Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Verdachtskündigung: Anhörung, Kündigung: Verdachtskündigung, Kündigung: Außerordentlich
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 2 AZR 825/09
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 27.01.2011
   
Leit­sätze: Der Ar­beit­ge­ber kann ei­ne den Ver­dacht der Tat­be­ge­hung verstärken­de Tat­sa­che - wie die Er­he­bung der öffent­li­chen Kla­ge - auch dann zum An­lass für den Aus­spruch ei­ner Ver­dachtskündi­gung neh­men, wenn er ei­ne sol­che schon zu­vor erklärt hat­te. Die Frist des § 626 Abs. 2 BGB be­ginnt mit aus­rei­chen­der Kennt­nis von der ver­dachts­verstärken­den Tat­sa­che er­neut zu lau­fen.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Frankfurt, Urteil vom 6.03.2008, 19 Ca 9432/06
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 7.08.2009, 19/3 Sa 575/08
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT


2 AZR 825/09
19/3 Sa 575/08
Hes­si­sches
Lan­des­ar­beits­ge­richt

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

27. Ja­nu­ar 2011

UR­TEIL

Schmidt, Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Be­klag­te, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­onskläge­rin,

pp.

Kläger, Be­ru­fungs­be­klag­ter und Re­vi­si­ons­be­klag­ter,


hat der Zwei­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 27. Ja­nu­ar 2011 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Kreft, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Schmitz-Scho­le­mann, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Ra­chor so­wie den eh­ren-
 


- 2 -

amt­li­chen Rich­ter Be­cker­le und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Schipp für Recht er­kannt:


1. Auf die Re­vi­si­on der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 7. Au­gust 2009 - 19/3 Sa 575/08 - auf­ge­ho­ben.

2. Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Frank­furt am Main vom 6. März 2008 - 19 Ca 9432/06 - ab­geändert:

Die Kla­ge wird ab­ge­wie­sen.

3. Der Kläger hat die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über ei­ne frist­lo­se Ver­dachtskündi­gung


Der im Jahr 1961 ge­bo­re­ne Kläger war bei der be­klag­ten Stadt seit dem 1. Sep­tem­ber 1989 als Or­ches­ter­mu­si­ker (2. Hor­nist) ge­gen ein Brut­to­mo­nats­ge­halt von zu­letzt 4.580,79 Eu­ro beschäftigt. Nach den an­zu­wen­den­den Be­stim­mun­gen des Ta­rif­ver­trags für Mu­si­ker in Kul­tur­or­ches­tern (TVK) sind Ar­beit­neh­mer, die das 40. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben und mehr als 15 Jah­re beschäftigt sind, or­dent­lich nicht mehr künd­bar.


Ih­ren Ei­gen­be­trieb der städti­schen Bühnen lei­te­te die Be­klag­te mit Wir­kung zum 1. Sep­tem­ber 2004 auf die S GmbH (nach­fol­gend S GmbH) über. Der Kläger wi­der­sprach ei­nem Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses. In der Fol­ge wies die Be­klag­te den Kläger - eben­so wie die übri­gen Mit­ar­bei­ter, die ei­ner Über­lei­tung wi­der­spro­chen hat­ten - auf­grund ei­nes mit der S GmbH ge­schlos­se­nen Per­so­nal­ge­stel­lungs­ver­trags die­ser zur Dien­stausübung zu. Im Fe­bru­ar 2005 fand ei­ne Be­triebs­rats­wahl für ei­nen von der Be­klag­ten und der S GmbH ge­mein­sam geführ­ten Be­trieb „Städti­sche Bühnen“ statt. In dem von der
 


- 3 -

S GmbH ein­ge­lei­te­ten Wahl­an­fech­tungs­ver­fah­ren wur­de der An­trag auf Fest­stel­lung der Nich­tig­keit der Wahl rechts­kräftig ab­ge­wie­sen. Mit - wei­te­rem - Be­schluss vom 19. Fe­bru­ar 2009 erklärte das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt die Wahl für „ungültig“.

Der Kläger war mit ei­nem Kol­le­gen aus dem Or­ches­ter be­freun­det. Die­ser hat zwei Töch­ter, ge­bo­ren 1990 und 1994. Der Kläger berühr­te das älte­re der Mädchen - da­mals fünf- bis sechsjährig - bei Be­su­chen im Haus des Freun­des in den Jah­ren 1995 und 1996 un­sitt­lich, das jünge­re - da­mals acht bis neun Jah­re alt - mehr­mals bei Be­su­chen bei der in­zwi­schen al­lein le­ben­den Mut­ter in den Jah­ren 2002 und 2003. Am 22. Sep­tem­ber 2004 er­stat­te­te die Mut­ter An­zei­ge. Ge­gen den Kläger wur­de dar­auf­hin ein Er­mitt­lungs­ver­fah­ren ua. we­gen des se­xu­el­len Miss­brauchs von Kin­dern ein­ge­lei­tet. Ge­gen­stand des Ver­fah­rens war auch der Vor­wurf, der Kläger ha­be im Jahr 1994 ein wei­te­res, da­mals elf Jah­re al­tes Mädchen se­xu­ell miss­braucht.


Am 20. Ok­to­ber 2004 wur­de die Be­klag­te durch den Va­ter der Mädchen über die ge­gen den Kläger er­ho­be­nen Vorwürfe in­for­miert. In ei­nem Gespräch der Be­klag­ten mit den übri­gen Horn­bläsern am 22. No­vem­ber 2004 of­fen­bar­te ei­ner der Mu­si­ker, dass sich der Kläger auch sei­nem Sohn un­sitt­lich genähert ha­be und ein straf­recht­li­ches Ver­fah­ren ge­gen Zah­lung ei­nes Bußgelds ein­ge­stellt wor­den sei. Er und an­de­re Mit­glie­der der Stimm­grup­pe der Hor­nis­ten erklärten, mit dem Kläger nicht mehr zu­sam­men­ar­bei­ten zu können.

Am 13. De­zem­ber 2004 hörte die Be­klag­te den Kläger zu den Vorwürfen an. Die­ser be­stritt de­ren Be­rech­ti­gung. Mit Schrei­ben vom 23. De­zem­ber 2004 sprach die Be­klag­te ei­ne auf den Ver­dacht der Tat­be­ge­hun­gen gestütz­te frist­lo­se Kündi­gung aus. Der da­ge­gen er­ho­be­nen Kla­ge gab das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt mit Ur­teil vom 9. Ok­to­ber 2006 mit der Be­gründung - rechts­kräftig - statt, dass die Be­klag­te die Frist des § 626 Abs. 2 BGB versäumt ha­be.


Nach­dem die Be­klag­te im Ver­lauf der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt am 9. Ok­to­ber 2006 er­fah­ren hat­te, dass ge­gen den Kläger An­kla­ge er­ho­ben wor­den war, bemühte sie sich ver­geb­lich um Ak­ten­ein-

- 4 -

sicht. In ei­nem Te­le­fo­nat mit dem zuständi­gen Rich­ter am 30. No­vem­ber 2006 er­fuhr sie, dass die An­kla­ge­er­he­bung auf dem ihr be­kann­ten In­halt der Er­mitt­lungs­ak­te be­ru­he. Mit Schrei­ben vom 4. De­zem­ber 2006 lud sie den Kläger er­neut zu ei­nem Anhörungs­gespräch am 11. De­zem­ber 2006. Der Kläger teil­te ihr am 8. De­zem­ber 2006 mit, dass er nicht er­schei­nen wer­de. Nach Anhörung des - trotz Wahl­an­fech­tung wei­ter­hin am­tie­ren­den - Be­triebs­rats sprach die Be­klag­te am 21. De­zem­ber 2006 er­neut ei­ne außer­or­dent­li­che, frist­lo­se Ver­dachtskündi­gung aus. Da­ge­gen er­hob der Kläger recht­zei­tig die vor­lie­gen­de Kla­ge.

Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Kündi­gung sei man­gels Ein­hal­tung der Frist des § 626 Abs. 2 BGB un­wirk­sam. Die Frist sei spätes­tens am 3. De­zem­ber 2004 ab­ge­lau­fen. Die Kündi­gung sei ei­ne un­zulässi­ge Wie­der­ho­lungskündi­gung. Die von ihm be­gan­ge­nen Straf­ta­ten könn­ten als außer­dienst­li­ches Ver­hal­ten die Kündi­gung oh­ne­hin nicht recht­fer­ti­gen. Der Kläger hat be­strit­ten, dass es zu ei­nem Ver­trau­ens­ver­lust bei sei­nen Kol­le­gen ge­kom­men sei und sei­ne An­we­sen­heit die künst­le­ri­sche Qua­lität des Or­ches­ters be­ein­träch­ti­ge. Sei­ne se­xu­el­len Nei­gun­gen sei­en seit An­fang der 90-er Jah­re im Or­ches­ter be­kannt ge­we­sen. Er be­fin­de sich seit 1992 in the­ra­peu­ti­scher Be­hand­lung. Des­we­gen be­ste­he kei­ne Wie­der­ho­lungs­ge­fahr. Sei­ne Ta­ten sei­en Fol­ge ei­ner psy­chi­schen Dis­po­si­ti­on. Die Kündi­gung sei des­halb nach den Grundsätzen der krank­heits­be­ding­ten Kündi­gung zu be­ur­tei­len und man­gels ne­ga­ti­ver Pro­gno­se un­wirk­sam. Außer­dem ha­be statt des Be­triebs­rats der zuständi­ge Per­so­nal­rat an­gehört wer­den müssen.

