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Kün­di­gung mit Ab­fin­dungs­an­ge­bot und spä­ter ver­ein­bar­tem Auf­lö­sungs­ver­trag

Kün­di­gungs­schutz­kla­ge ge­fähr­det die Ab­fin­dung, wenn das Ab­fin­dungs­an­ge­bot vom Un­ter­las­sen ei­ner Kla­ge ab­hängt: Lan­des­ar­beits­ge­richt Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Ur­teil vom 18.01.2011, 5 Sa 239/10
28.11.2011. Nach ei­ner Kün­di­gung wer­den oft Ab­fin­dun­gen ge­zahlt, um ei­nen Kün­di­gungs­schutz­pro­zess zu be­en­den oder zu ver­hin­dern. Das Kün­di­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) legt Ar­beit­ge­bern na­he, be­reits bei Aus­spruch ei­ner (be­triebs­be­ding­ten) Kün­di­gung ei­ne Stan­dard-Ab­fin­dung in ge­setz­lich fest­ge­leg­ter (eher ge­rin­ger) Hö­he un­ter der Be­din­gung an­zu­bie­ten, dass kei­ne Kün­di­gungs­schutz­kla­ge er­ho­ben wird (§ 1a KSchG).

Un­ter­lässt der Ar­beit­neh­mer die Kla­ge, hat er den Ab­fin­dungs­an­spruch im Sack, klagt er da­ge­gen, muss er vor Ge­richt neu über ei­ne Ab­fin­dung ver­han­deln, denn das ur­sprüng­li­che Ab­fin­dungs­an­ge­bot gilt nicht mehr. Da­her set­zen früh­zei­ti­ge, am bes­ten schon zu­sam­men mit der Kün­di­gung un­ter­brei­te­te Ab­fin­dungs­an­ge­bo­te den Ar­beit­neh­mer und sei­nen An­walt un­ter Druck, denn wer die Ab­fin­dung aus­schlägt und hö­her po­kert, z.B. mit Hil­fe ei­ner Kün­di­gungs­schutz­kla­ge, kann viel ver­lie­ren.

Die­ses Ri­si­ko be­steht so­gar dann, wenn die Kün­di­gungs­schutz­kla­ge nur pro for­ma er­ho­ben wird, um den Ab­fin­dungs­an­spruch ti­tu­lie­ren zu las­sen: Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Ur­teil vom 18.01.2011, 5 Sa 239/10.

Auflösungsvertrag mit Abfindungsanspruch und Klageunterlassungs-Klausel: Kann man trotzdem "nur pro forma" klagen?

Wer ei­ne Kündi­gung erhält, muss in­ner­halb von drei Wo­chen Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­he­ben, sonst ist die Kündi­gung un­wi­der­ruf­lich als wirk­sam an­zu­se­hen (§§ 4 in Verb. mit § 7 KSchG). Die meis­ten Kündi­gungs­schutz­pro­zes­se en­den aber nicht durch Ur­teil, son­dern durch ei­nen Ver­gleich, mit dem sich Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer "frei­wil­lig" dar­auf verständi­gen, dass die Kündi­gung wirk­sam war und der Ar­beit­neh­mer ei­ne Ab­fin­dung erhält.

Der Ar­beit­ge­ber kann die­ses Er­geb­nis vor­weg­neh­men, wenn er die Kündi­gung auf be­triebs­be­ding­te Gründe stützt und zu­gleich erklärt, dass der Ar­beit­neh­mer ei­ne Ab­fin­dung be­an­spru­chen kann, falls er die Kla­ge­frist ver­strei­chen lässt. § 1a KSchG gibt dem Ar­beit­neh­mer dann ei­nen Ab­fin­dungs­an­spruch von ei­nem hal­ben Mo­nats­ge­halt pro Beschäfti­gungs­jahr (§ 1a Abs.2 KSchG und § 10 KSchG).

Da mit § 1a KSchG je­der Streit um die Kündi­gung ver­mie­den wer­den soll, entfällt die Ab­fin­dung nach An­sicht des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) auch dann, wenn ei­ne Kla­ge zu spät er­ho­ben wird. Aber gilt das auch, wenn ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge erklärter­maßen "nur pro for­ma" er­ho­ben wird, um ei­nen voll­streck­ba­ren Ti­tel für die Ab­fin­dung zu schaf­fen?

LAG Mecklenburg-Vorpommern: Pro-forma-Kündigungsschutzklage lässt Abfindung nicht entfallen

Ein Ar­beit­neh­mer er­hielt ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung mit ei­nem Ab­fin­dungs­an­ge­bot, das deut­lich höher war als nach dem § 1a Abs.2 KSchG. Die Ab­fin­dung stand un­ter der Be­din­gung, dass der Ar­beit­neh­mer "ge­gen die Kündi­gung in­ner­halb von 3 Wo­chen nach Zu­gang kei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­hebt". Ei­ni­ge Ta­ge später ver­ein­bar­ten die Par­tei­en ei­ne Auflösungs­ver­ein­ba­rung bzw. ei­nen Ab­wick­lungs­ver­trag mit dem glei­chen In­halt.

Der An­walt des Ar­beit­neh­mers sprach so­dann mit der Per­so­nal­ab­tei­lung ab, dass er nach Ab­lauf der Drei­wo­chen­frist pro for­ma Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­he­ben würde, um ei­nen ge­richt­li­chen Ver­gleich schließen zu können und um dem Ar­beit­neh­mer ei­nen voll­streck­ba­ren Ti­tel zu ver­schaf­fen. Als die Kla­ge lief, konn­te sich der Ar­beit­ge­ber ei­ne sol­che Ab­spra­che nicht mehr er­in­nern und mein­te, der Ab­fin­dungs­an­spruch sei ent­fal­len. Das Ar­beits­ge­richt Ros­tock (Ur­teil vom 06.07.2010, 3 Ca 584/10) und das LAG ga­ben der Ab­fi­dungs­kla­ge statt und ver­wie­sen dar­auf, dass nach der Ver­ein­ba­rung nur ei­ne frist­ge­rech­te Kla­ge die Ab­fin­dung ent­fal­len las­sen soll­te. Außer­dem hat­te der An­walt des Ar­beit­neh­mers den Kündi­gungs­schutz­an­trag nie stel­len wol­len und auch letzt­lich nicht ge­stellt, son­dern nur ei­nen auf die Ab­fin­dung ge­rich­te­ten Zah­lungs­an­trag.

Fa­zit: Wer ei­ne Kündi­gung mit Ab­fin­dungs­an­ge­bot erhält, be­fin­det sich in ei­ner recht­lich kom­pli­zier­ten La­ge, wenn das Ab­fin­dungs­an­ge­bot un­ter die Be­din­gung ge­stellt wur­de, dass der gekündig­te Ar­beit­neh­mer kei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­hebt. Schon das übli­che Nach­ver­han­deln über die Höhe der an­ge­bo­te­nen Ab­fin­dung kann das Ab­fin­dungs­an­ge­bot recht­lich zu­nich­te ma­chen, wenn sich der Ar­beit­neh­mer des­sen An­nah­me nicht aus­drück­lich vor­behält. In ei­ner sol­chen La­ge soll­te man nicht auf ei­ge­ne Faust ver­han­deln, son­dern ei­nen An­walt ein­schal­ten.

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Letzte Überarbeitung: 5. Oktober 2016

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