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LAG Köln: Be­nach­tei­li­gung ei­nes Be­triebs­rats­mit­glie­des

LAG Köln: Be­triebs­rats­mit­glie­der kön­nen durch Bü­ro­wech­sel be­nach­tei­ligt wer­den: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 26.07.2010, 5 Sa­Ga 10/10
28.02.2010. § 78 Satz 2 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) be­stimmt, dass Mit­glie­der des Be­triebs­ra­tes nicht we­gen ih­rer Tä­tig­keit be­nach­tei­ligt oder be­güns­tigt wer­den dür­fen. Be­triebs­rats­mit­glie­der müs­sen al­so trotz ih­rer Tä­tig­keit ge­nau­so be­han­delt wer­den wie die an­de­ren Ar­beit­neh­mer. Durch die­ses Be­nach­tei­li­gungs- und Be­güns­ti­gungs­ver­bot soll ei­ne eben­so un­ab­hän­gi­ge wie un­par­tei­ische Amts­füh­rung si­cher­ge­stellt wer­den.

Ein vor­sätz­li­cher Ver­stoß ge­gen die­se Schutz­be­stim­mung ist ge­mäß § 119 Abs. 1 Nr. 3 Be­trVG straf­bar und wird mit Frei­heits­stra­fe bis zu ei­nem Jahr oder mit Geld­stra­fe be­droht. Al­ler­dings wird die Tat nur auf An­trag des Be­triebs­ra­tes oder ei­ner im Be­trieb ver­tre­te­nen Ge­werk­schaft ver­folgt. Vor ei­ner sol­chen Es­ka­la­ti­on des Kon­flik­tes scheu­en die meis­ten je­doch zu­rück. Der Straf­tat­be­stand hat da­her nur ei­ne ge­rin­ge prak­ti­sche Be­deu­tung.

Wich­tig sind Un­ter­las­sungs­an­sprü­che, die so­wohl der Be­triebs­rat als auch das be­trof­fe­ne Mit­glied gel­tend ma­chen kön­nen. Sie er­ge­ben sich di­rekt aus § 78 Satz 2 Be­trVG oder - bei gro­ben Ver­stö­ßen - aus § 23 Abs.3 Be­trVG. Da ein Haupt­sa­che­ver­fah­ren zu lan­ge dau­ern wür­de, bie­tet sich hier der einst­wei­li­ge Rechts­schutz an. Ein Er­folg in ei­nem sol­chen Ver­fah­ren - al­so ei­ne einst­wei­li­ge Ver­fü­gung - be­en­det den Streit meist, oh­ne dass es zu ei­nem Haupt­ver­fah­ren kommt. Ne­ben sei­ner Ge­schwin­dig­keit hat es auch den Vor­teil, dass die Be­nach­tei­li­gung nicht be­wie­sen wer­den, son­dern nur glaub­haft ge­macht wer­den muss.

Un­ter der Be­nach­tei­li­gung ei­nes Be­triebs­rats­mit­glie­des ver­steht die Recht­spre­chung je­de Schlech­ter­stel­lung im Ver­hält­nis zu an­de­ren ver­gleich­ba­ren Ar­beit­neh­mern, die nicht aus sach­li­chen Er­wä­gun­gen, son­dern we­gen der Amts­tä­tig­keit er­folgt. Da­bei ist in al­ler Re­gel we­ni­ger die Fra­ge strei­tig, ob ei­ne Schlech­ter­stel­lung vor­liegt, son­dern viel­mehr, ob es für sie sach­li­che Grün­de gibt.

So lag es auch in ei­nem vom Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln ent­schie­de­nen Fall (Ur­teil vom 26.07.2010, 5 Sa­Ga 10/10). Ei­ne mit St­abs­funk­tio­nen be­trau­te Team­lei­te­rin saß hier zu­nächst mit der "rech­ten Hand" ei­nes der Ge­schäfts­füh­rer in ei­nem Zwei­er­bü­ro. Kurz nach ih­rer Wahl zur stell­ver­tre­ten­den Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den wur­de sie in ein lau­tes, hek­ti­sches Groß­raum­bü­ro mit ins­ge­samt 16 Ar­beits­plät­zen um­ge­setzt.