Der Kläger hat be­an­tragt 


fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis durch die außer­or­dent­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten vom 21. De­zem­ber 2006 nicht be­en­det wor­den ist.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, mit der Er­he­bung der An­kla­ge sei ein we­sent­li­cher Ein­schnitt im Straf­ver­fah­ren ver­bun­den ge­we­sen. Die Frist des § 626 Abs. 2 BGB sei er­neut in Gang ge­setzt wor­den, als sie von der An­kla­ge­er­he­bung Kennt­nis er­hal­ten

- 5 -

ha­be. We­gen des drin­gen­den Ver­dachts der Be­ge­hung der frag­li­chen Straf­ta­ten sei die Kündi­gung auch ma­te­ri­ell ge­recht­fer­tigt. Das Ver­hal­ten des Klägers wei­se ei­nen hin­rei­chen­den dienst­li­chen Be­zug auf. Das Ver­trau­ens­verhält­nis zu den Mit­glie­dern des Or­ches­ters, ins­be­son­de­re zu den Horn­bläsern, sei zerstört. Die An­we­sen­heit des Klägers be­ein­träch­ti­ge die künst­le­ri­sche Qua­lität bei Pro­ben und Vor­stel­lun­gen. Die Nei­gun­gen des Klägers sei­en kei­nes­wegs all­ge­mein im Or­ches­ter be­kannt ge­we­sen. Es be­ste­he ein un­kal­ku­lier­ba­res Ri­si­ko, dass er wie­der ein­schlägig auffällig wer­de. Im Hin­blick dar­auf, dass sie in der Kom­par­se­rie und im Rah­men von Prak­ti­ka min­derjähri­ge Kin­der beschäfti­ge, sei ihr ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung nicht zu­zu­mu­ten. Die Be­tei­li­gung des Per­so­nal­rats sei nicht er­for­der­lich ge­we­sen.


Die Vor­in­stan­zen ha­ben der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Mit der Re­vi­si­on ver­folgt die Be­klag­te ihr Be­geh­ren wei­ter, die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Ent­schei­dungs­gründe


Die Re­vi­si­on ist be­gründet. Dies führt zur Auf­he­bung des Be­ru­fungs­ur­teils (§ 562 Abs. 1 ZPO) und zur Ab­wei­sung der Kla­ge. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu Un­recht an­ge­nom­men, die Be­klag­te ha­be die Frist des § 626 Abs. 2 BGB versäumt (I.). Die Ent­schei­dung stellt sich nicht aus an­de­ren Gründen als rich­tig dar (§ 561 ZPO). Dies kann der Se­nat selbst ent­schei­den, da die maßgeb­li­chen Tat­sa­chen fest­ste­hen (§ 563 Abs. 3 ZPO). Ein wich­ti­ger Grund iSv. § 626 Abs. 1 BGB liegt vor (II.). Die Kündi­gung ist nicht man­gels Anhörung des Per­so­nal­rats un­wirk­sam (III.).


I. Die Kündi­gung vom 21. De­zem­ber 2006 ist nicht nach § 626 Abs. 2 BGB un­wirk­sam. Die Be­klag­te hat die ge­setz­li­che Frist zur Erklärung der Kündi­gung ge­wahrt.


1. Nach § 626 Abs. 2 Satz 1 BGB kann die außer­or­dent­li­che Kündi­gung nur in­ner­halb von zwei Wo­chen er­fol­gen. Die Frist be­ginnt nach § 626 Abs. 2
 


- 6 -

Satz 2 BGB in dem Zeit­punkt, in dem der Kündi­gungs­be­rech­tig­te von den für die Kündi­gung maßge­ben­den Tat­sa­chen Kennt­nis er­langt.


a) Dies ist dann der Fall, wenn der Kündi­gungs­be­rech­tig­te ei­ne zu­verlässi­ge und möglichst vollständi­ge po­si­ti­ve Kennt­nis der für die Kündi­gung maßge­ben­den Tat­sa­chen hat, die ihm die Ent­schei­dung ermögli­chen, ob die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses zu­mut­bar ist oder nicht (Se­nat 25. No­vem­ber 2010 - 2 AZR 171/09 - Rn. 15 mwN, NZA-RR 2011, 177; 5. Ju­ni 2008 - 2 AZR 234/07 - Rn. 18, AP BGB § 626 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 44 = EzA BGB 2002 § 626 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 7). Grob fahrlässi­ge Un­kennt­nis ist in­so­weit oh­ne Be­deu­tung (Se­nat 17. März 2005 - 2 AZR 245/04 - AP BGB § 626 Aus­schluss­frist Nr. 46 = EzA BGB 2002 § 626 Nr. 9; KR/Fi­scher­mei­er 9. Aufl. § 626 BGB Rn. 319 mwN). Zu den maßgeb­li­chen Tat­sa­chen gehören so­wohl die für als auch die ge­gen die Kündi­gung spre­chen­den Umstände. Der Kündi­gungs­be­rech­tig­te, der An­halts­punk­te für ei­nen Sach­ver­halt hat, der zur außer­or­dent­li­chen Kündi­gung be­rech­ti­gen könn­te, kann Er­mitt­lun­gen an­stel­len und den Be­trof­fe­nen anhören, oh­ne dass die Frist zu lau­fen be­ginnt (Se­nat 17. März 2005 - 2 AZR 245/04 - aaO). So­lan­ge er die zur Aufklärung des Sach­ver­halts nach pflicht­gemäßem Er­mes­sen not­wen­dig er­schei­nen­den Maßnah­men durchführt, läuft die Aus­schluss­frist nicht an (Se­nat 17. März 2005 - 2 AZR 245/04 - zu B I 3 der Gründe, aaO). Um den Lauf der Frist nicht länger als not­wen­dig hin­aus­zu­schie­ben, muss ei­ne Anhörung al­ler­dings in­ner­halb ei­ner kur­zen Frist er­fol­gen. Die Frist darf im All­ge­mei­nen, und oh­ne dass be­son­de­re Umstände vorlägen, nicht mehr als ei­ne Wo­che be­tra­gen (Se­nat 2. März 2006 - 2 AZR 46/05 - Rn. 24, BA­GE 117, 168).

b) Geht es um ein straf­ba­res Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers, darf der Ar­beit­ge­ber den Aus- oder Fort­gang des Er­mitt­lungs- und Straf­ver­fah­rens ab­war­ten und in des­sen Ver­lauf zu ei­nem nicht willkürlich gewähl­ten Zeit­punkt kündi­gen (Se­nat 5. Ju­ni 2008 - 2 AZR 234/07 - Rn. 25, AP BGB § 626 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 44 = EzA BGB 2002 § 626 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 7; 17. März 2005 - 2 AZR 245/04 - AP BGB § 626 Aus­schluss­frist Nr. 46 = EzA BGB 2002 § 626 Nr. 9; Ba­der/Bram/Dörner/Krie­bel-Ba­der KSchG


- 7 -

Stand De­zem­ber 2010 § 626 BGB Rn. 77; KR/Fi­scher­mei­er 9. Aufl. § 626 BGB Rn. 321). Für den be­tref­fen­den Zeit­punkt be­darf es ei­nes sach­li­chen Grun­des. Wenn et­wa der Kündi­gungs­be­rech­tig­te neue Tat­sa­chen er­fah­ren oder neue Be­weis­mit­tel er­langt hat und nun­mehr ei­nen - neu­en - aus­rei­chen­den Er­kennt­nis­stand für ei­ne Kündi­gung zu ha­ben glaubt, kann er dies zum An­lass für den Aus­spruch der Kündi­gung neh­men (Se­nat 5. Ju­ni 2008 - 2 AZR 234/07 - Rn. 20, AP BGB § 626 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 44 = EzA BGB 2002 § 626 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 7; 17. März 2005 - 2 AZR 245/04 - AP BGB § 626 Aus­schluss­frist Nr. 46 = EzA BGB 2002 § 626 Nr. 9).


