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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Sozialplan
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Düsseldorf
Akten­zeichen: 16 Sa 577/09
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 18.06.2011
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 26.03.2009, 5 Ca 5101/08
   

16 Sa 577/09

5 Ca 5101/08
Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf  

 

Verkündet am 21. De­zem­ber 2009

Es­ser
Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

LAN­DES­AR­BEITS­GERICHT DÜSSEL­DORF

IM NA­MEN DES VOL­KES

UR­TEIL

In dem Rechts­streit

des Herrn I. K. L., O. Straße 2, E.,

- Kläger und Be­ru­fungs­be­klag­ter -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte Dr. T., C., T.,
B. Str. 621, L.,

g e g e n

die T. C. GmbH, ver­tre­ten durch die Geschäftsführer F. Q. und Dr. A., G. straße 1, C.,

- Be­klag­te und Be­ru­fungskläge­rin -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte H. u.a.,
B. straße 14, E.,

hat die 16. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 09.11.2009
durch den Rich­ter am Ar­beits­ge­richt Dr. Ul­rich als Vor­sit­zen­den so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter No­vak und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dah­men

für R e c h t er­kannt:

1. Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­rich­tes Düssel­dorf vom 26.03.2009 – 5 Ca 5101/08 teil­wei­se ab­geändert und die Kla­ge ins­ge­samt ab­ge­wie­sen. Die Be­ru­fung des Klägers wird zurück­ge­wie­sen.

2. Die Kos­ten des Rechts­streits trägt der Kläger.

3. Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

 

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T A T B E S T A N D :

Die Par­tei­en strei­ten über die Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung aus ei­nem So­zi­al­plan vom 13.03.2007 in Höhe von 222.700,60 € brut­to.

Die Be­klag­te hat am Stand­ort E.-S. ein Werk zur Her­stel­lung von Il­lus­tra­ti­ons- und Ka­ta­log­pa­pier be­trie­ben. Es be­stand ein Be­triebs­rat.

Der Kläger, ge­bo­ren am 04.02.1951, war bei der Be­klag­ten bzw. de­ren Rechts­vorgänge­rin­nen vom 09.09.1968 bis 31.07.2008 als Schich­t­e­lek­tri­ker beschäftigt. Die Ein­zel­hei­ten der Beschäfti­gung re­gel­te der Ar­beits­ver­trag vom 26.01.1989, Bl. 87 f. GA. Das mo­nat­li­che Brut­to­ge­halt be­trug zu­letzt 2.231,85 € zuzüglich ei­ner Prämie in Höhe von 187,51 € und Schicht­zu­schlägen in Höhe von 450,00 €, ins­ge­samt 2.869,36 € brut­to. Al­ler­dings er­litt der Kläger be­reits im De­zem­ber 2001 ei­nen Un­fall und war von die­sem Zeit­punkt an durch­ge­hend bis zur Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ar­beits­unfähig er­krankt. Seit dem 01.04.2003 be­zog er zunächst ei­ne be­fris­te­te Ren­te we­gen vol­ler Er­werbs­min­de­rung, die durch Be­scheid der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung vom 01.06.2007 bis zum 30.06.2009 verlängert wor­den ist, Bl. 96 GA. Seit dem 01.07.2009 be­steht ein un­be­fris­te­ter An­spruch auf Zah­lung der Ren­te we­gen vol­ler Er­werbs­min­de­rung. Die Ren­te be­trug aus­weis­lich der Ren­ten­be­zugs­be­schei­ni­gung vom 13.02.2009, Bl. 221 GA, zu­letzt 1.264,09 € brut­to, wor­aus sich ein Net­to­ren­ten­be­trag in Höhe von 1.135,79 € er­rech­net. Seit dem 01.01.2004 be­zieht der Kläger darüber hin­aus ei­ne In­va­li­den­ren­te auf der Grund­la­ge der Pen­si­ons­ord­nung der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten, der G. AG. Die Höhe der Be­triebs­ren­te be­trug zunächst 184,00 € und erhöhte sich ab dem 01.01.2007 auf 193,00 € zuzüglich an­tei­li­gem Weih­nachts­geld. Der Kläger ist schwer­be­hin­dert mit ei­nem Grad der Be­hin­de­rung von 50.

Die Be­klag­te ent­schloss sich En­de 2006/An­fang 2007, ihr E. Werk zum 31.12.2007 vollständig zu schließen und setz­te die­sen Ent­schluss um.

 

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Mit dem Be­triebs­rat ver­han­del­te sie ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich und So­zi­al­plan, die am 13.03.2007 ab­ge­schlos­sen wer­den konn­ten, Bl. 6. ff GA. Wört­lich heißt es aus­zugs­wei­se wie folgt:

„1. Gel­tungs­be­reich

1.1 An­spruchs­be­rech­tig­te

Leis­tun­gen aus die­sem So­zi­al­plan er­hal­ten al­le Ar­beit­neh­mer im Sin­ne des § 5 Be­trVG, die am 04.10.2006 in ei­nem un­gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis stan­den und de­ren Ar­beits­verhält­nis durch ei­ne ar­beit­ge­ber­sei­ti­ge be­triebs­be­ding­te Kündi­gung, ei­ner Ei­genkündi­gung oder durch Auf­he­bungs­ver­trag, zum Bei­spiel bei Wech­sel in die Trans­fer­ge­sell­schaft, en­det. Leis­tun­gen aus die­sem So­zi­al­plan er­hal­ten auch Beschäftig­te, die in ru­hen­den Ar­beits­verhält­nis­sen, wie zum Bei­spiel El­tern­zeit, Mut­ter­schutz, Wehr- und Zi­vil­dienst sind und gekündigt wer­den.

1.2 Nicht An­spruchs­be­rech­tig­te

Nicht an­spruchs­be­rech­tigt sind Beschäftig­te, de­nen be­rech­tigt aus wich­ti­gem Grund ver­hal­tens­be­dingt gekündigt wird, die die War­te­frist des § 1 KSchG (6 Mo­na­te Be­triebs­zu­gehörig­keit) nicht erfüllt ha­ben, de­ren Ar­beits­verhält­nis auf­grund ei­ner Be­fris­tung en­det, die frei­wil­lig ei­ne Al­ters­teil­zeit­ver­ein­ba­rung bzw. im Jahr 2006 ei­ne so­ge­nann­te „70er-Re­ge­lung“ ab­ge­schlos­sen ha­ben, die lei­ten­de An­ge­stell­te im Sin­ne des § 5 Ab­satz 3 Be­trVG sind, die Prak­ti­kan­ten oder Sti­pen­dia­ten sind, die vor Ab­lauf ih­rer Kündi­gungs­frist oder ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Aus­lauf­frist oh­ne Zu­stim­mung des Ar­beit­ge­bers aus­schei­den. Für Ar­beit­neh­mer, die in­ner­halb des T. F. Kon­zerns in ei­nem an­de­ren Un­ter­neh­men beschäftigt wer­den, gilt die Ab­fin­dungs­re­ge­lung un­ter Zif­fer 3.4 und 4.5 aus­sch­ließlich.

3. All­ge­mei­nes zu Ab­fin­dun­gen

3.1 De­fi­ni­tio­nen

3.1.1 Be­triebs­zu­gehörig­keits­zei­ten

Die Be­triebs­zu­gehörig­keit be­ginnt mit dem Ein­tritt

 

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in das Un­ter­neh­men. Hier­bei wer­den ge­ge­be­nen­falls die Aus­bil­dungs­zei­ten der Beschäftig­ten an­ge­rech­net. Sie wird auf vol­le Mo­na­te auf­ge­run­det. Vor­dienst­zei­ten bei ei­nem gemäß § 613 a BGB über­nom­me­nen Ar­beits­verhält­nis wer­den eben­so an­ge­rech­net wie Vor­dienst­zei­ten, die ver­trag­lich vom Ar­beit­ge­ber an­er­kannt wor­den sind oder in der Kon­zern­be­triebs­ver­ein­ba­rung „An­rech­nung von Dienst­zei­ten vom 01. Ok­to­ber 2003“ an­er­kannt wer­den.

3.1.2 Stich­tag

Stich­tag für die Be­rech­nung der Be­triebs­zu­gehörig­keit und des Le­bens­al­ters ist der Tag der recht­li­chen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses. An­ge­fan­ge­ne Dienst- und Le­bens­jah­re wer­den auf vol­le Mo­na­te ge­run­det.

3.2 Fällig­keit, Ab­tre­tung, Ver­er­bung

3.1.2 Fällig­keit

Die Ab­fin­dung ist am Tag der recht­li­chen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses des Beschäftig­ten fällig und wird mit der Schluss­ab­rech­nung aus­ge­zahlt.

3.2.3 Kündi­gungs­schutz­kla­ge

Er­hebt ein Beschäftig­ter Kündi­gungs­schutz­kla­ge oder Kla­ge nach § 113 Be­trVG, die im Zu­sam­men­hang mit der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses steht, so ru­hen die Ab­fin­dungs­ansprüche aus dem So­zi­al­plan bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Rechts­streits. Wer­den in ir­gend­ei­ner Wei­se Ab­fin­dun­gen für den Ver­lust des Ar­beits­plat­zes zu­er­kannt oder im Ver­gleichs­we­ge ver­ein­bart, so wer­den sie auf die Leis­tun­gen nach die­sem So­zi­al­plan an­ge­rech­net.

4. Ab­fin­dung

 

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4.1 Ab­fin­dung für Beschäftig­te bis 55 Jah­re

4.2 Ab­fin­dung für Beschäftig­te, die das 55. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben

Beschäftig­te, die bis zum 31.12.2007 das 55. Le­bens­jahr voll­enden, am 31.12.2007 min­des­tens ei­ne Be­triebs­zu­gehörig­keit von 15 Jah­ren auf­wei­sen und die Vor­aus­set­zun­gen für den Be­zug ei­ner vor­ge­zo­ge­nen Al­ters­ren­te (Al­ters­ren­te für langjährig Ver­si­cher­te bzw. Al­ters­ren­te nach Ar­beits­lo­sig­keit oder Al­ters­teil­zeit) ab dem 63. Le­bens­jahr erfüllen, er­hal­ten an­statt der Leis­tun­gen nach Zif­fer 4.1. des So­zi­al­pla­nes fol­gen­de Leis­tung als ein­ma­li­ge Ab­fin­dung mit der letz­ten Ab­rech­nung:

1. Die Ge­burts­jahrgänge 1951 und 1952 er­hal­ten 67 Pro­zent und die Ge­burts­jahrgänge 1950 und älter 70 Pro­zent vom im letz­ten Ab­rech­nungs­mo­nat gülti­gen Net­to­ent­gelt (auf Grund­la­ge Ta­ri­fent­gelt, ÜTZ, Prämie, Be­reit­schafts­dienst oh­ne Berück­sich­ti­gung von Mehr­ar­beit, VwL und Ein­mal­bezügen).

2. Die­ser mo­nat­li­che Net­to­be­trag wird mit der An­zahl der Mo­na­te vom Aus­tritt bis zum En­de des Mo­nats, in dem der Beschäftig­te das 63. Le­bens­jahr voll­endet, mul­ti­pli­ziert.

3. Für die ers­ten 18 Mo­na­te wird das von der Agen­tur für Ar­beit gewähr­te Ar­beits­lo­sen­geld auf den in Punkt 1 er­rech­ne­ten Net­to­be­trag an­ge­rech­net.

4. Für die nach Punkt 2 be­schrie­be­ne ge­sam­te Lauf­zeit wird der Be­zug der Leis­tun­gen aus der Pen­si­ons­ord­nung vor­ge­zo­gen und auf die Leis­tun­gen nach Punkt 1 an­ge­rech­net.

5. Für die Lauf­zeit nach Be­zug des Ar­beits­lo­sen­gel­des bis zu dem Mo­nat, in dem der Beschäftig­te das 63. Le­bens­jahr voll­endet, wird dem Beschäftig­ten der Bei­trag zur Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung auf Ba­sis des von der je­wei­li­gen Kran­ken­kas­se fest­ge­leg­ten Min­dest­ver­diens­tes bzw. Min­dest­bei­tra­ges gewährt.

6. Die Auf­nah­me ei­nes ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses nach Aus­tritt schmälert den

 

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An­spruch der Leis­tung nach Zif­fer 4.2. des So­zi­al­pla­nes vom 13.03.2007 nicht.

7. Späte­re ge­setz­li­che Ände­run­gen oder Ände­run­gen von Bei­tragssätzen, die die­se Be­stim­mun­gen berühren, ge­hen zu Las­ten des Beschäftig­ten.

8. Der nach die­ser Be­stim­mung er­mit­tel­te Net­to­be­trag wird ent­spre­chend der ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten auf ei­ne ein­ma­li­ge Brut­to­ab­fin­dung hoch­ge­rech­net und mit der letz­ten Ab­rech­nung zur Aus­zah­lung ge­bracht. Für die Be­rech­nung gilt die Steu­er­klas­se bei Ab­schluss des So­zi­al­pla­nes vom 13.03.2007.

