der An­la­ge AG 2 zur An­trags­schrift, Bl. 46 ff d. A.) ab. Die­sen An­trag nahm die Ei­ni­gungs­stel­le in zwei­ter Ab­stim­mungs­run­de mit der Stim­me des Vor­sit­zen­den an. Hin­sicht­lich des wei­te­ren In­halts der Sit­zung und des Ab­stim­mungs­ver­fah­rens im Ein­zel­nen wird auf das Sit­zungs­pro­to­koll vom 25. Sep­tem­ber 2012 (An­la­ge AG 2 zur An­trags­schrift, Bl. 35 ff d.A.), hin­sicht­lich des In­halts der Ent­schei­dung im Ein­zel­nen (im Fol­gen­den: BV BEM) auf die An­la­ge AG 1 zur An­trags­schrift (Bl. 29 ff d. A.) ver­wie­sen.

Die Ent­schei­dung der Ei­ni­gungs­stel­le nebst schrift­li­cher Be­gründung wur­de der An­trag­stel­le­rin (An­la­ge AG 1 zur An­trags­schrift, Bl. 20 ff d. A.) am 5. Ok­to­ber 2012 über ih­ren an­walt­li­chen Ver­tre­ter zu­ge­stellt.

Per Fax am 19. Ok­to­ber 2012 und per Post am 25. Ok­to­ber 2012 ging beim Ar­beits­ge­richt Ham­burg ein An­trag der Ar­beit­ge­be­rin auf Fest­stel­lung der Un­wirk­sam­keit des Ei­ni­gungs­stel­len­spruchs ein.

In dem Ver­fah­ren 27 BV 7/13 Ar­beits­ge­richt Ham­burg ver­lang­te der Be­triebs­rat die Ein­set­zung ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le zum Re­ge­lungs­ge­gen­stand „Ar­beits­platz­be­zo­ge­ne Maßnah­men im Rah­men des be­trieb­li­chen Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ments (BEM) gemäß § 84 Abs. 2 SGB IX für den Ar­beit­neh­mer R.O“. Die­ser An­trag wur­de vom Ar­beits­ge­richt durch Be­schluss vom 22. März 2013 zurück­ge­wie­sen. Ei­ne da­ge­gen vom Be­triebs­rat ein­ge­leg­te Be­schwer­de wur­de da­durch er­le­digt, dass die Be­tei­lig­ten sich auf ei­ne Maßnah­me für den be­trof­fe­nen Beschäftig­ten ei­nig­ten.

Im Be­trieb ist ei­ne Ei­ni­gungs­stel­le zum Re­ge­lungs­ge­gen­stand „Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen“ ge­bil­det wor­den.

Die An­trag­stel­le­rin hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le sei un­wirk­sam. Die Ei­ni­gungs­stel­le sei nicht zuständig ge­we­sen und ha­be im Übri­gen das ihr zu­ste­hen­de Er­mes­sen über­schrit­ten. Dem Be­triebs­rat ste­he für ge­ne­ra­li­sie­ren­de Re­ge­lun­gen des BEM kein Initia­tiv­recht zu. Außer­dem wer­de mit dem in § 3 vor­ge­se­he­nen In­te­gra­ti­ons­team ein Gre­mi­um ge­schaf­fen, das vom Ge­setz nicht vor­ge­se­hen sei. Das Ge­setz le­ge aber ab­sch­ließend fest, wer am BEM zu be­tei­li­gen sei. Die in § 3.2 des Spruchs vor­ge­se­he­nen Auf­ga­ben des In­te­gra­ti­ons­teams hätten mit der ge­setz­li­chen Funk­ti­on des BEM nichts zu tun. Fer­ner ha­be die Ei­ni­gungs­stel­le durch die Re­ge­lung in § 3.4, 2. Ab­satz, ih­re Zuständig­keit über­schrit­ten. Die­se Re­ge­lung sei schon un­klar, weil nicht verständ­lich sei, was „ar­beits­platz­be­zo­ge­ne Maßnah­men“ sei­en. Nicht aus­rei­chend sei die Erklärung, dass die­ser Be­griff in Ab­gren­zung zu ver­hal­tens- oder per­so­nen­be­ding­ten Maßnah­men zu ver­ste­hen sei. Fer­ner er­ge­be sich das Er­for­der­nis ei­nes kol­lek­ti­ven Be­zu­ges nicht aus der Ent­schei­dung der Ei­ni­gungs­stel­le. Nicht hin­rei­chend klar sei auch, wo­zu die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats er­for­der­lich sei, zu dem Vor­schlag der ar­beits­platz­be­zo­ge­nen Maßnah­me oder zu de­ren Fest­le­gung. Die Um­ge­stal­tung des Ar­beits­plat­zes sei nicht Be­stand­teil des BEM, son­dern der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung nach § 5 Ar­bSchG. Das Mit­be­stim­mungs­recht bei der Durchführung von Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen sei durch die da­zu ge­bil­de­te Ei­ni­gungs­stel­le ver­braucht. Sch­ließlich ermögli­che der Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le kein BEM oh­ne Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats, das nach Sinn und Zweck der ge­setz­li­chen Re­ge­lung möglich sein müsse.

Die Ent­schei­dung der Ei­ni­gungs­stel­le sei zu­dem er­mes­sens­feh­ler­haft, weil der Grund­satz des recht­li­chen Gehörs ver­letzt sei. Die An­trag­stel­le­rin ha­be kei­ne aus­rei­chen­de Ge­le­gen­heit ge­habt, auf die über­ra­schen­de Ände­rung des § 3.4 BV BEM Stel­lung zu neh­men. Die un­kla­re Re­ge­lung sei vom Be­triebs­rat erst in der Sit­zung der Ei­ni­gungs­stel­le erläutert wor­den. Auch sei die in § 2.1 BV BEM vor­ge­se­he­ne Un­ter­rich­tungs­pflicht al­ler Beschäftig­ten ge­setz­lich nicht vor­ge­se­hen. Sie sei we­gen der da­mit ent­ste­hen­den Kos­ten un­verhält­nismäßig. Fer­ner sei­en die in § 3.2 BV BEM ent­hal­te­nen Auf­ga­ben we­gen der Kos­ten und des Zeit­auf­wands un­verhält­nismäßig. Das gel­te auch für die Ver­pflich­tung zur Er­stel­lung ei­nes Tätig­keits­be­richts. Sch­ließlich hätte die Ei­ni­gungs­stel­le in der An­la­ge 2 der BV BEM ei­ne zeit­li­che Be­gren­zung für die Rück­ant­wort des Ar­beit­neh­mers oder der Ar­beit­neh­me­rin vor­se­hen müssen.

Die An­trag­stel­le­rin hat be­an­tragt,

fest­zu­stel­len, dass der Ei­ni­gungs­stel­len­spruch „Re­ge­lung be­trieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment“ für das Dis­tri­bu­ti­on-Cen­ter der Ar­beit­ge­be­rin in Ham­burg-1 vom 25. Sep­tem­ber 2012 un­wirk­sam ist.

