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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Kündigung: Außerordentlich
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein
Akten­zeichen: 5 Sa 509/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 09.06.2011
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Lübeck, Urteil vom 9.09.2010, 2 Ca 646/10
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein

 

Ak­ten­zei­chen: 5 Sa 509/10

2 Ca 646/10 ArbG Lübeck
(Bit­te bei al­len Schrei­ben an­ge­ben!)

 

Verkündet am 09.06.2011

Gez. ...
als Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

Ur­teil

Im Na­men des Vol­kes

In dem Rechts­streit

pp.

hat die 5. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Schles­wig-Hol­stein auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 14.04.2011 durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Lan­des­ar­beits­ge­richt ... als Vor­sit­zen­de und die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter ... und ... als Bei­sit­zer

für Recht er­kannt:

 

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1. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Lübeck vom 09.09.2010, Az. 2 Ca 646/10, wird zurück­ge­wie­sen.

2. Die Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens trägt der Kläger.

3. Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

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Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil ist das Rechts­mit­tel der Re­vi­si­on nicht ge­ge­ben; im Übri­gen wird auf § 72 a ArbGG ver­wie­sen.

 

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Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung.

Der 52-jähri­ge Kläger ist bei der Be­klag­ten bzw. de­ren Rechts­vorgänge­rin seit dem 01.01.1986 als Sach­be­ar­bei­ter zu ei­nem Mo­nats­ge­halt von € 3.880,00 brut­to beschäftigt. Im März 2010 war der Kläger Mit­glied des Wahl­vor­stan­des, der die Be­triebs­rats­wah­len im Be­trieb der Be­klag­ten vor­be­rei­te­te.

Im Jahr 2008 stand der Kläger un­ter er­heb­li­chem men­ta­lem Druck, der aus der Tren­nung von sei­ner Ehe­frau im Ju­ni 2008 und der sich dar­aus er­wach­sen­den Aus­ein­an­der­set­zung um das Um­gangs­recht mit dem ge­mein­sa­men Sohn re­sul­tier­te. In­fol­ge­des­sen un­ter­zog sich der Kläger En­de Ju­li/An­fang Au­gust 2008 ei­ner dreiwöchi­gen am­bu­lan­ten psy­cho­lo­gi­schen Be­hand­lung. Im De­zem­ber 2008 er­litt der Kläger ei­nen „Zu­sam­men­bruch“ und war bis Mit­te 2009 ar­beits­unfähig krank. Vom 29.03. bis 02.06.2010 be­fand sich der Kläger auf­grund ei­ner schwe­ren de­pres­si­ven Epi­so­de in kli­ni­scher Be­hand­lung; in­so­weit wird auf den me­di­zi­ni­schen Be­fund­be­richt des A. Kli­ni­kums H. vom 01.09.2009 ver­wie­sen (Bl. 138 ff. d. A.). Im Rah­men des strei­ti­gen Um­gangs­rechts be­tref­fend den am ....1996 ge­bo­re­nen Sohn des Klägers ver­fass­te die Di­plom-Psy­cho­lo­gin S. im Auf­trag des Fa­mi­li­en­ge­richts E. ein Gut­ach­ten, in wel­chem sie auch auf die psy­chi­sche Er­kran­kung des Klägers ein­ging (Bl. 80 - 107 d. A.). Seit Mit­te 2009 wies die Be­klag­te dem Kläger die Stel­le des PCN-Ko­or­di­na­tors zu. In die­ser Funk­ti­on war der Kläger zuständig für Be­nach­rich­ti­gun­gen über die Ände­run­gen an Pro­duk­ti­ons­ver­fah­ren. Seit An­fang 2010 un­terstützt der Kläger zu­dem den Pro­jekt­lei­ter. Vor­ge­setz­te des Klägers ist die Pro­ku­ris­tin v. d. B..

Am 08.02.2010 führ­ten der Geschäftsführer F. und die Zeu­gin v. d. B. in An­we­sen­heit der Zeu­gin R. mit dem Kläger we­gen des­sen anzügli­cher Be­mer­kun­gen ge­genüber sei­nen Kol­le­gin­nen ein Per­so­nal­gespräch. Der Kläger wur­de auf­ge­for­dert, der­ar­ti­ge Be­mer­kun­gen zu un­ter­las­sen. Am 10.02.2010 ver­ließen die Pro­ku­ris­tin v. d. B. so­wie die Mit­ar­bei­te­rin­nen F. und P. ge­mein­sam das Großraumbüro. Als auf die Fra­ge des Kol­le­gen V., wer von den Kol­le­gin­nen denn noch an­we­send sei, sich die Zeu­gin P. mel­de­te, kom­men­tier­te der Kläger dies mit den Wor­ten: „Bes­ser ei­ne Frau mit Cha-

 

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rak­ter als drei Schlam­pen!“ Für die­se Äußerung er­hielt der Kläger ei­ne Ab­mah­nung vom 10.02.2010 (Bl. 34 d. A.).