9. Beiträge zur Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung wer­den von dem Beschäftig­ten selbst über­wie­sen.

10. Wei­ter­ge­hen­de ma­te­ri­el­le Ansprüche aus dem So­zi­al­plan vom 13.03.2007 ste­hen die­sem Beschäftig­ten­kreis nicht zu, mit Aus­nah­me der Zif­fer 5.1., 5.2. und Zif­fer 8.

11. Vor­aus­set­zung für die Gewährung der vor­ge­zo­ge­nen Al­ters­ren­te we­gen Ar­beits­lo­sig­keit oder Al­ters­teil­zeit ist, dass der Beschäftig­te sich für den ge­sam­ten Zeit­raum ar­beits­los mel­det, auch für die Zeit nach Be­zug des Ar­beits­lo­sen­gel­des oh­ne An­spruch auf Leis­tun­gen der Agen­tur für Ar­beit, es sei denn, der Beschäftig­te nimmt ei­ne neue ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäfti­gung auf. Beschäftig­te, de­ren Ar­beits­verhält­nis en­det, sind gemäß § 37b SGB III ver­pflich­tet, sich un­verzüglich nach Kennt­nis des Be­en­di­gungs­zeit­punk­tes persönlich bei der Agen­tur für Ar­beit ar­beits­su­chend zu mel­den.

4.4 Wei­te­re Ab­fin­dungs­leis­tun­gen

4.4.2 Schwer­be­hin­der­te Men­schen

Schwer­be­hin­der­te Men­schen mit ei­nem Grad der Be­hin­de­rung (GdB) von min­des­tens 50 und de­nen Gleich­ge­stell­te er­hal­ten ei­ne zusätz­li­che Ab­fin­dung, die sich nach fol­gen­der For­mel be­rech­net:

GdB x Eu­ro 1.000,-- brut­to
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5. Wei­te­re Ansprüche

5.1 Ju­biläen

Beschäftig­te, die im Jah­re 2008 nach Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ein 10-, 20-, 25- oder 40-jähri­ges Dienst­ju­biläum be­ge­hen könn­ten, er­hal­ten als zusätz­li­che Ab­fin­dung das be­triebsübli­che Ju­biläums­geld, Geld­ge­schenk und den Ge­gen­wert des Sach­ge­schenks von Eu­ro 50,-- brut­to.

5.2 Be­ra­tungsmöglich­kei­ten

Ar­beit­neh­mer, die von be­triebs­be­ding­ter Kündi­gung be­trof­fen sind oder frei­wil­lig in die Trans­fer­ge­sell­schaft wech­seln, ha­ben die Möglich­keit, sich durch ört­li­che Be­ra­tungs­stel­len zu Fra­gen der Schuld­ner­be­ra­tung, zu so­zi­al­recht­li­chen und steu­er­recht­li­chen Fra­gen be­ra­ten zu las­sen. Die pa­ritäti­sche Kom­mis­si­on (vgl. Zif­fer 8) wird hier­zu ge­eig­ne­te Be­ra­tungs­ein­rich­tun­gen vor­schla­gen. Die T. F. trägt hierfür die not­wen­di­gen Kos­ten.

8. Härte­fonds

Zum Aus­gleich so­zia­ler Härten stellt der Ar­beit­ge­ber ei­nen Härte­fonds in Höhe von Eu­ro 575.000,-- zur Verfügung. Mit die­sem Härte­fonds sol­len zusätz­li­che so­zia­le Härten der aus­schei­den­den Mit­ar­bei­ter ab­ge­mil­dert wer­den. Ein Rechts­an­spruch auf Mit­tel aus dem Härte­fonds be­steht nicht. Nicht ver­brauch­te Mit­tel fließen nach Durchführung der Maßnah­me an T. F. zurück.
Über die Ver­ga­be der Mit­tel (An­la­ge 3) ent­schei­det ei­ne pa­ritäti­sche Kom­mis­si­on, die aus je zwei Mit­glie­dern des Be­triebs­rats und zwei Ver­tre­tern der T. F. be­steht. ...“

Am 20.06.2007 ver­ein­bar­ten die Be­klag­te und der Be­triebs­rat ei­ne Pro­to­koll­no­tiz zu Zif­fer 4.2. des So­zi­al­plans vom 13.03.2007, Bl. 265 GA. Dar­in heißt es:

„In Zif­fer 4.2. des So­zi­al­pla­nes vom 13.03.2007 sind die Ansprüche für Beschäftig­te, die das 55. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, ge­re­gelt.

 

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In Zif­fer 4.2.10. wur­de fest­ge­legt, dass wei­ter­ge­hen­de ma­te­ri­el­le Ansprüche aus dem So­zi­al­plan vom 13.03.2007 die­sem Beschäftig­ten­kreis nicht zu­ste­hen mit Aus­nah­me der Zif­fern 5.1., 5.2. und 8.

Es wur­de nachträglich ver­ein­bart, dass die Aus­nah­me­re­ge­lun­gen der Zif­fer 4.2.10. auch auf die Zif­fer 4.4. des So­zi­al­pla­nes aus­ge­dehnt wird.

So­mit er­hal­ten auch die Beschäftig­ten, die das 55. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, bei Erfüllung der An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen die Leis­tun­gen nach 4.4.1. bis 4.4.3.

- 4.4.1 Kin­der­zu­schlag
- 4.4.2 Schwer­be­hin­der­te Men­schen - 4.4.3 Be­reit­schafts­pau­scha­le.“

Auf Grund­la­ge ih­rer Still­le­gungs­ent­schei­dung be­en­de­te die Be­klag­te in der Fol­ge­zeit die Ar­beits­verhält­nis­se mit sämt­li­chen Mit­ar­bei­tern durch Aus­spruch be­triebs­be­ding­ter Kündi­gun­gen oder auf an­de­re Wei­se. Da­bei wa­ren von der Ent­las­sung ins­ge­samt 358 Ar­beit­neh­mer be­trof­fen. Von die­sen Ar­beit­neh­mern wa­ren zwei Ar­beit­neh­mer älter als 63 Jah­re, die we­gen Zif­fer 4.2. Nr. 2 le­dig­lich Leis­tun­gen aus dem Härte­fonds be­zo­gen. Das So­zi­al­plan­vo­lu­men be­trug ins­ge­samt ca. 38 Mio. €.

Die Ar­beits­verhält­nis­se von vier Ar­beit­neh­mern, die ei­ne be­fris­te­te Ren­te we­gen vol­ler Er­werbs­min­de­rung be­zo­gen, be­en­de­te die Be­klag­te zunächst nicht. Da­bei sind drei die­ser Mit­ar­bei­ter, dar­un­ter der Kläger, zu­gleich an­er­kannt schwer­be­hin­dert.

Am 10.10.2007 schlos­sen die Be­triebs­part­ner ei­ne „Be­triebs­ver­ein­ba­rung zur Ergänzung des So­zi­al­pla­nes der T. S. GmbH & Co. KG vom 13.03.2007“, Bl. 30 ff GA. Aus­zugs­wei­se heißt es wört­lich:

„ Präam­bel

....

T. F. be­treibt am Stand­ort E. S. ein Werk zur Her­stel­lung von Il­lus­tra­ti­ons- und Ka­ta­log­pa­pier. Das Werk wird auf­grund Ge­sell­schaf­ter­be­schlus­ses aus Ok­to­ber 2006 mit Ab­lauf des 31.12.2007

 

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ge­schlos­sen und die Be­triebstätig­keit ein­ge­stellt. Die T. S. GmbH & Co. KG hat un­ter dem 13.03.2007 ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich so­wie So­zi­al­plan ge­schlos­sen, um die mit der Be­triebs­still­le­gung ent­ste­hen­den wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le und Ver­lus­te des so­zia­len Be­sitz­stan­des für die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer zu mil­dern. Nach Zif­fer 1.1 des So­zi­al­pla­nes sind an­spruchs­be­rech­tigt grundsätz­lich al­le Ar­beit­neh­mer i.S.v. § 5 Be­trVG, die am 04.10.2006 in ei­nem un­gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis stan­den und de­ren Ar­beits­verhält­nis durch ei­ne ar­beit­ge­ber­sei­ti­ge be­triebs­be­ding­te Kündi­gung, ei­ne Ei­genkündi­gung oder durch Auf­he­bungs­ver­trag, zum Bei­spiel beim Wech­sel in ei­ne Trans­fer­ge­sell­schaft, en­det. Dies gilt grundsätz­lich auch für ru­hen­de Ar­beits­verhält­nis­se.

Die Be­triebs­par­tei­en sind bei Ab­schluss des So­zi­al­pla­nes übe­rein­stim­mend da­von aus­ge­gan­gen, dass Mit­ar­bei­ter, die auf­grund des Be­zu­ges be­fris­te­ter vol­ler Er­werbs­min­de­rungs­ren­te zum Stich­tag 04.10.2006 nicht mehr beschäftigt sind und de­ren Wie­der­er­lan­gung der Ar­beitsfähig­keit nicht ab­seh­bar ist, Leis­tun­gen aus dem So­zi­al­plan nicht er­hal­ten sol­len.

Vor­sorg­lich und zur Ver­mei­dung von Streitfällen set­zen die Be­triebs­part­ner die­sen Wil­len mit der nach­fol­gen­den Ergänzung zum So­zi­al­plan noch­mals um:

§ 1 – Ergänzung der Aus­schluss­gründe zur An­spruchs­be­rech­ti­gung

Zif­fer 1.2 des So­zi­al­pla­nes vom 13.03.2007 wird wie folgt ergänzt:

„Nicht an­spruchs­be­rech­tigt sind des Wei­te­ren Ar­beit­neh­mer, die am 04.10.2006 un­ter Be­zug ei­ner be­fris­te­ten vol­len Er­werbs­min­de­rungs­ren­te nicht beschäftigt sind und

die nach Ab­lauf der be­fris­te­ten Er­werbs­min­de­rungs­ren­te be­rech­tigt sind, die ge­setz­li­che Re­gel­al­ters­ren­te – auch vor­ge­zo­gen un­ter Hin­nah­me von Ab­schlägen – zu be­an­spru­chen;

de­ren Ren­ten we­gen ver­min­der­ter Er­werbsfähig­keit un­be­fris­tet ge­leis­tet wer­den oder un­wahr­schein­lich ist, dass die Min­de­rung der Er­werbsfähig­keit be­ho­ben wer­den kann (§ 102 Abs. 2 Satz 5 SGB VI);

bei de­nen aus an­de­ren Gründen da­mit zu rech­nen ist, dass die mit der Er­werbs­min­de­rung ein­her­ge­hen­de Ar­beits­unfähig­keit auf Dau­er fort­be­steht oder zu­min­dest in ab­seh­ba­rer Zeit nicht be­ho­ben wer­den kann und da­mit ei­nen Grund zur per­so­nen­be­ding­ten, da krank­heits­be­ding­ten, Kündi­gung gemäß § 1 Abs. 2 KSchG vor­liegt. Die Be­triebs­par­tei­en ge­hen da­von aus, dass dies bei ei­ner die Ren­te we­gen vol­ler Er­werbs­min­de­rung be­glei­ten­den Ar­beits­unfähig­keit von

 

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mehr als drei Jah­ren oder ei­ner ent­spre­chen­den Be­wil­li­gung von vol­ler Er­werbs­min­de­rungs­ren­te für mehr als drei Jah­re ge­ge­ben sind.“

§ 2 – Be­son­de­rer Härte­fonds

Zum Aus­gleich be­son­de­rer so­zia­ler Härten stellt T. ei­nen Härte­fonds in Höhe von 40.000,-- € für die in § 1 be­nann­ten Mit­ar­bei­ter zur Verfügung. Mit die­sem Härte­fonds sol­len zusätz­li­che so­zia­le Härten der aus­schei­den Mit­ar­bei­ter ab­ge­mil­dert wer­den. Ein Rechts­an­spruch auf Mit­tel aus dem Härte­fonds be­steht nicht. Nicht ver­brauch­te Mit­tel fließen nach Durchführung der Be­triebs­still­le­gung an T. zurück. Über die Ver­ga­be der Mit­tel ent­schei­det ei­ne pa­ritäti­sche Kom­mis­si­on, die aus je zwei Mit­glie­dern des Be­triebs­ra­tes und zwei Ver­tre­tern von T. be­steht...

§ 3 – Fort­gel­tung des So­zi­al­pla­nes vom 13.03.2007

Der So­zi­al­plan der T. S. GmbH & Co. KG vom 13.03.2007 bleibt, so­weit er nicht durch die vor­ste­hen­den Re­ge­lun­gen ergänzt oder geändert wird, im Übri­gen un­berührt.

§ 4 – Sal­va­to­ri­sche Klau­sel

....