Der Be­tei­lig­te zu 2 hat be­an­tragt,

den An­trag zurück­zu­wei­sen.

Er hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass die Ent­schei­dung der Ei­ni­gungs­stel­le wirk­sam sei.

Das Ar­beits­ge­richt Ham­burg hat den An­trag der An­trag­stel­le­rin durch Be­schluss vom 10. April 2013 zurück­ge­wie­sen. We­gen der Ein­zel­hei­ten des Be­schlus­ses wird auf die 162 ff d.A. ver­wie­sen. Ge­gen die­sen Be­schluss, der der An­trag­stel­le­rin am 24. April 2013 zu­ge­stellt wor­den ist, hat sie mit Schrift­satz vom 17. Mai 2013, beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen am sel­ben Ta­ge, Be­schwer­de ein­ge­legt. Mit Schrift­satz vom 24. Ju­ni 2013, beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen am sel­ben Ta­ge, hat die An­trag­stel­le­rin die Verlänge­rung der Frist zur Be­schwer­de­be­gründung um ei­nen Mo­nat be­an­tragt. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Frist durch Be­schluss vom 25. Ju­ni 2013 bis zum 24. Ju­li 2013 verlängert. Mit Schrift­satz vom 24. Ju­li 2013, beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen am sel­ben Ta­ge, hat die An­trag­stel­le­rin die Be­schwer­de be­gründet.

Die An­trag­stel­le­rin hält die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts für un­rich­tig. Das Ar­beits­ge­richt ha­be zu Un­recht an­ge­nom­men, dass der Be­triebs­rat ein Initia­tiv­recht für Re­ge­lun­gen zum BEM ha­be. Die für den Be­triebs­rat in § 87 Abs. 2 Satz 7 SGB IX vor­ge­se­he­ne Über­wa­chungs­auf­ga­be sei nur sinn­voll, wenn da­durch zusätz­lich an­de­re Initia­tiv­rech­te auf­ge­schlos­sen würden. Im Übri­gen er­for­de­re der Ge­set­zes­zweck des BEM, ei­ne For­ma­li­sie­rung zu ver­mei­den. Ein Initia­tiv­recht förde­re aber ge­ne­rel­le und da­mit for­ma­li­sier­te Ver­fah­ren. Die Ei­ni­gungs­stel­le sei nicht be­rech­tigt ge­we­sen, ein In­te­gra­ti­ons­team zu in­stal­lie­ren, weil das Ge­setz ab­sch­ließend fest­le­ge, wer beim BEM zu be­tei­li­gen sei. Ein Ge­stal­tungs­spiel­raum für Re­ge­lun­gen mit dem Be­triebs­rat sei nicht ge­ge­ben. Recht­lich un­zulässig sei fer­ner, dass der Spruch vorsähe, dass das In­te­gra­ti­ons­team das Erst­gespräch führe. Auf Wunsch des oder der Beschäftig­ten müsse ein BEM-Gespräch auch oh­ne Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats möglich sein. So­weit das Ar­beits­ge­richt an­ge­nom­men ha­be, dass ein BEM-Gespräch oh­ne Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats nicht ver­bo­ten, nur nicht von der Be­triebs­ver­ein­ba­rung ge­re­gelt sei, könne dem nicht ge­folgt wer­den. Ei­ne sol­che Aus­le­gung sei le­bens­fremd und wi­der­spre­che der Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Re­ge­lung. Der Be­triebs­rat ha­be in den Ver­hand­lun­gen aus­drück­lich erklärt, dass die Durchführung ei­nes BEM nicht von ei­nem Wahl­recht des Ar­beit­neh­mers abhängig ge­macht wer­den dürfe, ob ei­ne Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats gewünscht wer­de. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung hätte min­des­tens ei­nen Hin­weis dar­auf ent­hal­ten müssen, dass ein BEM auch oh­ne Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats gewünscht wer­den könne. Die An­la­ge 1 zur Be­triebs­ver­ein­ba­rung un­ter­rich­tet die Beschäftig­ten ge­ra­de darüber, dass die Ar­beit­ge­be­rin ver­pflich­tet ist, zu­sam­men mit dem Be­triebs­rat Möglich­kei­ten zur Über­win­dung der Ar­beits­unfähig­keit und Vor­beu­gung wei­te­rer Ar­beits­unfähig­keit zu su­chen. Da­nach be­ste­he die Möglich­keit ei­nes BEM oh­ne Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats ge­ra­de nicht. Fer­ner ha­be die Ei­ni­gungs­stel­le kei­ne Auf­ga­ben des In­te­gra­ti­ons­teams de­fi­nie­ren dürfen, die über die ge­setz­li­che Re­ge­lung hin­aus­gin­gen, ins­be­son­de­re nicht vor­se­hen dürfen, dass das In­te­gra­ti­ons­team al­le In­for­ma­tio­nen aus Be­ge­hun­gen und Un­ter­su­chun­gen der Ar­beitsplätze so­wie die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung ein­zu­be­zie­hen ha­be und ei­ne jähr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on er­stel­len müsse. Sch­ließlich über­schrei­te es die Re­ge­lungs­zuständig­keit der Ei­ni­gungs­stel­le, für ar­beits­platz­be­zo­ge­ne Maßnah­men ein Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats vor­zu­se­hen. Es sei schon nicht klar, wie der Be­griff der ar­beits­platz­be­zo­ge­nen Maßnah­men zu ver­ste­hen sei. Die An­nah­me des Ar­beits­ge­richts, dass es sich um ei­ne Ab­gren­zung zu ver­hal­tens- und per­so­nen­be­ding­ten Maßnah­men oh­ne kol­lek­ti­ven Be­zug han­de­le und auf­grund der Viel­schich­tig­keit der Le­bens­sach­ver­hal­te ei­ne ge­naue­re Be­zeich­nung nicht möglich sei, sei nicht über­zeu­gend. Schon die Be­nut­zung des Be­griffs „ar­beits­platz­be­zo­ge­ne Maßnah­me mit kol­lek­ti­ven Be­zug“ wäre ge­nau­er ge­we­sen. Er­sicht­lich sei auch nicht, um die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zu dem Vor­schlag ei­ner Maßnah­me oder der Maßnah­me selbst er­for­der­lich sei. Das Ver­fah­ren 27 BV 7/13 zei­ge, dass der Be­triebs­rat selbst nicht wis­se, was „ar­beits­platz­be­zo­ge­ne Maßnah­men“ sei­en. Für vom Ar­beits­platz aus­ge­hen­de Ge­fah­ren gel­te das Ver­fah­ren der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung, nicht des BEM. Sch­ließlich ha­be das Ar­beits­ge­richt nicht berück­sich­tigt, dass der An­trag­stel­le­rin von der Ei­ni­gungs­stel­le nicht in aus­rei­chen­der Wei­se recht­li­ches Gehör gewährt wor­den sein. Da es sich bei § 3.4 um ei­ne recht­lich kom­pli­zier­te und un­verständ­li­che Re­ge­lung han­de­le, hätte die An­trag­stel­le­rin mehr Zeit benötigt, um da­zu Stel­lung neh­men zu können. Un­verhält­nismäßig sei, dass die An­trag­stel­le­rin al­len Beschäftig­ten ei­ne In­for­ma­ti­on zu BEM aushändi­gen müsse, weil da­durch mehr als die er­for­der­li­chen Kos­ten entstünden. Ei­ne Un­ter­rich­tung al­ler Beschäftig­ten sei im Ge­setz nicht vor­ge­se­hen. Sch­ließlich sei es er­mes­sens­feh­ler­haft, wenn die Be­triebs­ver­ein­ba­rung kei­ne Frist für ei­ne Rückäußerung des oder der Beschäftig­ten vor­se­he. Ent­ge­gen der An­sicht des Ar­beits­ge­richts rei­che es nicht aus, dass in dem als An­la­ge zur Be­triebs­ver­ein­ba­rung vor­ge­se­he­nen for­mu­larmäßigen Ant­wort­schrei­ben vor­ge­se­hen ist, dass sich der oder die Beschäftig­te spätes­tens in­ner­halb von drei Mo­na­ten mel­den wer­de. Es sei schon gar nicht klar, dass der oder die Beschäftig­te die­se Frist in der An­la­ge wahr­neh­me. Außer­dem sei die Frist nur für den Fall vor­ge­se­hen, dass dem oder der Beschäftig­ten noch nicht klar sei, ob er ein BEM durchführen wol­le.