Am 25.02.2010 kündig­te der Kläger sei­nen im Großraumbüro an­we­sen­den neun Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen mit, dass er, so­bald die Pro­ku­ris­tin v. d. B. er­schei­ne, „ei­ne Bom­be plat­zen las­sen wer­de“. Die Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen soll­ten auf je­den Fall blei­ben. Als die Vor­ge­setz­te des Klägers so­dann ge­gen 13:40 Uhr das Büro be­trat, hielt der Kläger die­ser zwei Me­di­ka­men­ten­behält­nis­se vor und frag­te sie, ob sie die Ge­genstände ken­ne. Nach­dem die Zeu­gin v. d. B. dies ver­neint hat­te, erklärte der Kläger, dass sie die­se Ge­genstände bei dem bei der Toch­ter­ge­sell­schaft K. S. C. an­ge­stell­ten Zeu­gen S. ver­ges­sen ha­be, als sie bei die­sem ei­ne Nacht ver­bracht ha­be. Denn ihr Au­to ha­be die gan­ze Nacht vor des­sen Ein­fahrt ge­stan­den, was Zeu­gen bestäti­gen könn­ten. Zu­dem be­merk­te der Kläger, dass Herr S. HIV-po­si­tiv sei und ihr, Frau v. d. B., so­mit klar sein müsse, was „sie sich da­mit ein­ge­fan­gen ha­be“.

Die Zeu­gin v. d. B. in­for­mier­te hierüber so­gleich den Per­so­nal­lei­ter der Be­klag­ten so­wie den wei­te­ren Geschäftsführer der Be­klag­ten, Herrn S., wor­auf­hin der Kläger um­ge­hend von der Er­brin­gung sei­ner Ar­beits­leis­tung frei­ge­stellt wur­de. Frau v. d. B. und Herr S. er­stat­te­ten we­gen der Äußerun­gen des Klägers An­zei­ge bei der Po­li­zei in B. M..

Mit Schrei­ben vom 01.03.2010 be­an­trag­te die Be­klag­te beim Be­triebs­rat die Zu­stim­mung zur außer­or­dent­li­chen frist­lo­sen Kündi­gung des Klägers. Mit Schrei­ben vom 03.03.2010 stimm­te der Be­triebs­rat der be­ab­sich­tig­ten Kündi­gung zu.

Mit Schrei­ben vom 03.03.2010 - dem Kläger am glei­chen Ta­ge aus­gehändigt - kündig­te die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis des Klägers frist­los.

Hier­ge­gen hat der Kläger am 05.03.2010 vor dem Ar­beits­ge­richt Lübeck Kündi­gungs­fest­stel­lungs­kla­ge er­ho­ben.

Der Kläger hat be­haup­tet,

 

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sei­ne Vor­ge­setz­te, Frau v. d. B., ha­be ihm ge­genüber bestätigt, dass sie bei Herrn S. über­nach­tet ha­be. Dies ha­be auch Herr S. dem Kläger bestätigt und erklärt, Frau v. d. B. ha­be we­gen Schnee­falls das Grundstück des Herrn S. nicht ver­las­sen können, auch ha­be sie die der Vor­ge­setz­ten von dem Kläger am 25.02.2010 vor­ge­hal­te­nen Me­di­ka­men­te bei Herrn S. ver­ges­sen. Des Wei­te­ren he­ge Frau v. d. B. be­reits seit 2005 ei­ne ste­te Ab­nei­gung ge­gen ihn. Zu­dem sei er nach sei­ner Rück­kehr nur mit Hilfstätig­kei­ten und nicht aus­las­tend beschäftigt wor­den. Als ihm dann die Un­terstützung des Pro­jekt­lei­ters über­tra­gen wor­den sei, ha­be die Zeu­gin v. d. B. ge­gen ihn in­tri­giert. Sie wol­le ihn „los­wer­den“. Dies sei der ei­gent­li­che Kündi­gungs­grund.

Der Kläger hat sich nach Aus­spruch der streit­ge­genständ­li­chen Kündi­gung we­der ge­genüber der Be­klag­ten noch ge­genüber der Kran­ken­kas­se ar­beits­unfähig ge­mel­det. Der Kläger be­zieht Ar­beits­lo­sen­geld.