c) Der Ar­beit­ge­ber kann sich auch für die Über­le­gung, ob er ei­ne Ver­dachtskündi­gung aus­spre­chen soll, am Fort­gang des Er­mitt­lungs- und Straf­ver­fah­rens ori­en­tie­ren (Se­nat 5. Ju­ni 2008 - 2 AZR 234/07 - AP BGB § 626 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 44 = EzA BGB 2002 § 626 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 7). Dort ge­won­ne­ne Er­kennt­nis­se oder Hand­lun­gen der Straf­ver­fol­gungs­behörden können die An­nah­me verstärken, der Ver­trags­part­ner ha­be die Pflicht­ver­let­zung be­gan­gen (Se­nat 5. Ju­ni 2008 - 2 AZR 234/07 - aaO; vgl. Ha­Ko-Gie­seler 3. Aufl. § 626 BGB Rn. 106; SPV/Preis 10. Aufl. Rn. 711). Ei­ne sol­che den Ver­dacht in­ten­si­vie­ren­de Wir­kung kann auch die Er­he­bung der öffent­li­chen Kla­ge ha­ben (Se­nat 5. Ju­ni 2008 - 2 AZR 234/07 - aaO; AnwK-ArbR/Bröhl 2. Aufl. Bd. 1 § 626 BGB Rn. 102; Ha­Ko-Gie­seler aaO; SPV/Preis aaO). Zwar kann die Er­he­bung der öffent­li­chen Kla­ge für sich ge­nom­men kei­nen drin­gen­den Ver­dacht im kündi­gungs­recht­li­chen Sin­ne be­gründen (Se­nat 5. Ju­ni 2008 - 2 AZR 234/07 - Rn. 27, aaO; 29. No­vem­ber 2007 - 2 AZR 724/06 - AP BGB § 626 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 40 = EzA BGB 2002 § 626 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 5). Sie be­deu­tet aber ei­nen Ein­schnitt, der in der La­ge ist, die an­der­wei­tig schon genähr­te Über­zeu­gung des Ar­beit­ge­bers zu verstärken. Während die Ein­lei­tung des Er­mitt­lungs­ver­fah­rens le­dig­lich ei­nen An­fangs­ver­dacht er­for­dert, ist die Er­he­bung der öffent­li­chen Kla­ge nach der Straf­pro­zess­ord­nung an das Be­ste­hen ei­nes „hin­rei­chen­den“ Ver­dachts ge­bun­den. Der Ver­dacht erhält da­mit ei­ne an­de­re Qua­lität. Dies recht­fer­tigt es, die Er­he­bung der öffent­li­chen Kla­ge als ei­nen Um­stand an­zu­se­hen, bei des­sen Ein­tritt der Ar­beit­ge­ber ei­nen sach­li­chen Grund hat, das Kündi­gungs­ver­fah­ren



- 8 -

ein­zu­lei­ten (Se­nat 5. Ju­ni 2008 - 2 AZR 234/07 - aaO; AnwK-ArbR/Bröhl aaO; Ha­Ko-Gie­seler aaO; SPV/Preis aaO).

d) Der Ar­beit­ge­ber hat nicht nur zwei Möglich­kei­ten, dem sich mit der Zeit ent­wi­ckeln­den Zu­wachs an Er­kennt­nis­sen durch ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung zu be­geg­nen. Es gibt nicht le­dig­lich zwei ob­jek­tiv ge­nau be­stimm­ba­re Zeit­punk­te, zu de­nen die Frist des § 626 Abs. 2 BGB zu lau­fen begönne: ei­nen Zeit­punkt für den Aus­spruch ei­ner Ver­dachts-, ei­nen wei­te­ren für den Aus­spruch ei­ner Tatkündi­gung. Im Lau­fe des Aufklärungs­zeit­raums kann es viel­mehr meh­re­re Zeit­punk­te ge­ben, in de­nen der Ver­dacht „drin­gend“ ge­nug ist, um ei­ne Ver­dachtskündi­gung dar­auf zu stützen. Da­bei steht dem Kündi­gungs­be­rech­tig­ten ein ge­wis­ser Be­ur­tei­lungs­spiel­raum zu (Se­nat 5. Ju­ni 2008 - 2 AZR 234/07 - Rn. 22 ff., AP BGB § 626 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 44 = EzA BGB 2002 § 626 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 7).


e) Die Frist des § 626 Abs. 2 BGB be­ginnt dem­nach er­neut zu lau­fen, wenn der Ar­beit­ge­ber ei­ne neue, den Ver­dacht der Tat­be­ge­hung verstärken­de Tat­sa­che zum An­lass für ei­ne Kündi­gung nimmt. Ei­ne den Ver­dacht verstärken­de Tat­sa­che kann die An­kla­ge­er­he­bung im Straf­ver­fah­ren dar­stel­len, selbst wenn sie nicht auf neu­en Er­kennt­nis­sen be­ruht. Der Um­stand, dass ei­ne un­be­tei­lig­te Stel­le mit wei­ter­rei­chen­den Er­mitt­lungsmöglich­kei­ten, als sie dem Ar­beit­ge­ber zur Verfügung ste­hen, ei­nen hin­rei­chen­den Tat­ver­dacht be­jaht, ist ge­eig­net, den ge­gen den Ar­beit­neh­mer ge­heg­ten Ver­dacht zu verstärken. Der Ar­beit­ge­ber kann ihn auch dann zum An­lass für den Aus­spruch ei­ner Ver­dachtskündi­gung neh­men, wenn er ei­ne sol­che schon zu­vor erklärt hat­te. Da die neu­er­li­che Kündi­gung auf ei­nem neu­en, nämlich um die Tat­sa­che der An­kla­ge­er­he­bung ergänz­ten Sach­ver­halt be­ruht, han­delt es sich nicht et­wa um ei­ne un­zulässi­ge Wie­der­ho­lungskündi­gung. Eben­so we­nig ist das Recht, ei­ne wei­te­re Ver­dachtskündi­gung aus­zu­spre­chen, mit dem Aus­spruch ei­ner ers­ten Ver­dachtskündi­gung ver­braucht. Der Ar­beit­ge­ber hat sich da­durch, dass er ei­ne Ver­dachtskündi­gung be­reits vor An­kla­ge­er­he­bung aus­ge­spro­chen hat, auch nicht da­hin ge­bun­den, vor Aus­spruch ei­ner wei­te­ren Kündi­gung den Aus­gang des Er­mitt­lungs- oder Straf­ver­fah­rens ab­zu­war­ten. Für die An­nah­me ei­nes
 


- 9 -

sol­chen Ver­zichts auf ein - noch nicht ab­seh­ba­res späte­res - Kündi­gungs­recht gibt es kei­ne Grund­la­ge. Zwar be­zieht sich der Ver­dacht je­weils auf die­sel­be Tat, der zur Kündi­gung führen­de Sach­ver­halt ist aber ge­ra­de nicht iden­tisch. Die zwei­te Kündi­gung stützt sich auf ei­ne er­wei­ter­te, die Frist des § 626 Abs. 2 BGB neu in Gang set­zen­de Tat­sa­chen­grund­la­ge.


2. Nach die­sen Maßstäben hat die Be­klag­te mit Aus­spruch der Kündi­gung am 21. De­zem­ber 2006 die Frist gem. § 626 Abs. 2 BGB ge­wahrt. Die­se be­gann am 8. De­zem­ber 2006 er­neut zu lau­fen. Die Kündi­gung vom 21. De­zem­ber 2006 er­folg­te in­ner­halb von zwei Wo­chen.


a) Die Frist des § 626 Abs. 2 BGB be­gann er­neut in dem Zeit­punkt zu lau­fen, zu dem die Be­klag­te vollständi­ge Kennt­nis da­von er­hielt, dass ge­gen den Kläger An­kla­ge we­gen des se­xu­el­len Miss­brauchs von Kin­dern ei­nes Kol­le­gen er­ho­ben wor­den war und neue ent­las­ten­de Ge­sichts­punk­te nicht zu er­mit­teln wa­ren. Der Ver­dacht be­zieht sich zwar auf die­sel­be Tat wie der, wel­cher der Kündi­gung vom 23. De­zem­ber 2004 zu­grun­de lag. Der Sach­ver­halt ist aber des­halb nicht iden­tisch, weil sich die Be­klag­te zusätz­lich auf die An­kla­ge­er­he­bung durch die Staats­an­walt­schaft be­ruft.