Die An­trag­stel­le­rin be­an­tragt,

den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 10. April 2013, Az. 20 BV 15/12, ab­zuändern und fest­zu­stel­len, dass der Ei­ni­gungs­stel­len­spruch „Re­ge­lung be­trieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment“ für das Dis­tri­bu­ti­on Cen­ter der Ar­beit­ge­be­rin Ham­burg 1 vom 20. Sep­tem­ber 2012 un­wirk­sam ist.

Der Be­triebs­rat be­an­tragt,

die Be­schwer­de zurück­zu­wei­sen.

Er hält den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts für zu­tref­fend. Es scha­de nicht, dass die Be­triebs­ver­ein­ba­rung die an­lass­be­zo­ge­ne Zu­sam­men­kunft der Be­tei­lig­ten am BEM als In­te­gra­ti­ons­team be­zeich­ne. Der ge­setz­li­che Rah­men wer­de da­durch nicht ver­las­sen. Weil das Ge­setz nicht vorgäbe, wie Ar­beit­ge­be­rin und Be­triebs­rat re­präsen­tiert sei­en, be­ste­he ein Re­ge­lungs­spiel­raum für die Be­triebs­par­tei­en. Wenn selbst das Ge­setz nicht er­ken­nen las­se, dass ein BEM oh­ne Be­tei­li­gung der be­trieb­li­chen In­ter­es­sen­ver­tre­tung möglich sei, könne ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung, aus der sich die­ses nicht aus­drück­lich ergäbe, des­halb nicht un­wirk­sam sein. „Ar­beits­platz­be­zo­ge­ne Maßnah­men“ sei ein un­be­stimm­ter Rechts­be­griff, des­sen Ver­wen­dung nicht un­zulässig sei. Et­wai­ge Strei­tig­kei­ten über sei­nen In­halt sei­en nicht we­ni­ger aus­ge­schlos­sen als bei ei­nem an­de­ren Be­griff.

II.

Die Be­schwer­de ist zulässig und be­gründet.

1) Gemäß § 87 Abs. 1 ArbGG ist die Be­schwer­de statt­haft. Sie ist im Sin­ne der §§ 87 Abs. 1 Satz 1, 64 Abs. 6, 66 Abs. 1 ArbGG, 519, 520 ZPO form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den.

2) Die Be­schwer­de ist be­gründet, weil der An­trag der An­trag­stel­le­rin zulässig und be­gründet ist.

a) Der Fest­stel­lungs­an­trag ist nach § 256 Abs. 1 ZPO zulässig. Der An­trag ist auf das Nicht­be­ste­hen ei­nes be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Rechts­verhält­nis­ses zwi­schen der An­trag­stel­le­rin und dem Be­triebs­rat ge­rich­tet, weil die Ar­beit­ge­be­rin fest­ge­stellt ha­ben möch­te, dass für sie durch den Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le kei­ne Rech­te und Pflich­ten be­gründet wor­den sind. Dafür ist das Fest­stel­lungs­be­geh­ren die rich­ti­ge An­trags­art. Ei­ne ge­richt­li­che Ent­schei­dung über die Wirk­sam­keit des Spruchs ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le hat fest­stel­len­de und nicht rechts­ge­stal­ten­de Wir­kung (BAG, Be­schluss vom 8. Ju­ni 2004, 1 ABR 4/03, Rn 14). Das er­for­der­li­che Fest­stel­lungs­in­ter­es­se liegt vor. Im Ver­fah­ren nach § 76 Abs. 5 Satz 4 Be­trVG geht es um Rechts­kon­trol­le. Es ist darüber zu be­fin­den, ob ein Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le wirk­sam ist. An der Klärung die­ser Fra­ge ha­ben Ar­beit­ge­be­rin und Be­triebs­rat ein recht­li­ches In­ter­es­se un­abhängig da­von, ob sie selbst durch die be­tref­fen­de Re­ge­lung be­schwert sind oder nicht (BAG, Be­schluss vom 8. Ju­ni 2004, 1 ABR 4/03, Rn 15).

b) Der An­trag ist be­gründet. Die Ent­schei­dung der Ei­ni­gungs­stel­le vom 25. Sep­tem­ber 2012 ist ins­ge­samt un­wirk­sam.