§ 5 – In­kraft­tre­ten

Die­se Be­triebs­ver­ein­ba­rung tritt mit Un­ter­zeich­nung in Kraft und gilt, bis die im ab­ge­schlos­se­nen In­ter­es­sen­aus­gleich der T. S. GmbH & Co. KG vom 13.03.2007 be­schrie­be­ne Be­triebsände­rung durch­geführt und die sich dar­aus er­ge­ben­den per­so­nel­len Maßnah­men um­ge­setzt sind.“

Nach Ab­schluss die­ser Be­triebs­ver­ein­ba­rung lei­te­te die Be­klag­te das Ver­fah­ren zur Kündi­gung der vier Er­werbs­unfähig­keits­ren­te be­zie­hen­den Ar­beit­neh­mer ein. Letzt­lich kündig­te die Be­klag­te das mit dem Kläger be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis nach Zu­stim­mung des In­te­gra­ti­ons­am­tes mit Schrei­ben vom 10.12.2007 zum 31.07.2008, Bl. 34 GA. Wört­lich heißt es im Kündi­gungs­schrei­ben aus­zugs­wei­se:

„... Da das Ar­beits­verhält­nis auf­grund der Be­triebs­sch­ließung nicht au­to­ma­tisch en­det, ist es not­wen­dig, dies auf­grund der Be­triebs­sch­ließung zu kündi­gen. ....

Zum Aus­gleich so­zia­ler Härten ha­ben wir ei­nen Härte­fonds ein­ge­rich­tet. Wir sind be­reit, Ih­nen aus dem Härte­fonds ab­sch­ließend ei­nen Be­trag in Höhe von brut­to 10.000,-- € zu gewähren. Der Be­trag

 

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wird mit der Ju­li-Ab­rech­nung 2008 zur Aus­zah­lung ge­bracht, vor­aus­ge­setzt, dass kei­ne wei­te­ren Ansprüche Ih­rer­seits gel­tend ge­macht wer­den.“

Den aus dem Härte­fonds an­gekündig­ten Be­trag in Höhe von 10.000,00 € zahl­te die Be­klag­te an den Kläger, nach­dem die­ser nicht ge­gen die be­triebs­be­ding­te Kündi­gung vor­ging.

Mit sei­ner am 10.07.2008 beim Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf ein­ge­reich­ten Kla­ge mach­te der Kläger die Zah­lung ei­ner So­zi­al­plan­ab­fin­dung gemäß Zif­fer 4.2 des So­zi­al­plans vom 13.03.2007 gel­tend. Da­bei be­zif­fer­te er sei­nen An­spruch zunächst mit ei­nem Be­trag in Höhe von 133.463,44 € brut­to. Durch ei­ne am 24.02.2009 ein­ge­gan­ge­ne Kla­ge­er­wei­te­rung erhöhte er die­sen Be­trag auf 222.700,60 € brut­to. Die drei wei­te­ren Er­werbs­unfähig­keits­ren­te be­zie­hen­den Ar­beit­neh­mer mach­ten kei­ne Zah­lungs­ansprüche ge­richt­lich gel­tend.

Der Kläger hat erst­in­stanz­lich die Auf­fas­sung ver­tre­ten, er fal­le in den An­wen­dungs­be­reich des So­zi­al­plans vom 13.03.2007. Er erfülle die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen von Zif­fer 1.1 und sei nicht nach Zif­fer 1.2 von Leis­tun­gen aus­ge­nom­men. An­ge­sichts sei­nes Le­bens­al­ters be­rech­ne sich sein An­spruch nach Zif­fer 4.2 des So­zi­al­pla­nes. Dem­ge­genüber könne die Ergänzungs­ver­ein­ba­rung vom 10.10.2007 die ent­stan­de­nen Ansprüche nicht aus­sch­ließen. So­weit die Ergänzungs­ver­ein­ba­rung den An­spruchs­aus­schluss an den Be­zug der be­fris­te­ten Ren­te we­gen vol­ler Er­werbs­min­de­rung knüpfe, lie­ge ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung we­gen des Merk­mals Be­hin­de­rung vor. Denn er wer­de im Verhält­nis zu an­de­ren Ar­beit­neh­mern, die das 55. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, ungüns­ti­ger be­han­delt, oh­ne dass ein Recht­fer­ti­gungs­grund be­ste­he. Auch bestünden kei­ne sons­ti­gen Gründe, ihn aus dem An­wen­dungs­be­reich des So­zi­al­pla­nes vom 13.03.2007 aus­zu­neh­men. Ins­be­son­de­re sei er nicht so­zi­al we­ni­ger schutz­bedürf­tig als die an­de­ren von be­triebs­be­ding­ten Kündi­gun­gen be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer der Be­klag­ten. Da­bei sei zu berück­sich­ti­gen, dass er die Er­werbs­min­de­rungs­ren­te nur be­fris­tet er­hal­te. Trotz der vor­lie­gen­den schwe­ren Schädi­gung sei die Wie­der­her­stel­lung der Ar­beitsfähig­keit denk­bar. Sei­nen An­spruch be­rech­ne­te er zu­letzt mit 222.700,60 €. Aus­ge­hend von

 

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ei­nem Brut­to­ge­halt in Höhe von 2.869,36 €, aus dem sich ein Net­to­be­trag von 1.753,35 € er­ge­be, be­tra­ge der nach Zif­fer 4.2 Nr. 1 des So­zi­al­pla­nes zu berück­sich­ti­gen­de 67%ige An­teil 1.409,24. Mul­ti­pli­ziert mit 67 Mo­na­ten bis zum Ren­ten­be­ginn (Zif­fer 4.2 Nr. 2) er­rech­ne sich ein Be­trag von 94.419,08 € zuzüglich 9.483,18 € Beiträgen zur Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung (67 * 125,15 € + 16,83 €), 19.128,50 € Ren­ten­ver­si­che­rungs­beiträgen (285,50 € * 67) so­wie 5.000,00 € als Schwer­be­hin­der­ter und 1.475,00 € für das Dienst­ju­biläum, ins­ge­samt 129.505,76 €. Zie­he man da­von die Be­triebs­ren­te in Höhe von 10.965,22 € ab, ver­blei­be ein Be­trag in Höhe von 129.505,76, der auf ei­nen Brut­to­be­trag in Höhe von 222.700,60 € hoch­zu­rech­nen sei. Abzüge we­gen der von ihm be­zo­ge­nen Er­werbs­min­de­rungs­ren­te sei­en un­zulässig, weil der So­zi­al­plan vom 13.10.2007 kei­ne ent­spre­chen­de Re­ge­lung ent­hal­te. Ei­ne ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung, wie die Be­klag­te mei­ne, kom­me nicht in Be­tracht. Auch müsse er sich die ge­zahl­ten 10.000,00 € aus dem Härte­fonds der Be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 10.10.2007 nicht auf die So­zi­al­plan­for­de­rung an­rech­nen las­sen. Sch­ließlich se­he auch der So­zi­al­plan vom 13.03.2007 ei­nen Härte­fonds vor. Der An­spruch sei auch nicht gem. § 27 des Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges für Ar­beit­neh­mer in der Pa­pier­in­dus­trie der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land vom 07.02.1997 ganz oder in Höhe von 133.463,44 € teil­wei­se ver­fal­len. Rich­tig sei zwar, dass er sei­nen An­spruch zunächst nicht rich­tig be­rech­net ha­be, weil die Brut­to­hoch­rech­nung über­se­hen wor­den sei. Die Be­klag­te könne sich dar­auf aber nicht be­ru­fen, oh­ne sich dem Vor­wurf der Treu­wid­rig­keit aus­zu­set­zen. Bis zum 18.03.2009 hätten ihm noch nicht al­le Un­ter­la­gen zur Be­rech­nung der So­zi­al­plan­for­de­rung vor­ge­le­gen. Letzt­lich er­fas­se die ta­rif­li­che Ver­falls­frist den So­zi­al­plan­an­spruch auch nicht.

Der Kläger hat erst­in­stanz­lich zu­letzt be­an­tragt,

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 222.700,60 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz ab dem 01.08.2008 zu zah­len.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen

 

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Die Be­klag­te hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der Kläger fal­le schon nicht in den An­wen­dungs­be­reich des So­zi­al­pla­nes vom 13.03.2007. Es sei ge­mein­sa­mes Verständ­nis der Be­triebs­part­ner ge­we­sen, Mit­ar­bei­ter, die ei­ne be­fris­te­te vol­le Er­werbs­min­de­rungs­ren­te be­zie­hen, von So­zi­al­plan­leis­tun­gen aus­zu­neh­men. Dies sei durch die Be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 10.10.2007 klar­ge­stellt wor­den. Be­den­ken ge­gen die Wirk­sam­keit die­ser Be­triebs­ver­ein­ba­rung bestünden nicht. Ins­be­son­de­re lie­ge we­der ei­ne un­mit­tel­ba­re noch ei­ne mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung we­gen des Merk­mals Be­hin­de­rung vor. Denn an den Be­griff der Be­hin­de­rung wer­de im Tat­be­stand der Re­ge­lung gar nicht an­ge­knüpft. Ent­schei­dend sei die Nicht­beschäfti­gung der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer und de­ren vol­le Ab­si­che­rung durch Ren­ten­leis­tun­gen. Da­bei hätten die Be­triebs­part­ner die Pro­gno­se ge­trof­fen, dass bei Ar­beit­neh­mern mit seit Jah­ren lau­fen­den Er­werbs­min­de­rungs­ren­ten kei­ne Re­inte­gra­ti­on in den Ar­beits­markt zu er­war­ten sei und die schon seit länge­rer Zeit ge­zahl­ten Ent­gel­ter­satz­leis­tun­gen dau­er­haft fort­ge­zahlt würden. Der Kläger sei auch nicht mit den übri­gen Mit­ar­bei­tern, die das 55. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben und be­triebs­be­dingt gekündigt wor­den sei­en zu ver­glei­chen. Denn die­se Per­so­nen hätten in ei­nem ak­ti­ven Beschäfti­gungs­verhält­nis ge­stan­den und kei­ne So­zi­al­leis­tun­gen be­zo­gen. In­so­fern feh­le es beim Kläger an ei­nem ab­zu­gel­ten­den Be­sitz­stand. Hin­sicht­lich der Höhe der gel­tend ge­mach­ten For­de­rung ist sie der Auf­fas­sung, der Kläger müsse sich die ge­zahl­ten 10.000,00 € aus dem Härte­fonds an­rech­nen las­sen und erklärt hilfs­wei­se die Auf­rech­nung mit ei­nem Rück­for­de­rungs­an­spruch. Zu­dem sei die Be­triebs­ren­te so­wie im We­ge der ergänzen­den Ver­trags­aus­le­gung auch die Ren­te we­gen Er­werbs­min­de­rung an­zu­rech­nen. Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rungs­beiträge hin­ge­gen könn­ten nicht ein­be­rech­net wer­den. Zu­dem sei der An­spruch ver­fal­len. Der Ver­fall be­tref­fe den An­spruch ins­ge­samt, weil der Kläger ei­nen Be­trag gel­tend ge­macht ha­be, der nicht im An­satz mit der So­zi­al­plan­ab­fin­dung übe­rein­stim­me. Je­den­falls aber sei der über den Be­trag von 133.463,44 € hin­aus­ge­hen­de Teil ver­fal­len. Die Falsch­be­rech­nung durch Nicht­berück­sich­ti­gung der in Zif­fer 8 des So­zi­al­pla­nes ge­re­gel­ten Brut­to­hoch­rech­nung könne er nicht ihr an­las­ten.

