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Wenn der Kör­per streikt - Im Al­ter ei­ne Um­schu­lung ma­chen

Vom St­ein­metz bis zum Schmied: Man­che Be­ru­fe sind kör­per­lich so an­spruchs­voll, dass Be­schäf­tig­te sie nicht bis zur Ren­te aus­üben kön­nen. Dann müs­sen sie noch ein­mal um­ler­nen. Bei die­sem schwie­ri­gen Pro­zess sind sie je­doch nicht al­lein

11.03.2014. (dpa) - Im letz­ten Drit­tel des Be­rufs­le­bens noch ein­mal von vor­ne an­fan­gen: Das ist gar nicht so sel­ten.

Es gibt Be­ru­fe, die so an­stren­gend sind, dass Be­schäf­tig­te sie nicht bis zum ge­setz­li­chen Ren­ten­ein­tritts­al­ter durch­hal­ten.

Da­zu ge­hö­ren et­wa der Zim­mer­mann, der Flie­sen­le­ger oder die Kran­ken­schwes­ter.

Im­mer mehr Äl­te­re drü­cken dann noch ein­mal die Schul­bank und ler­nen ei­nen neu­en Be­ruf - Ten­denz stei­gend.

"Rund 2000 Per­so­nen, die äl­ter als 50 Jah­re wa­ren, ha­ben 2013 ei­ne Um­schu­lung be­gon­nen", sagt Ilo­na Mirt­schin, Spre­che­rin der Bun­des­agen­tur für Ar­beit in Nürn­berg.

Zum Ver­gleich: 2007 ha­ben nur et­wa 600 Ar­beit­neh­mer von die­ser Mög­lich­keit Ge­brauch ge­macht.

In wel­chen Jobs Be­schäf­tig­te be­son­ders häu­fig we­gen kör­per­li­cher Pro­ble­me aus­stei­gen müs­sen, ver­ra­ten die Sta­tis­ti­ken nicht. Oft sei­en es Hand­wer­ker oder Pfle­ger, sagt An­dre­as Mer­gen­tha­ler. Er ist Ko­or­di­na­tor für Al­te­rung und Mor­ta­li­tät beim Bun­des­in­sti­tut für Be­völ­ke­rungs­for­schung (BiB) in Wies­ba­den.

Wer kör­per­li­che Be­schwer­den hat und sei­nen Job auf ab­seh­ba­re Zeit nicht mehr ma­chen kann, soll­te sich zu­nächst ein­mal an den Ar­beit­ge­ber wen­den, rät Alex­an­der Le­gow­ski vom Zen­tral­ver­band des Deut­schen Hand­werks. Nicht sel­ten ge­be es ei­ne an­de­re Ver­wen­dung für die be­trof­fe­ne Per­son im Be­trieb - et­wa im La­ger oder im Bü­ro. Vie­le Fir­men hät­ten auf­grund des Fach­kräf­te­man­gels ein In­ter­es­se dar­an, äl­te­re Mit­ar­bei­ter zu hal­ten. Oft fin­den sich krea­ti­ve Lö­sun­gen, wenn ein Ge­sel­le oder Meis­ter nicht mehr in sei­nem Job ar­bei­ten kann.

In grö­ße­ren Un­ter­neh­men gibt es häu­fig so­gar spe­zi­el­le Pro­gram­me, die hel­fen, Be­schäf­tig­te mit kör­per­li­chen Pro­ble­men im Be­trieb zu hal­ten. Dort wen­den sich Mit­ar­bei­ter am bes­ten an ih­ren di­rek­ten Vor­ge­setz­ten. Klei­nen und mitt­le­ren Un­ter­neh­men bie­tet die Bun­des­agen­tur für Ar­beit Un­ter­stüt­zung an, sagt Mirt­schin.

Droht der Ver­lust der Ar­beits­stel­le, soll­ten Be­trof­fe­ne sich rasch bei der Ar­beits­agen­tur vor Ort mel­den. Ne­ben dem Per­so­nal­aus­weis und den Ar­beits­pa­pie­ren brin­gen sie am bes­ten gleich ein At­test des be­han­deln­den Arz­tes mit, rät Mirt­schin.