We­gen des wei­te­ren Sach- und Streit­stands in ers­ter In­stanz, ins­be­son­de­re des strei­ti­gen Par­tei­vor­brin­gens, so­wie der erst­in­stanz­li­chen Anträge wird auf den Tat­be­stand des an­ge­foch­te­nen Ur­teils ein­sch­ließlich der In­be­zug­nah­men ver­wie­sen, § 69 Abs. 2 ArbGG.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Die un­strei­ti­gen Äußerun­gen des Klägers am 25.02.2010 stell­ten ei­nen wich­ti­gen Grund zur außer­or­dent­li­chen Kündi­gung dar. Es ha­be sich um ei­ne Be­lei­di­gung ge­genüber sei­ner Vor­ge­setz­ten ge­han­delt. Dass sich die strit­ti­ge Äußerung nicht nur in der Kund­ga­be ei­ner abfälli­gen, ehr­ver­let­zen­den Äußerung (mit dem Zeu­gen S. Ge­schlechts­ver­kehr ge­habt zu ha­ben) erschöpft ha­be, son­dern darüber hin­aus auch noch die Zeu­gin v. d. B. in Angst und Schre­cken ver­set­zen soll­te (HIV-in­fi­ziert), las­se die Be­lei­di­gung als schwer­wie­gend er­schei­nen. Zu­dem sei die Be­lei­di­gung be­wusst und ge­zielt vor möglichst vie­len Ar­beits­kol­le­gen aus­ge­spro­chen wor­den. Un­er­heb­lich sei, ob die Zeu­gin v. d. B. tatsächlich bei dem Zeu­gen S. über­nach­tet ha­be. Denn die Be­lei­di­gung fol­ge aus der un­strei­tig her­abwürdi­gen­den und miss­ach­ten­den Art und Wei­se der Äußerung vor ver­sam­mel­ter Mann­schaft. Der Be­klag­ten sei es auch un­ter Berück­sich­ti­gung der 24¬jähri­gen Be­triebs­zu­gehörig­keit des Klägers nicht zu­mut­bar, den Kläger wei­ter zu beschäfti­gen. Dies gel­te ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund des Per­so­nal­gesprächs

 

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vom 08.02.2010 so­wie der Ab­mah­nung vom 10.02.2010. Auch die pri­va­ten Schwie­rig­kei­ten und die da­durch her­vor­ge­ru­fe­nen psy­chi­schen Pro­ble­me könn­ten nicht zu­guns­ten des Klägers berück­sich­tigt wer­den. Die­se hätten kei­nen nach­voll­zieh­ba­ren Be­zug zu dem vor­lie­gen­den Kündi­gungs­sach­ver­halt. Die psy­chi­schen Pro­ble­me in 2008 und 2009 sei­en nicht ge­eig­net, die Hand­lun­gen des Klägers zu recht­fer­ti­gen oder gar zu ent­schul­di­gen oder auch nur in ei­nem mil­de­ren Lich­te er­schei­nen zu las­sen.

Ge­gen die­ses ihm am 29.09.2010 zu­ge­stell­te Ur­teil hat der Kläger am 28.10.2010 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se am 19.11.2010 be­gründet.

Der Kläger trägt vor,

dass die von der Be­klag­ten gerügten Ver­hal­tens­wei­sen krank­heits­be­dingt und nicht nur krank­haft ge­we­sen sei­en. Die Be­klag­te ha­be von sei­ner psy­chi­schen Er­kran­kung Kennt­nis ge­habt, denn Frau v. d. B. ha­be ihn beim Fach­dienst Ge­sund­heit des Krei­ses O. an­ge­zeigt. Aus dem ärzt­li­chen Be­fund­be­richt des A. Kli­ni­kums H. vom 01.09.2009 er­ge­be sich ein­deu­tig, dass er auf­grund ei­ner schwe­ren de­pres­si­ven Epi­so­de nicht ei­gen­ver­schul­det in die Po­si­ti­on gerückt sei, sein Um­feld adäquat zu be¬han­deln. Er ha­be un­ter ei­ner Persönlich­keitsstörung ge­lit­ten. Da kein ver­ant­wort­li­ches Ver­hal­ten sei­ner­seits vor­ge­le­gen ha­be, sei die frist­lo­se Kündi­gung nicht ge­recht­fer­tigt ge­we­sen. Er ha­be schuld­los ge­han­delt. Der Kläger be­ruft sich dies­bezüglich auch auf die im Lau­fe die­ses Pro­zes­ses ab­ge­ge­be­nen ärzt­li­chen Be­fund­be­rich­te der Psych­ia­te­rin und Psy­cho­the­ra­peu­tin H.-A. vom 31.08.2010 (Bl. 78 f. d. A.) so­wie vom 16.12.2010 (Bl. 163 ff. d. A.).

Der Kläger be­an­tragt,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Lübeck vom 09. Sep­tem­ber 2010, Az. 2 Ca 646/10, ab­zuändern und fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht auf­grund frist­lo­ser Kündi­gung vom 03. März 2010 mit so­for­ti­ger Wir­kung en­de­te.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

 