 

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Das Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf hat der Kla­ge teil­wei­se in Höhe ei­nes Be­tra­ges von 123.463,44 € brut­to statt­ge­ge­ben. Es hat da­bei die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der Kläger fal­le in den An­wen­dungs­be­reich des So­zi­al­pla­nes vom 13.03.2007 und sei durch den Nach­trag zum So­zi­al­plan vom 10.10.2007 nicht wirk­sam von So­zi­al­plan­leis­tun­gen aus­ge­nom­men wor­den. Zwar schließe die Ergänzungs­ver­ein­ba­rung ei­nen An­spruch des Klägers vom Wort­laut her aus. Dies stel­le aber ei­ne Be­nach­tei­li­gung Be­hin­der­ter gem. § 7 Abs. 2 AGG dar. Auch wenn die Be­triebs­part­ner bei der Gewährung von Leis­tun­gen ei­nen wei­ten Be­ur­tei­lungs­spiel­raum hätten, dürf­ten sie nie­man­den be­nach­tei­li­gen. Der Aus­schluss der Mit­ar­bei­ter, die ei­ne Ren­te we­gen vol­ler Er­werbs­min­de­rung be­zie­hen, stel­le aber ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung nach dem AGG we­gen des Merk­mals Be­hin­de­rung dar. Der Be­griff der Be­hin­de­rung sei um­fas­send zu ver­ste­hen. Er set­ze vor­aus, dass die Teil­ha­be am Be­rufs­le­ben über ei­nen länge­ren Zeit­raum ein­ge­schränkt sei. Die Ergänzungs­ver­ein­ba­rung knüpfe zwar nicht aus­drück­lich an das Merk­mal der Be­hin­de­rung an, doch ste­he das Un­ter­schei­dungs­merk­mal „Er­werbs­unfähig­keits­ren­te“ in ei­nem un­trenn­ba­ren Zu­sam­men­hang mit der Be­hin­de­rung. Für die­se Be­nach­tei­li­gung bestünde kein Recht­fer­ti­gungs­grund. § 10 AGG fände kei­ne An­wen­dung, so dass der Recht­fer­ti­gungs­maßstab des § 8 Abs. 1 AGG ein­grei­fe. Dass die Be­hin­de­rung in die­sem Sin­ne ei­ne ent­schei­den­de be­ruf­li­che An­for­de­rung dar­stel­le, sei nicht er­sicht­lich. Auch wenn man nur ei­ne mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung an­neh­men woll­te, fehl­te ein Recht­fer­ti­gungs­tat­be­stand. Denn die vollständi­ge Her­aus­nah­me der Ar­beit­neh­mer aus dem An­wen­dungs­be­reich des So­zi­al­pla­nes, die ei­ne Er­werbs­min­de­rungs­ren­te be­zie­hen, sei nicht an­ge­mes­sen. Die Höhe des An­spruchs be­tra­ge 123.463,44 €. Der darüber hin­aus­ge­hen­de Be­trag sei nach § 27 Zif­fer 2 MTV für die Pa­pier­in­dus­trie ver­fal­len, weil der Kläger zunächst ei­nen nied­ri­ge­ren Be­trag ein­ge­klagt ha­be, ob­wohl ihm die Be­rech­nungs­mo­da­litäten be­kannt ge­we­sen sei­en. Der zu­grun­de lie­gen­de Be­rech­nungs­feh­ler führe aber nicht da­zu, dass die Gel­tend­ma­chung über­haupt un­wirk­sam sei. Denn schließlich könne der Kläger auch nur Tei­le ei­nes An­spruchs gel­tend ma­chen. Aus­ge­hend vom Brut­to­mo­nats­ge­halt des Klägers be­tra­ge der Aus­gangs­wert gem. Zif­fer 4.2.2 des So­zi­al­pla­nes 94.419,08 € net­to (67 * 1.409,24). Von die­sem Be­trag sei kein Ar­beits­lo­sen­geld fik­tiv in Ab­zug zu brin­gen. Denn nach dem Wort­laut des So­zi-

 

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al­pla­nes wer­de nur das von der Agen­tur tatsächlich gewähr­te Ar­beits­lo­sen­geld an­ge­rech­net. Auch die Ren­te we­gen vol­ler Er­werbs­min­de­rung re­du­zie­re den An­spruch nicht, weil ei­ne An­rech­nungs­vor­schrift feh­le. Vom An­spruch in Höhe von 94.419,08 sei aber die Be­triebs­ren­te in Höhe von 10.965,22 € ab­zu­zie­hen (67 * 163,66 €), so dass 83.453,86 € net­to blie­ben. Ob der Kläger nach Zif­fer 4.2.5 des So­zi­al­pla­nes die Min­dest­beträge zur Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung hin­zu­rech­nen dürfe, könne da­hin­ste­hen. Denn bei ei­ner Brut­to­hoch­rech­nung er­ge­be sich be­reits ein Wert von 131.294,94 €. Berück­sich­ti­ge man zusätz­lich die 5.000,00 € gem. 4.4.2. des So­zi­al­pla­nes we­gen des Gra­des der Be­hin­de­rung, sei die­ser Be­trag schon höher als die nicht ver­fal­le­ne Kla­ge­for­de­rung. Die­se For­de­rung sei in Höhe von 10.000,00 € durch Auf­rech­nung un­ter­ge­gan­gen.

Das Ur­teil des Ar­beits­ge­rich­tes Düssel­dorf vom 26.03.2009 ist den Par­tei­en am 28.05.2009 zu­ge­stellt wor­den. Da­ge­gen hat der Kläger mit ei­nem am 12.06.2009 bei Ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se mit ei­nem am 27.07.2009 bei Ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet. Die Be­klag­te hat mit ei­nem am 04.06.2009 bei Ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se – nach Verlänge­rung der Frist zur Be­gründung der Be­ru­fung bis zum 30.08.2009 – mit ei­nem am 28.08.2009 bei Ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet.

Der Kläger wen­det sich mit sei­ner Be­ru­fung ge­gen die Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­rich­tes, sein An­spruch sei in Höhe von 89.237,16 € ver­fal­len so­wie die vom Ar­beits­ge­richt vor­ge­nom­me­ne Auf­rech­nung. Die ta­rif­li­che Ver­fall­klau­sel sei un­an­wend­bar. Sie ent­hal­te ei­ne un­an­ge­mes­sen kur­ze Frist, die we­gen des Ver­s­toßes ge­gen die gu­ten Sit­ten un­wirk­sam sei. Auch berück­sich­ti­ge die ta­rif­li­che Re­ge­lung die Fällig­keits­zeit­punk­te nicht. Zu­dem könne sich die Be­klag­te auch nicht auf die Ver­fall­klau­sel be­ru­fen. Sie ha­be ihm, dem Kläger, nicht al­le In­for­ma­tio­nen zur Be­rech­nung sei­ner Ansprüche zur Verfügung ge­stellt. Er ha­be seit Mit­te 2007 im­mer wie­der ver­sucht, In­for­ma­tio­nen über den In­halt des So­zi­al­pla­nes zu er­hal­ten. Gleich­wohl sei ihm der So­zi­al­plan vor­ent­hal­ten wor­den. Sch­ließlich ha­be er den So­zi­al­plan von ei­nem Kol­le­gen er­hal­ten und auf

 

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Grund­la­ge ei­nes For­mu­lars sei­ne Ansprüche be­rech­net. Er sei da­von aus­ge­gan­gen, dass der im For­mu­lar ver­wen­de­te Be­griff „Net­to­ab­fin­dung“ ein Feh­ler sei und ha­be ei­nen Brut­to­be­trag ein­ge­klagt. Die­sen Feh­ler ha­be die Be­klag­te un­schwer er­ken­nen können. Ei­ne Auf­rech­nung mit den ge­zahl­ten 10.000,00 € aus dem Härte­fonds schei­de aus, weil der So­zi­al­plan selbst ei­nen Härte­fonds ent­hal­te und er, der Kläger, des­sen Kri­te­ri­en erfülle.

Er fal­le auch in den An­wen­dungs­be­reich des So­zi­al­pla­nes. Sein Ar­beits­verhält­nis sei aus­weis­lich des Wort­lau­tes der Kündi­gung we­gen der Be­triebs­still­le­gung gekündigt wor­den. Nichts an­de­res sei auch Ge­gen­stand des An­trags der Be­klag­ten beim In­te­gra­ti­ons­amt ge­we­sen. So­weit die Be­klag­te mei­ne, es han­de­le sich um ei­ne krank­heits­be­ding­te Kündi­gung feh­le es schon an der ne­ga­ti­ven Ge­sund­heits­pro­gno­se. Es bestünde Hoff­nung auf ei­ne Bes­se­rung sei­nes Ge­sund­heits­zu­stan­des. Der Ergänzungs­so­zi­al­plan sei un­wirk­sam. Der Aus­schluss­tat­be­stand knüpfe ein­deu­tig an die Zah­lung der Er­werbs­min­de­rungs­ren­te an, die wie­der­um un­trenn­bar mit dem Merk­mal der Be­hin­de­rung in Zu­sam­men­hang ste­he. Da­mit han­de­le es sich um ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung, für die ein Recht­fer­ti­gungs­tat­be­stand nicht be­ste­he.

Der Kläger be­an­tragt,

1. das Ur­teil des Ar­beits­ge­rich­tes Düssel­dorf vom 26.03.2009 – 5 Ca 5101/08 – teil­wei­se ab­zuändern und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 222.700,60 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit 01.08.2008 zu zah­len;

2. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten zurück­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

1. das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 26.03.2009 – 5 Ca 5101/08 – teil­wei­se ab­zuändern und die Kla­ge ins­ge­samt ab­zu­wei­sen;

2. die Be­ru­fung des Klägers zurück­zu­wei­sen.

 

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Die Be­klag­te wen­det sich mit ih­rer Be­ru­fung ge­gen ih­re Ver­ur­tei­lung zur Zah­lung von 123.463,44 €. Sie macht un­ter Wie­der­ho­lung ih­res erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens ergänzend gel­tend, der Kläger ha­be kei­nen An­spruch nach Zif­fer 1 des So­zi­al­plans vom 13.03.2007. Zwar er­hiel­ten da­nach auch Mit­ar­bei­ter in ei­nem ru­hen­den Ar­beits­verhält­nis ei­ne Ab­fin­dung. Es sei aber be­reits bei Ab­schluss des So­zi­al­pla­nes ge­mein­sa­mes Verständ­nis der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ge­we­sen, dass Mit­ar­bei­ter, die ei­ne be­fris­te­te vol­le Er­werbs­unfähig­keits­ren­te be­zie­hen, nicht mehr beschäftigt sei­en. Die­ses ge­mein­sa­me Verständ­nis sei in der Präam­bel der Be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 10.10.2007 bestätigt wor­den. Da der Kläger be­reits seit 2001 nicht mehr beschäftigt ge­we­sen sei und seit 2003 Er­werbs­min­de­rungs­ren­te und seit 2004 ei­ne In­va­li­den­ren­te nach der Pen­si­ons­ord­nung be­zo­gen ha­be, sei­en die Be­triebs­par­tei­en da­von aus­ge­gan­gen, das Ar­beits­verhält­nis wer­de nicht wie­der ak­ti­viert. Auch feh­le es an dem Kau­sal­zu­sam­men­hang zwi­schen Still­le­gung und Ar­beits­platz­ver­lust, weil in der Per­son des Klägers die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner krank­heits­be­ding­ten Kündi­gung vor­ge­le­gen hätten. Je­den­falls aber sei der Kläger durch die Be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 10.10.2007 wirk­sam von So­zi­al­plan­leis­tun­gen aus­ge­nom­men wor­den. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­rich­tes knüpfe die Re­ge­lung nicht an das Merk­mal „Be­hin­de­rung“, son­dern den „Be­sitz­stand“ an. Ent­schei­dend sei, dass die Per­so­nen aus Sicht der Be­triebs­part­ner nicht mehr „beschäftigt“ sei­en. Ei­ne ver­deck­te un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung läge dar­in nicht. Denn das Merk­mal der Er­werbs­min­de­rung sei ge­ra­de nicht das ver­wen­de­te Dif­fe­ren­zie­rungs­kri­te­ri­um. Die Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­rich­tes ge­he auch des­halb fehl, weil es die Ver­gleichs­grup­pe un­zu­tref­fend ge­bil­det ha­be. Der Kläger sei nicht mit den übri­gen Mit­ar­bei­tern ver­gleich­bar, die älter als 55 Jah­re sind, weil er im Ge­gen­satz zu die­sen über kei­nen Be­sitz­stand verfüge. Man­gels vor­han­de­ner Be­nach­tei­li­gung bestünde ein wei­ter Be­ur­tei­lungs­spiel­raum der Be­triebs­par­tei­en, der nicht über­schrit­ten wor­den sei, weil der Kläger durch den Ren­ten­be­zug voll ab­ge­si­chert sei. Selbst wenn es sich um ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung han­deln soll­te, wäre sie ge­recht­fer­tigt. Denn die §§ 8, 10 AGG re­gel­ten die Recht­fer­ti­gungs­tat­bestände nicht ab­sch­ließend. Es sei nicht zu be­an­stan­den, wenn die Par­tei­en Ar­beits­verhält­nis­se, die nur noch for­mal bestünden, von Leis­tun-

 

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gen aus­neh­men, ge­ra­de weil die Be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer an­der­wei­tig ab­ge­si­chert sei­en. Im Übri­gen sei­en die Ansprüche ins­ge­samt ver­fal­len. Nach der Recht­spre­chung des BAG hin­de­re die Gel­tend­ma­chung ei­nes Be­tra­ges, der mit der ei­gent­li­chen For­de­rung in kei­ner­lei Zu­sam­men­hang ste­he, den Ver­fall nicht. Je­den­falls aber sei der An­spruch in Höhe von 89.237,16 € ver­fal­len. Be­den­ken ge­gen die Wirk­sam­keit der ta­rif­li­chen Ver­fall­frist bestünden nicht. Sie könne sich auch auf die Frist be­ru­fen, weil dem Kläger al­le re­le­van­ten Be­rech­nungs­un­ter­la­gen zugäng­lich ge­macht wor­den sei­en. So­weit kein Ver­fall ein­ge­tre­ten sein soll­te, sei der An­spruch der Höhe nach zu kor­ri­gie­ren. Vom Aus­gangs­wert gem. Zif­fer 4.2 sei zunächst das Ar­beits­lo­sen­geld in Ab­zug zu brin­gen. Denn es han­de­le sich um ei­nen fik­ti­ven Rech­nungs­pos­ten auf Ba­sis der Ar­beits­los­mel­dung. Zu­dem sei die Er­werbs­min­de­rungs­ren­te an­zu­rech­nen. In­so­weit be­ste­he im So­zi­al­plan ei­ne Re­ge­lungslücke. Durch die Be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 10.10.2007 hätten die Be­triebs­part­ner aber deut­lich zum Aus­druck ge­bracht, die Grup­pe der Mit­ar­bei­ter, die ei­ne Er­werbs­min­de­rungs­ren­te be­zie­hen, von So­zi­al­plan­leis­tun­gen aus­zu­neh­men. Bei die­sem Wil­len aber hätten sie für den Fall der Un­wirk­sam­keit die­ser Re­ge­lung je­den­falls die An­rech­nung der Er­werbs­min­de­rungs­ren­te ver­ein­bart.