Die ge­richt­li­che Über­prüfung des Spruchs ist er­for­der­lich, weil die Ar­beit­ge­be­rin bin­nen der zweiwöchi­gen Aus­schluss­frist beim Ar­beits­ge­richt die Un­wirk­sam­keit des Spruchs gel­tend ge­macht hat. Der schrift­lich ab­ge­fass­te Spruch vom 25. Sep­tem­ber 2012 ist ihr am 05. Ok­to­ber 2012 zu­ge­stellt wor­den; ihr An­trag, ge­rich­tet auf Fest­stel­lung der Un­wirk­sam­keit des Spruchs, ist am 19. Ok­to­ber 2012 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen.

aa) Es gel­ten fol­gen­de Grundsätze: Hat der Spruch ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le ei­ne Re­ge­lungs­fra­ge zum Ge­gen­stand, un­ter­liegt er zum ei­nen ei­ner um­fas­sen­den und zeit­lich un­be­fris­te­ten Rechts­kon­trol­le. Die von der Ei­ni­gungs­stel­le zu be­ach­ten­den we­sent­li­chen Ver­fah­rens­vor­schrif­ten und die Ver­ein­bar­keit der Ent­schei­dung mit höher­ran­gi­gem Recht ist zu über­prüfen. Die Rechts­kon­trol­le um­fasst darüber hin­aus die Prüfung, ob sich die Ei­ni­gungs­stel­le bei ih­rer Ent­schei­dung im Rah­men ih­rer Zuständig­keit ge­hal­ten hat. Ver­kennt die Ei­ni­gungs­stel­le die Gren­zen ei­nes Mit­be­stim­mungs­rechts oder geht sie zu Un­recht vom Be­ste­hen ei­nes Mit­be­stim­mungs­rechts aus, hat dies die Un­wirk­sam­keit des Spruchs zur Fol­ge (Fit­ting, § 76 Rn. 151). Fer­ner un­ter­liegt die Ent­schei­dung der Ei­ni­gungs­stel­le ei­ner Über­prüfung des aus­geübten Er­mes­sens. Maßgeb­lich ist, ob die Ei­ni­gungs­stel­le die Gren­zen des ihr zu­ste­hen­den Er­mes­sens über­schrit­ten hat. Ei­ne un­zulässi­ge Er­mes­sen­ausübung liegt et­wa vor, wenn die Ei­ni­gungs­stel­le von sach­frem­den Erwägun­gen aus­geht oder den ihr zu­ste­hen­den Re­ge­lungs­spiel­raum ver­kannt hat. Fer­ner liegt ei­ne Er­mes­sensüber­schrei­tung vor, wenn die Ei­ni­gungs­stel­le die Be­lan­ge des Be­triebs oder der Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer über­haupt nicht berück­sich­tigt hat (Fit­ting, § 76 Rn 152 ff). Ei­ne sol­che Rechts­wid­rig­keit des Spruchs der Ei­ni­gungs­stel­le we­gen Er­mes­sens­feh­lers muss mit ei­ner An­fech­tung gel­tend ge­macht wer­den, die in­ner­halb von zwei Wo­chen nach Zu­gang des Spru­ches beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen ist.

Kei­ne vollständi­ge, son­dern nur ei­ne teil­wei­se Un­wirk­sam­keit der Ent­schei­dung der Ei­ni­gungs­stel­le soll ge­ge­ben sein, wenn die rest­li­che Re­ge­lung noch ein sinn­vol­les Gan­zes dar­stellt (Fit­ting, § 76 Rn 160).

bb) Nach die­sen Grundsätzen ist die Ent­schei­dung der Ei­ni­gungs­stel­le un­wirk­sam.

aaa) § 2 Zif­fer 2.1 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung ist un­wirk­sam. Mit dem Mit­be­stim­mungs­echt des Be­triebs­rats kann nicht die Ver­pflich­tung der Ar­beit­ge­be­rin er­zwun­gen wer­den, al­le ge­genwärti­gen und zukünf­ti­gen Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer über das BEM-Ver­fah­ren zu un­ter­rich­ten.

Bei der Aus­ge­stal­tung des BEM ist für je­de ein­zel­ne Re­ge­lung zu prüfen, ob ein Mit­be­stim­mungs­recht be­steht. Ein sol­ches kann sich bei all­ge­mei­nen Ver­fah­rens­fra­gen aus § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG, in Be­zug auf die Nut­zung und Ver­ar­bei­tung von Ge­sund­heits­da­ten aus § 87 Abs. 1 Nr. 6 Be­trVG und hin­sicht­lich der Aus­ge­stal­tung des Ge­sund­heits­schut­zes aus § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG er­ge­ben, denn § 84 Abs. 2 SGB IX ist ei­ne Rah­men­vor­schrift im Sin­ne die­ser Vor­schrift. Das Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats setzt ein, wenn für den Ar­beit­ge­ber ei­ne ge­setz­li­che Hand­lungs­pflicht be­steht und we­gen des Feh­lens zwin­gen­der Vor­ga­ben be­trieb­li­che Re­ge­lun­gen er­for­der­lich sind, um das vom Ge­setz vor­ge­ge­be­ne Ziel des Ar­beits- und Ge­sund­heits­schut­zes zu er­rei­chen (BAG, Be­schluss vom 13. März 2012, 1 ABR 78/10, Rn 12).

Von die­sen Mit­be­stim­mungs­rech­ten ist die Ver­pflich­tung der Ar­beit­ge­be­rin, al­le Beschäftig­ten über das BEM-Ver­fah­ren zu un­ter­rich­ten, nicht um­fasst. Un­ter Ord­nung des Be­triebs und Ver­hal­ten der Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer im Be­trieb sind die Re­ge­lungs­be­fug­nis­se er­fasst, mit de­nen die Ar­beit­ge­be­rin auf­grund ih­res Or­ga­ni­sa­ti­ons- und ar­beits­ver­trag­li­chen Di­rek­ti­ons­rechts das Mit­ein­an­der der Beschäftig­ten im Be­trieb re­gelt (Fit­ting, Be­trVG, § 87 Rn 63). Dar­um geht es bei der Ver­pflich­tung der Ar­beit­ge­be­rin, die Beschäftig­ten mit ei­nem be­stimm­ten In­halt über ein be­stimm­tes The­ma zu un­ter­rich­ten, aber nicht. Es wird da­mit kei­ne Re­ge­lung zum be­trieb­li­chen Mit­ein­an­der ge­trof­fen, son­dern der Ar­beit­ge­be­rin al­lein ei­ne Hand­lungs­pflicht auf­er­legt, die nicht das Ver­hal­ten der Beschäftig­ten im Be­trieb be­trifft.

An­halts­punk­te dafür, dass das Mit­be­stim­mungs­recht des § 87 Abs. 1 Zif­fer 6 Be­trVG die Ver­pflich­tung der Ar­beit­ge­be­rin zur In­for­ma­ti­on ab­de­cken könn­te, sind nicht ge­ge­ben. Es geht um ei­ne stan­dar­di­sier­te Un­ter­rich­tung über das BEM, die kei­nen be­son­de­ren Be­zug zum Beschäftig­ten­da­ten­schutz auf­weist.

Sch­ließlich han­delt es sich bei der Ver­pflich­tung zur In­for­ma­ti­on der Beschäftig­ten nicht um die Aus­ge­stal­tung des Ge­sund­heits­schut­zes nach § 87 Abs. 1 Zif­fer 7 Be­trVG. Ei­ne Rah­men­re­ge­lung, die die Ar­beit­ge­be­rin ver­pflich­te­te, die bei ihr Beschäftig­ten über das BEM-Ver­fah­ren zu un­ter­rich­ten, gibt es nicht. Dem­gemäß kann es sich bei der Ver­pflich­tung, al­le ge­genwärti­gen und zukünf­ti­gen Beschäftig­ten zu ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt und mit ei­nem be­stimm­ten In­halt über das BEM zu un­ter­rich­ten, nicht um Aus­ge­stal­tung des Ge­sund­heits­schut­zes han­deln.

bbb) Die Re­ge­lung des In­te­gra­ti­ons­teams in § 3 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung ist un­wirk­sam. Es gibt kein Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats, mit dem er­zwun­gen wer­den kann, dass die Auf­ga­ben des BEM ei­nem fes­ten, auf Dau­er ge­bil­de­ten Gre­mi­um über­tra­gen wer­den.