b) Vollständi­ge po­si­ti­ve Kennt­nis von den den Ver­dacht verstärken­den Umständen hat­te die Be­klag­te erst am 8. De­zem­ber 2006. Nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts hat­te sie zwar be­reits während der münd­li­chen Ver­hand­lung am 9. Ok­to­ber 2006 Kennt­nis da­von er­hal­ten, dass ge­gen den Kläger An­kla­ge er­ho­ben wor­den war. Sie hat­te aber erst auf­grund des Gesprächs mit dem zuständi­gen Rich­ter am 30. No­vem­ber 2006 er­fah­ren, dass die An­kla­ge auf dem ihr be­kann­ten In­halt der Er­mitt­lungs­ak­te be­ruh­te und da­mit ua. die Vorwürfe zum Ge­gen­stand hat­te, die den von ihr ge­heg­ten Ver­dacht ge­gen den Kläger be­tra­fen. Ih­re vor­aus­ge­gan­ge­nen Bemühun­gen, Ak­ten­ein­sicht zu er­hal­ten, wa­ren er­folg­los ge­blie­ben. Die Be­klag­te durf­te an­sch­ließend dem Kläger Ge­le­gen­heit ge­ben, neue ent­las­ten­de Umstände vor­zu­brin­gen. Mit der Ein­la­dung zu ei­nem Anhörungs­ter­min am 11. De­zem­ber 2006 ist sie die­se Maßnah­me zur Aufklärung des Sach­ver­halts auch hin­rei­chend zügig an­ge­gan­gen. Zwar war die dafür in der Re­gel zu ver­an­schla­gen­de Wo­chen­frist am
 


- 10 -

11. De­zem­ber über­schrit­ten. Die Be­klag­te ging gleich­wohl mit der ge­bo­te­nen Ei­le vor. Der 30. No­vem­ber 2006 war ein Don­ners­tag. Das Ein­la­dungs­schrei­ben vom 4. De­zem­ber wur­de am auf ihn fol­gen­den zwei­ten Ar­beits­tag ver­fasst. Dies ist zu­min­dest an­ge­sichts der Be­son­der­heit, dass sie schon zu­vor ei­ne Ver­dachtskündi­gung aus­ge­spro­chen hat­te und die Not­wen­dig­keit ei­ner wei­te­ren Anhörung des Klägers da­mit nicht un­mit­tel­bar auf der Hand lag, nicht zu be­an­stan­den. Dass die Be­klag­te den Ter­min erst auf ei­ne wei­te­re Wo­che später an­be­raum­te, ist ihr eben­so we­nig vor­zu­hal­ten. Sie berück­sich­tig­te da­mit in an­ge­mes­se­ner Wei­se das In­ter­es­se des im Be­trieb nicht mehr beschäftig­ten Klägers an ei­ner Ankündi­gungs­zeit. Mit dem Er­halt von des­sen Nach­richt am 8. De­zem­ber 2006, er wer­de den Anhörungs­ter­min nicht wahr­neh­men, stand so­dann fest, dass sich neue ent­las­ten­de Umstände durch ei­ne Anhörung des Klägers nicht er­ge­ben würden.


II. Die Kündi­gung vom 21. De­zem­ber 2006 be­ruht auf ei­nem wich­ti­gen Grund iSd. § 626 Abs. 1 BGB.

1. Gemäß § 626 Abs. 1 BGB kann das Ar­beits­verhält­nis aus wich­ti­gem Grund oh­ne Ein­hal­tung ei­ner Kündi­gungs­frist gekündigt wer­den, wenn Tat­sa­chen vor­lie­gen, auf­grund de­rer dem Kündi­gen­den un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­falls und un­ter Abwägung der In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist oder bis zu der ver­ein­bar­ten Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht zu­ge­mu­tet wer­den kann. Dafür ist zunächst zu prüfen, ob der Sach­ver­halt oh­ne sei­ne be­son­de­ren Umstände „an sich“, dh. ty­pi­scher­wei­se als wich­ti­ger Grund ge­eig­net ist. Als­dann be­darf es der wei­te­ren Prüfung, ob dem Kündi­gen­den die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses un­ter Berück­sich­ti­gung der kon­kre­ten Umstände des Falls und un­ter Abwägung der In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le - je­den­falls bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist - zu­mut­bar ist oder nicht (st. Rspr., Se­nat 10. Ju­ni 2010 - 2 AZR 541/09 - Rn. 16, EzA BGB 2002 § 626 Nr. 32; 26. März 2009 - 2 AZR 953/07 - Rn. 21 mwN, AP BGB § 626 Nr. 220).



- 11 -

2. Der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt fest­ge­stell­te Sach­ver­halt des se­xu­el­len Miss­brauchs von Kin­dern ei­nes Kol­le­gen ist „an sich“ als wich­ti­ger Grund iSv. § 626 Abs. 1 BGB ge­eig­net.


a) Die Be­klag­te hat sich zur Recht­fer­ti­gung der Kündi­gung zwar nur auf ei­nen ent­spre­chen­den Ver­dacht be­ru­fen. Ob­wohl der Ver­dacht ei­nes pflicht­wid­ri­gen Ver­hal­tens ge­genüber dem Tat­vor­wurf ei­nen ei­genständi­gen Kündi­gungs­grund dar­stellt (st. Rspr., Se­nat 10. Ju­ni 2010 - 2 AZR 541/09 - Rn. 23, EzA BGB 2002 § 626 Nr. 32; 23. Ju­ni 2009 - 2 AZR 474/07 - Rn. 55 mwN, AP BGB § 626 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 47 = EzA BGB 2002 § 626 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 8), ste­hen bei­de Gründe aber nicht be­zie­hungs­los ne­ben­ein­an­der. Wird die Kündi­gung mit dem Ver­dacht pflicht­wid­ri­gen Ver­hal­tens be­gründet, steht in­des­sen zur Über­zeu­gung des Ge­richts die Pflicht­wid­rig­keit tatsächlich fest, lässt dies die ma­te­ri­ell-recht­li­che Wirk­sam­keit der Kündi­gung un­berührt. Maßge­bend ist al­lein der ob­jek­ti­ve Sach­ver­halt, wie er sich dem Ge­richt nach Par­tei­vor­brin­gen und ggf. Be­weis­auf­nah­me dar­stellt (Se­nat 10. Ju­ni 2010 - 2 AZR 541/09 - Rn. 23, aaO). Er­gibt sich nach tatrich­ter­li­cher Würdi­gung das tatsächli­che Vor­lie­gen ei­ner Pflicht­wid­rig­keit, ist das Ge­richt nicht ge­hin­dert, dies sei­ner Ent­schei­dung zu­grun­de zu le­gen; es ist nicht er­for­der­lich, dass der Ar­beit­ge­ber sich während des Pro­zes­ses dar­auf be­ru­fen hat, er stütze die Kündi­gung auch auf die er­wie­se­ne Tat (Se­nat 10. Ju­ni 2010 - 2 AZR 541/09 - Rn. 23, aaO; 23. Ju­ni 2009 - 2 AZR 474/07 - mwN, aaO). Nichts an­de­res gilt für das Re­vi­si­ons­ge­richt, wenn das Be­ru­fungs­ge­richt zwar nicht selbst ge­prüft hat, ob ein wich­ti­ger Grund iSv. § 626 Abs. 1 BGB ge­ge­ben ist, aber gem. § 559 Abs. 2 ZPO bin­dend fest­ge­stellt hat, dass die Pflicht­wid­rig­keit tatsächlich be­gan­gen wur­de.


b) Dies ist hier der Fall. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat fest­ge­stellt, dass der Kläger so­wohl während meh­re­rer Be­su­che im Haus der Fa­mi­lie sei­nes Kol­le­gen in den Jah­ren 1995/1996 die älte­re von des­sen Töchtern, da­mals fünf- bis sechsjährig, un­sitt­lich berühr­te als auch mehr­mals in den Jah­ren 2002 und 2003 die jünge­re Toch­ter, da­mals acht bis neun Jah­re alt, anläss­lich von Be­su­chen im Haus der in­zwi­schen al­lein le­ben­den Ehe­frau. Das Lan­des­ar­beits­ge-
 


- 12 -

richt hat darüber hin­aus fest­ge­stellt, dass ein wei­te­rer Kol­le­ge der Be­klag­ten während ei­nes Gesprächs am 22. No­vem­ber 2004 mit­ge­teilt hat­te, ein straf-recht­li­ches Er­mitt­lungs­ver­fah­ren ge­gen den Kläger we­gen des Vor­wurfs, die­ser ha­be sich dem Sohn des Kol­le­gen un­sitt­lich genähert, sei ein­ge­stellt wor­den. Nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts erklärten der be­tref­fen­de Kol­le­ge und an­de­re Mit­glie­der der Hor­nis­ten-Grup­pe, mit dem Kläger we­gen die­ser Vorwürfe nicht mehr zu­sam­men­ar­bei­ten zu können.