 

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E N T S C H E I D U N G S G R Ü N D E:

I.

Die Be­ru­fung der Be­klag­ten hat­te Er­folg. Die Be­ru­fung des Klägers hin­ge­gen ist un­be­gründet. Der Kläger hat ge­gen die Be­klag­te kei­nen An­spruch auf Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung gem. Zif­fer 4.2 des So­zi­al­pla­nes vom 13.03.2007. Denn die Be­triebs­part­ner ha­ben den Kläger durch die Ergänzungs­ver­ein­ba­rung vom 10.10.2007 wirk­sam von So­zi­al­plan­ansprüchen aus­ge­nom­men. Die Her­aus­nah­me verstößt we­der ge­gen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz noch ge­gen Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­te. Ins­be­son­de­re enthält die Re­ge­lung kei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen des Merk­mals „Be­hin­de­rung“.

1. Der Kläger kann nach § 1 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung zur Ergänzung des So­zi­al­pla­nes der T. F. S. GmbH & Co.KG vom 10.10.2007 kei­nen An­spruch auf Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung gem. Zif­fer 4.2 des So­zi­al­pla­nes vom 13.03.2007 gel­tend ma­chen.

§ 1 der Ver­ein­ba­rung vom 10.10.2007 ergänzt Zif­fer 1.2 des So­zi­al­pla­nes vom 13.03.2007. Nach die­ser Ergänzung ha­ben die Ar­beit­neh­mer kei­nen An­spruch auf So­zi­al­plan­leis­tun­gen, die am 04.10.2006 un­ter Be­zug ei­ner be­fris­te­ten vol­len Er­werbs­min­de­rungs­ren­te nicht beschäftigt sind und bei de­nen aus an­de­ren Gründen da­mit zu rech­nen ist, dass die mit der Er­werbs­min­de­rung ein­her­ge­hen­de Ar­beits­unfähig­keit auf Dau­er fort­be­steht oder zu­min­dest in ab­seh­ba­rer Zeit nicht be­ho­ben wer­den kann und da­mit ein Grund zur per­so­nen­be­ding­ten, da krank­heits­be­ding­ten, Kündi­gung gem. § 1 Abs. 2 KSchG vor­liegt. Die Be­triebs­par­tei­en ge­hen da­von aus, dass dies bei ei­ner die Ren­te we­gen Er­werbs­min­de­rung be­glei­ten­den Ar­beits­unfähig­keit von mehr als drei Jah­ren oder ei­ner ent­spre­chen­den Be­wil­li­gung von vol­ler Er­werbs­min­de­rungs­ren­te für mehr als drei Jah­re ge­ge­ben ist.

 

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Die­se Vor­aus­set­zun­gen erfüllt der Kläger. Er ist seit De­zem­ber 2001 ar­beits­unfähig er­krankt und be­zieht seit dem 01.04.2003 ei­ne vol­le Er­werbs­min­de­rungs­ren­te. Dies ist zwi­schen den Par­tei­en auch nicht strei­tig.

2. Die Re­ge­lung in der ergänzen­den Be­triebs­ver­ein­ba­rung ist recht­lich nicht zu be­an­stan­den, we­der aus dem Ge­sichts­punkt des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes nach § 75 Be­trVG noch we­gen ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung nach § 7 Abs. 2 AGG.

a) Zunächst ist un­er­heb­lich, dass die Par­tei­en den So­zi­al­plan vom 13.03.2007 nachträglich zu Las­ten des Klägers ergänzt ha­ben.

aa) Die Rechts­na­tur ei­nes So­zi­al­pla­nes ist im Be­trVG nicht ein­deu­tig fest­ge­legt. Nach § 112 Abs. 2 Satz 3 hat er die Wir­kung ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung. Zu­tref­fend be­zeich­net das BAG des­halb den So­zi­al­plan als Be­triebs­ver­ein­ba­rung be­son­de­rer Art (BAG v. 26.05.2009 – 1 AZR 198/08 – NZA 2009, 849; BAG v. 25.03.2003 – 1 AZR 335/02 – NZA 2004, 64). Die­ses Verständ­nis der Rechts­na­tur hat Aus­wir­kun­gen auf die Ände­rung von So­zi­alplänen. Denn als Be­triebs­ver­ein­ba­rung kann ein So­zi­al­plan grundsätz­lich wie je­de an­de­re Be­triebs­ver­ein­ba­rung auch ein­ver­nehm­lich auf­ge­ho­ben, ab­geändert oder durch ei­nen an­de­ren So­zi­al­plan er­setzt wer­den. In­so­weit gilt das Ablösungs­prin­zip (BAG v. 19.02.2008 – 1 AZR 1004/06 – NZA 2008, 719; BAG v. 02.10.2007 – 1 AZR 815/06 – NZA-RR 2008, 242; BAG v. 19.06.2007 – 1 AZR 340/06 – NZA 2007, 1357; BAG v. 28.05.2005 – 1 AZR 214/04 – AP Nr. 25 zu § 77 Be­triebs­ver­ein­ba­rung; BAG v. 12.11.2002 – 1 AZR 58/02 – BA­GE 103, 321).

Das gilt auch, wenn der So­zi­al­plan nachträglich zum Nach­teil der Ar­beit­neh­mer ab­geändert wird. Al­ler­dings ist die ver­schlech­tern­de Ablösung ei­nes So­zi­al­pla­nes nicht un­ein­ge­schränkt zulässig. Ins­be­son­de­re ist an­er­kannt, dass die Be­triebs­part­ner durch ei­nen abändern­den So­zi­al­plan nicht in be­reits ent­stan­de­ne Rech­te der Ar­beit­neh­mer ein­grei­fen können. Hier gel­ten die Rechts­grundsätze der Rück­wir­kung so­wie das Verhält­nismäßig­keits­prin­zip und der Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes (BAG v. 19.02.2008 – 1 AZR 1004/06 – NZA 2008, 719;

 

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BAG v. 02.10.2007 – 1 AZR 815/06 – NZA-RR 2008, 242; BAG v. 19.06.2007 – 1 AZR 340/06 – NZA 2007, 1357).

bb) Die nachträgli­che Ände­rung des So­zi­al­pla­nes vom 10.10.2007, die die Be­triebs­par­tei­en als Klar­stel­lung ver­stan­den wis­sen wol­len, greift nicht in be­reits ent­stan­de­ne Rech­te des Klägers ein. Denn zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung am 10.10.2007 war der Ab­fin­dungs­an­spruch des Klägers gem. Zif­fer 4.2 des So­zi­al­pla­nes vom 13.03.2007 noch gar nicht ent­stan­den. Ein An­spruch ent­steht, so­bald sei­ne Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind. Für Ansprüche aus ei­nem So­zi­al­plan ha­ben es die Be­triebs­par­tei­en durch die Be­stim­mung der An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen in der Hand, den Zeit­punkt der An­spruchs­ent­ste­hung fest­zu­le­gen. Oh­ne an­ders­lau­ten­de Be­stim­mung ist re­gelmäßig da­von aus­zu­ge­hen, dass der Ab­fin­dungs­an­spruch mit dem recht­li­chen En­de des Ar­beits­verhält­nis­ses ent­steht (BAG v. 02.10.2007 – 1 AZR 815/06 – NZA-RR 2008, 242). Dies war hier nicht der Fall. Denn zur Zeit des Ab­schlus­ses der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung war das Ar­beits­verhält­nis des Klägers nicht ein­mal gekündigt. Auch der Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes ist nicht ver­letzt. Denn es exis­tier­te im re­le­van­ten Be­ur­tei­lungs­zeit­punkt noch gar kein Be­sitz­stand des Klägers, den es zu schützen galt.

b) Der So­zi­al­plan ist in der Fas­sung vom 10.10.2007 auch ma­te­ri­ell nicht zu be­an­stan­den. Er verstößt we­der ge­gen § 7 Abs. 1 AGG noch ge­gen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz.

So­zi­alpläne un­ter­lie­gen, wie an­de­re Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen, der ge­richt­li­chen Rechtmäßig­keits­kon­trol­le. Sie sind dar­auf­hin zu über­prüfen, ob sie mit höher­ran­gi­gem Recht wie ins­be­son­de­re dem be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz und aus­drück­li­chen Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­ten ver­ein­bar sind. Das be­ur­teilt sich maßgeb­lich nach ih­rem Sinn und Zweck. Da­bei ist es nicht die Auf­ga­be der Ge­rich­te, bes­se­re Lösun­gen als die Be­triebs­par­tei­en zu fin­den, son­dern nur, rechts­wid­ri­ge Ge­stal­tun­gen zu un­ter­bin­den (BAG v. 26.05.2009 – 1 AZR 198/08 – NZA 2009, 849; BAG v. 11.11.2008 – 1 AZR 475/07 – NZA 2009, 210).

 

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aa) Die von den Be­triebs­par­tei­en gewähl­te Ge­stal­tung des So­zi­al­pla­nes ist mit dem be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ver­ein­bar.

(1) Der be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz des § 75 Abs. 1 Be­trVG zielt dar­auf ab, ei­ne Gleich­be­hand­lung von Per­so­nen in ver­gleich­ba­ren Sach­ver­hal­ten si­cher­zu­stel­len und ei­ne gleich­heits­wid­ri­ge Grup­pen­bil­dung aus­zu­sch­ließen. Maßgeb­li­cher Sach­grund für ei­ne Grup­pen­bil­dung ist re­gelmäßig vor al­lem der mit der Re­ge­lung ver­folg­te Zweck (BAG v. 11.11.2008 – 1 AZR 475/07 – NZA 2009, 210; BAG v. 19.02.2008 – 1 AZR 1004/06 – AP Nr. 191 zu § 112 Be­trVG 1972). Da­her müssen sich Grup­pen­bil­dun­gen in So­zi­alplänen an den wirt­schaft­li­chen Nach­tei­len ori­en­tie­ren, de­ren Ab­mil­de­rung oder Aus­gleich die So­zi­al­plan­leis­tun­gen zu die­nen be­stimmt sind.

Nach § 112 Abs. 1 Satz 2 Be­trVG dient der So­zi­al­plan dem Aus­gleich oder der Mil­de­rung der wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le, die den Ar­beit­neh­mern in­fol­ge der ge­plan­ten Be­triebsände­rung ent­ste­hen. Die­sem Zweck dient nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts auch ei­ne im So­zi­al­plan vor­ge­se­he­ne Ab­fin­dung für den Ver­lust des Ar­beits­plat­zes. Sie stellt kein zusätz­li­ches Ent­gelt für die in der Ver­gan­gen­heit ge­leis­te­ten Diens­te dar, son­dern soll künf­ti­ge wirt­schaft­li­che Nach­tei­le aus­glei­chen oder doch mil­dern. In­so­fern kommt dem So­zi­al­plan ei­ne Aus­gleichs- und Über­brückungs­funk­ti­on zu (BAG v. 26.05.2009 – 1 AZR 198/08 – NZA 2009, 849; BAG v. 11.11.2008 – 1 AZR 475/07 – NZA 2009, 210; BAG v. 30.09.2008 – 1 AZR 684/07 – NZA 2009, 386; BAG v. 13.03.2007 – 1 AZR 262/06 – AP Nr. 183 zu § 112 Be­trVG).

Mit die­ser Aus­gleichs­funk­ti­on geht ei­ne Einschätzungs­präro­ga­ti­ve der Be­triebs­part­ner ein­her. Sie ermöglicht ih­nen ei­ner­seits Be­ur­tei­lungs- an­de­rer­seits auch Ge­stal­tungs­spielräume. Der Be­ur­tei­lungs­spiel­raum be­trifft die Fra­ge, wel­che Nach­tei­le den Ar­beit­neh­mern in­fol­ge der Be­triebsände­rung ent­ste­hen wer­den, der Ge­stal­tungs­spiel­raum be­trifft die Fra­ge, in­wie­weit die Be­triebs­part­ner die er­kann­ten Nach­tei­le ab­mil­dern möch­ten.

