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Kün­di­gung - Schmier­geld als Kün­di­gungs­grund

Frist­lo­se Kün­di­gung we­gen For­de­rung nach 60,00 EUR Schmier­geld wirk­sam: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11

03.05.2012. Die au­ßer­or­dent­li­che, ver­hal­tens­be­ding­te Kün­di­gung we­gen ei­ner Straf­tat ist für ei­nen Ar­beit­neh­mer ei­ne der größ­ten recht­li­chen Ka­ta­stro­phen. Oft geht es hier um Dieb­stahl oder Be­trug, manch­mal aber auch um die An­nah­me oder das For­dern von Schmier­geld.

Kün­di­gungs­grund ist nicht et­wa die Straf­tat selbst, son­dern die be­rech­tig­te Be­fürch­tung des Ar­beit­ge­bers, dass der Ar­beit­neh­mer auch künf­tig ein so kras­ses Fehl­ver­hal­ten an den Tag le­gen wird. Des­halb geht es bei "Ver­trau­ens­de­lik­ten" wie bei ei­nem Dieb­stahl oder bei Be­stech­lich­keit vor al­lem um den Ver­trau­ens­ver­lust beim Ar­beit­ge­ber. Da­her hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln vor kur­zem ei­nem Ar­beit­ge­ber recht ge­ge­ben, der ei­nem Müll­wer­ker nach 24 Jah­ren die frist­lo­se Kün­di­gung we­gen des Ein­for­derns von Schmier­geld aus­sprach: LAG Köln, Ur­teil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11.

Fristlose Kündigung wegen Schmiergeld - auch bei "kleinen" Beträgen?

Sind Ar­beit­neh­mer unkünd­bar wie z.B. auf­grund von § 34 Abs.2 Satz 1 Ta­rif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst (TVöD), ist da­durch nur die or­dent­li­che bzw. frist­ge­rech­te Kündi­gung durch den Ar­beit­ge­ber aus­ge­schlos­sen. Ei­ne Kündi­gung „aus wich­ti­gem Grund“, al­so ei­ne außer­or­dent­li­che, frist­lo­se Kündi­gung auf der Grund­la­ge von § 626 Bürger­li­ches Ge­setz­buch - BGB) ist wei­ter­hin möglich.

Ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung kann da­her auch ei­nem Unkünd­ba­ren aus­ge­spro­chen wer­den, wenn er ei­ne er­heb­li­che Pflicht­ver­let­zung be­gan­gen hat. Das kann ein Dieb­stahl oder ein Be­trug sein - aber auch das Ein­for­dern von Schmier­geld oder die An­nah­me ei­ner Schmier­geld­zah­lung. Ob ei­ne Schmier­geld­for­de­rung für ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung au­reicht oder nicht, hängt von den Umständen des Ein­zel­falls ab. Ent­schei­dend ist, ob bei ei­ner In­ter­es­sen­abwägung das In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an der Kündi­gung die Ar­beit­neh­mer­inter­es­sen über­wiegt.

Da­her gibt es beim The­ma Schmier­geld kei­ne fes­ten "Preis­lis­ten". Dass ein langjährig beschäftig­ter Ar­beit­neh­mer trotz ei­nes Be­tru­ges über 166,00 EUR sei­nen Job be­hal­ten darf, heißt nicht, dass in ei­nem an­de­ren Fall das ag­gres­si­ve Ein­for­dern ei­nes Schmier­gel­des von 60,00 EUR kei­ne frist­lo­se Kündi­gung zur Fol­ge ha­ben könn­te.

Wer Schmiergelder fordert, riskiert seinen Job

Im Streit­fall ging es um ei­nen Müll­wer­ker, der seit 24 Jah­ren bei ei­nem städti­schen Ar­beit­ge­ber beschäftigt war und gemäß TVöD or­dent­lich unkünd­bar war. Er hat­te für die An­fahrt in ei­ne Tief­ga­ra­ge und/oder für die Ent­sor­gung von Ne­ben­abfällen von ei­nem Kun­den Schmier­geld­zah­lun­gen ge­for­dert und so­gar „Ärger mit der Müll­ab­fuhr“ an­ge­droht, soll­te er kein Schmier­geld (60,00 EUR) be­kom­men. Statt des Schmier­gel­des er­hielt er ei­ne frist­lo­se ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung.

Sei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge hat­te we­der vor dem Ar­beits­ge­richt Köln (Ur­teil vom 09.11.2010, 8 Ca 2939/09) noch vor dem LAG Köln Er­folg. Denn wer Schmier­geld ver­langt, stellt sei­ne In­ter­es­sen be­den­ken­los über die des Ar­beit­ge­bers, so das LAG. Da­mit zerstört er das Ver­trau­en des Ar­beit­ge­bers in sei­ne Red­lich­keit. Für den Müll­wer­ker hätte auch we­gen des aus­drück­li­chen Schmier­geld­ver­bo­tes im TVöD klar sein müssen, dass sein Ar­beit­ge­ber Schmier­geld­for­de­run­gen auf kei­nen Fall hin­neh­men wird.

Fa­zit: Langjährig beschäftig­te Ar­beit­neh­mer glau­ben manch­mal, dass ih­nen auf­grund ih­rer Unkünd­bar­keit "kei­ner mehr was kann". Das stimmt aber nicht, denn schon der be­gründe­te Ver­dacht ei­ner Schmier­geld­an­nah­me kann den Job kos­ten. Erst recht droht ei­ne frist­lo­se Kündi­gung, wenn der Unkünd­ba­re nach­weis­lich ein Schmier­geld ein­for­dert wie hier im Streit­fall.

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