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Kri­tik an Nah­les' Eck­punk­ten zur Ta­rif­ein­heit

Nach Ren­ten­pa­ket und Min­dest­lohn han­delt sich Ar­beits­mi­nis­te­rin Nah­les nun auch Är­ger mit ih­ren Plä­nen zur Ta­rif­ein­heit in Be­trie­ben ein: Sie will noch vor der Som­mer­pau­se auch hier Pflö­cke ein­schla­gen

28.06.2014. (dpa) - Die Plä­ne von Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) für ei­ne Ta­rif­ein­heit in Be­trie­ben sto­ßen auf deut­li­che Kri­tik.

Der Mar­bur­ger Bund be­zeich­ne­te sie am Frei­tag als "Fron­tal­an­griff auf ge­werk­schaft­li­che Rech­te".

Mög­li­cher­wei­se bringt Nah­les die Eck­punk­te schon am kom­men­den Mitt­woch ins Ka­bi­nett.

Der Vor­sit­zen­de der Ärz­te­or­ga­ni­sa­ti­on, Ru­dolf Hen­ke, er­klär­te: "Wenn die Eck­punk­te tat­säch­lich in ei­ne ge­setz­li­che Re­ge­lung der Ta­rif­ein­heit mün­den, ha­ben wir in Deutsch­land ein Zwei­klas­sen­recht für Ge­werk­schaf­ten. Die ei­nen dür­fen mit staat­li­cher Ge­neh­mi­gung Ta­rif­ver­trä­ge schlie­ßen und ih­re Mit­glie­der zum Streik auf­ru­fen, die an­de­ren müs­sen sich un­ter­ord­nen und Ru­he ge­ben."

Nah­les will noch vor der Som­mer­pau­se Eck­punk­te für ei­ne Ta­rif­ein­heit vor­le­gen - Ziel ist es, die Streik­macht klei­ner Ge­werk­schaf­ten zu be­gren­zen. Im Kern sieht das sechs Punk­te um­fas­sen­de Pa­pier ei­ne Vor­rang­stel­lung der stärks­ten Ge­werk­schaft vor. Dies be­deu­te dann für die klei­ne­re Ge­werk­schaft, dass sich "die Frie­dens­pflicht aus dem Ta­rif­ver­trag der Mehr­heits­ge­werk­schaft auf die Min­der­heits­ge­werk­schaft" er­stre­cke, schreibt der "Ta­gespie­gel" (Frei­tag).

Hen­ke will ge­gen ein sol­ches Ge­setz Ver­fas­sungs­be­schwer­de er­he­ben. Er hielt der Re­gie­rung vor, sich ganz of­fen­sicht­lich dem Druck der Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de (BDA) und der DGB-Spit­ze zu beu­gen und ein Ge­setz auf den Weg zu brin­gen, "das grund­ge­setz­lich ga­ran­tier­te Rech­te al­ler Ar­beit­neh­mer in die­sem Land au­ßer Kraft setzt".

Der Deut­sche Jour­na­lis­ten-Ver­band ap­pel­lier­te an das schwarz-ro­te Ka­bi­nett, die jetzt be­kannt­ge­wor­de­nen Eck­punk­te zur Ta­rif­ein­heit nicht zu be­schlie­ßen. Haupt­ge­schäfts­füh­rer Ka­jo Döh­ring kri­ti­sier­te, das Pa­pier fol­ge al­lein den In­ter­es­sen der Ar­beit­ge­ber und der gro­ßen Ge­werk­schafts­or­ga­ni­sa­tio­nen. "Den Spar­ten­ge­werk­schaf­ten wer­den we­sent­li­che Rech­te be­schnit­ten, wir hal­ten das so für ver­fas­sungs­wid­rig."

Im Me­di­en­be­reich ha­be sich die Ta­rif­ge­mein­schaft von DJV und dju/Ver­di über Jahr­zehn­te be­währt. Die dra­ma­tisch be­schrie­be­nen Sze­na­ri­en ei­ner nicht mehr funk­ti­ons­fä­hi­gen öf­fent­li­chen In­fra­struk­tur sei­en aber auch mit Blick auf an­de­re Be­rufs­ge­werk­schaf­ten wie den Mar­bur­ger Bund ab­so­lut un­halt­bar.

Der Prä­si­dent der Pi­lo­ten­ge­werk­schaft Ver­ei­ni­gung Cock­pit, Il­ja Schulz, warf Nah­les ei­nen "Ver­fas­sungs­bruch mit An­sa­ge" vor. Auch der Vor­sit­zen­de der Links­par­tei, Bernd Ri­ex­in­ger, kri­ti­sier­te im "Ta­ges­spie­gel" (Sams­tag) die Re­gie­rungs­plä­ne als "fun­da­men­ta­len An­griff auf das Streik­recht und die Ver­fas­sung".

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 30. Mai 2015

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