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die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te ver­tei­digt

das an­ge­foch­te­ne Ur­teil. Die dem Kläger zur Last ge­leg­ten gra­vie­ren­den Pflicht­verstöße ha­be die­ser un­strei­tig be­gan­gen. Die Be­klag­te be­strei­tet, dass das Ver­hal­ten des Klägers vom 25.02.2010 krank­heits­be­dingt ge­we­sen sei. Der In­halt des Arzt­be­rich­tes vom 16.12.2010 wer­de in Fra­ge ge­stellt. Die Ärz­tin ha­be über den Zu­stand des Klägers zum Zeit­punkt des Kündi­gungs­vor­fal­les nur Mut­maßun­gen an­ge­stellt. Der Kläger ha­be zum Zeit­punkt des Aus­spruchs der Kündi­gung nicht an ei­ner bi­po­la­ren, af­fek­ti­ven Störung ge­lit­ten. Fol­ge­rich­tig ha­be der Kläger im erst­in­stanz­li­chen Ver­fah­ren auch kei­ne psy­chi­schen Krank­heits­bil­der of­fen­bart. Hier­ge­gen spre­che auch der Um­stand, dass der Kläger ge­gen sei­ne Vor­ge­setz­te ziel­ge­rich­tet vor­ge­gan­gen sei. In dem Ab­schluss­be­richt der A.-Kli­nik vom 01.09.2009 sei fest­ge­hal­ten, dass beim Kläger kein An­halt für Befürch­tun­gen, Zwänge, Wahn, Sin­nestäuschun­gen oder Ich-Störun­gen vor­lie­ge und dass der Kläger in ei­nem aus­rei­chend sta­bi­li­sier­ten Zu­stand ent­las­sen wor­den sei. Im Übri­gen ha­be die Vor­ge­setz­te des Klägers, die Zeu­gin v. d. B., ge­gen den Kläger zwar Straf­an­zei­ge bei der Po­li­zei er­stat­tet, ha­be aber den Fach­dienst Ge­sund­heit des Krei­ses O. we­der am 15.02. noch am 24.02.2010 kon­tak­tiert. Es sei we­der ihr noch den kündi­gungs­be­rech­tig­ten Per­so­nen der Be­klag­ten be­kannt ge­we­sen, dass es sich bei dem Kläger um mögli­cher­wei­se krank­haf­tes Ver­hal­ten han­de­le.

We­gen des wei­te­ren Vor­brin­gens der Par­tei­en im Be­ru­fungs­ver­fah­ren wird auf den münd­lich vor­ge­tra­ge­nen In­halt der zwi­schen ih­nen ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie den In­halt des Sit­zungs­pro­to­kolls vom 14.04.2011 ver­wie­sen.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Be­ru­fung des Klägers ist zulässig. Sie ist an sich statt­haft so­wie form- und frist-ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den, §§ 64 Abs. 2 lit. c; 66 Abs. 1 ArbGG; § 519 ZPO.

In der Sa­che selbst hat die Be­ru­fung in­des­sen kei­nen Er­folg, da sie un­be­gründet ist.

 

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Das Ar­beits­ge­richt hat die Kündi­gungs­fest­stel­lungs­kla­ge zu Recht ab­ge­wie­sen. Zur Ver­mei­dung unnöti­ger Wie­der­ho­lun­gen kann und soll des­halb auf die zu­tref­fen­den Ent­schei­dungs­gründe auf Sei­te 5 bis 10 ver­wie­sen wer­den, zu­mal der Kläger sich mit die­ser Be­gründung in der Be­ru­fungs­in­stanz auch nicht aus­ein­an­der setzt. Le­dig­lich zur Ergänzung und auf die Einwände des Klägers in der Be­ru­fungs­in­stanz ein­ge­hend sei noch auf Fol­gen­des hin­ge­wie­sen:

