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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Kündigung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Köln
Akten­zeichen: 7 Ta 153/10
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 02.11.2010
   
Leit­sätze: Lässt der Ar­beit­ge­ber ein und die­sel­be Kündi­gungs­erklärung si­cher­heits­hal­ber auf meh­re­ren Zu­stell­we­gen über­mit­teln (z. B. Nor­malbrief und Ein­wurf-Ein­schrei­ben), so han­delt es sich den­noch nur um ei­ne ein­zi­ge ein­heit­li­che Wil­lens­erklärung, auch wenn die ver­schie­de­nen Aus­fer­ti­gun­gen dem Ar­beit­neh­mer an un­ter­schied­li­chen Ta­gen zu­ge­hen. Im Kündi­gungs­schutz­pro­zess erwächst da­her nur ein­mal der Streit­wert in Höhe des Vier­tel­jah­res­ver­diens­tes.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Köln, Urteil vom 1.03.2010, 3 Ca 11800/09
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, 7 Ta 153/10

 

Te­nor:

Die so­for­ti­ge Be­schwer­de des an­walt­li­chen Kläger­ver­tre­ters vomn09.03.2010 ge­gen den Streit­wert­be­schluss des Ar­beits­ge­richts Köln vom 01.03.2010 in Sa­chen 3 Ca 11800/09 wird zurück­ge­wie­sen.

 

Gründe:

I. Der Be­schwer­deführer ver­trat den Kläger in ei­nem Kündi­gungs­schutz­ver­fah­ren. Die streit­ge­genständ­li­che ar­beit­ge­ber­sei­ti­ge Kündi­gung vom 10.12.2009 war dem Kläger am 12.10.2009 so­wohl per Ein­wurf-Ein­schrei­ben wie auch als ein­fa­che Brief­post zu­ge­gan­gen. In der Kündi­gungs­erklärung des Ar­beit­ge­bers hieß es: "Aus Gründen des Nach­wei­ses des Zu­gan­ges er­hal­ten Sie die­ses Schrei­ben so­wohl als Ein­wurf-
Ein­schrei­ben, als auch auf dem nor­ma­len Post­weg
."

Der Kläger­ver­tre­ter for­mu­lier­te in der Kla­ge­schrift we­gen des dop­pel­ten Zu­gan­ges der Kündi­gungs­erklärung zwei ge­son­der­te Kündi­gungs­schutz-Fest­stel­lungs­anträge. Darüber hin­aus mach­te er für den Kläger Zah­lungs­ansprüche, Ur­laubs­ansprüche und ein Zwi­schen­zeug­nis gel­tend. Der Rechts­streit en­de­te, oh­ne dass ein Ge­richts­ter­min hat­te statt­fin­den müssen, durch ei­nen Ver­gleich nach § 278 Abs. 6 ZPO.

Das Ar­beits­ge­richt setz­te den Streit­wert für Ver­fah­ren und Ver­gleich auf 9.693,32 € fest. Da­bei be­wer­te­te es die bei­den ge­gen die Kündi­gung vom 10.12.2009 ge­rich­te­ten Fest­stel­lungs­anträge ein­heit­lich mit dem drei­fa­chen Mo­nats­ein­kom­men des Klägers in Höhe von 2.313,33 €, al­so mit 6.939,99 €.

Hier­ge­gen rich­tet sich die so­for­ti­ge Be­schwer­de des Kläger­ver­tre­ters. Die­ser ver­tritt die 

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Auf­fas­sung, dass schon der ers­te Fest­stel­lungs­an­trag für sich al­lein mit dem drei­fa­chen Brut­to­mo­nats­ein­kom­men des Klägers zu be­wer­ten ge­we­sen wäre und für den zwei­ten Fest­stel­lungs­an­trag zu­min­dest noch ein wei­te­res Mo­nats­ein­kom­men ha­be an­ge­setzt wer­den müssen. Der Kläger­ver­tre­ter be­gründet sei­ne Auf­fas­sung mit der sog. punk­tu­el­len Streit­ge­gen­stands­theo­rie, die ihn zwin­ge, bei meh­re­ren Ar­beit­ge­ber-Kündi­gun­gen ge­gen je­de ein­zel­ne Kündi­gung in­ner­halb der 3-Wo­chen-Frist des § 4 KSchG ge­richt­lich
vor­zu­ge­hen, was für den An­walt ei­nen deut­li­chen Mehr­auf­wand und ein erhöhtes Haf­tungs­ri­si­ko mit sich brin­ge.

II. Die zulässi­ge Streit­wert­be­schwer­de des an­walt­li­chen Kläger­ver­tre­ters ist un­be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat die bei­den vom Kläger­ver­tre­ter for­mu­lier­ten Fest­stel­lungs­anträge ge­gen die ar­beit­ge­ber­sei­ti­ge Kündi­gung vom 10.12.2009, die dem Kläger ein­mal als Ein­wurf-Ein­schrei­ben und zusätz­lich per ein­fa­cher Brief­post zu­ge­gan­gen ist, zu­recht nur ein­mal ein­heit­lich mit dem drei­fa­chen Mo­nats­ein­kom­men des Klägers be­wer­tet.

Die vom Be­schwer­deführer auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge, wie der Streit­wert zu be­mes­sen ist, wenn in ei­nem Kündi­gungs­schutz­ver­fah­ren ne­ben ei­ner ers­ten ar­beit­ge­ber­sei­tig aus­ge­spro­che­nen Kündi­gung noch ei­ne oder meh­re­re wei­te­re Nach­fol­gekündi­gun­gen an­ge­grif­fen wer­den (müssen), stellt sich vor­lie­gend in Wirk­lich­keit nicht. Im vor­lie­gen­den Kündi­gungs­schutz­rechts­streit ging es nicht um meh­re­re selbständig zu be­trach­ten­de ar­beit­ge­ber­sei­ti­ge Wil­lens­erklärun­gen, son­dern le­dig­lich um ei­ne ein­zi­ge ein­heit­li­che Kündi­gungs­erklärung vom 10.12.2009, die der Ar­beit­ge­ber le­dig­lich aus Be­weis­si­che­rungs­gründen dem Kläger auf zwei ver­schie­de­nen Über­mitt­lungs­we­gen hat zu­kom­men las­sen. Dies folgt nicht nur aus der wört­li­chen Iden­tität der bei­den dem Kläger am 10.12.2009 zu­ge­gan­ge­nen Aus­fer­ti­gun­gen des Kündi­gungs­schrei­bens vom 10.12.2009, son­dern ins­be­son­de­re auch aus der in dem Schrei­ben selbst vor­ge­nom­me­nen Klar­stel­lung, wo­nach der Ar­beit­neh­mer "aus Gründen des Nach­wei­ses des Zu­gan­ges" "die­ses Schrei­ben so­wohl als Ein­wurf-Ein­schrei­ben, als auch auf dem nor­ma­len Post­weg" er­hal­ten sol­le.

Da zwi­schen den Par­tei­en so­mit in Wirk­lich­keit nur ei­ne ein­heit­li­che Kündi­gungs­erklärung in Streit stand, hat das Ar­beits­ge­richt das Fest­stel­lungs­be­geh­ren des Klägers zu Recht ein­heit­lich mit dem drei­fa­chen Brut­to­mo­nats­ein­kom­men be­wer­tet.

Ge­gen die­se Ent­schei­dung ist ein wei­te­res Rechts­mit­tel nicht statt­haft.

Dr. Czinc­zoll, Vor­sit­zen­der Rich­ter am LAG

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