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Christ­li­che Kir­chen pran­gern Aus­wüch­se des Ka­pi­ta­lis­mus an

Men­schen­freund­lich soll die Ge­sell­schaft sein - da­zu ge­hört nach An­sicht der Kir­chen ei­ne strik­te Kon­trol­le der Fi­nanz­wirt­schaft: Sonst lau­fe das Geld aus dem Ru­der und die­ne den Men­schen nicht

01.03.2014. (dpa) - Die bei­den gro­ßen Kir­chen in Deutsch­land ha­ben die Aus­wüch­se des Ka­pi­ta­lis­mus an­ge­pran­gert und Re­for­men der Markt­wirt­schaft an­ge­mahnt.

Gier und Maß­lo­sig­keit, die zur Fi­nanz­kri­se ge­führt hät­ten, zer­setz­ten den ge­sell­schaft­li­chen Zu­sam­men­halt, heißt es in ei­ner ge­mein­sa­men Er­klä­rung der ka­tho­li­schen Deut­schen Bi­schofs­kon­fe­renz und der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land (EKD).

Es ist das ers­te der­ar­ti­ge Pa­pier seit 17 Jah­ren.

Der Vor­sit­zen­de der Bi­schofs­kon­fe­renz, Erz­bi­schof Ro­bert Zol­litsch, und der EKD-Rats­vor­sit­zen­de Ni­ko­laus Schnei­der stell­ten die Initia­ti­ve mit dem Ti­tel "Ge­mein­sa­me Ver­ant­wor­tung für ei­ne ge­rech­te Ge­sell­schaft" am Frei­tag in Frank­furt/Main vor und rie­fen zu ei­ner brei­ten öf­fent­li­chen Dis­kus­si­on dar­über auf. Ver­bän­de und Par­tei­en be­grüß­ten die Initia­ti­ve der Kir­chen, der In­halt wur­de aber auch als zu va­ge kri­ti­siert.

Das Pa­pier sol­le kein "letz­tes Wort" sein. "Wir wer­fen ei­nen St­ein ins Was­ser", sag­te Zol­litsch. "Wir wol­len gro­ße Li­ni­en be­nen­nen", er­gänz­te Schnei­der. Er hof­fe, dass der Dis­kurs ge­sell­schaft­li­che Ver­än­de­rungs­pro­zes­se an­sto­ße und die Bun­des­re­gie­rung we­sent­li­che Punk­te auf­neh­me.

Wirt­schaft­li­che Ak­ti­vi­tä­ten sei­en kein Selbst­zweck, Ge­winn­ma­xi­mie­rung um je­den Preis mo­ra­lisch in­ak­zep­ta­bel - des­halb müs­se der Fi­nanz­markt strik­ten in­ter­na­tio­na­len Kon­trol­len un­ter­lie­gen, for­dern die Kir­chen. "Die Fi­nanz­markt­kri­se der Jah­re 2007-2009 war die Fol­ge men­sch­li­chen Ver­sa­gens auf ganz un­ter­schied­li­chen Ebe­nen", heißt es in dem Pa­pier. "Zu Recht ist die Maß­lo­sig­keit und ei­ne zum Teil bis ins Kri­mi­nel­le ge­stei­ger­te Selbst­herr­lich­keit und Gier man­cher Fi­nanz­markt­ak­teu­re kri­ti­siert wor­den."

Die Il­lu­si­on der Be­herrsch­bar­keit von Ri­si­ken sei ein Haupt­grund für die Kri­se ge­we­sen. Geld müs­se ei­ne strikt die­nen­de Funk­ti­on ha­ben. "Ins­be­son­de­re die Fi­nanz­märk­te müs­sen sich wie­der in Rich­tung ei­ner die­nen­den Rol­le wan­deln."

Die so­zia­le Markt­wirt­schaft als ge­rech­ter und fai­rer Aus­gleich müs­se an­ge­sichts der Glo­ba­li­sie­rung der Wirt­schaft wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den in wirt­schaft­li­cher, so­zia­ler und auch öko­lo­gi­scher Hin­sicht, for­dern die Kir­chen.

Vor ge­nau 17 Jah­ren, am 28. Fe­bru­ar 1997, hat­ten die bei­den christ­li­chen Kir­chen ih­re Er­klä­rung "Für ei­ne Zu­kunft in So­li­da­ri­tät und Ge­rech­tig­keit" ver­öf­fent­licht.

In ih­rem ak­tu­el­len Pa­pier kri­ti­sie­ren sie, es sei bis­her nur un­zu­rei­chend er­reicht wor­den, die Chan­cen der Men­schen am un­te­ren Rand der Ge­sell­schaft zu ver­bes­sern. All­zu häu­fig wer­de Ar­mut ver­erbt. "Da­mit wol­len wir uns als Kir­chen nicht ab­fin­den."

Das Zen­tral­ko­mi­tee der deut­schen Ka­tho­li­ken sprach von ei­nem wich­ti­gen Zeug­nis der Chris­ten. Aus den ei­ge­nen Rei­hen kam aber auch Kri­tik: Der ka­tho­li­sche So­zi­al­ethi­ker Fried­helm Hengs­bach nann­te das Pa­pier blass und teil­nahms­los. Die Kir­chen­lei­tun­gen such­ten den Schul­ter­schluss zu den wirt­schaft­li­chen und po­li­ti­schen Eli­ten, sag­te Hengs­bach im Deutsch­land­ra­dio Kul­tur. Die SPD-Kir­chen­be­auf­trag­te Kers­tin Grie­se kri­ti­sier­te: "Ich hät­te mir heu­te kon­kre­te­re und kraft­vol­le­re Wor­te ge­wünscht."

Der Ar­beit­ge­ber­ver­band BDA nann­te es be­mer­kens­wert, dass die Kir­chen sich nicht nur zu Ver­tei­lungs­fra­gen äu­ßer­ten, son­dern Teil­ha­be- und Chan­cen­ge­rech­tig­keit ver­stärkt in den Fo­kus rück­ten. DGB-Chef Mi­cha­el Som­mer sag­te, ei­ne grund­sätz­li­che De­bat­te über die Ge­stal­tung von Wirt­schaft und Ar­beit sei nö­tig, denn die Fi­nanz­kri­se ha­be auf er­schre­cken­de Wei­se ge­zeigt, wie ge­fähr­lich die De­re­gu­lie­rung von Märk­ten sein kön­ne. Die Lin­ken-Po­li­ti­ke­rin Sah­ra Wa­genk­necht be­grüß­te das Pa­pier als kon­se­quent und klar. Es sei aber frag­wür­dig, wie sich Par­tei­en christ­lich nen­nen könn­ten, de­ren Po­li­tik für Un­gleich­heit sor­ge, sag­te Wa­genk­necht im Deutsch­land­ra­dio Kul­tur.

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Letzte Überarbeitung: 20. August 2014

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