Nach der Be­triebs­ver­ein­ba­rung han­delt es sich bei dem In­te­gra­ti­ons­team um ein fes­tes auf Dau­er ge­bil­de­tes Gre­mi­um. Die­ses folgt dar­aus, dass § 3 Zif­fer 3.1 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung vor­sieht, dass Ar­beit­ge­be­rin und Be­triebs­rat je ei­nen Ver­tre­ter und min­des­tens zwei Stell­ver­tre­ter für den Ver­hin­de­rungs­fall be­stim­men. Ei­ner sol­chen Re­ge­lung bedürf­te es nicht, wenn Be­triebs­rat und Ar­beit­ge­be­rin die Zuständi­gen für die Durchführung nur ei­nes BEM fest­le­gen woll­ten. Ins­be­son­de­re bedürf­te es dann nicht der Fest­le­gung, dass je­de Sei­te min­des­tens zwei Stell­ver­tre­te­rin­nen oder Stell­ver­tre­ter zu be­stel­len hat. Dass es sich bei dem In­te­gra­ti­ons­team um ein Dau­er­gre­mi­um han­deln soll, folgt wei­ter aus § 3 Zif­fer 3.2 vor­sieht, dass sich das In­te­gra­ti­ons­team an­lass­be­zo­gen zu­sam­men­setzt. Ei­ner sol­chen Re­ge­lung bedürf­te es nicht, wenn für je­des BEM ein neu­es In­te­gra­ti­ons­team ge­bil­det wer­den soll­te. Durch die Bil­dung des In­te­gra­ti­ons­teams für den Ein­zel­fall wäre dann nämlich klar, dass es ge­ra­de nur um das be­trof­fe­ne BEM geht. Sch­ließlich er­gibt sich zwin­gend aus § 3 Zif­fer 3.3 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung, dass das In­te­gra­ti­ons­team ein auf Dau­er ge­bil­de­tes fes­tes Gre­mi­um sein soll. Nur dann kann nämlich ein jähr­li­cher Tätig­keits­be­richt er­stellt wer­den, wenn das In­te­gra­ti­ons­team un­abhängig vom ein­zel­nen BEM be­steht und in der La­ge ist, über die jähr­li­che Ar­beit mit den dort ge­nann­ten In­hal­ten zu be­rich­ten.

Das Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats um­fasst nicht die Bil­dung ei­nes der­ar­ti­gen Dau­er­gre­mi­ums. Mit der Re­ge­lung der Ord­nung des Be­triebs und des Ver­hal­tens der Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer im Sin­ne des § 87 Abs. 1 Zif­fer 1 Be­trVG hat die­ses nichts zu tun. Eben­falls han­delt es sich da­bei nicht um ei­ne dem Ar­beit­neh­mer­da­ten­schutz nach § 87 Abs. 1 Zif­fer 6 Be­trVG un­ter­fal­len­de Maßnah­me. Sch­ließlich geht es da­bei auch nicht um die Ausfüllung ei­ner dem Ge­sund­heits­schutz die­nen­den Rah­men­re­ge­lung im Sin­ne des § 87 Abs. 1 Zif­fer 7 Be­trVG. Zwar han­delt es sich bei § 84 Abs. 2 SGB IX um ei­ne Rah­men­re­ge­lung im Sin­ne des § 87 Abs. 1 Zif­fer 7 Be­trVG. Der da­durch ge­schaf­fe­ne Rah­men be­inhal­tet aber nicht, dass die Pflich­ten der Ar­beit­ge­be­rin zum Zu­sam­men­wir­ken mit der be­trieb­li­chen In­ter­es­sen­ver­tre­tung nach § 84 Abs. 2 SGB IX ei­nem ge­son­der­ten Gre­mi­um zur je­den­falls teil­wei­sen Er­le­di­gung über­tra­gen wer­den können. Die­ses ge­schieht nach der Be­triebs­ver­ein­ba­rung in Be­zug auf die Gespräche mit den be­trof­fe­nen Beschäftig­ten, die Samm­lung der In­for­ma­tio­nen und die ge­sund­heit­li­chen Be­ein­träch­ti­gun­gen und ih­ren mögli­chen Be­zug zum Ar­beits­platz, die Be­ra­tung über zu er­grei­fen­de Maßnah­men, die Be­schluss­fas­sung über Vor­schläge für BEM-Maßnah­men, die Durchführung von BEM-Maßnah­men, die Über­prüfung ih­rer Wirk­sam­keit und Qua­lität, die Be­glei­tung der Beschäftig­ten bei ei­ner stu­fen­wei­sen Wie­der­ein­glie­de­rung und die Er­stel­lung der jähr­li­chen BEM-Do­ku­men­ta­ti­on. Das Mit­be­stim­mungs­recht nach § 87 Abs. 1 Zif­fer 7 Be­trVG reicht nicht so weit, dass es die In­stal­la­ti­on ei­nes der­ar­ti­gen Gre­mi­ums ermöglich­te. § 84 Abs. 2 Satz 1 SGB IX sieht nicht vor, dass die Ar­beit­ge­be­rin und die zuständi­ge In­ter­es­sen­ver­tre­tung (und ggf. die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung) ge­mein­sam klären, wie die Ar­beits­unfähig­keit ei­nes oder ei­ner Beschäftig­ten über­wun­den und wei­te­re Ar­beits­unfähig­keit ver­mie­den wer­den können. Viel­mehr ist dort vor­ge­se­hen, dass die Ar­beit­ge­be­rin mit der zuständi­gen In­ter­es­sen­ver­tre­tung (und ggf. der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung) sol­che Möglich­kei­ten klärt. Es han­delt sich mit­hin nicht um ei­ne ge­mein­sa­me Auf­ga­be von Ar­beit­ge­be­rin und In­ter­es­sen­ver­tre­tung, für die die­se ge­mein­sam zuständig wären, son­dern um ei­ne ori­ginäre Auf­ga­be der Ar­beit­ge­be­rin, bei de­ren Er­le­di­gung die In­ter­es­sen­ver­tre­tung zu be­tei­li­gen ist. Die­se ge­setz­li­che Auf­ga­ben­zu­wei­sung wird durch die Re­ge­lun­gen der Be­triebs­ver­ein­ba­rung zum In­te­gra­ti­ons­team verändert. Nicht mehr die Ar­beit­ge­be­rin ist zuständig, son­dern ei­ne ge­mein­sa­me Ein­heit, die von ihr und dem Be­triebs­rat zu bil­den ist. Das ist ei­ne Ver­schie­bung nicht nur von Auf­ga­ben, son­dern auch von Ver­ant­wort­lich­keit, die dem ge­setz­li­chen Re­ge­lungs­zweck nicht ent­spricht. Die­ser weist der Ar­beit­ge­be­rin Auf­ga­be und Ver­ant­wort­lich­keit zu, weil sie so­wohl die Or­ga­ni­sa­ti­on und Aus­stat­tung des Be­triebs be­stimmt und zu­gleich Ar­beits­ver­trags­part­ne­rin des oder der be­trof­fe­nen Beschäftig­ten ist. In die­sem Rah­men weist § 84 Abs. 2 Satz 1 SGB IX dem Be­triebs­rat ei­ne Mit­wir­kungs­rol­le zu, oh­ne ihn da­durch hin­sicht­lich Auf­ga­be und Ver­ant­wort­lich­keit mit der Ar­beit­ge­be­rin gleich­zu­stel­len. Tei­le die­ser Auf­ga­be und Ver­ant­wort­lich­keit kann die Ar­beit­ge­be­rin auf­grund der Re­ge­lun­gen der Be­triebs­ver­ein­ba­rung nicht mehr wahr­neh­men, weil das In­te­gra­ti­ons­team durch sei­ne Mit­glie­der die Gespräche führt, Tat­sa­chen er­mit­telt, Maßnah­men erörtert und vor­schlägt. Die Ar­beit­ge­be­rin ist selbst an­ge­sichts der Wei­sungs­ge­bun­den­heit des von ihr in das In­te­gra­ti­ons­team ent­sand­ten Mit­glieds auf ei­nen dau­ern­den Kon­sens mit dem Be­triebs­rat an­ge­wie­sen, weil ihr von der Tat­sa­chen­fest­stel­lung bis zu den vor­zu­schla­gen­den Maßnah­men kei­ne ei­ge­ne Ent­schei­dungs­zuständig­keit mehr zu­steht. Die­ses ent­spricht nicht der von § 84 Abs. 2 Satz 1 SGB IX vor­ge­se­he­nen ge­setz­li­chen Auf­ga­ben­ver­tei­lung, der die Ver­tei­lung der Ver­ant­wort­lich­keit ent­spricht. Ei­ne sol­che Be­fug­nis zur Ände­rung ge­setz­li­cher Vor­ga­ben steht dem Be­triebs­rat nicht kraft des Mit­be­stim­mungs­rechts nach § 87 Abs. 1 Zif­fer 7 Be­trVG zu.