 

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Da sich die wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le nur schwer pro­gnos­ti­zie­ren las­sen, be­steht ein sehr weit­rei­chen­der Be­ur­tei­lungs­spiel­raum. Die­ser ge­stat­tet Pau­scha­lie­run­gen und Ty­pi­sie­run­gen. So han­delt es sich um ei­ne Ty­pi­sie­rung, ren­ten­be­rech­tig­te Ar­beit­neh­mer sei­en im Re­gel­fall wirt­schaft­lich stärker ab­ge­si­chert als ren­ten­fer­ne Ar­beit­neh­mer, die im Rah­men ih­res Be­ur­tei­lungs­spiel­raums liegt. Weil es sich um tatsächli­che Be­ur­tei­lung und nicht um nor­ma­ti­ve Ge­stal­tung durch die Be­triebs­par­tei­en han­delt, fin­den in die­ser Hin­sicht der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz und die Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­te kei­ne An­wen­dung. Die Be­triebs­par­tei­en dürfen des­halb bei der Abschätzung der den Ar­beit­neh­mern aus der Be­triebsände­rung ent­ste­hen­den Nach­tei­le auch berück­sich­ti­gen, ob die­se bei be­stimm­ten Per­so­nen­grup­pen schon durch so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­che Ansprüche ge­mil­dert wer­den. Die Be­triebs­par­tei­en schaf­fen die­se Pri­vi­le­gie­run­gen nicht, son­dern fin­den sie vor und können sie der So­zi­al­plan­ge­stal­tung auch zu­grun­de le­gen (so aus­drück­lich BAG v. 11.11.2008 – 1 AZR 475/07 – NZA 2009, 210).

Auch im Rah­men des Ge­stal­tungs­spiel­raums ist den Be­triebs­part­nern ein weit­rei­chen­des Er­mes­sen ein­geräumt, ob und in wel­chem Um­fang sie Nach­tei­le aus­glei­chen wol­len. Al­ler­dings müssen die Be­triebs­par­tei­en hier­bei den be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz be­ach­ten (BAG v. 11.11.2008 – 1 AZR 475/07 – NZA 2009, 210).

(2) Die­se be­ste­hen­den Spielräume ha­ben die Be­triebs­part­ner hier berück­sich­tigt. Es ist mit dem be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz zu ver­ein­ba­ren, den durch die Zah­lung der Er­werbs­min­de­rungs­ren­te und der Be­triebs­ren­te ab­ge­si­cher­ten Kläger ganz von So­zi­al­plan­ansprüchen aus­zu­neh­men.

(i) Der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ver­bie­tet wie ge­se­hen die sach­frem­de Schlech­ter­stel­lung ein­zel­ner Ar­beit­neh­mer oder Ar­beit­neh­mer­grup­pen ge­genüber an­de­ren Ar­beit­neh­mern in ver­gleich­ba­rer La­ge. Ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung ist da­bei sach­fremd, wenn es kei­ne sach­li­chen und bil­li­gens­wer­ten Gründe dafür

 

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gibt, die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung sich viel­mehr als sach­wid­rig und willkürlich er­weist (Grund­le­gend: BAG v. 03.08.1999 – 1 AZR 677/98 – Ju­ris).

Aus­ge­hend von der be­schrie­be­nen Aus­gleichs- und Über­brückungs­funk­ti­on liegt ei­ne sach­ge­rech­te Dif­fe­ren­zie­rung dann vor, wenn Ar­beit­neh­mer von So­zi­al­plan­leis­tun­gen aus­ge­schlos­sen wer­den, die wirt­schaft­lich ab­ge­si­chert sind. Dies hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt be­reits zu­tref­fend für den Fall ent­schie­den, dass der Ar­beit­neh­mer die Vor­aus­set­zun­gen für die In­an­spruch­nah­me von vor­ge­zo­ge­nem Al­ters­ru­he­geld erfüllt. Denn die So­zi­al­plan­ab­fin­dung ist ge­ra­de kei­ne Be­loh­nung für die Diens­te in der Ver­gan­gen­heit, son­dern ei­ne Hil­fe für die Zu­kunft, um die mögli­cher­wei­se ein­tre­ten­de Ar­beits­lo­sig­keit zu über­brücken. Auf die­se Über­brückungs­hil­fe aber sind Ar­beit­neh­mer ty­pi­scher­wei­se we­ni­ger an­ge­wie­sen, wenn sie be­reits ei­nen An­spruch auf Al­ters­ver­sor­gung ha­ben, mag die­ser auch mit Ein­bußen ver­bun­den sein. Denn sol­che Ein­bußen fal­len ge­genüber Nach­tei­len, die mit länge­rer Ar­beits­lo­sig­keit ver­bun­den sind, we­ni­ger ins Ge­wicht (BAG v. 31.07.1996 – 10 AZR 45/96 – NZA 1997, 165). Die­se Recht­spre­chung hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt auch für die Möglich­keit des Be­zugs von Al­ters­ren­te we­gen Schwer­be­hin­de­rung an­ge­wen­det (BAG v. 03.08.1999 – 1 AZR 677/98 – Ju­ris).

Die Aus­gleichs- und Über­brückungs­funk­ti­on ist in glei­cher Wei­se zu berück­sich­ti­gen, wenn Ar­beit­neh­mer von So­zi­al­plan­leis­tun­gen aus­ge­schlos­sen wer­den, die zum Zeit­punkt des Zu­gangs der Kündi­gung be­reits seit meh­re­ren Jah­ren ei­ne Ren­te we­gen vol­ler Er­werbs­min­de­rung gem. § 33 Abs. 3 Nr.2 SGB VII be­zie­hen und bei de­nen zu er­war­ten ist, dass die­se auch künf­tig fort­ge­zahlt wird. Denn die­se Mit­ar­bei­ter ha­ben be­reits ei­ne wirt­schaft­li­che Ab­si­che­rung. Sie müssen bei dem Ver­lust des Ar­beits­plat­zes nicht mit den Nach­tei­len rech­nen, die die übri­gen Mit­ar­bei­ter er­lei­den. Der Kläger über­sieht bei sei­ner Ar­gu­men­ta­ti­on, dass er be­reits seit vie­len Jah­ren nicht mehr tätig ist und langjährig ei­ne Ren­te so­wohl der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft als auch der Be­klag­ten erhält. Auf die­ser Ba­sis ändert sich für ihn durch die Kündi­gung nichts an sei­nem so­zia­len Be­sitz­stand. Er ist vor der Kündi­gung durch die Gewährung von Ren­ten ver­sorgt wor­den und es war im Kündi­gungs­zeit­punkt auch zu er­war­ten, dass die­se

 

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Leis­tung dau­er­haft fort­ge­zahlt wird. Da­bei ob­liegt es ge­ra­de der Einschätzungs­präro­ga­ti­ve der Be­triebs­part­ner, ob zu er­war­ten ist, dass die Leis­tun­gen auch dau­er­haft fort­ge­zahlt wer­den. Denn es ist von ih­rem Be­ur­tei­lungs­spiel­raum er­fasst, wel­che Nach­tei­le den Ar­beit­neh­mern in­fol­ge der Be­triebsände­rung ent­ste­hen wer­den. Sie müssen einschätzen, ob den Ar­beit­neh­mern aus der Be­triebsände­rung Nach­tei­le ent­ste­hen, die durch so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­che Ansprüche ge­mil­dert wer­den (BAG v. 11.11.2008 – 1 AZR 475/07 – NZA 2009, 210). In­so­weit ist es nicht zu be­an­stan­den, dass die Be­triebs­par­tei­en den langjähri­gen Be­zug der Er­werbs­min­de­rungs­ren­te in ih­re Pro­gno­se ha­ben ein­fließen las­sen. Trotz der Be­fris­tung der Ren­te im Zeit­punkt der Ab­fas­sung des So­zi­al­pla­nes konn­ten sie zu der Pro­gno­se ge­lan­gen, die Ren­te wer­de auch künf­tig fort­ge­zahlt und die Nach­tei­le des Klägers ab­mil­dern. Die­se Einschätzung der Be­triebs­par­tei­en hat sich auch nachträglich als rich­tig her­aus­ge­stellt, da der Kläger nun­mehr ei­ne un­be­fris­te­te Ren­te we­gen vol­ler Er­werbs­min­de­rung erhält. Die Ein­bußen, die der Kläger er­lei­det, sind ge­mes­sen an den Ein­bußen der an­de­ren Ar­beit­neh­mer, die kei­nen An­spruch auf Er­werbs­min­de­rungs­ren­te ha­ben, nicht zu ver­glei­chen. Da­bei über­sieht die Kam­mer nicht, dass die Höhe der Er­werbs­min­de­rungs­ren­te kei­nes­falls das frühe­re Ar­beits­ent­gelt er­reicht. Es darf aber nicht über­se­hen wer­den, dass der Kläger die ihn be­tref­fen­den Ein­schnit­te be­reits seit dem 01.01.2003 hin­neh­men muss. Denn seit die­sem Zeit­punkt, al­so seit über vier Jah­ren, hat sich der so­zia­le Sta­tus des Klägers auf die­se Zah­lung ma­ni­fes­tiert. Im Verhält­nis zu den an­de­ren von der Kündi­gung be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mern er­lei­det er al­so gar kei­ne fi­nan­zi­el­len Ein­bußen. Er ver­liert le­dig­lich die hy­po­the­ti­sche Möglich­keit, ir­gend­wann ein­mal wie­der die Ar­beit bei der Be­klag­ten auf­zu­neh­men. Die­se hy­po­the­ti­sche Möglich­keit ist aber an­ge­sichts der seit Jah­ren be­ste­hen­den Ar­beits­unfähig­keit aus Sicht der Be­triebs­part­ner we­nig rea­lis­tisch.

(ii) Al­ler­dings muss sich der Aus­schluss des Klägers von So­zi­al­plan­leis­tun­gen auch in das von den Be­triebs­part­nern gewähl­te Sys­tem der so­zia­len Entschädi­gung einfügen. Ent­schei­dend ist, dass der Aus­schluss auch un­ter Berück­sich­ti­gung der Ge­samt­do­tie­rung und der Höhe der ein­zel­nen Ab­fin­dun­gen und dem im So­zi­al­plan an­ge­leg­ten Entschädi­gungs­sys­tem ent­spricht. So wäre

 

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ein Aus­schluss bei­spiels­wei­se dann nicht an­ge­mes­sen, wenn sich die Be­mes­sung der Ab­fin­dung letzt­lich vor­ran­gig ver­gan­gen­heits­be­zo­gen an der Be­triebs­treue und nicht zu­kunfts­be­zo­gen an den zu er­war­ten­den Nach­tei­len ori­en­tiert (BAG v. 03.08.1999 – 1 AZR 677/98 – Ju­ris).

Der Aus­schluss von Leis­tun­gen aus dem So­zi­al­plan be­trifft ne­ben dem Kläger drei wei­te­re Ar­beit­neh­mer, die ei­ne Ren­te we­gen vol­ler Er­werbs­min­de­rung be­zo­gen. Darüber hin­aus sind zwei Ar­beit­neh­mer von So­zi­al­plan­ansprüchen aus­ge­nom­men wor­den, weil sie älter als 63 Jah­re ge­we­sen sind. Denn auch für die­se Mit­ar­bei­ter­grup­pe sieht der So­zi­al­plan kei­ne Leis­tun­gen vor. Zu­dem re­gelt der So­zi­al­plan­an­spruch die Ab­fin­dun­gen für Beschäftig­te bis 55 Jah­ren und über 55 Jah­ren in un­ter­schied­li­cher Wei­se. Während sich die Ab­fin­dung für Beschäftig­te bis zum 55 Le­bens­jahr nach Zif­fer 4.1. in Abhängig­keit von der Be­triebs­zu­gehörig­keit ent­wi­ckelt, al­so ver­gan­gen­heits­be­zo­gen Be­triebs­treue ho­no­riert, wählt der So­zi­al­plan für die Mit­ar­bei­ter, die das 55 Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, in Zif­fer 4.2 ei­nen gänz­lich an­de­ren Weg. Es wird nicht ver­gan­gen­heits­be­zo­gen zukünf­ti­ge Be­triebs­treue ho­no­riert, son­dern der bis zum Be­zug der Al­ters­ren­te ent­ste­hen­de Ver­lust des so­zia­len Be­sitz­stan­des als Be­zugs­größe gewählt. Aus­gangs­punkt ist das letz­te Net­to­ge­halt, das mit 67 % zu­grun­de ge­legt wird und mit der An­zahl der Mo­na­te bis zum 63. Le­bens­jahr mul­ti­pli­ziert wird. Zu­dem wird das be­zo­ge­ne Ar­beits­lo­sen­geld an­ge­rech­net. Die­ser Re­ge­lungs­me­cha­nis­mus zeigt zwei­er­lei. Zum ei­nen wer­den die Mit­ar­bei­ter, die das 63. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, von Leis­tun­gen gänz­lich aus­ge­nom­men, weil die Be­triebs­par­tei­en der Auf­fas­sung wa­ren, dass die­se Grup­pe aus­rei­chend ab­ge­si­chert ist, auch wenn ih­nen nur ei­ne gekürz­te Al­ters­ren­te gewährt wird. Zum an­de­ren ist für die Al­ters­grup­pe des Klägers im So­zi­al­plan ein Pa­ra­dig­men­wech­sel ent­hal­ten. Es soll ge­ra­de kei­ne Be­triebs­zu­gehörig­keit ab­ge­fun­den wer­den. Viel­mehr sol­len die von den Be­triebs­par­tei­en kon­kret ein­tre­ten­den Nach­tei­le an­ge­mes­sen ab­ge­gol­ten wer­den und ein „Über­brückungs­geld“ bis zur In­an­spruch­nah­me der gekürz­ten Al­ters­ren­te mit dem 63. Le­bens­jahr ge­zahlt wer­den. Die An­spruchshöhe ver­min­dert sich al­so ste­tig bis zum Er­rei­chen des 63. Le­bens­jah­res. In die­se Über­brückungs­funk­ti­on fügt sich der An­spruchs­aus­schluss für den Kläger und die übri­gen Mit­ar­bei­ter, die be­fris­tet

