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LAG Köln: Kün­di­gung - Zu­gangs­zeit­punkt bei Ein­wurf in Brief­kas­ten

Wird die Kün­di­gung nach 16:00 Uhr in den Brief­kas­ten ein­ge­wor­fen, geht sie erst am Fol­ge­tag zu: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 17.09.2010, 4 Sa 721/10

02.02.2011. Kün­di­gun­gen wer­den aus psy­cho­lo­gi­schen Grün­den meist so spät wie mög­lich aus­ge­spro­chen. Da­bei steht der Kün­di­gen­de in ei­nem Zwie­spalt. Zum ei­nen möch­te er es so lan­ge wie mög­lich auf­schie­ben, die schlech­te Nach­richt über­brin­gen.

Zum an­de­ren muss sie aber so zei­tig wirk­sam wer­den, dass die maß­geb­li­chen Fris­ten ein­ge­hal­ten wer­den. So kann ein Tag mehr oder we­ni­ger ent­schei­den­den Ein­fluss bei­spiels­wei­se dar­auf ha­ben, ob die Kün­di­gung noch in der Pro­be­zeit (§ 622 Abs. 3 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch - BGB) aus­ge­spro­chen wur­de oder ob schon das Kün­di­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) für das Ar­beits­ver­hält­nis gilt und da­mit ei­ne Kün­di­gung nur noch un­ter den dort ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen mög­lich ist.

Zu­dem muss ei­ne Kün­di­gungs­schutz­kla­ge in­ner­halb von drei Wo­chen nach Zu­gang der Kün­di­gung er­ho­ben wer­den (§ 4 KSchG).

Ei­ne Kün­di­gung wird wirk­sam, wenn sie dem Adres­sa­ten "zu­geht" (vgl. § 130 Abs. 1 Satz 1 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch - BGB). Wird die Kün­di­gung per Brief oder Bo­ten über­bracht, ge­nügt es für den Zu­gang nicht, das Schrei­ben in den Brief­kas­ten des Emp­fän­gers zu wer­fen. Liegt die Kün­di­gung näm­lich erst zu ei­nem Zeit­punkt im Brief­kas­ten, zu dem er nicht mehr mit Post rech­nen muss­te, geht sie ihm erst am nächs­ten Tag zu.

Nach ei­ner gän­gi­gen ju­ris­ti­schen For­mu­lie­rung muss viel­mehr "nach der Ver­kehrs­an­schau­ung zu er­war­ten sein, dass der Emp­fän­ger tat­säch­lich als­bald Kennt­nis von dem Schrei­ben nimmt" bzw. "un­ter ge­wöhn­li­chen Um­stän­den mit der Kennt­nis­nah­me des Emp­fän­gers ge­rech­net wer­den darf".

Die­se et­was schwam­mi­gen For­mu­lie­run­gen las­sen bei­spiels­wei­se of­fen, was für "ge­wöhn­li­che Um­stän­de" ge­meint sind. Post wird nicht nur von Stadt zu Stadt, son­dern auch von Stra­ße zu Stra­ße und Haus zu Haus zu un­ter­schied­li­chen Zei­ten über­bracht. So­wohl der maß­geb­li­che räum­li­che als auch der ent­schei­den­de zeit­li­che Maß­stab sind da­her un­klar. Im We­sent­li­chen geht es aber im­mer um die Fra­ge, bis wann ein Ar­beit­neh­mer mit ei­ner Kün­di­gung rech­nen muss.

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ver­trat vor fast 30 Jah­ren den Stand­punkt, ge­gen 16:30 Uhr wer­de all­ge­mein kei­ne Post mehr zu­ge­stellt, wes­halb bei ei­ner zu die­ser Zeit ein­ge­wor­fe­nen Kün­di­gung erst von ei­nem Zu­gang am nächs­ten Tag aus­ge­gan­gen wer­den kön­ne (BAG, Ur­teil vom 08.12.1983, 2 AZR 337/82).