c) Der Um­stand, dass der Be­triebs­rat vor Aus­spruch der Kündi­gung aus­sch­ließlich zu ei­ner be­ab­sich­tig­ten Ver­dachtskündi­gung gehört wur­de, steht ei­ner ge­richt­li­chen Berück­sich­ti­gung des Ge­sche­hens als er­wie­se­ne Tat nicht ent­ge­gen. In die­sem Zu­sam­men­hang be­darf es kei­ner Ent­schei­dung, ob der ungültig gewähl­te, aber während des Wahl­an­fech­tungs­ver­fah­rens wei­ter am­tie­ren­de Be­triebs­rat über­haupt nach § 102 Abs. 1 Be­trVG zu be­tei­li­gen war. Aus­rei­chend ist je­den­falls, wenn dem Be­triebs­rat - ggf. im Rah­men zulässi­gen „Nach­schie­bens“ - die­je­ni­gen Umstände mit­ge­teilt wor­den sind, wel­che nicht nur den Tat­ver­dacht, son­dern zur Über­zeu­gung des Ge­richts auch den Tat­vor­wurf be­gründen (Se­nat 10. Ju­ni 2010 - 2 AZR 541/09 - Rn. 24 mwN, EzA BGB 2002 § 626 Nr. 32). Bei die­ser Sach­la­ge ist dem Norm­zweck des § 102 Abs. 1 Be­trVG auch durch ei­ne Anhörung nur zur Ver­dachtskündi­gung Genüge ge­tan. Dem Be­triebs­rat wird da­durch nichts vor­ent­hal­ten. Die Mit­tei­lung des Ar­beit­ge­bers, ei­nem Ar­beit­neh­mer sol­le schon und al­lein we­gen des Ver­dachts ei­ner pflicht­wid­ri­gen Hand­lung gekündigt wer­den, gibt ihm so­gar weit stärke­ren An­lass für ein um­fas­sen­des Tätig­wer­den als ei­ne Anhörung we­gen ei­ner als er­wie­sen be­haup­te­ten Tat (Se­nat 3. April 1986 - 2 AZR 324/85 - zu II 1 c cc der Gründe, AP BGB § 626 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 18 = EzA Be­trVG 1972 § 102 Nr. 63; KR/Fi­scher­mei­er 9. Aufl. § 626 BGB Rn. 217). Da­nach ist der Be­triebs­rat hier aus­rei­chend un­ter­rich­tet wor­den. Die vom Lan­des­ar­beits­ge­richt ge­trof­fe­nen Fest­stel­lun­gen sind auch Ge­gen­stand des Anhörungs­schrei­bens vom 15. De­zem­ber 2006.


d) Ei­ne schwe­re und schuld­haf­te Ver­trags­pflicht­ver­let­zung kann ein wich­ti­ger Grund für ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung sein. Das gilt auch für die
 


- 13 -

Ver­let­zung von ver­trag­li­chen Ne­ben­pflich­ten (Se­nat 12. März 2009 - 2 ABR 24/08 - Rn. 30, EzTöD 100 TVöD-AT § 34 Abs. 2 Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter Nr. 1; 19. April 2007 - 2 AZR 78/06 - Rn. 28, AP BGB § 611 Di­rek­ti­ons­recht Nr. 77 = EzTöD 100 TVöD-AT § 34 Abs. 2 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 8).


e) Der Kläger hat sei­ne Pflicht aus § 241 Abs. 2 BGB, auf die be­rech­tig­ten In­ter­es­sen der Be­klag­ten Rück­sicht zu neh­men, durch den se­xu­el­len Miss-brauch von Kin­dern ei­nes Kol­le­gen in er­heb­li­chem Maße ver­letzt. Dar­auf, ob sich aus § 5 Abs. 1 TVK aF noch wei­ter ge­hen­de Pflich­ten zur Rück­sicht­nah­me er­ga­ben, kommt es nicht an.


aa) Nach § 241 Abs. 2 BGB ist je­de Par­tei des Ar­beits­ver­trags zur Rück­sicht­nah­me auf die Rech­te, Rechtsgüter und In­ter­es­sen ih­res Ver­trags­part­ners ver­pflich­tet. Die­se Re­ge­lung dient dem Schutz und der Förde­rung des Ver­trags­zwecks (Se­nat 28. Ok­to­ber 2010 - 2 AZR 293/09 - Rn. 19, NZA 2011, 112; 10. Sep­tem­ber 2009 - 2 AZR 257/08 - Rn. 20, AP KSchG 1969 § 1 Ver­hal­tens-be­ding­te Kündi­gung Nr. 60 = EzA KSchG § 1 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 77). Der Ar­beit­neh­mer ist auch außer­halb der Ar­beits­zeit ver­pflich­tet, auf die be­rech­tig­ten In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers Rück­sicht zu neh­men (Se­nat 28. Ok­to­ber 2010 - 2 AZR 293/09 - aaO; 10. Sep­tem­ber 2009 - 2 AZR 257/08 - aaO). Die Pflicht zur Rück­sicht­nah­me kann des­halb auch durch außer­dienst­li­ches Ver­hal­ten ver­letzt wer­den (vgl. ErfK/Müller-Glöge 11. Aufl. § 626 BGB Rn. 83). Al­ler­dings kann ein außer­dienst­li­ches Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers die be­rech­tig­ten In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers oder an­de­rer Ar­beit­neh­mer grundsätz­lich nur be­ein­träch­ti­gen, wenn es ei­nen Be­zug zur dienst­li­chen Tätig­keit hat (Se­nat 28. Ok­to­ber 2010 - 2 AZR 293/09 - aaO; 10. Sep­tem­ber 2009 - 2 AZR 257/08 - Rn. 21, aaO). Das ist der Fall, wenn es ne­ga­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf den Be­trieb oder ei­nen Be­zug zum Ar­beits­verhält­nis hat (Se­nat 10. Sep­tem­ber 2009 - 2 AZR 257/08 - Rn. 22, aaO; 27. No­vem­ber 2008 - 2 AZR 98/07 - Rn. 21, AP KSchG 1969 § 1 Nr. 90 = EzA KSchG § 1 Ver­dachtskündi­gung Nr. 4). Fehlt ein sol­cher Zu­sam­men­hang, schei­det ei­ne Pflicht­ver­let­zung re­gelmäßig aus (Se­nat 28. Ok­to­ber 2010 - 2 AZR 293/09 - aaO; 10. Sep­tem­ber 2009 - 2 AZR 257/08 - Rn. 21, aaO; SPV/Preis Rn. 642).

- 14 -

bb) Die von dem Kläger außer­dienst­lich be­gan­ge­nen Straf­ta­ten ha­ben ei­nen sol­chen Be­zug zum Ar­beits­verhält­nis.

(1) Die­ser Be­zug be­steht zunächst dar­in, dass Op­fer der Straf­ta­ten des Klägers die Kin­der ei­nes Kol­le­gen wa­ren.

(2) Die von dem Kläger an den Kol­le­gen­kin­dern be­gan­ge­nen Se­xu­al­straf­ta­ten hat­ten zu­dem ne­ga­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf das be­trieb­li­che Mit­ein­an­der. So ha­ben meh­re­re Mit­glie­der der Stimm­grup­pe des Klägers in dem Gespräch am 22. No­vem­ber 2004 ge­genüber der Be­klag­ten erklärt, mit dem Kläger nicht mehr zu­sam­men­ar­bei­ten zu können. Der Ein­wand des Klägers, in dem Or­ches­ter herr­sche oh­ne­hin kei­ne At­mo­sphäre des Ver­trau­ens, son­dern ei­ne At­mo­sphäre der Angst, ist un­be­acht­lich. Er ändert nichts dar­an, dass im vor­lie­gen­den Zu­sam­men­hang al­lein der Kläger für die Störung des Be­triebs­frie­dens ver­ant­wort­lich ist.

cc) Die Straf­ta­ten des Klägers ha­ben das kol­le­gia­le Mit­ein­an­der und da­mit das Ar­beits­verhält­nis schwer be­las­tet. Der Kläger hat das Ver­trau­en sei­nes Kol­le­gen und von des­sen Fa­mi­lie wie­der­holt mas­siv miss­braucht. Aus eben die­sem Grund ha­ben meh­re­re Kol­le­gen aus sei­ner Stimm­grup­pe aus­ge­schlos­sen, mit ihm wei­ter zu­sam­men­ar­bei­ten zu können.

Der Kläger hat vorsätz­lich ge­han­delt. So­weit er sei­ne se­xu­el­len Nei­gun­gen im Lau­fe des Rechts­streits auf krank­haf­te Störun­gen zurück­geführt hat, recht­fer­tigt dies kei­ne an­de­re Be­ur­tei­lung. Der Kläger hat nicht be­haup­tet, dass es ihm unmöglich ge­we­sen sei, sein Ver­hal­ten zu steu­ern. Die Grundsätze ei­ner per­so­nen­be­ding­ten Kündi­gung fin­den kei­ne An­wen­dung.

