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Kün­di­gung mit So­zi­al­aus­wahl - Na­mens­lis­te hilft nicht im­mer

Die So­zi­al­aus­wahl ist grob feh­ler­haft, wenn nur so­fort aus­tausch­ba­re Ar­beit­neh­mer mit­ein­an­der ver­gli­chen wer­den: Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf, Ur­teil vom 06.07.2011, 7 Sa 1859/10

21.11.2011. Bei den meis­ten Kün­di­gun­gen aus be­triebs­be­ding­ten Grün­den ist ei­ne So­zi­al­aus­wahl vor­zu­neh­men, da es mehr Kün­di­gungs­kan­di­da­ten als zu strei­chen­de Ar­beits­plät­ze gibt.

Dis­kus­sio­nen über die rich­tig So­zi­al­aus­wahl kann der Ar­beit­ge­ber weit­ge­hend ver­mei­den, wenn er sich mit dem Be­triebs­rat auf ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich mit Na­mens­lis­te ei­nigt.

Dann ist die So­zi­al­aus­wahl nur un­wirk­sam, wenn sie „gro­be Feh­ler“ auf­weist. Auch das kommt aber manch­mal vor, wie ein ak­tu­el­les Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Düs­sel­dorf zeigt (Ur­teil vom 06.07.2011, 7 Sa 1859/10).

Betriebsbedingte Kündigung mit Sozialauswahl - wann helfen Namenslisten?

Ha­ben sich Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat bei ei­ner größeren Kündi­gungs­wel­le auf ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich ge­ei­nigt und ei­ne Lis­te der Ar­beit­neh­mer er­stellt, die ei­ne Kündi­gung er­hal­ten sol­len, dann kann die So­zi­al­aus­wahl nur noch auf „gro­be Feh­ler­haf­tig­keit“ über­prüft wer­den (§ 1 Abs.5 Satz 2 Kündi­gungs­schutz­ge­setz - KSchG). Ein sol­cher „In­ter­es­sen­aus­gleich mit Na­mens­lis­te“ kann auch im In­sol­venz­ver­fah­ren ab­ge­schlos­sen wer­den (§ 125 Abs.1 In­sol­venz­ord­nung - In­sO).

In die So­zi­al­aus­wahl ein­zu­be­zie­hen sind die Ar­beit­neh­mer, die in dem von der Kündi­gungs­wel­le be­trof­fe­nen Be­triebs­be­reich ar­bei­ten - aber auch die, die der Ar­beit­ge­ber dort­hin ver­set­zen könn­te. Denn auch die­se Ar­beit­neh­mer sind mit den ei­gent­li­chen Kündi­gungs­kan­di­da­ten ver­gleich­bar und sol­len da­her ih­ren Job nur be­hal­ten, wenn sie die So­zi­al­aus­wahl über­ste­hen. Gu­te Chan­cen ha­ben hier älte­re Ar­beit­neh­mer mit länge­rer Be­triebs­zu­gehörig­keit und Un­ter­halts­pflich­ten.

In den von der Kündungs­wel­le be­trof­fe­nen Be­triebs­be­reich ver­setz­bar sind auch Ar­beit­neh­mer, die der Ar­beit­ge­ber dafür erst ei­ni­ge Wo­chen ein­ar­bei­ten müss­te. Be­zieht er sol­che Ar­beit­neh­mer nicht in die So­zi­al­aus­wahl ein, ist sie feh­ler­haft. Aber ist sie des­halb auch „grob“ feh­ler­haft, so dass ein In­ter­es­sen­aus­gleich mit Na­mens­lis­te mit ei­nem sol­chen In­halt nicht rech­tens wäre?

LAG Düsseldorf: Namensliste und Kündigung sind fehlerhaft, wenn nur sofort austauschbare Arbeitnehmer miteinander verglichen werden

Ein In­sol­venz­ver­wal­ter hat­te mit dem Be­triebs­rat ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich mit Na­mens­lis­te ver­ein­bart. Gemäß der Na­mens­lis­te soll­ten 273 von 606 Ar­beit­neh­mern die be­triebs­be­ding­te Kündi­gung er­hal­ten. Der Na­mens­lis­te lag zwar ei­ne So­zi­al­aus­wahl zu­grun­de, doch wur­den von ihr Ar­beit­neh­mer aus­ge­nom­men, die Ar­bei­ten ver­rich­te­ten, in die sich die gekündig­ten erst vier Wo­chen lang hätten ein­ar­bei­ten müssen.

Ein ge­werb­li­cher Ar­beit­neh­mer stand auf der Lis­te und er­hielt die Kündi­gung. Da­ge­gen klag­te er mit dem Ar­gu­ment, ein nicht gekündig­ter Ar­beit­neh­mer oh­ne Kin­der sei so­zi­al we­ni­ger schutz­bedürf­tig als er mit sei­nen drei Kin­dern. Den Job des nicht gekündig­ten könne er nach ei­ner Ein­ar­bei­tungs­zeit von vier Wo­chen auch ma­chen. Aus die­sen Gründen sah das LAG die So­zi­al­aus­wahl als grob feh­ler­haft an, wo­mit die Kündi­gung un­wirk­sam war.

Fa­zit: Auch ei­ne Kündi­gung, die auf der Grund­la­ge ei­ner Na­mens­lis­te aus­ge­spro­chen wird, ist nicht un­an­greif­bar. Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat soll­ten sich da­her ernst­haft bemühen, ih­rer Na­mens­lis­te ei­ne kor­rek­te So­zi­al­aus­wahl zu­grun­de zu le­gen. Für länger beschäftig­te Ar­beit­neh­mer lohnt ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge da­her meis­tens.

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Letzte Überarbeitung: 24. August 2016

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