Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Kündigung, GbR, Schriftform
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 2 AZR 162/04
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 21.04.2005
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht München, Urteil vom 20.11.2002, 5 Ca 8202/02
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 28.10.2003, 6 Sa 47/03
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

2 AZR 162/04

6 Sa 47/03

Lan­des­ar­beits­ge­richt

München

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am 21. April 2005

UR­TEIL

An­derl, Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläge­rin, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­onskläge­rin,

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Zwei­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 21. April 2005 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Rost, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Bröhl und Schmitz-Scho­le­mann so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Bartz und Dr. Wal­ter für Recht er­kannt:


- 2 -

1. Auf die Re­vi­si­on der Kläge­rin wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts München vom 28. Ok­to­ber 2003 - 6 Sa 47/03 - auf­ge­ho­ben.

2. Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts München vom 20. No­vem­ber 2002 - 5 Ca 8202/02 - ab­geändert.

Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht durch die Kündi­gung vom 26. April 2002 auf­gelöst wor­den ist, son­dern zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen bis zum 30. Sep­tem­ber 2002 fort­be­stan­den hat.

3. Die Be­klag­ten wer­den als Ge­samt­schuld­ner ver­ur­teilt, an die Kläge­rin 10.737,11 Eu­ro brut­to zu zah­len.

4. Die Be­klag­ten tra­gen die Kos­ten des Rechts­streits.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner or­dent­li­chen Kündi­gung so­wie über die Dau­er der Kündi­gungs­frist.

Die Be­klag­ten zu 1) - 3) be­trei­ben in der Rechts­form ei­ner Ge­sell­schaft bürger­li­chen Rechts (GbR) als Zahnärz­te ei­ne Ge­mein­schafts­pra­xis. Die Kläge­rin wur­de von ih­nen auf Grund ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges vom 27. Sep­tem­ber 2001, der von al­len drei Be­klag­ten un­ter­schrie­ben ist, als Zahn­tech­ni­ke­rin zu ei­nem Brut­to­ge­halt von mo­nat­lich 4.500,00 DM zuzüglich ei­ner um­satz­abhängi­gen wei­te­ren Vergütung ein­ge­stellt. Ver­trags­be­ginn soll­te der 1. No­vem­ber 2001 sein. In­ner­halb ei­ner sechs­mo­na­ti­gen Pro­be­zeit war ei­ne Kündi­gungs­frist von 14 Ta­gen ver­ein­bart, da­nach ei­ne Frist von sechs Wo­chen zum Quar­tals­en­de. Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob und in­wie­weit die Kläge­rin, die noch bis zum 31. Ok­to­ber 2001 in ei­nem an­de­ren Ar­beits­verhält­nis stand (Rest­ur­laub), be­reits ab dem 22. Ok­to­ber 2001 Ar­beits­leis­tun­gen für die Be­klag­ten er­bracht hat.

Mit Schrei­ben vom 26. April 2002 kündig­ten die Be­klag­ten das Ar­beits­verhält­nis zum 10. Mai 2002. Das Kündi­gungs­schrei­ben lau­tet wie folgt:

-3 -

 

Dr. E.... Dr. L.... und N.....

Zahnärz­te

S........-Straße, ........ München

Frau

....... von H.........

Kündi­gung

26.04.2002

Sehr ge­ehr­te Frau von H..........!

Hier­mit kündi­gen wir den be­ste­hen­den Ar­beits­ver­trag frist­gemäß

Zum 10.05.2002.

Mit freund­li­chen Grüßen

N. Dr. L............  Dr. E 
(Un­ter­schrift) (Un­ter­schrift)  

- 4 -

Die Kläge­rin macht gel­tend, die Kündi­gung sei schon des­halb for­mun­wirk­sam, weil sie nur von zwei Ge­sell­schaf­tern un­ter­schrie­ben wor­den sei. Der Be­klag­te zu 2) ha­be auch man­gels ent­spre­chen­der Voll­macht nicht von dem Be­klag­ten zu 1) und dem Be­klag­ten zu 3) ver­tre­ten wer­den können. Je­den­falls feh­le es an der er­for­der­li­chen Of­fen­kun­dig­keit ei­ner auch in Ver­tre­tung des Be­klag­ten zu 2) aus­ge­spro­che­nen Kündi­gung. Da­ge­gen spre­che schon die Ver­wen­dung ei­nes ge­mein­schaft­li­chen Brief­bo­gens und das Of­fen­las­sen des vor­ge­se­he­nen Raums für die Un­ter­schrift des Be­klag­ten zu 2). Außer­dem sei die Kündi­gung nicht frist­ge­recht er­folgt. Sie ha­be be­reits ab 22. Ok­to­ber 2001 in der Pra­xis ge­ar­bei­tet. Die­ser Zeit­punkt sei un­be­scha­det der ver­trag­li­chen Fest­le­gung für die Be­rech­nung der Kündi­gungs­frist maßge­bend. Das Ar­beits­verhält­nis sei des­halb erst durch ih­re Ei­genkündi­gung zum 30. Sep­tem­ber 2002 be­en­det wor­den und die Be­klag­ten hätten ihr aus dem Ge­sichts­punkt des An­nah­me­ver­zu­ges ihr Ge­halt bis zum 30. Sep­tem­ber 2002 nach­zu­zah­len.