1. Der un­strei­ti­ge Vor­fall vom 25.02.2010 er­weist sich als wich­ti­ger Grund für ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung i. S. v. § 626 Abs. 1 BGB. Das Ver­hal­ten des Klägers ist an sich ge­eig­net, ei­nen wich­ti­gen Grund zur frist­lo­sen Kündi­gung dar­zu­stel­len. Gro­be Be­lei­di­gun­gen ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber, des­sen Re­präsen­tan­ten, dem un­mit­tel­ba­ren Vor­ge­setz­ten oder auch ei­nem Kol­le­gen, die nach Form und In­halt ei­ne er­heb­li­che Ehr­ver­let­zung für den Be­trof­fe­nen be­deu­ten, stel­len ei­nen er­heb­li­chen Ver­s­toß des Ar­beit­neh­mers ge­gen sei­ne Treue­pflich­ten aus dem Ar­beits­verhält­nis dar und sind nach der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung an sich ge­eig­net ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te außer­or­dent­li­che Kündi­gung zu recht­fer­ti­gen (BAG Urt. v. 10.12.2009 - 2 AZR 534/08 -, AP Nr. 226 zu § 626 BGB; BAG Urt. v. 21.01.1999 - 2 AZR 665/98 -, AP Nr. 151 zu § 626 BGB; BAG Urt. v. 26.05.1977 - 2 AZR 632/76 -, AP Nr. 5 zu § 611 BGB „Beschäfti­gungs­pflicht“). Dies gilt ins­be­son­de­re dann, wenn die Be­lei­dung in ih­rer Be­harr­lich­keit ei­ne ernst­li­che Störung des Be­triebs­frie­dens, der be­trieb­li­chen Ord­nung und des rei­bungs­lo­sen Be­triebs­ab­laufs ver­ur­sacht. Un­ge­ach­tet des­sen, ob die Zeu­gin v. d. B. - wie vom Kläger am 25.02.2010 be­haup­tet - bei dem Zeu­gen S. über­nach­tet hat oder nicht, er­wei­sen sich die Äußerun­gen (Un­ter­stel­lun­gen) des Klägers auf­grund der kon­kre­ten Umstände und der süffi­san­ten Dik­ti­on als gro­be Be­lei­di­gung. Der Kläger hat nicht nur ei­ne Tat­sa­chen­be­haup­tung auf­ge­stellt, son­dern woll­te ge­zielt die Zeu­gin v. d. B. bloßstel­len, in­dem er (ver­meint­li­che) In­ti­mitäten der Zeu­gin in de­ren An­we­sen­heit der Öffent­lich­keit, d. h. den übri­gen Kol­le­gen, preis­gibt. Der Kläger hat nicht nur die Zeu­gin selbst auf ih­ren ver­meint­li­chen Auf­ent­halt bei dem Zeu­gen S. an­ge­spro­chen, son­dern Wert dar­auf ge­legt, dass dies al­le Kol­le­gen der Ab­tei­lung auch mit­be­kom­men. Zu­dem hat er der Zeu­gin durch sei­ne An­spie­lun­gen er­kenn­bar un­ter­stellt, ein se­xu­el­les Verhält­nis mit dem Zeu­gen S. zu ha­ben. Die An­spie­lung auf die (ver­meint­li­che) HIV-In­fek­ti­on des Zeu­gen S. ist als be­son­ders per-

 

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fi­de zu be­wer­ten. Dem Kläger ging es da­bei er­kenn­bar nicht um die Tat­sa­chen­mit­tei­lung, son­dern ein­zig und al­lein um die Dif­fa­mie­rung der Zeu­gin v. d. B.. Im Übri­gen hat der Kläger in der Be­ru­fungs­in­stanz den Wahr­heits­ge­halt sei­ner strit­ti­gen Äußerun­gen vom 25.02.2010 auch nicht wei­ter auf­recht­er­hal­ten oder un­ter Be­weis ge­stellt. Das Be­ru­fungs­ge­richt geht mit­hin da­von aus, dass die Be­haup­tun­gen je­der Tat­sa­chen­grund­la­ge ent­beh­ren. Dies gilt ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die an­geb­li­che Aids-Er­kran­kung des Zeu­gen S.. Der Kläger hat mit­hin nicht nur ihm be­kannt ge­wor­de­ne In­ti­mitäten der Zeu­gin v. d. B. aus­ge­plau­dert, son­dern auch noch ge­lo­gen, nur um die Zeu­gin „vor­zuführen“, sie zu be­lei­di­gen und zu ver­leum­den und um sich selbst auf de­ren Kos­ten wich­tig zu ma­chen.

2. Ins­ge­samt hat der Kläger die Zeu­gin nicht nur „bloßge­stellt“, son­dern im höchs­ten Maße und da­mit grob be­lei­digt. Da der Kläger be­reits ein­schlägig er­mahnt und auch ab­ge­mahnt wor­den war, muss­te die Be­klag­te fer­ner da­von aus­ge­hen, dass der Kläger der­ar­ti­ge schwe­re Ver­trags­ver­let­zun­gen auch künf­tig be­ge­hen wer­de. Hier­von geht der Kläger in der Be­ru­fungs­be­gründung selbst aus, in­dem er vorträgt, dass er auf­grund ei­ner Persönlich­keitsstörung nicht ha­be an­ders han­deln können.

3. Auch im Rah­men der vor­zu­neh­men­den In­ter­es­sen­abwägung war es der Be­klag­ten nicht zu­mut­bar, den Kläger auch nur bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist wei­ter zu beschäfti­gen.

a) Der Kläger kann sich auch nicht mit Er­folg dar­auf be­ru­fen, er ha­be am 25.02.2010 auf­grund der psy­chi­schen Er­kran­kung schuld­los sei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Treue- und Loya­litäts­pflich­ten ver­letzt. Es kann da­hin­ge­stellt blei­ben, ob der Kläger An­fang 2010 an ei­ner bi­po­la­ren af­fek­ti­ven Störung, d. h. ei­ner ma­nisch-de­pres­si­ven Er­kran­kung, litt und sich am 25.02.2010 in ei­ner ma­ni­schen Pha­se be­fand, so­dass er die Un­rechtmäßig­keit sei­nes Ver­hal­tens nicht er­ken­nen und sein Ver­hal­ten nicht steu­ern konn­te. Denn die Art und Wei­se der Be­lei­di­gung sei­ner Vor­ge­setz­ten war der­art grob und hat­te zu­dem Außen­wir­kung, so dass es der Be­klag­ten nicht zu­mut­bar war, den Kläger auch nur bis zum Ab­lauf der or­dent­li­chen Kündi­gungs­frist wei­ter zu beschäfti­gen.

