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Kri­tik an der Ren­ten­fi­nan­zie­rung - Nah­les: Kei­ne Än­de­rung nö­tig

Die An­hö­rung zum schwarz-ro­ten Ren­ten­pa­ket bringt alt­be­kann­te Po­si­tio­nen. Im Mit­tel­punkt: Müt­ter­ren­te und Ren­te mit 63. Mi­nis­te­rin Nah­les sieht sich da­nach be­stä­tigt

06.05.2014. (dpa) - Ge­werk­schaf­ten und Ar­beit­ge­ber ha­ben die schwarz-ro­te Bun­des­re­gie­rung auf­ge­for­dert, ei­ne nach­hal­ti­ge Fi­nan­zie­rung ih­rer Ren­ten­plä­ne si­cher­zu­stel­len.

Die Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de (BDA) hielt am Mon­tag bei ei­ner Ex­per­ten­an­hö­rung im So­zi­al­aus­schuss des Bun­des­ta­ges das Ren­ten­pa­ket grund­sätz­lich für zu teu­er - der­weil kri­ti­sier­te der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB) vor al­lem, dass zu­nächst die Über­schüs­se aus der Ren­ten­kas­se zur Fi­nan­zie­rung der so­ge­nann­ten Müt­ter­ren­te her­an­ge­zo­gen wür­den.

Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) sieht sich in­des auf dem rich­ti­gen Weg - und das Ren­ten­pa­ket auf ei­ner so­li­den Fi­nanz­grund­la­ge. Die An­hö­rung ha­be je­den­falls kei­nen An­lass ge­ge­ben, et­was zu än­dern. Sie wol­le jetzt im Ge­spräch mit den Ko­ali­ti­ons­frak­tio­nen von Uni­on und SPD ei­ne wirk­sa­me Lö­sung su­chen, um ei­ne Früh­ver­ren­tungs­wel­le bei der ab­schlags­frei­en Ren­te mit 63 nach 45 Bei­trags­jah­ren zu ver­hin­dern.

Der Vor­sit­zen­de des Par­la­ments­krei­ses Mit­tel­stand der Uni­ons­frak­ti­on, Chris­ti­an von Stet­ten, sah sich durch die An­hö­rung in sei­ner Kri­tik an der Ren­te mit 63 eben­falls be­stä­tigt. "Die Ar­beits­grup­pen der Frak­tio­nen sind jetzt auf­ge­for­dert, schleu­nigst Än­de­rungs­an­trä­ge zu for­mu­lie­ren." Denn das von Nah­les vor­ge­leg­te Ge­setz sei oh­ne Än­de­run­gen im Bun­des­tag nicht zu­stim­mungs­fä­hig.

In der An­hö­rung be­kräf­tig­te die BDA ih­re Ab­leh­nung der Ren­te mit 63. Der Ver­band be­fürch­tet ne­ga­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf den Ar­beits­markt so­wie ei­ne Wel­le von Früh­ver­ren­tun­gen. Denn Ar­beit­neh­mer könn­ten sich nach jet­zi­gem Stand mit 61 ar­beits­los mel­den und dann mit 63 weit­ge­hend ab­schlags­frei in Ren­te ge­hen.

Die Wirt­schaft hält auch ei­ne An­rech­nung von Ar­beits­lo­sen­zei­ten ge­ne­rell für falsch. Dem Ar­beits­markt wer­den nach Be­rech­nun­gen des In­dus­trie­ver­ban­des BDI we­gen der de­mo­gra­fi­schen Ent­wick­lung bis 2020 rund sechs Mil­lio­nen Ar­beits­kräf­te feh­len. Der Ver­band sieht in der ab­schlags­frei­en Ren­te vor al­lem ei­ne Ge­gen­re­ak­ti­on der SPD auf die in sei­nen Au­gen po­si­ti­ve Ren­te mit 67, die dem de­mo­gra­fi­schen Wan­del Rech­nung tra­ge.

Die Ar­beit­ge­ber rech­nen da­mit, dass das ge­sam­te Ren­ten­pa­ket ein­schließ­lich künf­ti­ger Ren­ten­stei­ge­run­gen bis 2030 rund 200 Mil­li­ar­den Eu­ro zu­sätz­lich kos­tet.

Uni­on und SPD ha­ben sich dar­auf ver­stän­digt, ma­xi­mal fünf Jah­re Ar­beits­lo­sen­zeit an­zu­er­ken­nen. Strit­tig ist, wie Früh­ver­ren­tung ver­mie­den wer­den kann. In der Uni­on wird ei­ne Stich­tags­re­ge­lung be­vor­zugt, bei SPD und Ge­werk­schaf­ten ei­ne Er­stat­tungs­re­ge­lung, an der die Ar­beit­ge­ber kos­ten­mä­ßig be­tei­ligt wer­den.

Der DGB be­grüß­te das Pa­ket grund­sätz­lich, kri­ti­sier­te aber, dass die Müt­ter­ren­te über Re­ser­ven der Ren­ten­ver­si­che­rung fi­nan­ziert wer­den soll. Er for­der­te die Bun­des­re­gie­rung auf si­cher­zu­stel­len, dass ihr Ren­ten­pa­ket nach­hal­tig fi­nan­ziert und die Ren­ten für die jun­gen Ge­ne­ra­tio­nen sta­bi­li­siert wer­den.

Wenn die ver­bes­ser­te An­er­ken­nung von Er­zie­hungs­zei­ten für vor 1992 ge­bo­re­ne Kin­der aus der Ren­ten­kas­se be­zahlt wer­de, wür­den de­ren Rück­la­gen bis zum En­de der Le­gis­la­tur­pe­ri­ode weit­ge­hend auf­ge­braucht. Müt­ter, die ein vor 1992 ge­bo­re­nes Kind groß­ge­zo­gen ha­ben, sol­len vom 1. Ju­li an bei der Ren­ten­be­rech­nung für je­des die­ser Kin­der zwei Ent­gelt­punk­te statt bis­her ei­nen be­kom­men. Für nach 1992 ge­bo­re­ne Kin­der wer­den be­reits drei Punk­te an­ge­rech­net.

Die Müt­ter­ren­te soll­te "voll­stän­dig aus Steu­er­mit­teln fi­nan­ziert" wer­den, ar­gu­men­tiert der DGB ähn­lich wie die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund (DRV). Die Re­ser­ven der Ren­ten­kas­sen be­lau­fen sich der­zeit auf rund 30 Mil­li­ar­den Eu­ro.

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Letzte Überarbeitung: 20. August 2014

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