 

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vol­le Er­werbs­min­de­rungs­ren­te be­zie­hen, naht­los ein. Denn nach dem ge­mein­sa­men Wil­len der Be­triebs­par­tei­en ist bei der Al­ters­grup­pe des Klägers ent­schei­dend, wel­cher künf­ti­ge Ver­lust im Be­sitz­stand ein­tre­ten wird. Auf die­ser Grund­la­ge liegt der für den Kläger aus­zu­glei­chen­de Ver­lust des Be­sitz­stan­des bei „0“, weil er eben durch die Kündi­gung kei­ner­lei Ein­bußen er­lei­det. Er ist durch den Ren­ten­be­zug, des­sen wei­te­re Gewährung pro­gnos­ti­ziert wor­den ist, dau­er­haft ab­ge­si­chert. Ei­ne Ho­no­rie­rung der Be­triebs­treue in der Ver­gan­gen­heit aber ist nicht Ge­gen­stand des So­zi­al­pla­nes für die Al­ters­grup­pe des Klägers. Der Aus­schluss des Klägers ist al­so kein Sys­tem­wech­sel, son­dern sys­tem­kon­form.

Dem steht auch nicht die Ge­samt­do­tie­rung oder die Höhe der an die ein­zel­nen Ar­beit­neh­mer ge­zahl­ten Ab­fin­dun­gen ent­ge­gen. Denn die Höhe ori­en­tiert sich an der er­for­der­li­chen so­zia­len Ab­si­che­rung und nimmt für die Mit­ar­bei­ter bis zum 63. Le­bens­jahr kon­ti­nu­ier­lich ab. In­so­fern kann der Kläger nicht dar­aus her­lei­ten, dass ei­nem ak­ti­ven Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten in ver­gleich­ba­rem Al­ter ein nicht un­er­heb­li­cher Ab­fin­dungs­be­trag zu­steht. Denn das Si­che­rungs­bedürf­nis die­ses Mit­ar­bei­ters ist ein gänz­lich an­de­res. Hin­zu kommt, dass der Kläger zwar vom So­zi­al­plan aus­ge­nom­men wor­den ist, die Be­triebs­part­ner in­so­fern aber ei­nen Härte­fonds ein­ge­rich­tet ha­ben, aus dem dem Kläger 10.000,00 € zu­ge­flos­sen sind. Die Kam­mer ver­kennt nicht, dass es sich an­ge­sichts der Do­tie­rung nicht um ei­ne „üppi­ge“ Leis­tung han­delt. Sie ent­spricht aber sei­nem Ab­si­che­rungs­bedürf­nis.

bb) Die Re­ge­lung verstößt auch nicht ge­gen § 7 Abs. 2 AGG we­gen ei­ner un­mit­tel­ba­ren Be­nach­tei­li­gung we­gen Be­hin­de­rung oder we­gen des Al­ters.

Das am 18.08.2006 in Kraft ge­tre­te­ne AGG fin­det so­wohl auf den So­zi­al­plan vom 13.03.2007 als auch auf die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung vom 10.10.2007 An­wen­dung, weil bei­de Kol­lek­tiv­ver­ein­ba­run­gen nach dem In­kraft­tre­ten des Ge­set­zes ab­ge­schlos­sen wor­den sind.

 

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Nach § 7 Abs. 1 Halbs. 1 AGG dürfen Beschäftig­te nicht we­gen ei­nes der in § 1 AGG ge­nann­ten Gründe be­nach­tei­ligt wer­den. Be­stim­mun­gen in Ver­ein­ba­run­gen, die ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot des Ab­sat­zes 1 ver­s­toßen, sind nach § 7 Abs. 2 AGG un­wirk­sam. Nach § 1 AGG sol­len durch das Ge­setz u.a. Be­nach­tei­li­gun­gen aus Gründen des Al­ters oder ei­ner Be­hin­de­rung ver­hin­dert oder be­sei­tigt wer­den. Gemäß § 75 Abs. 1 Be­trVG – in der seit dem 18.08.2006 gel­ten­den Fas­sung – ha­ben auch Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat darüber zu wa­chen, dass je­de Be­nach­tei­li­gung von Per­so­nen aus Gründen ih­res Al­ters oder ei­ner Be­hin­de­rung un­ter­bleibt.

(1) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­rich­tes und des Klägers liegt kei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen des Merk­mals Be­hin­de­rung vor.

Schon in der Ent­schei­dung vom 03.08.1999 – 1 AZR 677/98 – Rz. 42 – Ju­ris hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt – außer­halb des An­wen­dungs­be­rei­ches des AGG – dar­ge­legt, dass der Aus­schluss von So­zi­al­plan­leis­tun­gen, der dar­auf be­ruht, Al­ters­ren­te we­gen Schwer­be­hin­de­rung nach § 37 SGB VI a.F. in An­spruch zu neh­men, kei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen Be­hin­de­rung dar­stel­le. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat dies da­mit be­gründet, dass nicht un­mit­tel­bar an die Be­hin­de­rung an­ge­knüpft wer­de, son­dern nur im Rah­men der Prüfung des wirt­schaft­li­chen Nach­teils ei­ne vor­han­de­ne Ab­si­che­rung berück­sich­tigt wer­de.

Nichts an­de­res gilt auf der Grund­la­ge des AGG.

(i) Gem. § 7 AGG dürfen Beschäftig­te nicht we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des be­nach­tei­ligt wer­den. § 1 AGG nennt als pöna­li­sier­tes Merk­mal die Be­hin­de­rung. Was un­ter Be­hin­de­rung zu ver­ste­hen ist, ist we­der im AGG, noch in der Rah­men­richt­li­nie 2000/78/EG vom 27.11.2000 de­fi­niert. Nach der Ge­set­zes­be­gründung soll der Be­griff dem des § 2 Abs. 1 Satz 2 SGB IX ent­spre­chen. Da­nach gel­ten Men­schen als be­hin­dert, wenn ih­re körper­li­che Funk­ti­on, geis­ti­ge Fähig­keit oder see­li­sche Ge­sund­heit mit ho­her Wahr­schein­lich­keit länger als sechs Mo­na­te von dem für das Le­bens­al­ter ty­pi­schen Zu­stand ab­wei­chen und da­her ih­re Teil­ha­be am Le­ben in der Ge­sell­schaft be­ein­träch­tigt ist. Der

 

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Be­griff er­fasst da­mit nicht nur Schwer­be­hin­der­te. Da das AGG in­so­weit aber auf die Richt­li­nie 2000/78/EG zurück­geht, ist der Be­griff auch vor dem Hin­ter­grund der Recht­spre­chung des EuGH zur Be­hin­de­rung zu be­leuch­ten. Da­nach ist un­ter Be­hin­de­rung ei­ne Ein­schränkung zu ver­ste­hen, die ins­be­son­de­re auf phy­si­sche, geis­ti­ge oder psy­chi­sche Be­ein­träch­ti­gun­gen zurück­zuführen ist und die ein Hin­der­nis für die Teil­ha­be des Be­tref­fen­den am Be­rufs­le­ben bil­det. Da­bei muss die Teil­ha­be über ei­nen länge­ren Zeit­raum ein­ge­schränkt sein (EuGH v. 11.07.2006 – C-13/05 „Cha­con Na­vas“, DB 2006, 1619).

Nach § 3 Abs. 1 AGG liegt ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung vor, wenn ei­ne Per­son – ge­ra­de – we­gen des be­tref­fen­den Merk­mals ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung als ei­ne an­de­re Per­son in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on erfährt. Nach all­ge­mei­ner Auf­fas­sung wer­den darüber hin­aus auch sog. „ver­deck­te un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gun­gen“ vom Be­griff der un­mit­tel­ba­ren Be­nach­tei­li­gung er­fasst. Dar­un­ter ver­steht man Fälle, bei de­nen an Ei­gen­schaf­ten an­ge­knüpft wird, die für den Merk­mal­sträger ty­pisch sind, oh­ne das Merk­mal di­rekt zu nen­nen. Es wer­den al­so Merk­ma­le, die auf den ers­ten Blick außer­halb von § 1 AGG ste­hen, ver­wen­det. Ent­schei­dend ist, dass die Be­nach­tei­li­gung in ei­nem un­trenn­ba­ren Zu­sam­men­hang mit ei­nem der verpönten Merk­ma­le steht (Schra­der/Schu­bert in: Däubler/Bertz­bach, § 3 AGG Rz.32; Thüsing, NZA Bei­la­ge 2004 Heft 22, S. 5; Bau­er/Göpfert/Krie­ger, 2. Aufl. § 1 Rz. 59).

Um ei­ne mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung han­delt es sich dem­ge­genüber nach § 3 Abs. 2 AGG, wenn dem An­schein nach neu­tra­le Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren Per­so­nen we­gen be­stimm­ter Merk­ma­le ge­genüber an­de­ren Per­so­nen in be­son­de­rer Wei­se be­nach­tei­li­gen können, es sei denn, die be­tref­fen­den Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren sind durch ein rechtmäßiges Ziel sach­lich ge­recht­fer­tigt und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziel an­ge­mes­sen und er­for­der­lich.

(ii) Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung des Ar­beits­ge­rich­tes und des Klägers nicht vor.

 

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Ent­schei­dend für das Vor­han­den­sein ei­ner un­mit­tel­ba­ren Be­nach­tei­li­gung ist zunächst die ord­nungs­gemäße Bil­dung der Ver­gleichs­grup­pe. Es kommt al­so nicht abs­trakt dar­auf an, ob die Re­ge­lung Merk­ma­le ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung enthält, son­dern aus­sch­ließlich dar­auf, ob ei­ne Be­nach­tei­li­gung zu ei­ner Per­son in ver­gleich­ba­rer La­ge be­steht. Wenn der Ge­setz­ge­ber eben­so wie die Richt­li­nie 2000/78 EG ei­ne ver­gleich­ba­re Si­tua­ti­on ver­langt, ist zu­vor­derst nach den Kri­te­ri­en der ver­gleich­ba­ren La­ge zu fra­gen und die An­for­de­run­gen an die Ver­gleichs­per­son zu er­mit­teln. Denn al­lein die Tat­sa­che, dass ei­ne Per­son ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt, löst die Rechts­fol­gen des AGG nicht aus. (Schra­der/Schu­bert in: Däubler/Bertz­bach, § 3 AGG Rz.32; Bau­er/Göpfert/ Krie­ger, 2. Aufl. § 3 Rz. 11). Da­bei ist für das Fin­den der ver­gleich­ba­ren Per­son ei­ne Ge­samt­be­trach­tung er­for­der­lich. Ein­zu­be­zie­hen sind u.a. die Art der vom Ar­beit­ge­ber de­fi­nier­ten Re­geln, die Art der Be­nach­tei­li­gung und die kon­kre­ten be­trieb­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten (ErfK/Schlach­ter, 9. Aufl. § 3 AGG Rz. 2, 3; Schra­der/Schu­bert in: Däubler/Bertz­bach, § 3 AGG Rz.20).

Der Ergänzungs­so­zi­al­plan vom 10.10.2007 nennt als Kri­te­ri­en für den An­spruchs­aus­schluss zum ei­nen den Be­zug der be­fris­te­ten vol­len Er­werbs­min­de­rungs­ren­te, zum an­de­ren die Tat­bestände des sich an die Er­werbs­min­de­rungs­ren­te an­sch­ließen­den Be­zugs von Re­gel­al­ters­ren­te, die Un­wahr­schein­lich­keit der Be­he­bung der Er­werbs­min­de­rung und die nicht ab­seh­ba­re Be­he­bung der Er­werbs­min­de­rung. Die Be­triebs­par­tei­en ha­ben al­so nicht aus­drück­lich an den Be­griff der Be­hin­de­rung, son­dern an den ak­tu­el­len Be­zug von Er­werbs­min­de­rungs­ren­te und wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen an­ge­knüpft.