3. Die frist­lo­se Kündi­gung ist bei Be­ach­tung al­ler Umstände des vor­lie­gen­den Falls und nach Abwägung der wi­der­strei­ten­den In­ter­es­sen ge­recht­fer­tigt. Der Be­klag­ten war es un­zu­mut­bar, den Kläger auch nur bis zum Ab­lauf ei­ner - fik­ti­ven - Kündi­gungs­frist wei­ter­zu­beschäfti­gen.


a) Ob­wohl das Lan­des­ar­beits­ge­richt - nach sei­ner Rechts­auf­fas­sung kon­se­quent - ei­ne In­ter­es­sen­abwägung nicht vor­ge­nom­men hat, ist ei­ne ei­ge­ne



- 15 -

Abwägung durch den Se­nat möglich. Der dem Be­ru­fungs­ge­richt in der Recht­spre­chung des Se­nats zu­ge­stan­de­ne Be­ur­tei­lungs­spiel­raum (vgl. Se­nat 11. De­zem­ber 2003 - 2 AZR 36/03 - zu II 1 f der Gründe, AP BGB § 626 Nr. 179 = EzA BGB 2002 § 626 Nr. 5) schränkt le­dig­lich die re­vi­si­ons­recht­li­che Über­prüfung der In­ter­es­sen­abwägung ein. Hat das Be­ru­fungs­ge­richt ei­ne In­ter­es­sen­abwägung vor­ge­nom­men, ist - wenn sämt­li­che re­le­van­ten Tat­sa­chen fest­ste­hen - ei­ne ei­ge­ne In­ter­es­sen­abwägung des Re­vi­si­ons­ge­richts nur dann möglich, wenn die des Be­ru­fungs­ge­richts feh­ler­haft oder un­vollständig ist (vgl. Se­nat 10. Ju­ni 2010 - 2 AZR 541/09 - EzA BGB 2002 § 626 Nr. 32; 23. Ju­ni 2009 - 2 AZR 103/08 - Rn. 35 f., AP KSchG 1969 § 1 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 59 = EzTöD 100 TVöD-AT § 34 Abs. 2 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 17; 12. Ja­nu­ar 2006 - 2 AZR 179/05 - Rn. 61, AP KSchG 1969 § 1 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 54 = EzA KSchG § 1 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 68). Fehlt es in­des­sen an ei­ner In­ter­es­sen­abwägung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, ist es - wenn al­le re­le­van­ten Tat­sa­chen fest­ge­stellt sind - nicht er­for­der­lich, dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Ge­le­gen­heit zu ge­ben, zunächst ei­ne ei­ge­ne Abwägung vor­zu­neh­men. Die Prüfung der Vor­aus­set­zun­gen des wich­ti­gen Grun­des iSv. § 626 Abs. 1 BGB ist zwar in ers­ter Li­nie Sa­che der Tat­sa­chen­in­stan­zen. Den­noch geht es um Rechts­an­wen­dung, nicht um Tat­sa­chen­fest­stel­lung (Se­nat 10. Ju­ni 2010 - 2 AZR 541/09 - Rn. 17, aaO).

b) Bei der Prüfung, ob dem Ar­beit­ge­ber ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers trotz Vor­lie­gens ei­ner er­heb­li­chen Pflicht­ver­let­zung je­den­falls bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist zu­mut­bar ist, ist in ei­ner Ge­samtwürdi­gung das In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an der so­for­ti­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­gen das In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers an des­sen Fort­be­stand ab­zuwägen. Es hat ei­ne Be­wer­tung des Ein­zel­falls un­ter Be­ach­tung des Verhält­nismäßig­keits­grund­sat­zes zu er­fol­gen. Die Umstände, an­hand de­rer zu be­ur­tei­len ist, ob dem Ar­beit­ge­ber die Wei­ter­beschäfti­gung zu­mut­bar ist oder nicht, las­sen sich nicht ab­sch­ließend fest­le­gen. Zu berück­sich­ti­gen sind aber re­gelmäßig das Ge­wicht und die Aus­wir­kun­gen ei­ner Ver­trags­pflicht­ver­let­zung - et­wa im Hin­blick auf das Maß ei­nes durch sie be­wirk­ten Ver­trau­ens­ver­lusts und ih­re wirt­schaft­li­chen Fol­gen -, der Grad des Ver­schul­dens des Ar­beit­neh­mers, ei­ne
 


- 16 -

mögli­che Wie­der­ho­lungs­ge­fahr so­wie die Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses und des­sen störungs­frei­er Ver­lauf (Se­nat 10. Ju­ni 2010 - 2 AZR 541/09 - Rn. 34, EzA BGB 2002 § 626 Nr. 32; 28. Ja­nu­ar 2010 - 2 AZR 1008/08 - Rn. 26 mwN, EzA BGB 2002 § 626 Nr. 30). Ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung kommt nur in Be­tracht, wenn es kei­nen an­ge­mes­se­nen Weg gibt, das Ar­beits­verhält­nis fort­zu­set­zen, weil dem Ar­beit­ge­ber sämt­li­che mil­de­ren Re­ak­ti­onsmöglich­kei­ten un­zu­mut­bar sind (st. Rspr., Se­nat 10. Ju­ni 2010 - 2 AZR 541/09 - aaO; 19. April 2007 - 2 AZR 180/06 - Rn. 45, AP BGB § 174 Nr. 20 = EzTöD 100 TVöD-AT § 34 Abs. 2 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 7). Als mil­de­re Re­ak­tio­nen sind ins­be­son­de­re Ab­mah­nung und or­dent­li­che Kündi­gung an­zu­se­hen. Sie sind dann al­ter­na­ti­ve Ge­stal­tungs­mit­tel, wenn schon sie ge­eig­net sind, den mit der außer­or­dent­li­chen Kündi­gung ver­folg­ten Zweck - die Ver­mei­dung des Ri­si­kos künf­ti­ger Störun­gen - zu er­rei­chen (Se­nat 10. Ju­ni 2010 - 2 AZR 541/09 - Rn. 34, aaO; KR/Fi­scher­mei­er 9. Aufl. § 626 BGB Rn. 251 f. mwN).


c) Da­nach ist die außer­or­dent­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten vom 21. De­zem­ber 2006 ge­recht­fer­tigt.

aa) Der Kläger hat wie­der­holt die Kin­der ei­nes Kol­le­gen se­xu­ell miss­braucht und da­durch be­wirkt, dass sich meh­re­re Mit­glie­der sei­ner Stimm­grup­pe wei­ger­ten, mit ihm wei­ter zu­sam­men­zu­ar­bei­ten. Oh­ne er­heb­li­che Aus­wir­kun­gen auf den Be­triebs­frie­den war ei­ne Mit­wir­kung des Klägers in sei­ner Stimm­grup­pe da­mit nicht mehr vor­stell­bar. Zwar war der be­tref­fen­de Kol­le­ge zum Zeit­punkt der Kündi­gung be­reits aus dem Or­ches­ter aus­ge­schie­den. Der zwei­te be­trof­fe­ne Kol­le­ge und wei­te­re Mit­glie­der, die an dem Gespräch am 22. No­vem­ber 2004 teil­ge­nom­men hat­ten, wa­ren aber auch im De­zem­ber 2006 noch beschäftigt. Un­er­heb­lich ist, ob die se­xu­el­len Nei­gun­gen des Klägers schon länger im Or­ches­ter be­kannt wa­ren. Der Kläger hat nicht be­haup­tet, es sei auch be­kannt ge­we­sen, dass er tatsächlich Straf­ta­ten an Kol­le­gen­kin­dern be­ging.


bb) Für die Be­klag­te war es nicht zu­mut­bar, den Kläger un­ter In­k­auf­nah­me ei­ner fort­be­ste­hen­den Störung des Be­triebs­frie­dens wei­ter­zu­beschäfti­gen. An­ders als in ei­ner Druck­si­tua­ti­on, der kein Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers und kein per­so­nen­be­ding­ter Grund zu­grun­de liegt, war die Be­klag­te nicht ge­hal­ten,


- 17 -

sich et­wa schützend vor den Kläger zu stel­len und zu ver­su­chen, die Kol­le­gen von ih­rer Wei­ge­rung, wei­ter mit dem Kläger zu­sam­men­zu­ar­bei­ten, ab­zu­brin­gen (vgl. da­zu Se­nat 19. Ju­ni 1986 - 2 AZR 563/85 - AP KSchG 1969 § 1 Be­triebs­be­ding­te Kündi­gung Nr. 33 = EzA KSchG § 1 Be­triebs­be­ding­te Kündi­gung Nr. 39). Der Kläger hat­te durch sein Ver­hal­ten die Be­triebsstörung viel­mehr selbst her­bei­geführt. Er hat das ihm von ei­nem Kol­le­gen und des­sen Fa­mi­lie ent­ge­gen­ge­brach­te Ver­trau­en in schwer­wie­gen­der Wei­se mehr­fach miss­braucht. Dass auch an­de­ren Kol­le­gen an­ge­sichts des­sen ei­ne ver­trau­ens­vol­le Zu­sam­men­ar­beit mit ihm nicht mehr möglich er­schien, ist ob­jek­tiv nach­voll­zieh­bar. Se­xu­el­ler Miss­brauch von Kin­dern ist ein die In­te­grität der Op­fer in schwer­wie­gen­der Wei­se ver­let­zen­des De­likt. Geschützt ist die Ent­wick­lung der Fähig­keit zur se­xu­el­len Selbst­be­stim­mung (Fi­scher StGB 58. Aufl. § 176 Rn. 2 mwN). Äußere, fremd­be­stimm­te Ein­grif­fe in die kind­li­che Se­xua­lität sind in be­son­de­rer Wei­se ge­eig­net, die­se Ent­wick­lung zu stören. Die Tat birgt die Ge­fahr von nach­hal­ti­gen Schädi­gun­gen des Kin­des (Fi­scher Rn. 36 mwN, aaO). Sie ist nach § 176 Abs. 1 StGB mit Frei­heits­stra­fe von sechs Mo­na­ten bis zu zehn Jah­ren be­droht.