ccc) Das Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats um­fasst un­be­scha­det der Un­wirk­sam­keit der Re­ge­lun­gen zum In­te­gra­ti­ons­team nicht die Durchführung von im BEM-Ver­fah­rens be­schlos­se­nen Maßnah­men, die Über­prüfung ih­rer Wirk­sam­keit und Qua­lität, die Be­glei­tung der Beschäftig­ten bei ei­ner stu­fen­wei­sen Wie­der­ein­glie­de­rung und die Er­stel­lung der jähr­li­chen BEM-Do­ku­men­ta­ti­on. Die in­so­weit un­ter § 3 Zif­fer 3.2 ge­trof­fe­nen Re­ge­lun­gen sind auch aus die­sem Grun­de un­wirk­sam.

Ein Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats, nach dem er bei der Durchführung von Maßnah­men zu be­tei­li­gen ist, ist nicht er­sicht­lich. § 87 Abs. 1 Zif­fer 1, 6 und 7 Be­trVG um­fasst das Recht zur Re­ge­lung von Sach­ver­hal­ten und sieht nicht vor, dass der Be­triebs­rat selbst an der Durchführung der Maßnah­men be­tei­ligt ist. Die Durchführung von Maßnah­me ist viel­mehr nach § 77 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG Sa­che der Ar­beit­ge­be­rin, wenn nichts an­de­res ver­ein­bart ist. Das Mit­be­stim­mungs­recht nach § 87 Abs. 1 Zif­fer 7 Be­trVG um­fasst nicht die Zuständig­keit der Ei­ni­gungs­stel­le, hier­von ab­wei­chend die Durchführungs­pflicht auf ein ge­mein­sa­mes Gre­mi­um zu über­tra­gen.

Ein Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats, mit dem er ver­lan­gen könn­te, die Wirk­sam­keit und Qua­lität von BEM-Maßnah­men in ei­nem ge­mein­sa­men Gre­mi­um mit der Ar­beit­ge­be­rin zu über­prüfen, be­steht nicht. Ins­be­son­de­re ist § 84 Abs. 2 SGB IX kei­ne Rah­men­re­ge­lung, aus der sich das Mit­be­stim­mungs­recht er­ge­ben könn­te. § 84 Abs. 2 SGB re­gelt nicht ein­mal, ob und wie die Ent­schei­dung über mögli­che BEM-Maßnah­men zu tref­fen ist. Erst recht er­gibt sich da­mit aus ihm nicht, wie Qua­lität und Wirk­sam­keit zu über­prüfen sind.

Fer­ner ist kein Mit­be­stim­mungs­recht er­sicht­lich, mit dem der Be­triebs­rat er­zwin­gen könn­te, an der stu­fen­wei­sen Wie­der­ein­glie­de­rung von Beschäftig­ten in ei­nem ge­mein­sa­men Gre­mi­um mit der Ar­beit­ge­be­rin in Form ei­ner Be­glei­tung be­tei­ligt zu wer­den.

ddd) Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung ist un­wirk­sam, so­weit sie in § 3 Zif­fer 3.4 vor­sieht, dass ein ggf. durch Ent­schei­dung der Ei­ni­gungs­stel­le er­zwing­ba­res Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats bei ar­beits­platz­be­zo­ge­nen Maßnah­men er­for­der­lich ist, die vom In­te­gra­ti­ons­team vor­ge­schla­gen wer­den.