In ei­nem Mit­te Sep­tem­ber 2010 vom Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln ent­schie­de­nen Fall hielt ein Ar­beit­ge­ber die­se Vor­stel­lung für über­holt, weil seit dem En­de des Post­mo­no­pols an­de­re An­bie­ter auch spä­ter Brie­fe zu­stel­len. Er stritt sich da­her mit ei­nem von ihm ge­kün­dig­ten Ar­beit­neh­mer dar­um, ob ei­ne nach­weis­lich per Bo­ten nach 16:00 Uhr in den Brief­kas­ten ein­ge­wor­fe­ne Kün­di­gung noch am glei­chen Tag oder ei­nen Tag spä­ter zu­gin­gen und da­mit wirk­sam wur­de. Da­von hin­gen nicht nur Zah­lungs­an­sprü­che, son­dern so­gar die Ein­hal­tung der 3-Wo­chen-Frist für die Kün­di­gungs­schutz­kla­ge ab.

Eben­so wie sei­ne Vor­in­stanz, das Ar­beits­ge­richt Köln (Ur­teil vom 15.04.2010, 10 Ca 11351/09), ging das LAG Köln von ei­nem Zu­gang am nächs­ten Tag aus.

Da­bei lies es letzt­lich of­fen, ob es für die "ge­wöhn­li­chen Um­stän­de" der Post­zu­stel­lung auf die be­wohn­te Stra­ße, den be­wohn­ten Ort oder das ge­sam­te Bun­des­ge­biet an­kommt. Es wies statt­des­sen dar­auf hin, dass der Kün­di­gen­de sol­che Um­stän­de be­wei­sen müss­te. Das war dem Ar­beit­ge­ber aber für kei­nen der räum­li­chen Be­zugs­punk­te ge­lun­gen.

Ins­be­son­de­re aus der von ihm vor­ge­tra­ge­nen Recht­spre­chung di­ver­ser Lan­des­ar­beits­ge­rich­te er­gab sich nicht, dass es ei­ne Ver­kehrs­an­schau­ung gibt, nach der bun­des­weit die Post­zu­stel­lung nach 16:00 Uhr noch üb­lich ist. Ganz im Ge­gen­teil: Je­den­falls für sei­ne kon­kre­te Wohn­um­ge­bung konn­te sich der Klä­ger auf Nach­barn be­ru­fen, die be­zeug­ten, dass die Post in die Brief­kas­ten der An­le­ger stets in den Vor­mit­tagstun­den ein­ge­legt wird.

Der Ar­beit­neh­mer hat­te so­mit recht­zei­tig Kla­ge er­ho­ben und ge­wann sei­ne Zah­lungs- und Kün­di­gungs­schutz­kla­ge. Die Ent­schei­dung ist rechts­kräf­tig.

Fa­zit: Das Ge­richt ließ of­fen, ob ei­ne Post­zu­stel­lung nach 14:00 Uhr noch üb­lich ist. Das LAG Mün­chen und das LAG Ber­lin ha­ben in­so­weit in ei­ni­gen Ent­schei­dun­gen den Stand­punkt ver­tre­ten, dass in die­sen Groß­städ­ten bis 14:00 Uhr mit der Zu­stel­lung ge­rech­net wer­den müs­se. Aus Ar­beit­ge­ber­sicht soll­te da­her ei­ne Kün­di­gung per Bo­ten vor 14:00 Uhr und bes­ser noch am Vor­mit­tag nach­weis­bar in den Brief­kas­ten des Adres­sa­ten ein­ge­wor­fen wer­den. Aus Ar­beit­neh­mer­sicht kann der Ent­schei­dung des LAG Köln ent­nom­men wer­den, dass je­den­falls am spä­te­ren Nach­mit­tag nicht mehr mit ei­nem Kün­di­gungs­schrei­ben am glei­chen Tag ge­rech­net wer­den muss.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 1. Juli 2016

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