Zu­zu­ge­ben ist dem Ar­beits­ge­richt, dass mit dem Be­zug der vol­len Er­werbs­min­de­rungs­ren­te das Merk­mal der Be­hin­de­rung eng ver­knüpft ist. Denn voll er­werbs­ge­min­dert sind gem. § 43 Abs. 2 SGB VI Ver­si­cher­te, die we­gen Krank­heit oder Be­hin­de­rung auf nicht ab­seh­ba­re Zeit außer­stan­de sind, un­ter den übli­chen Be­din­gun­gen des all­ge­mei­nen Ar­beits­mark­tes min­des­tens drei St­un­den täglich er­werbstätig zu sein. Da­mit aber lie­gen zu­gleich die Vor­aus­set­zun­gen des § 2 Abs. 1 Satz 2 SGB IX vor. Denn in die­sem Fall wei­chen die körper­li­chen und geis­ti­gen Fähig­kei­ten mit ho­her Wahr­schein­lich­keit länger als sechs

 

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Mo­na­te von dem für das Le­bens­al­ter ty­pi­schen Zu­stand ab und be­ein­träch­ti­gen die Teil­ha­be am Le­ben in der Ge­sell­schaft.

Dar­auf kommt es aber nicht an. Denn die­se Sicht­wei­se lässt den Be­zug zur rich­ti­gen Ver­gleichs­grup­pe un­berück­sich­tigt. Ent­schei­dend ist nicht, was ein ver­gleich­ba­rer Ar­beit­neh­mer oh­ne Ren­ten­be­zug aus dem So­zi­al­plan er­hal­ten hätte, son­dern was ein ver­gleich­ba­rer Ar­beit­neh­mer oh­ne Be­hin­de­rung mit ei­nem Ren­ten­be­zug er­hal­ten hätte. Denn das ent­schei­den­de Ab­gren­zungs­kri­te­ri­um des So­zi­al­pla­nes ist der vor­han­de­ne Ren­ten­be­zug. Die Be­triebs­part­ner ha­ben bei dem An­spruchs­aus­schluss berück­sich­tigt, dass ei­ne vor­han­de­ne dau­er­haf­te Ab­si­che­rung be­steht. Es ist des­halb da­nach zu fra­gen, ob Ar­beit­neh­mer, die ver­gleich­bar ab­ge­si­chert sind, an­ders be­han­delt wor­den sind. Dies ist nicht der Fall. Zunächst kann der Kläger den Be­zug nicht zu den Mit­ar­bei­tern her­stel­len, die Ar­beits­lo­sen­geld be­zie­hen. Denn das Ar­beits­lo­sen­geld ist kei­ne dau­er­haf­te Leis­tung. Die Pro­gno­se der Be­triebs­part­ner im Hin­blick auf die wei­te­re Ab­si­che­rung durch die Er­werbs­unfähig­keits­ren­te aber war ei­ne dau­ern­de bzw. die Pro­gno­se des sich an­sch­ließen­den Be­zugs von Al­ters­ren­te. Ein ver­gleich­ba­rer Sach­ver­halt ist dem­ge­genüber der mögli­che Be­zug von vor­ge­zo­ge­ner Al­ters­ren­te ab dem 63. Le­bens­jahr. In­des liegt zu die­ser Grup­pe gar kei­ne Un­gleich­be­hand­lung vor. Denn auch die­se Grup­pe ist von So­zi­al­plan­leis­tun­gen gänz­lich aus­ge­nom­men wor­den. Dies zeigt deut­lich, dass es nicht auf das Merk­mal der Be­hin­de­rung an­kam, son­dern auf die mit dem Merk­mal ver­bun­de­ne Ab­si­che­rung, die aber nicht nur die Mit­ar­bei­ter be­traf, die ei­ne be­fris­te­te vol­le Er­werbs­min­de­rungs­ren­te be­zo­gen, son­dern auch an­de­re Mit­ar­bei­ter, bei de­nen das Merk­mal der Be­hin­de­rung nicht vor­lag. Da­mit aber fehlt schon die Un­gleich­be­hand­lung mit Per­so­nen in ver­gleich­ba­rer Si­tua­ti­on. Denn die ver­gleich­ba­ren Si­tua­tio­nen des Ren­ten­be­zugs wer­den gleich be­han­delt.

Auch ei­ne mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung liegt nicht vor. Zum ei­nen ha­ben die Be­triebs­part­ner hier kei­ne dem An­schein nach neu­tra­len Kri­te­ri­en ver­wen­det. Es wur­de be­reits dar­ge­legt, dass das gewähl­te Kri­te­ri­um der Be­zug von vol­ler Er­werbs­min­de­rungs­ren­te ist. Da­mit ist aber zwin­gend zu­gleich auch das Merk­mal der Be­hin­de­rung erfüllt. Denn Nicht­be­hin­der­te können die­ses Merk­mal nie er-

 

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füllen. Es könn­te für die mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung des­halb nur dar­auf ab­ge­stellt wer­den, dass der So­zi­al­plan Mit­ar­bei­ter mit ei­nem Ren­ten­be­zug von So­zi­al­plan­leis­tun­gen aus­nimmt. Die­ses Kri­te­ri­um können ne­ben den Be­hin­der­ten durch Be­zug von vol­ler Er­werbs­min­de­rungs­ren­te aber auch Nicht­be­hin­der­te durch den Be­zug von vor­ge­zo­ge­ner Al­ters­ren­te ab 63. Le­bens­jahr erfüllen. Ent­schei­dend für ei­ne mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung wäre, wenn als Dif­fe­ren­zie­rungs­kri­te­ri­um, das die nach­tei­li­gen Fol­gen her­beiführt, zwar nicht un­mit­tel­bar an die Zu­gehörig­keit zur geschütz­ten Grup­pe an­ge­knüpft wird, wohl aber an sol­che Merk­ma­le, die von Grup­pen­mit­glie­dern er­heb­lich häufi­ger als von an­de­ren Per­so­nen erfüllt wer­den. In die­sem Fall ist we­gen der ty­pi­scher­wei­se über­wie­gend grup­pen­an­gehöri­ge Per­so­nen tref­fen­den nach­tei­li­gen Fol­gen zu ver­mu­ten, dass ge­ra­de die Grup­pen­zu­gehörig­keit maßgeb­li­che Ur­sa­che der Be­nach­tei­li­gung war (BAG v. 18.05.2006 – 6 AZR 631/05 – NZA 2007, 103; ErfK/Schlach­ter, 9. Aufl. § 3 AGG Rz.6). Dies lässt sich hier nicht an­neh­men. Da im kon­kre­ten Fall zwei Mit­ar­bei­ter be­trof­fen wa­ren, die das 63. Le­bens­jahr erfüllt hat­ten, hin­ge­gen vier Mit­ar­bei­ter die vol­le Er­werbs­min­de­rungs­ren­te be­zo­gen, fehlt es schon an ei­ner Grup­pe, die „über­wie­gend“ aus Be­hin­der­ten Be­stand. Auch im We­ge der ge­bo­te­nen hy­po­the­ti­schen Be­trach­tungs­wei­se er­gibt sich nichts an­ders. Denn die Re­ge­lung wirkt sich auch nicht ih­rem We­sen nach ty­pi­scher­wei­se nur auf Be­hin­der­te aus. Im Ge­gen­teil. Ty­pi­scher­wei­se können von der Re­ge­lung we­sent­lich mehr Mit­ar­bei­ter be­trof­fen sein, die das Merk­mal der Be­hin­de­rung nicht erfüllen und ei­nen An­spruch auf vor­ge­zo­ge­ne Al­ters­ren­te ha­ben.

(2) Es liegt auch kei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen Al­ters vor. Denk­bar ist die Be­nach­tei­li­gung we­gen Al­ters, weil die Mit­ar­bei­ter von So­zi­al­plan­leis­tun­gen aus­ge­nom­men wer­den, die ty­pi­scher­wei­se ein höhe­res Le­bens­al­ter auf­wei­sen.

Al­ler­dings re­gelt § 10 AGG un­ter Berück­sich­ti­gung der Be­son­der­hei­ten des Dis­kri­mi­nie­rungs­tat­be­stands „Al­ter“ aus­drück­lich die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen des Al­ters. § 10 Satz 1 und 2 AGG ge­stat­ten die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen des Al­ters, wenn die­se ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen und durch ein le­gi­ti­mes Ziel ge­recht­fer­tigt ist und wenn die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind. Nach § 10 Satz 3 Nr. 6 AGG können

 

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die Be­triebs­par­tei­en ei­ne nach Al­ter oder Be­triebs­zu­gehörig­keit ge­staf­fel­te Ab­fin­dungs­re­ge­lung vor­se­hen, in der sie die we­sent­lich vom Al­ter abhängen­den Chan­cen auf dem Ar­beits­markt durch ei­ne verhält­nismäßig star­ke Be­to­nung des Le­bens­al­ters er­kenn­bar berück­sich­ti­gen, oder auch Beschäftig­te von den Leis­tun­gen des So­zi­al­plans aus­sch­ließen, weil die­se, ge­ge­be­nen­falls nach Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld, ren­ten­be­rech­tigt sind.

Die Ver­min­de­rung der Ab­fin­dung mit zu­neh­men­dem Le­bens­al­ter führt zu ei­ner un­mit­tel­ba­ren Be­nach­tei­li­gung älte­rer Ar­beit­neh­mer. Die­se Re­ge­lung ist aber nach § 10 Satz 3 Nr. 6 AGG zulässig. Die­se ge­setz­li­che Be­stim­mung ist ge­mein­schafts­rechts­kon­form. Ins­be­son­de­re verstößt sie nicht ge­gen Art. 6 der Richt­li­nie 2000/78 EG. Nach Art. 6 Abs. 1 Satz 1 die­ser Richt­li­nie können die Mit­glied­staa­ten un­ge­ach­tet des Ar­ti­kels 2 Abs. 2 „vor­se­hen, dass Un­gleich­be­hand­lun­gen we­gen des Al­ters kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar­stel­len, so­fern sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen und im Rah­men des na­tio­na­len Rechts durch ein le­gi­ti­mes Ziel, wor­un­ter ins­be­son­de­re rechtmäßige Zie­le aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung zu ver­ste­hen sind, ge­recht­fer­tigt sind und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind“. Der deut­sche Ge­setz­ge­ber ver­folgt mit der Re­ge­lung in § 10 Satz 3 Nr. 6 AGG ein le­gi­ti­mes so­zi­al­po­li­ti­sches Ziel. Es ent­spricht ei­nem all­ge­mei­nen so­zi­al­po­li­ti­schen In­ter­es­se, dass So­zi­alpläne da­nach un­ter­schei­den können, wel­che wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le den Ar­beit­neh­mern dro­hen, die durch ei­ne Be­triebsände­rung ih­ren Ar­beits­platz ver­lie­ren. Ins­be­son­de­re ist nicht zu be­an­stan­den, Mit­ar­bei­ter, die ab­ge­si­chert sind, von Leis­tun­gen aus­zu­neh­men, da­mit die Leis­tun­gen den­je­ni­gen zu­fließen können, die stärker dar­auf an­ge­wie­sen sind (vgl. auch BAG v. 26.05.2009 – 1 AZR 198/08 – NZA 2009, 849).

 

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II.

Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf §§ 64 Abs. 6 ArbGG i.V.m. 91 Abs. 1 Satz 1, 92 Abs. 1 Satz 1 ZPO. Als un­ter­lie­gen­de Par­tei hat der Kläger die Kos­ten des Rechts­strei­tes zu zah­len.

III.

Die ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Zu­las­sung der Re­vi­si­on an das Bun­des­ar­beits­ge­richt lie­gen vor. Die Kam­mer ist der Auf­fas­sung, dass dem Rechts­streit grundsätz­li­che Be­deu­tung zu­kommt. Dies be­trifft die Fra­ge, ob die Be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 10.10.2007 Dis­kri­mi­nie­rungs­tat­bestände ver­wirk­licht. Da­mit be­steht der Re­vi­si­ons­grund des § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG.

 

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RECH­TSMIT­TEL­BE­LEH­RUNG

Ge­gen die­ses Ur­teil kann vom Kläger

R E V I S I O N

ein­ge­legt wer­den.

Für die Be­klag­te ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb ei­ner Not­frist* von ei­nem Mo­nat schrift­lich beim

Bun­des­ar­beits­ge­richt

Hu­go-Preuß-Platz 1

99084 Er­furt

Fax: 0361 2636 2000

ein­ge­legt wer­den.

Die Not­frist be­ginnt mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Die Re­vi­si­ons­schrift muss von ei­nem Be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:

1. Rechts­anwälte,
2. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,
3. Ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der in Num­mer 2 be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.

In den Fällen der Zif­fern 2 und 3 müssen die Per­so­nen, die die Re­vi­si­ons­schrift un­ter­zeich­nen, die Befähi­gung zum Rich­ter­amt ha­ben.

Ei­ne Par­tei, die als Be­vollmäch­tig­ter zu­ge­las­sen ist, kann sich selbst ver­tre­ten.

* ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den.

 

Dr. Ul­rich 

No­vak 

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