Die Kläge­rin hat zu­letzt be­an­tragt,

1. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht durch die Kündi­gung vom 26. April 2002 auf­gelöst wur­de, son­dern zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen bis zum 30. Sep­tem­ber 2002 fort­be­stan­den hat,

2. die Be­klag­ten samt­ver­bind­lich zu ver­ur­tei­len, an sie brut­to 10.737,11 Eu­ro zu be­zah­len.

Die Be­klag­ten ha­ben zur Stützung ih­res Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trags be­haup­tet und durch schrift­li­che Voll­machts­ur­kun­de be­legt, die Ge­sell­schaf­ter hätten ein­an­der in sämt­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten der Zahn­arzt­pra­xis Ein­zel­ver­tre­tungs­voll­macht er­teilt mit der Be­fug­nis, im Ein­zel­fall an Beschäftig­te der Zahn­arzt­pra­xis Un­ter­voll­macht zu er­tei­len. Die Be­klag­ten zu 1) und 3) sei­en zur Ver­tre­tung des Be­klag­ten zu 2) des­halb be­rech­tigt ge­we­sen. Dass sie die Kündi­gung zu­gleich im Na­men des Be­klag­ten zu 2) hätten aus­spre­chen wol­len, er­ge­be sich aus der Ver­wen­dung des Brief­bo­gens der Pra­xis­ge­mein­schaft. Das Ar­beits­verhält­nis ha­be auch ent­spre­chend dem Ar­beits­ver­trag erst mit dem 1. No­vem­ber 2001 be­gon­nen. Die Kläge­rin sei zu­vor nur in der Pra­xis ge­we­sen, um die­se ken­nen zu ler­nen bzw. um ei­ne Pro­be­ar­beit ab­zu­lie­fern; ei­ne ei­gent­li­che Ar­beits­leis­tung ha­be sie nicht er­bracht.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung der Kläge­rin zurück­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt die Kläge­rin ih­re Kla­ge­anträge wei­ter.


- 5 -

Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on ist be­gründet. Die Kündi­gung der Be­klag­ten hat das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht auf­gelöst. Die­ses be­stand des­halb bis zum 30. Sep­tem­ber 2002 fort und die Be­klag­ten sind als Ge­samt­schuld­ner nach § 615 BGB zur Ge­halts­zah­lung an die Kläge­rin bis zum 30. Sep­tem­ber 2002 in un­be­strit­te­ner Höhe ver­pflich­tet.

I. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat an­ge­nom­men, die Be­klag­ten zu 1) und 3) hätten den Be­klag­ten zu 2) bei Aus­spruch der Kündi­gung rechts­wirk­sam ver­tre­ten können. Sie hätten auch durch Ver­wen­dung des ge­mein­schaft­li­chen Brief­kop­fes hin­rei­chend deut­lich ge­macht, dass sie für al­le drei Ärz­te hätten han­deln wol­len. Die Un­ter­schrif­ten al­ler drei Ge­sell­schaf­ter sei­en aber zur wirk­sa­men Ver­tre­tung der Ge­mein­schafts­pra­xis nicht er­for­der­lich ge­we­sen. Die feh­len­de Un­ter­schrift des Be­klag­ten zu 2) auf dem Kündi­gungs­schrei­ben scha­de des­halb nicht. Auch die Kündi­gungs­frist sei zu­tref­fend be­rech­net, da auf den recht­li­chen, nicht auf den tatsächli­chen Ar­beits­be­ginn ab­zu­stel­len sei.

