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Ka­tho­li­sche Kir­che will Wie­der­ver­hei­ra­te­te nicht au­to­ma­tisch kün­di­gen

Wer bei der ka­tho­li­schen Kir­che ar­bei­tet und nach ei­ner Schei­dung er­neut hei­ra­tet, muss­te bis­her um sei­nen Job ban­gen: Das än­dert sich jetzt. Ei­ne Kün­di­gung soll die Aus­nah­me wer­den. Und auch ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaf­ten füh­ren nicht mehr zum Raus­wurf

06.05.2015. (dpa) - Schei­dung und er­neu­te stan­des­amt­li­che Hei­rat soll in ka­tho­li­schen Kran­ken­häu­sern, Kin­der­gär­ten oder Schu­len in Deutsch­land nur noch in Aus­nah­me­fäl­len ein Kün­di­gungs­grund sein.

Das ha­ben die ka­tho­li­schen Bi­schö­fe jetzt mit ei­ner Än­de­rung des kirch­li­chen Ar­beits­rechts be­schlos­sen.

Auch das Ein­ge­hen ei­ner ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaft be­sit­ze "nur in Aus­nah­me­fäl­len Kün­di­gungs­re­le­vanz", teil­te die Bi­schofs­kon­fe­renz am Diens­tag in Bonn mit.

Ei­ne er­neu­te Ehe oder ei­ne Le­bens­part­ner­schaft sei­en bei ka­tho­li­schen Mit­ar­bei­tern nur dann ein Kün­di­gungs­grund, wenn sie ein "er­heb­li­ches Är­ger­nis in der Dienst­ge­mein­schaft" sei­en und die Glaub­wür­dig­keit der Kir­che be­ein­träch­tig­ten. Das kirch­li­che Ar­beits­recht "kennt kei­ne Kün­di­gungs­au­to­ma­tis­men", ver­si­cher­ten die Bi­schö­fe.

Die Kün­di­gung von wie­der­ver­hei­ra­te­ten Mit­ar­bei­tern ka­tho­li­scher Ein­rich­tun­gen hat­te im­mer wie­der zu lang­wie­ri­gen Pro­zes­sen bis vor das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ge­führt. Mit der Neu­fas­sung wer­de das kirch­li­che Ar­beits­recht an die viel­fäl­ti­gen Än­de­run­gen in Recht­spre­chung und Ge­sell­schaft an­ge­passt, teil­ten die Bi­schö­fe mit.

Im en­ge­ren kirch­li­chen Dienst - da­zu ge­hö­ren Mit­ar­bei­ter, die pas­to­ral, ka­te­che­tisch oder auf­grund ei­ner bi­schöf­li­chen Be­auf­tra­gung tä­tig sind - ge­be es aber er­höh­te Loya­li­täts­er­war­tun­gen. Hier blei­be es im We­sent­li­chen bei der bis­he­ri­gen Rechts­la­ge. Um ei­ne ein­heit­li­che An­wen­dung der neu­en Re­geln si­cher­zu­stel­len, sol­len in den Diö­ze­sen zen­tra­le Stel­len ge­schaf­fen wer­den, die vor ei­ner Kün­di­gung kon­sul­tiert wer­den sol­len.

Der ka­tho­li­sche So­zi­al­ver­band Ca­ri­tas be­grüß­te die Ent­schei­dung der Bi­schö­fe. Sie zei­ge, "wie in­ten­siv sich die Ka­tho­li­sche Kir­che mit der Le­bens­wirk­lich­keit vie­ler Mit­ar­bei­ter aus­ein­an­der­ge­setzt hat", sag­te Ca­ri­tas-Prä­si­dent Pe­ter Ne­her.

Die Bi­schö­fe räum­ten zu­dem den Ge­werk­schaf­ten mehr Rech­te in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen ein. Sie wer­den künf­tig an den Ver­hand­lun­gen über die Ta­ri­fe und Ar­beits­be­din­gun­gen in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen be­tei­ligt. Die ka­tho­li­sche Kir­che setzt da­mit ein Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts von 2012 um.

Die Kir­chen ge­hen bei den ar­beits­recht­li­chen Re­ge­lun­gen ei­nen Son­der­weg - den so­ge­nann­ten Drit­ten Weg. Die­sem Mo­dell liegt das kirch­li­che Selbst­ver­ständ­nis zu­grun­de, wo­nach Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer im Um­gang mit­ein­an­der auf Kon­sens statt auf Kon­fron­ta­ti­on set­zen soll­ten. Streiks als Druck­mit­tel sind nicht zu­läs­sig. Da­ge­gen klagt die Ge­werk­schaft Ver­di vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 8. August 2016

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