Durch ei­ne Ent­schei­dung der Ei­ni­gungs­stel­le kann kein über die ge­setz­lich oder ta­rif­lich vor­ge­se­he­nen Rech­te des Be­triebs­rats hin­aus­ge­hen­des Mit­be­stim­mungs­recht ge­schaf­fen wer­den. Die Ei­ni­gungs­stel­le kann sich nur im Rah­men des ihr durch ei­nen Mit­be­stim­mungs­tat­be­stand zu­ge­wie­se­nen Zuständig­keits­be­reich hal­ten und die­sen nicht durch Schaf­fung neu­er und wei­te­rer Mit­be­stim­mungs­tat­bestände er­wei­tern. Das in § 3 Zif­fer 3.4 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung ge­re­gel­te Mit­be­stim­mungs­recht geht über die ge­setz­lich vor­ge­se­he­nen Mit­be­stim­mungs­rech­te hin­aus. Es ist kein ge­setz­li­ches Mit­be­stim­mungs­recht er­sicht­lich, dass für al­le ar­beits­platz­be­zo­ge­nen Maßnah­men die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats vor­sieht. Das gilt ins­be­son­de­re für sol­che ar­beits­platz­be­zo­ge­nen Maßnah­men, die ei­ne Ände­rung des Ar­beits­ver­tra­ges er­for­der­lich ma­chen. Wenn Beschäftig­te ar­beits­ver­trag­lich nur zur Ar­beit in be­stimm­ten Schich­ten be­rech­tigt und ver­pflich­tet sind, die ih­rer Ge­sund­heit ab­träglich sind, kann nicht über das Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats ei­ne Ände­rung des Ar­beits­ver­tra­ges er­zwun­gen oder ver­hin­dert wer­den. Das glei­che gilt, wenn ar­beits­ver­trag­lich ein be­stimm­tes Schicht­sys­tem, ei­ne be­stimm­te Dau­er der Ar­beits­zeit oder ei­ne be­stimm­te La­ge der Ar­beits­zeit vor­ge­se­hen ist. Sind die da­durch fest­ge­setz­ten Fak­to­ren für die Ge­sund­heit der Beschäftig­ten ab­träglich und gefähr­den da­mit die Wie­der­her­stel­lung der Ar­beitsfähig­keit oder die Ver­mei­dung zukünf­ti­ger Ar­beits­unfähig­keit, bleibt gleich­wohl ein Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats aus­ge­schlos­sen, weil sich die­ses nicht auf ar­beits­ver­trag­li­che Fest­le­gun­gen er­streckt. Auch im Übri­gen ist nicht er­sicht­lich, wor­aus sich bei al­len ar­beits­platz­be­zo­ge­nen Maßnah­men ein ge­setz­li­ches Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats er­ge­ben soll.

Weil das Mit­be­stim­mungs­recht bei ar­beits­platz­be­zo­ge­nen Maßnah­men nach § 3 Zif­fer 3.4 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung über die ge­setz­lich oder ta­rif­lich vor­ge­se­he­nen Mit­be­stim­mungs­rech­te des Be­triebs­rats hin­aus­geht, kann es da­hin­ge­stellt blei­ben, ob die Re­ge­lung auch dann un­wirk­sam wäre, wenn sie nur de­kla­ra­to­risch auf außer­halb der Be­triebs­ver­ein­ba­rung be­ste­hen­de Mit­be­stim­mungs­rech­te ver­wie­se.

eee) Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung ist un­wirk­sam, weil sie kein be­trieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment oh­ne Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats zulässt.

Ein be­trieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment dient der Wie­der­her­stel­lung der Ar­beitsfähig­keit und der Ver­mei­dung zukünf­ti­ger Ar­beits­unfähig­keit. Im Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­ren ist aus­drück­lich die Auf­fas­sung ver­tre­ten wor­den, dass die In­ter­es­sen­ver­tre­tung nur mit Zu­stim­mung und Be­tei­li­gung der be­trof­fe­nen Per­son ein­zu­schal­ten ist. Das be­trieb­li­che Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment ist des­halb auch durch­zuführen, wenn der oder die Beschäftig­te ei­ne Be­tei­li­gung der In­ter­es­sen­ver­tre­tung im Sin­ne des § 84 Abs. 2 SGB IX nicht wünscht (BVerwG, Be­schluss vom 23. Ju­ni 2010, 6 P 8/09, Rn 55 ff). Da­mit ist es nicht ver­ein­bar, dass die Be­triebs­ver­ein­ba­rung kein be­trieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment oh­ne Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats vor­sieht. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung ist ei­ne ab­sch­ließen­de Re­ge­lung zum BEM-Ver­fah­ren in dem Be­trieb. Es kann nicht da­von aus­ge­gan­gen, dass ne­ben dem in der Be­triebs­ver­ein­ba­rung ge­re­gel­ten BEM-Ver­fah­ren ein BEM-Ver­fah­ren oh­ne Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats und oh­ne kol­lek­tiv­recht­li­che Re­ge­lung durch­geführt wer­den können soll. Hier­ge­gen spricht § 1 Zif­fer 1.2, wo­nach al­le Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer, die min­des­tens 42 Ta­ge in zwölf Mo­na­ten ar­beits­unfähig er­krankt wa­ren, er­fasst wer­den. Die An­nah­me, dass die­ses nur für sol­che Beschäftig­te gel­ten soll, die mit der Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats ein­ver­stan­den sind, fin­det kei­ne Stütze im Wort­laut der Re­ge­lung. Ge­gen ein der­ar­ti­ges Verständ­nis des Gel­tungs­be­reichs der Be­triebs­ver­ein­ba­rung, nach dem nur das be­trieb­li­che Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment un­ter Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats ge­re­gelt ist, nicht aber ein sol­ches, bei dem der die oder der Beschäftig­te kei­ne Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats wünscht, spricht außer­dem, dass re­gelmäßig schon aus Gründen der Rechts­klar­heit sol­che Aus­nah­men vom Gel­tungs­be­reich aus­drück­lich ge­nannt sind. Sch­ließlich spricht ge­gen die An­nah­me, dass ne­ben dem in der Be­triebs­ver­ein­ba­rung ge­re­gel­ten Ver­fah­ren noch ein wei­te­res un­ge­re­gel­tes BEM-Ver­fah­ren oh­ne Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats möglich sein kann, dass der Be­triebs­rat in der Ver­hand­lun­gen vor der Ei­ni­gungs­stel­le aus­drück­lich die For­de­rung auf­ge­stellt hat, dass die Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats am be­trieb­li­chen Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment nicht un­ter ei­nem Wahl­recht des oder der Beschäftig­ten ste­hen dürfe. Da­mit hat der Be­triebs­rat zum Aus­druck ge­bracht, dass er kein be­trieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment oh­ne sei­ne Be­tei­li­gung zu­las­sen wol­le. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung verstößt dem­gemäß ge­gen § 84 Abs. 2 SGB IX, weil sie ein be­trieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment oh­ne Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats nicht zulässt.

fff) Selbst wenn da­von aus­zu­ge­hen wäre, dass die Be­triebs­ver­ein­ba­rung kei­ne ab­sch­ließen­de kol­lek­tiv­recht­li­che Re­ge­lung zum BEM dar­stel­len soll­te, wäre sie un­wirk­sam, weil sie kei­ne Re­ge­lun­gen zum be­trieb­li­chen Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment oh­ne Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats enthält. Das Feh­len sol­cher Re­ge­lun­gen ist ein Ver­s­toß ge­gen das Ge­bot der Gleich­be­hand­lung der Beschäftig­ten nach § 75 Abs. 1 Be­trVG.