II. Die­se Be­gründung hält den An­grif­fen der Re­vi­si­on nicht stand.

1. Nach § 623 BGB be­darf die Be­en­di­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses durch Kündi­gung zu ih­rer Wirk­sam­keit der Schrift­form. Die durch Ge­setz vor­ge­schrie­be­ne Schrift­form wird nach § 126 Abs. 1 BGB da­durch erfüllt, dass die Ur­kun­de von dem Aus­stel­ler ei­genhändig durch Na­mens­un­ter­schrift oder mit­tels no­ta­ri­ell be­glau­big­ten Hand­zei­chens un­ter­zeich­net wird. Das ge­setz­li­che Schrift­for­mer­for­der­nis hat vor al­lem Klar­stel­lungs- und Be­weis­funk­ti­on. Es soll Rechts­si­cher­heit für die Ver­trags­par­tei­en und ei­ne Be­wei­ser­leich­te­rung im Rechts­streit be­wir­ken. Das Er­for­der­nis der ei­genhändi­gen Un­ter­schrift erfüllt darüber hin­aus zusätz­li­che Zwe­cke: Durch die ei­genhändi­ge Un­ter­schrift wird der Aus­stel­ler der Ur­kun­de er­kenn­bar. Die Un­ter­schrift stellt da­mit ei­ne un­zwei­deu­ti­ge Ver­bin­dung zwi­schen der Ur­kun­de und dem Aus­stel­ler her (Iden­titäts­funk­ti­on). Außer­dem wird durch die Ver­bin­dung zwi­schen Un­ter­schrift und Erklärungs­text gewähr­leis­tet, dass die Erklärung in­halt­lich vom Un­ter­zeich­ner herrührt (Echt­heits­funk­ti­on). Sch­ließlich erhält der Empfänger der Erklärung die Möglich­keit zu über­prüfen, wer die Erklärung ab­ge­ge­ben hat und ob die Erklärung echt ist (Ve­ri­fi­ka­ti­ons­funk­ti­on) (vgl. BT-Drucks. 14/4987 S. 16). Die Schrift­form des § 623 BGB schützt da­mit vor al­lem den Kündi­gungs­empfänger, der bei ei­nem Zu­gang ei­ner Kündi­gung,


- 6 -

die nicht in sei­ner An­we­sen­heit ab­ge­ge­ben wird (§ 130 Abs. 1 Satz 1 BGB), hin­sicht­lich der Iden­tität des Aus­stel­lers, der Echt­heit der Ur­kun­de und der Fra­ge, wer die Erklärung ab­ge­ge­ben hat, re­gelmäßig nicht beim Erklären­den so­fort nach­fra­gen kann.

2. Für die Ein­hal­tung der Schrift­form ist es er­for­der­lich, dass al­le Erklären­den die schrift­li­che Wil­lens­erklärung un­ter­zeich­nen (BGH 16. Ju­li 2003 - XII ZR 65/02 - NJW 2003, 3053; 5. No­vem­ber 2003 - XII ZR 134/02 - NJW 2004, 1103). Un­ter­zeich­net für ei­ne Ver­trags­par­tei ein Ver­tre­ter die Erklärung, muss dies in der Ur­kun­de durch ei­nen das Ver­tre­tungs­verhält­nis an­zei­gen­den Zu­satz hin­rei­chend deut­lich zum Aus­druck kom­men. Un­ter­schreibt für ei­ne GbR nur ein Mit­glied oh­ne ei­nen Ver­tre­ter­zu­satz, so ist re­gelmäßig nicht aus­zu­sch­ließen, dass vor­ge­se­hen war, auch das an­de­re Mit­glied oder die an­de­ren Mit­glie­der soll­ten die Ur­kun­de un­ter­schrei­ben und dass de­ren Un­ter­schrift noch fehlt (BGH 5. No­vem­ber 2003 - XII ZR 134/02 - aaO).

