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Ko­ali­ti­on will Streik­macht klei­ner Ge­werk­schaf­ten be­schrän­ken

Die Ko­ali­ti­on war bei ih­rem Pro­jekt Ta­rif­ein­heit un­ter Druck: Denn Mil­lio­nen Bun­des­bür­ger wa­ren zu­letzt vom Ar­beits­kampf der Lok­füh­rer be­trof­fen. Nun ist das Ge­setz auf dem Weg - das En­de ist noch of­fen

12.12.2014. (dpa) - Die Ko­ali­ti­on will Ar­beits­kämp­fe von Spar­ten­ge­werk­schaf­ten wie der­zeit bei der Bahn mit der Wie­der­ein­füh­rung des Prin­zips der Ta­rif­ein­heit ver­hin­dern.

Das Bun­des­ka­bi­nett gab da­für am Don­ners­tag in Ber­lin grü­nes Licht.

Wenn es in ei­nem Be­trieb von­ein­an­der ab­wei­chen­de Ta­rif­ver­trä­ge für die­sel­be Be­rufs­grup­pe gibt, soll künf­tig nur noch der Ver­trag der Ge­werk­schaft mit den meis­ten Mit­glie­dern an­wend­bar sein.

Im Streit­fall ent­schei­den die Ar­beits­ge­rich­te.

Der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB) und die Ar­beit­ge­ber be­grüß­ten das Ge­setz. Der Be­am­ten­bund, die Ärz­te­ge­werk­schaft Mar­bur­ger Bund und die Pi­lo­ten­ge­werk­schaft Cock­pit kri­ti­sier­ten es scharf. Der Vor­sit­zen­de von dbb be­am­ten­bund und ta­rif­uni­on, Klaus Dau­der­städt, kün­dig­te den Gang vor das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt an, soll­te die "Zwangs­ta­rif­ein­heit" wie ge­plant kom­men. Der Prä­si­dent der Pi­lo­ten­ver­ei­ni­gung Cock­pit, Il­ja Schulz, sag­te: "Ich bin mir si­cher, dass es nicht lan­ge dau­ert, bis die Re­gie­rung mit dem Ta­rif­ein­heits­ge­setz in Karls­ru­he Schiff­bruch er­lei­den wird."

Die jüngs­ten Streiks der Lok­füh­rer­ge­werk­schaft GDL hät­te es nach Ex­per­ten­an­sicht bei ei­ner Ta­rif­ein­heit wohl nicht ge­ge­ben. Das Ge­setz von Ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) wird nun im Bun­des­tag be­ra­ten. Es soll bis Som­mer 2015 in Kraft tre­ten. Nah­les wies Vor­wür­fe zu­rück, sie schrän­ke das Streik­recht ein. Die In­ter­es­sen­ver­tre­tung der Ar­beit­neh­mer wer­de viel­mehr ge­stärkt.

"Ta­rif­ver­trä­ge sol­len al­le Ar­beit­neh­mer­grup­pen glei­cher­ma­ßen schüt­zen", sag­te Nah­les. "Es darf nicht dar­um ge­hen, dass der Er­folg in Ta­rif­ver­hand­lun­gen sich al­lein da­nach be­misst, wel­che Stel­lung und Streik­macht je­mand im Be­trieb hat." Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat­te das bis da­hin gel­ten­de Prin­zip der Ta­rif­ein­heit 2010 ge­kippt. Die Ko­ali­ti­on hat­te nun mo­na­te­lang über den Ent­wurf be­ra­ten, um ihn mög­lichst rechts­si­cher zu ma­chen.

Dau­der­städt sieht das Streik­recht be­schnit­ten. Ar­beits­ge­rich­te sä­hen Streiks klei­ne­rer Ge­werk­schaf­ten künf­tig wohl als un­ver­hält­nis­mä­ßig an, weil sie auf ei­nen Ta­rif­ver­trag ge­rich­tet sei­en, der aber nicht an­ge­wen­det wer­den darf - auf ein recht­lich un­mög­li­ches Ziel. Der Chef des Mar­bur­ger Bunds und CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Ru­dolf Hen­ke for­der­te, in den par­la­men­ta­ri­schen Be­ra­tun­gen sol­le der Ent­wurf wie­der kom­plett ver­schwin­den.

DGB-Chef Rei­ner Hoff­mann be­grüß­te das Ge­setz auch als Mit­tel ge­gen Ta­rif­flucht der Ar­beit­ge­ber. "Ich ver­spre­che mir von dem Ge­setz, dass die Be­reit­schaft der Ar­beit­ge­ber und der Min­der­hei­ten­ge­werk­schaf­ten steigt, in Ta­rif­ge­mein­schaf­ten zu ko­ope­rie­ren", sag­te er der Deut­schen Pres­se-Agen­tur. "Heu­te be­trei­ben im­mer mehr Ar­beit­ge­ber Ta­rif­flucht." Die DGB-Ge­werk­schaf­ten Ver­di, NGG und GEW leh­nen das Ge­setz ab. Knapp 15 000 Bür­ger mach­ten bis­her bei ei­ner Un­ter­schrif­ten­ak­ti­on der drei Or­ga­ni­sa­tio­nen ge­gen die Plä­ne mit.

Ar­beit­ge­ber­prä­si­dent In­go Kra­mer lob­te das Ge­setz als Vor­aus­set­zung da­für, dass das Ta­rif­ver­trags­sys­tem sei­ne Ak­zep­tanz bei Ar­beit­ge­bern und -neh­mern be­hal­te. Kein Be­trieb kön­ne in ei­ner Grup­pe von Ar­beit­neh­mern, die das­sel­be mach­ten, un­ter­schied­li­che Be­din­gun­gen or­ga­ni­sie­ren.

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Letzte Überarbeitung: 12. April 2016

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