 

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aa) Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, der sich die Kam­mer un­ein­ge­schränkt an­sch­ließt, bil­det zwar bei der ver­hal­tens­be­ding­ten Kündi­gung der Grad des Ver­schul­dens des Ar­beit­neh­mers im Rah­men der In­ter­es­sen­abwägung ein wich­ti­ges, oft das wich­tigs­te Ab­gren­zungs­kri­te­ri­um. Des­halb können ver­hal­tens­be­ding­te Gründe ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung in der Re­gel nur dann recht­fer­ti­gen, wenn der Gekündig­te nicht nur ob­jek­tiv und rechts­wid­rig, son­dern auch schuld­haft sei­ne Pflich­ten aus dem Ver­trag ver­letzt hat (BAG Urt. v. 21.01.1999 - 2 AZR 665/98 -, a. a. O., m. w. Rspr.-Nachw.). Wie die Be­to­nung des Re­gel-/Aus­nah­me­verhält­nis­ses zeigt, kann in­des­sen auch ein schuld­lo­ses Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers un­ter be­son­de­ren Umständen den Ar­beit­ge­ber zur ver­hal­tens­be­ding­ten Kündi­gung be­rech­ti­gen.

Im Ge­gen­satz zu § 1 Abs. 2 KSchG un­ter­schei­det der Wort­laut des § 626 Abs. 1 BGB nicht zwi­schen ver­hal­tens­be­ding­ten, per­so­nen­be­ding­ten bzw. be­triebs­be­ding­ten Kündi­gungs­gründen. Erwähnt wird die durch ein ver­trags­wid­ri­ges Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers ver­an­lass­te außer­or­dent­li­che Ar­beit­ge­berkündi­gung le­dig­lich in § 628 Abs. 1 Satz 2 BGB bei der Re­ge­lung der Fra­ge der Vergütung. Hier un­ter­schei­det der Ge­setz­ge­ber aber aus­drück­lich da­nach, ob die Ar­beit­ge­berkündi­gung we­gen ei­nes Um­stan­des er­folgt, den der Ar­beit­neh­mer zu ver­tre­ten oder nicht zu ver­tre­ten hat. Ent­spre­chend dem in § 628 Abs. 1 Satz 1 BGB nor­mier­ten all­ge­mei­nen Grund­satz erhält der vor­leis­tungs­pflich­ti­ge Ar­beit­neh­mer im Fal­le ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung ei­ne sei­nen bis­he­ri­gen Leis­tun­gen ent­spre­chen­de Teil­vergütung. Dem­ge­genüber entfällt die­ser Teil­vergütungs­an­spruch, wenn der Ar­beit­neh­mer durch sein ver­trags­wid­ri­ges und da­mit auch schuld­haf­tes Ver­hal­ten den Ar­beit­ge­ber zur außer­or­dent­li­chen Kündi­gung ver­an­lasst hat und die bis­he­ri­gen Ar­beits­leis­tun­gen auf­grund der vor­zei­ti­gen Be­en­di­gung für den Ar­beit­ge­ber oh­ne In­ter­es­se sind, § 628 Abs. 1 Satz 2 BGB (ErfK/Müller-Glöge, 11. Aufl., Rn. 10 zu § 628 BGB). Auch der Scha­dens­er­satz­an­spruch nach § 628 Abs. 2 BGB setzt ei­ne durch ver­trags­wid­ri­ges und schuld­haf­tes Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers ver­an­lass­te außer­or­dent­li­che Kündi­gung durch den Ar­beit­ge­ber vor­aus (ErfK/Müller-Glöge, 11. Aufl., Rn. 14, 15 zu § 628 BGB). Wenn aber bei der Vergütungs­fra­ge in § 628 Abs. 1 BGB die frist­lo­se Ar­beit­ge­berkündi­gung (§ 626 Abs. 1 BGB) we­gen ei­nes schuld­lo­sen ver­trags­wid­ri­gen Ar­beit­neh­mer­ver­hal­tens (Satz 1) ne­ben der Kündi­gung we­gen ei­nes schuld­haf­ten ver-

 

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trags­wid­ri­gen Ver­hal­tens (Satz 2) ge­re­gelt ist, so lässt dies den Schluss zu, dass im Rah­men des § 626 Abs. 1 BGB auch ein un­ver­schul­de­tes ver­trags­wid­ri­ges Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers je­den­falls aus­nahms­wei­se ei­nen wich­ti­gen Grund zur außer­or­dent­li­chen Kündi­gung dar­stel­len kann. Des­halb ent­spricht es der Ge­set­zes­la­ge, wenn die Recht­spre­chung bei der Prüfung ver­hal­tens­be­ding­ter Kündi­gungs­gründe (Be­lei­di­gung etc.) ein Ver­schul­den des Ar­beit­neh­mers nicht stets für er­for­der­lich ge­hal­ten, son­dern nur bei der vor­zu­neh­men­den In­ter­es­sen­abwägung berück­sich­tigt hat (BAG Urt. v. 21.01.1999 - 2 AZR 665/98 -, a. a. O.).

