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Kün­di­gung: Zu­gang ei­ner Kün­di­gung durch Über­ga­be an den Ehe­gat­ten

Da der Ehe­gat­te des Kün­di­gungs­emp­fän­gers des­sen Emp­fangs­bo­te ist, geht die Kün­di­gung auch zu, wenn die­ser die Wei­ter­lei­tung ver­zö­gert: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 09.06.2011, 6 AZR 687/09

02.08.2011. Ei­ne or­dent­li­che Kün­di­gung be­en­det ein Ar­beits­ver­hält­nis erst nach Ab­lauf der Kün­di­gungs­frist zu ei­nem be­stimm­ten Kün­di­gungs­ter­min (§ 622 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch - BGB). Bis zu die­sem Tag ent­ste­hen Lohn­an­sprü­che.

Da­mit die Kün­di­gungs­frist zu lau­fen be­ginnt, muss die Kün­di­gung je­doch erst ein­mal wirk­sam wer­den. Ent­schei­dend da­für ist nicht ihr Aus­stel­lungs­da­tum, son­dern ihr „Zu­gang“ (§ 130 Abs.1 BGB).

Zu­ge­gan­gen ist ei­ne Kün­di­gung nicht nur, wenn sie der Ge­kün­dig­te „in die Hand ge­drückt“ be­kommt, son­dern be­reits dann, wenn das Kün­di­gungs­schrei­ben in sei­nen „Macht­be­reich“ ge­langt ist und man un­ter ge­wöhn­li­chen Um­stän­den da­mit rech­nen kann, dass er das Schrei­ben zur Kennt­nis neh­men kann.

Zum „Macht­be­reich“ ge­hö­ren der Brief­kas­ten und er­wach­se­ne Mit­glie­der im Haus­halt, die da­mit als „per­so­na­li­sier­te Brief­käs­ten“ gel­ten. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat nun ent­schie­den, ob sie das auch au­ßer­halb der Woh­nung sind (Ur­teil vom 09.06.2011, 6 AZR 687/09).

Ein Ar­beit­ge­ber hat­te ei­ner Ar­beit­neh­me­rin ge­kün­digt, in­dem er das Kün­di­gungs­schrei­ben ih­rem Ehe­mann an des­sen Ar­beits­platz durch ei­nen sei­ner Mit­ar­bei­ter über­ge­ben ließ. Un­ter die­sen Um­stän­den durf­te der Ar­beit­ge­ber da­mit rech­nen, dass die Kün­di­gung noch am glei­chen Tag bei der Ge­kün­dig­ten ein­trifft, mein­ten das Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln (Ur­teil vom 07.09.2009, 2 Sa 210/09) und das BAG, ob­wohl der Ehe­mann die Kün­di­gung tat­säch­lich erst am nächs­ten Tag mit nach Hau­se ge­bracht hat­te.

Fa­zit: Ehe­leu­te sind auch dann „wan­deln­de Brief­käs­ten“, wenn sie au­ßer­halb der ge­mein­sa­men Woh­nung an­ge­trof­fen wer­den. Ei­ne Be­nach­tei­li­gung von Ehe­leu­ten ist das nicht, da das auch für Le­bens­part­ner nicht­ehe­li­cher Le­bens­ge­mein­schaf­ten gilt. Bei ih­nen kann der Kün­di­gen­de im All­ge­mei­nen da­vor aus­ge­hen, dass ei­ne ih­nen über­ge­be­ne Kün­di­gung noch am glei­chen Tag beim Adres­sat „lan­det“. Wol­len Ehe­leu­te bzw. Le­bens­part­ner das ver­hin­dern, müs­sen sie die An­nah­me und Wei­ter­lei­tung der Kün­di­gung ab­leh­nen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 5. Oktober 2016

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