cc) Ei­ner vor­he­ri­gen Ab­mah­nung be­durf­te es nicht. An­ge­sichts der Schwe­re sei­ner Pflicht­ver­let­zun­gen war de­ren - auch nur erst­ma­li­ge - Hin­nah­me durch die Be­klag­te of­fen­sicht­lich aus­ge­schlos­sen (vgl. zu die­sem Maßstab Se­nat 10. Ju­ni 2010 - 2 AZR 541/09 - Rn. 37, EzA BGB 2002 § 626 Nr. 32; 23. Ju­ni 2009 - 2 AZR 103/08 - Rn. 33, AP KSchG 1969 § 1 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 59 = EzTöD 100 TVöD-AT § 34 Abs. 2 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 17).

dd) Nicht ent­schei­dend ist, ob zu er­war­ten stand, der Kläger wer­de wei­ter­hin se­xu­el­le Straf­ta­ten an (Kol­le­gen-)Kin­dern be­ge­hen. Die von dem Kläger vor­ge­tra­ge­nen The­ra­pie­bemühun­gen und der Um­stand, dass er straf­recht­lich nur zu ei­ner Frei­heits­stra­fe auf Bewährung ver­ur­teilt wur­de, recht­fer­ti­gen des­halb eben­so we­nig ei­ne an­de­re Be­wer­tung wie Ge­sichts­punk­te der Re­so­zia­li­sie­rung. Maßgeb­lich ist viel­mehr, dass die Be­klag­te an­ge­sichts der Erklärun­gen von Mit­glie­dern der Stimm­grup­pe des Klägers da­von aus­ge­hen muss­te,


- 18 -

dass ei­ne ge­deih­li­che Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen die­sem und sei­nen Kol­le­gen nicht mehr zu er­war­ten war. So­weit der Kläger gel­tend ge­macht hat, nicht al­le Or­ches­ter­mu­si­ker hätten sich ge­wei­gert, mit ihm zu­sam­men­zu­ar­bei­ten, kann die Rich­tig­keit die­ser Be­haup­tung da­hin­ste­hen. Der Kläger be­strei­tet nicht, dass meh­re­re Mit­glie­der sei­ner Stimm­grup­pe nicht mehr zu ei­ner Zu­sam­men­ar­beit be­reit wa­ren. Da­bei kommt es nicht dar­auf an, ob die mu­si­ka­li­sche Qua­lität von Pro­ben oder Vor­stel­lun­gen bei ei­ner Wei­ter­beschäfti­gung des Klägers tatsächlich ge­lit­ten hätte. Der Be­klag­ten war es an­ge­sichts der Ta­ten des Klägers schon nicht zu­mut­bar, von sei­nen Kol­le­gen ei­ne wei­te­re Zu­sam­men­ar­beit über­haupt zu for­dern. Dar­auf, ob der Kläger im Dienst Kon­takt zu Kin­dern hat­te, kommt es eben­falls nicht an.


ee) An dem Er­geb­nis der In­ter­es­sen­abwägung ändert sich auch dann nichts, wenn die Be­haup­tung des Klägers zu­trifft, erst ei­ne als Krank­heit an­zu­se­hen­de Aus­prägung sei­ner se­xu­el­len Nei­gun­gen ha­be ihn straffällig wer­den las­sen. Der Be­klag­ten ist es auch un­ter die­ser Vor­aus­set­zung nicht zu­zu­mu­ten, von den Kol­le­gen des Klägers die wei­te­re Zu­sam­men­ar­beit zu ver­lan­gen. Die durch das Ver­hal­ten des Klägers ver­ur­sach­te Störung des Be­triebs­frie­dens wird da­durch nicht ge­rin­ger.

ff) Dis­zi­pli­nar­recht­li­che Maßstäbe zur Be­ur­tei­lung von Dienst­ver­ge­hen ei­nes Be­am­ten sind für den Streit­fall oh­ne Be­deu­tung. Die Sach­ver­hal­te, die den vom Kläger her­an­ge­zo­ge­nen ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen zu­grun­de lie­gen, sind zu­dem schon des­halb nicht ver­gleich­bar, weil es da­bei nicht um den Miss­brauch von Kol­le­gen­kin­dern ging. Der Kläger will über­dies aus dem Um­stand, dass die Be­klag­te Opern­aufführun­gen mit se­xu­el­len Bezügen in­sze­niert, ei­ne Be­reit­schaft zur To­le­ranz von Kin­des­miss­brauch ab­lei­ten. Dies ist ab­we­gig. So­weit er darüber hin­aus meint, sei­ne Ta­ten hätten ei­nen Be­zug zu sei­ner Tätig­keit als bil­den­der Künst­ler, bleibt un­klar, wel­chen Schluss er dar­aus ab­lei­tet. Er kann schwer­lich ge­meint ha­ben, die Kunst­frei­heit recht­fer­ti­ge Kin­des­miss­brauch.



- 19 -

gg) Beschäfti­gungs­dau­er und Le­bens­al­ter des Klägers recht­fer­ti­gen kein an­de­res Er­geb­nis. An der Schwe­re der Pflicht­ver­let­zun­gen und Störung des Be­triebs­frie­dens ändern sie nichts.


hh) Der Um­stand, dass der Kläger or­dent­lich unkünd­bar war, hat auf die In­ter­es­sen­abwägung kei­nen ge­son­der­ten Ein­fluss. Ist es dem Ar­beit­ge­ber - wie hier - nicht zu­mut­bar, den ta­rif­lich unkünd­ba­ren Ar­beit­neh­mer bis zum Ab­lauf der „fik­ti­ven“ Frist ei­ner or­dent­li­chen Be­en­di­gungskündi­gung wei­ter­zu­beschäfti­gen, ist ei­ne außer­or­dent­li­che frist­lo­se Kündi­gung auch des ta­rif­lich or­dent­lich unkünd­ba­ren Ar­beit­neh­mers ge­recht­fer­tigt (Se­nat 10. Ok­to­ber 2002 - 2 AZR 418/01 - zu B I 5 b der Gründe, EzA BGB 2002 § 626 Unkünd­bar­keit Nr. 1; 15. No­vem­ber 2001 - 2 AZR 605/00 - BA­GE 99, 331).


III. Die Kündi­gung ist nicht man­gels Be­tei­li­gung ei­nes für den Kläger zuständi­gen Per­so­nal­rats nach § 78 Abs. 2 des Hes­si­schen Per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes vom 24. März 1988 (HPVG) un­wirk­sam.

1. Bei ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung sieht § 78 Abs. 2 HPVG ei­ne Anhörung des Per­so­nal­rats vor. So­weit der Kläger das Un­ter­blei­ben ei­ner Be­tei­li­gung nach § 77 HPVG gerügt hat, han­delt es sich of­fen­sicht­lich um ei­ne Falsch­be­zeich­nung. § 77 Nr. 2 Buchst. i HPVG be­trifft die Mit­be­stim­mung bei or­dent­li­chen Kündi­gun­gen (außer­halb der Pro­be­zeit). Ei­ne Anhörung war im Streit­fall nicht et­wa nach § 104 Abs. 3 Satz 1 HPVG ent­behr­lich. Nach die­ser Be­stim­mung ent­fal­len zwar die Mit­be­stim­mung und Mit­wir­kung des Per­so­nal­rats in Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten der in § 104 Abs. 1 HPVG ge­nann­ten Or­ches­ter­mit­glie­der. Das Be­tei­li­gungs­recht bei außer­or­dent­li­chen Kündi­gun­gen wird aber als bloßes Anhörungs­recht von dem Aus­schluss nicht er­fasst (Burk­holz HPVG 2. Aufl. § 104 zu 3.2; ders. in v.Ro­et­te­ken/Rothländer HBR Stand De­zem­ber 2010 § 104 HPVG Rn. 17).


2. In­des­sen sind aus dem Par­tei­vor­brin­gen kei­ne Umstände dafür er­sicht­lich, dass zum Zeit­punkt der Kündi­gung vom 21. De­zem­ber 2006 ein Per­so­nal­rat im Amt ge­we­sen wäre, der nach § 78 Abs. 2 HPVG hätte an­gehört wer­den müssen.
 