Das Ver­schul­den des Ar­beit­neh­mers stellt mit­hin nur im Re­gel­fall ein taug­li­ches Ab­gren­zungs­kri­te­ri­um zwi­schen ver­hal­tens­be­ding­ter und per­so­nen­be­ding­ter Kündi­gung dar. Zwar wird nor­ma­ler­wei­se dann, wenn der Ar­beit­neh­mer sich an­ders ver­hal­ten kann, aber nicht an­ders ver­hal­ten will, ein ver­hal­tens­be­ding­ter Kündi­gungs­grund und im um­ge­kehr­ten Fall, wenn der Ar­beit­neh­mer sich krank­heits­be­dingt nicht an­ders ver­hal­ten kann, ein per­so­nen­be­ding­ter Kündi­gungs­grund na­he­lie­gen. Dies gilt je­doch nicht aus­nahms­los. So kann das Feh­len der fach­li­chen Eig­nung als per­so­nen­be­ding­ter Kündi­gungs­grund durch­aus persönlich vor­werf­bar sein, wenn sich der Ar­beit­neh­mer et­wa die er­for­der­li­che fach­li­che Eig­nung schuld­haft nicht ver­schafft oder durch Fort­bil­dungs­maßnah­men nicht auf­recht er­hal­ten hat (Rüthers/Hens­s­ler, ZfA 1988, 31, 44). Um­ge­kehrt kann ein Fehl­ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers die be­trieb­li­che Ord­nung bzw. die im Be­trieb ein­zu­hal­ten­den Si­cher­heits­vor­schrif­ten der­art nach­hal­tig stören, dass dem Ar­beit­ge­ber ei­ne Auf­recht­er­hal­tung die­ses Zu­stan­des selbst dann nicht zu­mut­bar ist, wenn dem Ar­beit­neh­mer sei­ne Ver­trags­pflicht­ver­let­zung nicht vor­werf­bar ist (Schaub, Ar­beits­rechts-Hand­buch, 13. Aufl., Rn. 6 zu § 133). Gefähr­det et­wa der Ar­beit­neh­mer durch sein Fehl­ver­hal­ten die Si­cher­heit des Be­trie­bes oder stört durch fort­lau­fen­de Tätlich­kei­ten, schwers­te Be­lei­di­gun­gen etc. schwer­wie­gend die be­trieb­li­che Ord­nung, so muss der Ar­beit­ge­ber un­ter Umständen äußerst schnell hin­rei­chen­de Maßnah­men er­grei­fen, um ein wei­te­res der­ar­ti­ges Fehl­ver­hal­ten, das ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung des be­tref­fen­den Ar­beit­neh­mers un­zu­mut­bar macht, durch ei­ne so­for­ti­ge Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit die­sem Ar­beit­neh­mer zu un­ter­bin­den. Für die oft nur durch Sach­verständi­gen­gut­ach­ten mögli­che Klärung der Fra­ge, ob der Ar­beit­neh­mer für sein Fehl­ver­hal­ten auch voll ver­ant­wort­lich ist, bleibt in der­art gra­vie­ren­den Fällen oft kei­ne Zeit mehr. Das für die Ab­gren-

 

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zung zwi­schen ver­hal­tens­be­ding­ter und per­so­nen­be­ding­ter Kündi­gung maßgeb­li­che Schwer­ge­wicht der Störung liegt in sol­chen Fällen auch nicht in ei­ner - bei langjähri­ger ord­nungs­gemäßer Ar­beits­leis­tung oft frag­li­chen - feh­len­den Eig­nung des Ar­beit­neh­mers, son­dern al­lein in den ver­schul­de­ten oder un­ver­schul­de­ten Pflicht­verstößen des Ar­beit­neh­mers, die für die Zu­kunft wei­te­re der­ar­ti­ge Pflicht­verstöße in ei­nem un­zu­mut­ba­ren Aus­maß er­war­ten las­sen. Ge­ra­de die Er­kennt­nis, dass auch der ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gungs­grund zu­kunfts­ge­rich­tet ist und des­halb die ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung kei­nen Sank­ti­ons­cha­rak­ter hat, legt es schließlich na­he, bei der Ab­gren­zung, ob zu er­war­ten­de Ar­beits­pflicht­ver­let­zun­gen des Ar­beit­neh­mers sei­ne Wei­ter­beschäfti­gung un­zu­mut­bar ma­chen, von dem eher sys­tem­frem­den Er­for­der­nis ab­zu­se­hen, es müsse oh­ne je­de Ein­schränkung stets ein Ver­schul­den des Ar­beit­neh­mers vor­lie­gen (BAG Urt. v. 21.01.1999 - 2 AZR 665/98 -, a. a. O.).

