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Kran­ken­kas­sen­bei­trä­ge stei­gen 2016 im Schnitt auf 15,7 Pro­zent

Bald müs­sen die Kran­ken­kas­sen den Zu­satz­bei­trag wei­ter an­he­ben: Das könn­te den Wech­sel-Wil­len der Ver­si­cher­ten stei­gern

15.10.2015. (dpa) - Ar­beit­neh­mer müs­sen im kom­men­den Jahr mit spür­bar hö­he­ren Bei­trä­gen für die ge­setz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV) rech­nen. Der Schät­zer­kreis beim Bun­des­ver­si­che­rungs­amt in Bonn pro­gnos­ti­zier­te am Mitt­woch ei­ne durch­schnitt­li­che An­he­bung des Bei­tra­ges um 0,2 Pro­zent­punk­te auf 15,7 Pro­zent, wie der GKV-Spit­zen­ver­band be­stä­tig­te. Da­bei han­delt es sich um ei­ne Emp­feh­lung an das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um, das auf der Grund­la­ge in den nächs­ten Wo­chen die end­gül­ti­ge Pro­gno­se fest­legt.

Die­ser An­stieg wird über den so­ge­nann­ten Zu­satz­bei­trag er­bracht, den die Ar­beit­neh­mer al­lein schul­tern müs­sen. Die­ser liegt künf­tig bei durch­schnitt­lich 1,1 Pro­zent. Den all­ge­mei­nen Bei­trag von 14,6 Pro­zent tei­len sich die 50 Mil­lio­nen Kas­sen­mit­glie­der und ih­re Ar­beit­ge­ber je zur Hälf­te. Da­mit dürf­te sich der Druck auf die Kas­sen er­hö­hen. Denn wenn sie ih­re Zu­satz­bei­trä­ge zu stark an­he­ben, könn­ten sich ih­re Mit­glie­der ei­ne neue Kas­se su­chen. Zu­dem ver­schärf­te sich die Dis­kus­si­on über die pa­ri­tä­ti­sche Fi­nan­zie­rung der Kran­ken­kas­sen­bei­trä­ge durch Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer.

Die Kran­ken­kas­sen kri­ti­sie­ren schon seit län­ge­rem, dass die von Ge­sund­heits­mi­nis­ter Her­mann Grö­he (CDU) ge­plan­ten Re­for­men im Ge­sund­heits­we­sen für sie mil­li­ar­den­schwe­re Zu­satz­be­las­tun­gen bräch­ten. Zu­dem schrei­ben in­zwi­schen al­le Kas­sen­ar­ten De­fi­zi­te. Da­her wur­de schon zu­vor er­war­tet, dass die Kas­sen im kom­men­den Jahr ih­ren Zu­satz­bei­trag um durch­schnitt­lich 0,2 bis 0,3 Pro­zent er­hö­hen müs­sen.

An­ge­sichts sol­cher Bei­trags­stei­ge­run­gen ver­lang­te die SPD-Ge­sund­heits­po­li­ti­ke­rin Hil­de Matt­heis ei­ne Rück­kehr zu ei­ner fai­ren Fi­nan­zie­rung durch Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer. Sie wies dar­auf hin, man ha­be sich in der Ko­ali­ti­on von Uni­on und SPD ver­stän­digt, dass ein zu ho­her Zu­satz­bei­trag nicht ak­zep­ta­bel sei. «Die­se Gren­ze wird nun ge­ris­sen», sag­te sie.

Der Ge­sund­heits­po­li­ti­ker der Lin­ken, Ha­rald Wein­berg, er­klär­te, die Schief­la­ge bei den Kran­ken­kas­sen­fi­nan­zen sei ab­seh­bar ge­we­sen. «Nun hat es die Bun­des­re­gie­rung schwarz auf weiß, wie stark sie nächs­tes Jahr die Bei­trags­zah­ler schröp­fen wird. Be­reits die­ses Jahr zah­len die Ver­si­cher­ten über zehn Mil­li­ar­den Eu­ro mehr als die Ar­beit­ge­ber. Nächs­tes Jahr wer­den es über 13 Mil­li­ar­den sein.» Wein­berg ver­lang­te, dass die Pa­ri­tät, das Prin­zip «hal­be-hal­be», zwi­schen Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­ge­ber wie­der­her­ge­stellt wer­den müs­se.

Die Grü­nen-Ge­sund­heits­po­li­ti­ke­rin Ma­ria Klein-Schme­ink plä­dier­te eben­falls da­für, die pa­ri­tä­ti­sche Fi­nan­zie­rung der Kran­ken­ver­si­che­rung wie­der ein­zu­füh­ren. Nach ih­rer Ein­schät­zung wer­den die Zu­satz­bei­trä­ge noch wei­ter stei­gen, und die Ein­kom­men leg­ten bei wei­tem nicht so schnell zu.

Ähn­lich ar­gu­men­tier­ten der So­zi­al­ver­band VdK und der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB). DGB-Vor­stands­mit­glied An­ne­lie Bun­ten­bach er­klär­te: «Die schon jetzt un­ge­rech­te Las­ten­ver­tei­lung ver­schärft sich nun noch mehr. Die Ar­beit­ge­ber müs­sen end­lich wie­der in die Pflicht ge­nom­men wer­den und ih­ren An­teil an den Kos­ten über­neh­men. Die Rück­kehr zur Pa­ri­tät ist über­fäl­lig.»

Zum 1. Ja­nu­ar war der all­ge­mei­ne Bei­trags­satz von 15,5 Pro­zent um 0,9 Punk­te auf 14,6 Pro­zent ge­senkt wor­den. Be­nö­ti­gen die Kas­sen mehr Geld, müs­sen sie je nach ei­ge­ner Fi­nanz­la­ge ei­nen zu­sätz­li­chen Bei­trag be­stim­men. Im ers­ten Jahr die­ser Neu­re­ge­lung hat­te der Schät­zer­kreis ei­nen durch­schnitt­li­chen Zu­satz­bei­trag von 0,9 Pro­zent­punk­ten emp­foh­len. Mit dem va­ria­blen Zu­satz­bei­trag will der Ge­setz­ge­ber mehr Wett­be­werb un­ter den Kas­sen er­rei­chen.

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Letzte Überarbeitung: 12. April 2016

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