Trotz ih­rer Nach­fra­gen er­hielt die Team­lei­te­rin kei­ne Be­grün­dung für die­sen Vor­gang. Auch von ihr un­ter­brei­te­te Vor­schlä­ge für ei­ne al­ter­na­ti­ve Un­ter­brin­gung wur­den vom Ar­beit­ge­ber igno­riert. Da­her lei­te­te sie ein einst­wei­li­ges Ver­fü­gungs­ver­fah­ren ein.

Vor dem Ar­beits­ge­richt Bonn (Ur­teil vom 17.06.2010, 3 Ga 27/10) ar­gu­men­tier­te der Ar­beit­ge­ber er­folg­reich, er ha­be ei­nen en­gen Mit­ar­bei­ter der Lei­tungs­ebe­ne, der auch mit­be­stim­mungs­pflich­ti­ge Vor­gän­ge be­ar­bei­tet, nicht zu­sam­men in ei­nem Bü­ro mit Mit­glie­dern des Be­triebs­ra­tes un­ter­brin­gen wol­len.

Das LAG Köln hin­ge­gen be­ein­druck­te die­se Ar­gu­men­ta­ti­on nicht. Das Ge­richt stell­te fest, dass bei dem Ar­beit­ge­ber Team­lei­ter mit St­abs­funk­tio­nen in Ein­zel­bü­ros oder Zwei­er­bü­ros un­ter­ge­bracht sind. Nur Team­lei­ter mit ei­nem Team sa­ßen in Groß­raum­bü­ros. Die Um­set­zung der frisch ge­ba­cke­nen stell­ver­tre­ten­den Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den war da­her ar­beits­or­ga­ni­sa­to­risch für das Ge­richt nicht nach­voll­zieh­bar.

Die von dem Ar­beit­ge­ber an­ge­spro­che­ne Kon­flikt­si­tua­ti­on hät­te bei­spiels­wei­se auch durch die Zu­wei­sung ei­nes Ein­zel­bü­ros, ei­nen Aus­tausch der in den klei­nen Bü­ros ge­le­ge­nen Ar­beits­plät­ze oder ei­ne räum­li­che Tei­lung des ur­sprüng­li­chen Bü­ros ge­löst wer­den kön­nen. Ei­nen sach­li­chen Grund für die Schlech­ter­stel­lung gab es folg­lich nicht. Da oh­ne einst­wei­li­ge Ver­fü­gung der An­spruch des Be­triebs­rats­mit­glie­des auf län­ge­re Sicht un­mög­lich ge­macht wer­den wür­de, wur­de der Ar­beit­ge­ber un­ter An­dro­hung von Zwangs­geld da­zu ver­pflich­tet, sie bis auf wei­te­res in dem Zwei­raum­bü­ro oder in ei­ner ver­gleich­ba­ren Räum­lich­keit zu be­schäf­ti­gen.

Fa­zit: Ein Be­triebs­rats­mit­glied auf ei­nen neu­en Ar­beits­platz mit schlech­te­ren Ar­beits­be­din­gun­gen um­zu­set­zen ist grund­sätz­lich mög­lich und zwar auch dann, wenn das Be­triebs­rats­amt An­lass für die­se Maß­nah­me ist. Al­ler­dings muss hier nach ei­ner mög­lichst scho­nen­den Kon­flikt­lö­sungs­mög­lich­keit ge­sucht wer­den, da sonst ei­ne un­zu­läs­si­ge Be­nach­tei­li­gung des Mit­glie­des ge­ge­ben ist.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 29. Juni 2016

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