Es liegt ei­ne Un­gleich­be­hand­lung der Beschäftig­ten vor, weil dann für Beschäftig­te, die kei­ne Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats wünsch­ten, kei­ne mit­be­stimm­te Re­ge­lung des BEM ver­ein­bart wor­den wäre, wohl aber für Beschäftig­te, die mit der Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats ein­ver­stan­den sind. Da­mit kann die Ar­beit­ge­be­rin das be­trieb­li­che Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment für die Beschäftig­ten, die kei­ne Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats wünschen, al­lein re­geln. Den Beschäftig­ten kommt da­mit nicht die in der Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats an den Ver­fah­rens­re­geln lie­gen­de Schutz­wir­kung zu.

Für die­se Un­gleich­be­hand­lung fehlt ein sach­li­cher Grund. Er er­gibt sich nicht dar­aus, dass die­se Beschäftig­ten auf ei­ne Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats am BEM-Ver­fah­ren ver­zich­ten. Der Ver­zicht auf ei­ne sol­che Be­tei­li­gung ist kein sach­li­cher Grund dafür, die­se Beschäftig­ten von ei­ner kol­lek­ti­ven Re­ge­lung zum BEM-Ver­fah­ren aus­zu­neh­men. Er muss nämlich nicht Aus­druck des Wil­lens sein, die An­wen­dung be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­cher Vor­schrif­ten nicht zu wol­len oder die Be­triebs­ver­fas­sung ge­ne­rell ab­zu­leh­nen. Viel­mehr kann Grund für den Wunsch, kei­ne Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats zu wünschen, auch sein, dass der oder die Beschäftig­te die Art und das Aus­maß ih­rer Er­kran­kung möglichst nur ei­nem klei­nen Per­so­nen­kreis be­kannt ma­chen möch­te. Die­ses spräche dafür, nur die Ar­beit­ge­be­rin zu un­ter­rich­ten, de­ren In­for­ma­ti­on für et­wai­ge BEM-Maßnah­men im Ge­gen­satz zur In­for­ma­ti­on des Be­triebs­rats un­ver­zicht­bar ist. Die Ar­beit­ge­be­rin und nicht der Be­triebs­rat müss­te sol­che BEM-Maßnah­men nämlich er­grei­fen. Außer­dem ist oh­ne wei­te­res denk­bar, dass der oder die be­trof­fe­ne Beschäftig­te zu dem be­triebsrätli­chen Mit­glied des In­te­gra­ti­ons­teams ein ge­spann­tes oder schlech­tes Verhält­nis hat, so dass er oder sie zwar ge­ne­rell nichts ge­gen ei­ne Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats an der Be­triebs­ver­fas­sung ein­zu­wen­den hat, aber die­se im Fal­le ei­nes ihn oder sie be­tref­fen­den be­trieb­li­chen Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment nicht wünscht. In bei­den denk­ba­ren Fall­kon­stel­la­tio­nen ist es nicht an­ge­zeigt, den oder die be­trof­fe­ne Beschäftig­te den Schutz ei­ner mit­be­stimm­ten Re­ge­lung zum BEM zu ver­sa­gen, nur weil er oder sie die Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats an dem kon­kre­ten BEM nicht wünscht. Über­dies wäre ein Ver­zicht auf den Schutz der Be­triebs­ver­fas­sung un­wirk­sam. Die­ser Schutz steht nicht zur Dis­po­si­ti­on der Beschäftig­ten.

ggg) Die zu­vor ge­nann­ten Un­wirk­sam­keits­gründe führen da­zu, dass die Ent­schei­dung der Ei­ni­gungs­stel­le ins­ge­samt un­wirk­sam ist.

Die von der Un­wirk­sam­keit der Re­ge­lun­gen nicht be­trof­fe­nen Be­rei­che stel­len für sich ge­nom­men kein sinn­vol­les Gan­zes mehr dar, das wirk­sam wei­ter­be­ste­hen könn­te. Im Kern der Re­ge­lung steht das In­te­gra­ti­ons­team, das um­fas­send das BEM durchführen und so­gar noch über des­sen Ab­schluss hin­aus im Rah­men ei­ner Wirk­sam­keits­kon­trol­le be­glei­ten soll. Mit dem Weg­fall der un­wirk­sa­men Re­ge­lun­gen zum In­te­gra­ti­ons­team ist un­klar, wer das BEM durchführen soll und wie der Be­triebs­rat dar­an zu be­tei­li­gen ist. Mit dem Weg­fall des In­te­gra­ti­ons­teams wäre die Be­triebs­ver­ein­ba­rung ih­res kenn­zeich­nen­den Kerns be­raubt.

Fer­ner fehlt es an ei­nem sinn­vol­len Gan­zen, so­weit ei­ne Re­ge­lung zum BEM oh­ne Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats nicht vor­ge­se­hen ist. Wie ei­ne der­ar­ti­ge Lücke im Rah­men ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung ge­schlos­sen wer­den soll, die dar­auf ba­siert, dass ein pa­ritätisch be­setz­ten Gre­mi­um das BEM ein­lei­tet, durchführt und die Er­geb­nis­se vor­be­rei­tet, lässt sich nicht er­ken­nen.

3) Es be­steht kein An­lass, über die Kos­ten zu ent­schei­den. Ge­richts­kos­ten fal­len nach § 2 Abs. 2 GKG nicht an. Für die außer­ge­richt­li­chen Kos­ten sind die §§ 91 ff ZPO nicht an­wend­bar, weil die Ver­pflich­tung der An­trag­stel­le­rin, die außer­ge­richt­li­chen Kos­ten des Be­triebs­rats zu tra­gen, nach § 40 Be­trVG zu be­ur­tei­len ist. Ei­nen Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch der Ar­beit­ge­be­rin ge­gen den Be­triebs­rat gibt es nicht, weil der Be­triebs­rat nicht vermögensfähig ist.

Ge­gen die­sen Be­schluss ist nach § 92 Abs. 1 Satz 2 ArbGG die Rechts­be­schwer­de zu­zu­las­sen, weil die Ent­schei­dung grundsätz­li­che Be­deu­tung im Sin­ne des § 72 Abs. 2 Zif­fer 1 ArbGG hat. Ob und wie ei­ne Zu­sam­men­ar­beit von Ar­beit­ge­be­rin und Be­triebs­rat beim be­trieb­li­chen Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment dem Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats un­ter­liegt und ob die­ses Mit­be­stim­mungs­recht für die­se Zu­sam­men­ar­beit ein ge­mein­sa­mes Gre­mi­um mit ei­ge­nen Ent­schei­dungs­be­fug­nis­sen er­zwing­bar macht, ist ei­ne Fra­ge von all­ge­mei­ner Be­deu­tung für ei­ne Viel­zahl von Fällen. In glei­cher Wei­se von grundsätz­li­cher Be­deu­tung ist die Fra­ge, ob auch für den Be­reich der Be­triebs­ver­fas­sung gilt, dass ein be­trieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment oh­ne Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats möglich sein muss.

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