Die Wah­rung der ge­setz­li­chen Schrift­form setzt bei ei­ner GbR da­nach vor­aus, dass die Ur­kun­de er­ken­nen lässt, dass die Un­ter­schrift der han­deln­den Ge­sell­schaf­ter auch die Erklärung des nicht un­ter­zeich­nen­den Ge­sell­schaf­ters de­cken soll, sie al­so auch in des­sen Na­men er­folgt ist (BGH 22. Fe­bru­ar 1994 - LwZR 4/93 - BGHZ 125, 175, 177). Für die Fra­ge, ob je­mand ei­ne Erklärung auch in frem­dem Na­men ab­gibt, kommt es auf de­ren ob­jek­ti­ven Erklärungs­wert an, al­so dar­auf, wie sich die Erklärung nach Treu und Glau­ben un­ter Berück­sich­ti­gung der Ver­kehrs­sit­te für den Empfänger dar­stellt. Hier­bei sind außer dem Wort­laut der Erklärung al­le Umstände zu berück­sich­ti­gen, die un­ter Be­ach­tung der Ver­kehrs­sit­te Schlüsse auf den Sinn der Erklärung zu­las­sen, ins­be­son­de­re die dem Rechts­verhält­nis zu­grun­de lie­gen­den Le­bens­verhält­nis­se, die In­ter­es­sen­la­ge, der Geschäfts­be­reich, dem der Erklärungs­ge­gen­stand an­gehört, und ty­pi­sche Ver­hal­tens­wei­sen. Die ge­setz­li­che Schrift­form ist nur ge­wahrt, wenn der so er­mit­tel­te rechts­geschäft­li­che Ver­tre­tungs­wil­le in der Ur­kun­de, wenn auch nur un­voll­kom­men, Aus­druck ge­fun­den hat (BGH 22. Fe­bru­ar 1994 - LwZR 4/93 - BGHZ 125, 175, 178 mwN; 11. Sep­tem­ber 2002 - XII ZR 187/00 - NJW 2002, 3389; vgl. schon RG 5. Fe­bru­ar 1923 - VI 310/22 - RGZ 106, 268). Sind in dem Kündi­gungs­schrei­ben ei­ner GbR al­le Ge­sell­schaf­ter so­wohl im Brief­kopf als auch ma­schi­nen­schrift­lich in der Un­ter­schrifts­zei­le auf­geführt, so reicht es zur Wah­rung der Schrift­form nicht aus, wenn le­dig­lich ein Teil der GbR-Ge­sell­schaf­ter oh­ne wei­te­ren Ver­tre­tungs­zu­satz das Kündi­gungs­schrei­ben hand­schrift­lich un­ter­zeich­net. Ei­ne sol­che Kündi­gungs­erklärung enthält kei­nen hin­rei­chend deut­li­chen Hin­weis dar­auf, dass es sich


- 7 -

nicht le­dig­lich um den Ent­wurf ei­nes Kündi­gungs­schrei­bens han­delt, der ver­se­hent­lich von den übri­gen Ge­sell­schaf­tern noch nicht un­ter­zeich­net ist.

3. Die Aus­le­gung des Kündi­gungs­schrei­bens der Be­klag­ten durch das Lan­des­ar­beits­ge­richt ist zwar re­vi­si­ons­recht­lich nur ein­ge­schränkt dar­auf­hin über­prüfbar, ob die Rechts­vor­schrif­ten über die Aus­le­gung rich­tig an­ge­wandt wor­den sind, ob der Tat­sa­chen­stoff vollständig ver­wer­tet oder da­bei ge­gen Denk­ge­set­ze und Er­fah­rungssätze ver­s­toßen wor­den oder ei­ne ge­bo­te­ne Aus­le­gung un­ter­las­sen wor­den ist (st. Rspr. et­wa BAG 18. Fe­bru­ar 1992 - 9 AZR 611/90 - AP TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 115 = EzA TVG § 4 Aus­schlußfris­ten Nr. 98). Auch die­sem ein­ge­schränk­ten Prüfungs­maßstab hält das an­ge­foch­te­ne Ur­teil je­doch nicht stand.

