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Kü­che bleibt öf­ter kalt - De­ho­ga gibt Min­dest­lohn die Schuld

Ho­tels und Gast­stät­ten se­hen den Min­dest­lohn als Bü­ro­kra­tie­mons­ter: Nicht die Hö­he sei das Pro­blem, son­dern die Do­ku­men­ta­ti­ons­pflich­ten. Rü­cken­de­ckung kommt vom grü­nen Teil der Lan­des­re­gie­rung

02.04.2015. (dpa) - Kein Mit­tags­tisch mehr oder kür­ze Öff­nungs­zei­ten: Der Ho­tel- und Gast­stät­ten­ver­ban­des (De­ho­ga) hat am Mitt­woch vor mög­li­chen Ein­schrän­kun­gen des An­ge­bots durch den seit Jah­res­be­ginn gel­ten­den Min­dest­lohn ge­warnt.

Prä­si­dent Fritz En­gel­hardt ver­wies in Lein­fel­den-Ech­ter­din­gen (Kreis Ess­lin­gen) auf ei­ne Ver­bands­um­fra­ge: "Vie­le Be­trie­be pla­nen Ein­schrän­kun­gen bei An­ge­bot und Öff­nungs­zei­ten oder ha­ben die­se schon um­ge­setzt."

In tou­ris­ti­schen Ge­bie­ten im Schwarz­wald ge­be es Ho­tels mit Re­stau­rants, die mit­tags ih­re Kü­che zu­mach­ten.

Die ei­gent­li­chen Pro­ble­me beim Min­dest­lohn sieht De­ho­ga nicht in der Hö­he von 8,50 Eu­ro, son­dern bei des­sen Um­set­zung und der Do­ku­men­ta­ti­on.

Grund: Ar­beits­zei­ten von mehr als zehn St­un­den am Tag sei­en ver­bo­ten. Das gel­te selbst dann, wenn die Be­schäf­tig­ten dies nur in Aus­nah­me­fäl­len und aus­drück­lich frei­wil­lig leis­te­ten. "Wenn un­se­re Be­trie­be die Mög­lich­keit hät­ten, die täg­li­che Ar­beits­zeit bis zu drei­mal die Wo­che auf ma­xi­mal zwölf St­un­den aus­zu­deh­nen, wohl­ge­merkt mit ver­trag­li­cher Zu­stim­mung der Mit­ar­bei­ter und bei vol­lem Zeit­aus­gleich für Über­stun­den, dann wä­ren vie­le Pro­ble­me, die un­se­re Bran­che hat, ein­fa­cher und vor al­lem rechts­kon­form zu lö­sen."

En­gel­hardt er­klär­te wei­ter, in Ho­tel­le­rie und Gas­tro­no­mie kön­ne die Ar­beits­zeit nicht so ein­fach wie in In­dus­trie­be­trie­ben mit ei­ner Stech­uhr er­fasst wer­den. "Das ist in der Pra­xis schwer durch­führ­bar." Au­ßer­dem ist es den An­ga­ben zu­fol­ge auch nicht mehr mög­lich, an ei­nem Tag mehr und an ei­nem we­ni­ger zu ar­bei­ten. Die Bran­che sei von mit­tel­stän­di­schen Klein­be­trie­ben ge­prägt. Bei sol­chen Be­triebs­grö­ßen sei­en der Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on in meh­re­ren Schich­ten Gren­zen ge­setzt.

Agrar­mi­nis­ter Alex­an­der Bonde (Grü­ne) sag­te, er se­he mit gro­ßer Sor­ge, dass der von der CDU-ge­führ­ten Bun­des­re­gie­rung be­schlos­se­ne Wust an bü­ro­kra­ti­schem Auf­wand rund um den Min­dest­lohn Ar­beits­plät­ze in den Bran­chen Land­wirt­schaft und Gast­ge­wer­be ge­fähr­de. "Mit Blick auf un­se­re Gas­tro­no­men und Bau­ern im Land for­de­re ich die Bun­des­re­gie­rung drin­gend auf, die Re­ge­lun­gen zum Min­dest­lohn rasch zu über­ar­bei­ten." So­zi­al­mi­nis­te­rin Kat­rin Alt­pe­ter (SPD) ver­wies dar­auf, dass sich der Ko­ali­ti­ons­aus­schuss am 23. April mit den Pro­ble­men beim Min­dest­lohn be­fas­se.

Der op­po­si­tio­nel­le CDU-Frak­ti­ons­chef Gui­do Wolf sag­te: "Aus un­se­rer Sicht muss aber bei den bü­ro­kra­ti­schen Aus­wir­kun­gen des Min­dest­l­ohn­ge­set­zes drin­gend nach­ge­bes­sert wer­den." Auch er ver­wies un­ter an­de­rem auf die um­fang­rei­chen Do­ku­men­ta­ti­ons­pflich­ten. "Das von CDU, SPD und Grü­nen auf Bun­des­ebe­ne fast ein­stim­mig be­schlos­se­ne Min­dest­l­ohn­ge­setz be­steht den All­tags­test nicht", heißt es in ei­ner Mit­tei­lung der FDP-Land­tags­frak­ti­on. Bü­ro­kra­ti­sche Zu­mu­tun­gen und pra­xis­fer­ne Re­ge­lun­gen stell­ten tau­sen­de Be­trie­be un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht und ge­fähr­de­ten Ar­beits­plät­ze. Die Ge­werk­schaft NGG be­ton­te, die De­ho­ga-Kla­ge sei völ­lig über­trie­ben. Die kor­rek­te Ar­beits­zeit­er­fas­sung ge­hö­re zum ehr­li­chen und fai­ren Um­gang mit den Be­schäf­tig­ten.

SPD-Frak­ti­ons­chef Claus Schmie­del ent­geg­ne­te, dass Ge­setz sol­le auch Miss­brauch ei­nen Rie­gel vor­schie­ben. Des­halb füh­re an ge­wis­sen Do­ku­men­ta­ti­ons­pflich­ten kein Weg vor­bei. "Die Be­gren­zung der Ar­beits­zeit auf täg­lich höchs­tens zehn St­un­den hat mit dem Min­dest­lohn nichts zu tun. Sie sei im Ar­beits­zeit­ge­setz schon seit lan­gem ge­re­gelt. Pro­ble­me, die da im Ca­te­ring-Be­reich oder bei klei­ne­ren Be­trie­ben spe­zi­ell in der Gas­tro­no­mie ent­ste­hen, sind mir be­wusst. Des­halb könn­ten im Ar­beits­zeit­ge­setz ta­rif­ver­trag­lich ver­ein­bar­te Aus­nah­men er­laubt wer­den, die aber wirk­lich nur für die­se Son­der­fäl­le gel­ten", schlug er vor.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 16. Juni 2016

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