bb) Ein sol­cher Aus­nah­me­fall, dass fort­lau­fend dro­hen­de er­heb­li­che Ver­trags­pflicht­ver­let­zun­gen auch oh­ne Ver­schul­den ei­nen ver­hal­tens­be­ding­ten wich­ti­gen Grund zur außer­or­dent­li­chen Kündi­gung dar­stel­len, lag hier vor. Der Kläger hat­te be­reits vor dem 25.02.2010 sei­ne Vor­ge­setz­te als auch sei­ne Kol­le­gen im­mer wie­der durch anzügli­che Be­mer­kun­gen und Schimpf­wor­te in er­heb­li­cher Wei­se vor der ge­sam­ten Be­leg­schaft be­lei­digt, so­dass er be­reits am 08.02.2010 er­mahnt und am 10.02.2010 ab­ge­mahnt wer­den muss­te. Die­se ar­beits­recht­li­chen Maßnah­men fruch­te­ten in­des­sen nicht. Denn der Kläger un­ter­ließ - wie der Vor­fall vom 25.02.2010 zeig­te - die gro­ben Be­lei­di­gun­gen nicht. Die Be­klag­te konn­te es nicht länger hin­neh­men, dass der Kläger durch sein ver­trags­wid­ri­ges Ver­hal­ten das Be­triebs­kli­ma nach­hal­tig be­ein­träch­tigt und die Au­to­rität sei­ner Vor­ge­setz­ten in der Art und Wei­se un­ter­gräbt. Die Be­klag­te muss­te sich auch zu­dem schützend vor die Be­leg­schaft stel­len. Denn wer, wie der Kläger, im­mer wie­der Vor­ge­setz­te und Kol­le­gen dis­tanz­los und oh­ne Grund in ehr­ab­schnei­den­der Wei­se be­schimpft, gefähr­det die be­trieb­li­che Ord­nung und den Be­triebs­frie­den. Auch vor dem Hin­ter­grund der psy­chi­schen Er­kran­kung des Klägers, wo­von die Be­ru­fungs­kam­mer über­zeugt ist, war es der Be­klag­ten nicht zu­mut­bar, den Kläger auch nur bis zum Ab­lauf der or­dent­li­chen Kündi­gungs­frist wei­ter zu beschäfti­gen. Dies gilt ins­be­son­de­re des­halb, weil der Kläger we­der vor noch nach Aus­spruch der außer­or­dent­li­chen Kündi­gung be­reit oder in der La­ge war, sich ei­ner The­ra­pie zu un­ter­zie­hen oder sich gar krank­schrei­ben zu las­sen, son­dern sich

 

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für ar­beitsfähig hielt. So­weit er­sicht­lich hat er sich erst­mals am 05.08.2010 und da­mit kurz vor dem Kam­mer­ter­min in psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Be­hand­lung be­ge­ben.

b) Die In­ter­es­sen­abwägung muss­te aber auch an­sons­ten zu Las­ten des Klägers aus­fal­len. Dies gilt auch an­ge­sichts des Al­ters des Klägers (52 Jah­re alt), des­sen lan­ger Be­triebs­zu­gehörig­keit (seit 1986) und der Un­ter­halts­pflich­ten ge­genüber sei­nem noch min­derjähri­gen Sohn. Da­bei ist ins­be­son­de­re zu berück­sich­ti­gen, dass der Kläger trotz der Er­mah­nung und Ab­mah­nung die gro­ben Be­lei­di­gun­gen fort­ge­setzt hat und sein ver­trags­wid­ri­ges Ver­hal­ten da­mit un­be­re­chen­bar für die Be­klag­te war. Die Be­klag­te konn­te die Be­lei­di­gun­gen und se­xu­ell gefärb­ten An­grif­fe ins­be­son­de­re ge­genüber der weib­li­chen Be­leg­schaft nicht wei­ter hin­neh­men. Die Be­triebs­ord­nung und der Be­triebs­frie­den wa­ren durch das un­be­re­chen­ba­re Ver­hal­ten des Klägers mas­siv gefähr­det, so dass das In­ter­es­se der Be­klag­ten an der so­for­ti­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses dem Be­stand­schutz­in­ter­es­se des Klägers über­wog.

4. Nach al­le­dem war die Be­ru­fung des Klägers zurück­zu­wei­sen.

Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 ZPO i. V. m. § 64 Abs. 6 ArbGG.

Für die Zu­las­sung der Re­vi­si­on zum Bun­des­ar­beits­ge­richt be­stand kei­ne Ver­an­las­sung, § 72 Abs. 2 ArbGG. Es han­del­te sich um ei­ne Ein­zel­fall­ent­schei­dung, die von den von der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung ent­wi­ckel­ten Grundsätzen nicht ab­wich.

 

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