4. Die Re­vi­si­on weist zu­tref­fend dar­auf hin, dass selbst dann, wenn man den Vor­trag der Be­klag­ten, die un­ter­zeich­nen­den Ge­sell­schaf­ter sei­en al­lein zur Ver­tre­tung der GbR be­fugt ge­we­sen, als rich­tig un­ter­stellt, sich dar­aus nicht die Wirk­sam­keit der Kündi­gung er­gibt. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt stellt in ers­ter Li­nie dar­auf ab, schon durch den Brief­kopf des Kündi­gungs­schrei­bens sei hin­rei­chend deut­lich ge­macht, dass die­je­ni­gen, die die Un­ter­schrift un­ter das Kündi­gungs­schrei­ben ge­leis­tet hätten, die Kündi­gungs­erklärung im Na­men al­ler drei Be­klag­ten ab­ge­ge­ben hätten. Dies greift zu kurz und lässt we­sent­li­chen Aus­le­gungs­stoff un­berück­sich­tigt. Die Wil­lens­erklärung, die nach § 623 BGB durch ei­ne Un­ter­schrift der Erklären­den zu de­cken war, stell­te nach ih­rem Wort­laut und dem Ge­samt­zu­sam­men­hang der Ur­kun­de ei­ne Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses der Kläge­rin durch al­le drei Ge­sell­schaf­ter dar. Dies er­gibt sich nicht nur aus dem Brief­kopf, son­dern auch aus der Tat­sa­che, dass im Text in der Un­ter­schrifts­zei­le die Na­men al­ler drei Ge­sell­schaf­ter auf­geführt sind. Grundsätz­lich war ein sol­ches Kündi­gungs­schrei­ben des­halb von al­len drei Ge­sell­schaf­tern zu un­ter­zeich­nen. Da auch der Ar­beits­ver­trag von al­len drei Ge­sell­schaf­tern un­ter­zeich­net wor­den ist, spricht dies eher dafür, dass im Be­trieb der Be­klag­ten die Üblich­keit be­stand, zu­min­dest Wil­lens­erklärun­gen von der­ar­ti­gem Ge­wicht durch al­le drei Ge­sell­schaf­ter un­ter­zeich­nen zu las­sen. Dem wi­der­spricht nicht oh­ne Wei­te­res die vor­ge­leg­te Voll­machts­ur­kun­de. Sie scheint eher auf Geschäfte des lau­fen­den Geschäfts­be­triebs zu­ge­schnit­ten zu sein. So ist je­den­falls nach der Le­bens­er­fah­rung kaum vor­stell­bar, dass drei Zahnärz­te, die sich zu ei­ner Zahn­arzt­pra­xis in Form ei­ner GbR zu­sam­men­ge­schlos­sen ha­ben, den Ab­schluss und die Kündi­gung des Ar­beits­ver­tra­ges mit ei­ner Zahn­tech­ni­ke­rin an Beschäftig­te der Zahn­arzt­pra­xis de­le­gie­ren, wie dies die Voll­machts­ur­kun­de zu­las­sen würde. Die Ge­samt­heit der zu berück­sich­ti­gen­den Aus­le-


- 8 -

gungs­tat­sa­chen lässt kei­nen An­halts­punkt dafür er­ken­nen, dass die zwei Ge­sell­schaf­ter, die das Kündi­gungs­schrei­ben un­ter­zeich­net ha­ben, gleich­zei­tig in Ver­tre­tung des drit­ten Ge­sell­schaf­ters han­deln woll­ten. Ein sol­cher Wil­le lässt sich aus der Ver­trags­ur­kun­de nicht ein­mal an­deu­tungs­wei­se ent­neh­men. Aus der Sicht der Kläge­rin als Erklä­rungs­empfänge­rin war bei Zu­gang des Kündi­gungs­schrei­bens nicht ein­mal mit Si­cher­heit fest­stell­bar, ob nicht irrtümlich le­dig­lich ein noch nicht von al­len drei Ge­sell­schaf­tern un­ter­zeich­ne­ter Ent­wurf ei­ner Kündi­gung vor­lag. Sie konn­te dem Schrei­ben nicht ent­neh­men, ob der Be­klag­te zu 2) mit dem Kündi­gungs­vor­gang über­haupt be­fasst war, ob er et­wa die Leis­tung sei­ner Un­ter­schrift ab­ge­lehnt hat­te und ob ei­ner der un­ter­zeich­nen­den Ge­sell­schaf­ter oder gar bei­de den Wil­len hat­ten, das Kündi­gungs­schrei­ben auch in sei­nem Na­men zu un­ter­zeich­nen. Es kann da­hin­ste­hen, ob es als An­deu­tung ei­nes Ver­tre­tungs­wil­lens aus­ge­reicht hätte, wenn auf dem ge­mein­schaft­li­chen Brief­bo­gen et­wa ei­ner der Ge­sell­schaf­ter oh­ne Zu­satz des Na­mens der an­de­ren für die Ge­sell­schaft in Ausübung ei­ner vor­han­de­nen Voll­macht das Kündi­gungs­schrei­ben un­ter­zeich­net hätte. Das Kündi­gungs­schrei­ben vom 26. April 2002 stellt je­den­falls ei­ne Wil­lens­erklärung dar, die nach der Un­ter­schrifts­zei­le von al­len drei Ge­sell­schaf­tern hätte un­ter­zeich­net wer­den müssen, die je­doch le­dig­lich zwei Un­ter­schrif­ten trägt. Dies führt zur Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung nach § 623 BGB.

5. Auf die Fra­ge der Ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist kommt es da­mit nicht mehr an.

III. Die Be­klag­ten ha­ben nach §§ 91, 100 ZPO die Kos­ten des Ver­fah­rens zu tra­gen.

Rost Bröhl Schmitz-Scho­le­mann

J. Wal­ter Bartz

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 2 AZR 162/04  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880