Ei­ne Al­ter­na­ti­ve sind die Ge­mein­sa­men Ser­vice­stel­len für Re­ha­bi­li­ta­ti­on, die in fast al­len gro­ßen Städ­ten zu fin­den sind. Auch hier kön­nen Be­trof­fe­ne ei­ne Um­schu­lung be­an­tra­gen, die in der Re­gel die Ar­beits­agen­tur fi­nan­ziert. Auch die Ren­ten­ver­si­che­rung bie­te Un­ter­stüt­zung bei der Fi­nan­zie­rung, sagt Dirk von der Hei­de, Pres­se­spre­cher der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung Bund in Ber­lin.

Die Be­ra­ter in den Ser­vice­stel­len oder bei der Ar­beits­agen­tur be­spre­chen mit dem An­trag­stel­ler zu­nächst, wel­cher Be­ruf in­fra­ge kommt. "Wir schau­en auf Er­fah­run­gen und Tä­tig­keits­schwer­punk­te der Be­rufs­tä­ti­gen", er­läu­tert Mirt­schin. Wenn ein Hand­wer­ker et­wa in sei­ner Bran­che blei­ben will und nur ei­ne wei­te­re Qua­li­fi­zie­rung braucht, um et­wa im Bü­ro zu ar­bei­ten, sei das oft in we­ni­gen Mo­na­ten ge­schafft. Vor­aus­set­zung für die Um­schu­lung ist al­ler­dings, dass der Be­schäf­tig­te ei­ne Per­spek­ti­ve in dem neu­en Be­ruf hat.

Nor­ma­ler­wei­se dau­ert ei­ne Um­schu­lung zwei Jah­re. In die­ser Zeit be­kommt der Ler­nen­de das so­ge­nann­te Ar­beits­lo­sen­geld bei be­ruf­li­cher Wei­ter­bil­dung. Das be­rech­net sich nach dem Ge­halt, das er zu­vor ver­dient hat. "Die Kos­ten der Um­schu­lung wer­den in der Re­gel kom­plett über­nom­men", er­klärt Mit­schin. Auch Nach­hil­fe kann die Be­hör­de fi­nan­zie­ren, wenn ein Um­schü­ler nicht zu­recht­kommt.

Ide­al ist, wenn Be­schäf­tig­te nach der Um­schu­lung in der glei­chen Bran­che blei­ben. "Für ei­nen Dach­de­cker wä­re ei­ne Ein­kaufs­ge­nos­sen­schaft oder ein Lie­fe­rant von Dach­zie­geln ei­ne gu­te Adres­se", sagt Kar­rie­r­e­be­ra­te­rin Do­ris Bren­ner aus Rö­der­mark. Das ha­be den Vor­teil, dass Be­rufs­tä­ti­ge ih­re lang­jäh­ri­ge Er­fah­rung beim neu­en Ar­beit­ge­ber nut­zen kön­nen.

Nach der Um­schu­lung soll­ten Äl­te­re zu­nächst ver­su­chen, über Kon­tak­te ei­nen neu­en Ar­beit­ge­ber zu fin­den, rät Bren­ner. Das sei oft leich­ter, als sich auf Stel­len­an­zei­gen zu be­wer­ben und mit zahl­rei­chen jün­ge­ren Be­wer­bern zu kon­kur­rie­ren. Gut sei auch, Fach­ver­an­stal­tun­gen wie Mes­sen zu be­su­chen und im per­sön­li­chen Kon­takt mit Ar­beit­ge­bern zu punk­ten.

Grund­sätz­lich gut ge­eig­net sei­en Jobs, bei de­nen es vor al­lem dar­um geht, den Über­blick zu be­hal­ten und Auf­ga­ben zu ko­or­di­nie­ren, sagt Bren­ner. Auf­grund ih­rer Be­rufs­er­fah­rung sind Äl­te­re dar­in häu­fig sehr gut - und ha­ben den Jün­ge­ren ei­ni­ges vor­aus.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 19. November 2015

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