- 20 -

a) Der Kläger hat gel­tend ge­macht, die Be­klag­te ha­be, da in Wirk­lich­keit kein ge­mein­sa­mer Be­trieb be­stan­den ha­be, nicht den für die­sen gewähl­ten Be­triebs­rat, son­dern „den zuständi­gen Per­so­nal­rat“ be­tei­li­gen müssen. Nach ih­rem Vor­brin­gen im Rechts­streit über die Wirk­sam­keit der außer­or­dent­li­chen Kündi­gung vom 23. De­zem­ber 2004 hat­te die Be­klag­te vor Aus­spruch die­ser Kündi­gung den Per­so­nal­rat des „Re­st­amts Städti­sche Bühnen“ an­gehört. Da­bei han­del­te es sich um den­je­ni­gen Per­so­nal­rat, der für die von der Be­klag­ten zu­vor als Ei­gen­be­trieb geführ­ten Städti­schen Bühnen gewählt war. Im Kon­sens al­ler Be­tei­lig­ten soll­te die­ser ein „Über­g­angs­man­dat“ für die bei der Be­klag­ten beschäftig­ten Mit­ar­bei­ter bis zur Wahl ei­nes ei­ge­nen Be­triebs­rats wahr­neh­men (vgl. Hes­si­sches LAG 19. Fe­bru­ar 2009 - 9 TaBV 202/08 - zu I der Gründe).


b) Die Amts­zeit die­ses Per­so­nal­rats hat­te mit Ab­lauf des 31. Au­gust 2004 ge­en­det. Auf die Fra­ge, ob nicht bis zur Rechts­kraft der die Be­triebs­rats­wahl vom Fe­bru­ar 2005 für ungültig erklären­den ge­richt­li­chen Ent­schei­dung oh­ne­hin nur der für den - ver­meint­li­chen - Ge­mein­schafts­be­trieb ge­bil­de­te Be­triebs­rat zu be­tei­li­gen ge­we­sen wäre, kommt es des­halb nicht an.

aa) Das Amt des für den Ei­gen­be­trieb gewähl­ten Per­so­nal­rats en­de­te mit Ab­lauf des 31. Au­gust 2004. Der Ei­gen­be­trieb als Dienst­stel­le der Be­klag­ten wur­de durch die Über­lei­tung des Be­triebs auf die S GmbH mit Wir­kung zum 1. Sep­tem­ber 2004 iSv. § 81 Abs. 2 HPVG auf­gelöst. Im Fal­le ei­ner Pri­va­ti­sie­rung en­det das Amt des Per­so­nal­rats (Fit­ting 25. Aufl. § 130 Rn. 10, 15). Die Ände­rung der Rechts­form des Trägers der Be­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on hat den Ver­lust der bis­he­ri­gen per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Re­präsen­ta­ti­on zur Fol­ge (Fit­ting aaO Rn. 15). Die Überführung in ei­ne pri­vat­recht­li­che Träger­schaft stellt ei­ne Auflösung der Dienst­stel­le im per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Sin­ne dar (Burk-holz HPVG 2. Aufl. § 1 zu 4 aE; Hoh­mann in v.Ro­et­te­ken/Rothländer HBR Stand De­zem­ber 2010 § 81 HPVG Rn. 276 mwN; v.Ro­et­te­ken in v.Ro­et­te­ken/Rothländer HBR Stand De­zem­ber 2010 § 1 HPVG Rn. 158). Hier­an ändert im Streit­fall nichts, dass zu­sam­men mit dem Kläger ei­ne Viel­zahl wei­te­rer Ar­beit­neh­mer der Über­lei­tung ih­rer Ar­beits­verhält­nis­se auf die S GmbH wi­der­spro­chen hat­ten. Da­mit blie­ben sie zwar Ar­beit­neh­mer der Be­klag­ten. Auch


- 21 -

mag die­se sie in ei­ner Or­ga­ni­sa­ti­ons­ein­heit „Re­st­amt Städti­sche Bühnen“ zu­sam­men­ge­fasst ha­ben. Dar­in lag aber kei­ne Auf­recht­er­hal­tung der Dienst-stel­le des Ei­gen­be­triebs „Städti­sche Bühnen“. Die­ser war auf die S GmbH über­ge­lei­tet und da­mit auf­gelöst wor­den. Dies er­gibt sich auch aus ei­ner Or­ga­ni­sa­ti­ons­verfügung der Oberbürger­meis­te­rin der Be­klag­ten vom 28. Sep­tem­ber 2004. Ihr zu­fol­ge wur­den die bis­he­ri­gen Or­ga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten der Städti­schen Bühnen mit Wir­kung vom 1. Sep­tem­ber 2004 auf­gelöst und gleich­zei­tig ei­ne neue Or­ga­ni­sa­ti­ons­ein­heit „Re­st­amt Städti­sche Bühnen“ ein­ge­rich­tet (vgl. die Ent­schei­dung des BAG im Ver­fah­ren über die An­fech­tung der Wahl des Be­triebs­rats im ver­meint­li­chen Ge­mein­schafts­be­trieb vom 16. April 2008 - 7 ABR 4/07 - zu A der Gründe, AP Be­trVG 1972 § 1 Ge­mein­sa­mer Be­trieb Nr. 32 = EzA Be­trVG 2001 § 1 Nr. 7). Der Kläger be­haup­tet nicht, dass für die­se Or­ga­ni­sa­ti­ons­ein­heit bis zum Aus­spruch der Kündi­gung ein neu­er Per­so­nal­rat gewählt wor­den sei.

bb) Der Per­so­nal­rat der bis­he­ri­gen Dienst­stel­le „Städti­sche Bühnen“ blieb nicht des­halb über die Pri­va­ti­sie­rung zum 1. Sep­tem­ber 2004 hin­aus im Amt, weil im Per­so­nal­ge­stel­lungs­ver­trag zwi­schen der Be­klag­ten und der S GmbH vom 1. April 2004 ge­re­gelt war, dass der Per­so­nal­rat gemäß § 103 HPVG die zuständi­ge In­ter­es­sen­ver­tre­tung für die ge­stell­ten Ar­beit­neh­mer sei (vgl. Hes­si­sches LAG 19. Fe­bru­ar 2009 - 9 TaBV 202/08 - zu I der Gründe). § 103 HPVG be­stimmt, dass öffent­li­che Thea­ter und selbständi­ge Or­ches­ter Dienst­stel­len im Sin­ne des HPVG sind. Die­se ge­setz­li­che Fik­ti­on dient vor al­lem der Klar­stel­lung (Burk­holz in v.Ro­et­te­ken/Rothländer HBR Stand De­zem­ber 2010 § 103 HPVG Rn. 7). Zu den Fol­gen der Auflösung ei­ner Dienst­stel­le durch ih­re Pri­va­ti­sie­rung verhält sich § 103 HPVG nicht. Durch ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung wie­der­um kann der ge­setz­li­che An­wen­dungs­be­reich des Per­so­nal­ver­tre­tungs­rechts nicht wirk­sam verändert wer­den.


cc) Ein ge­setz­lich vor­ge­se­he­nes Über­g­angs­man­dat des Per­so­nal­rats, wie es zB für die Um­wand­lung ei­nes Uni­ver­sitätskli­ni­kums in § 98 Abs. 6 HPVG ge­re­gelt ist, be­stand im Streit­fall nicht. Wenn der Per­so­nal­rat zur Sch­ließung die­ser mögli­chen Schutzlücke (vgl. da­zu Fit­ting 25. Aufl. § 130 Rn. 15) ein
 


- 22 -

Über­g­angs­man­dat für die bei der Be­klag­ten beschäftig­ten Mit­ar­bei­ter wahr­nahm (vgl. Hes­si­sches LAG 19. Fe­bru­ar 2009 - 9 TaBV 202/08 -), dau­er­te die­ses al­len­falls bis zur Wahl des Be­triebs­rats, längs­tens sechs Mo­na­te (vgl. Fit­ting aaO Rn. 17). Zu­dem gilt ein Per­so­nal­rat, der in Pri­va­ti­sie­rungsfällen ein Über­g­angs­man­dat wahr­nimmt, als Be­triebs­rat und hat Rech­te und Pflich­ten aus dem Be­triebs­ver­fas­sungs-, nicht dem Per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz (vgl. Fit­ting aaO Rn. 18 f.).


3. Für die Anhörung zur außer­or­dent­li­chen Kündi­gung des Klägers war nicht ein bei der Be­klag­ten er­rich­te­ter Ge­samt­per­so­nal­rat zuständig. Bei in­di­vi­du­el­len Maßnah­men ist der Ge­samt­per­so­nal­rat, un­abhängig von der Ent­schei­dungs­be­fug­nis des Dienst­stel­len­lei­ters, gem. § 83 Abs. 4 iVm. Abs. 1 und Abs. 2 HPVG un­zuständig (Hoh­mann in v.Ro­et­te­ken/Rothländer HBR Stand De­zem­ber 2010 § 83 HPVG Rn. 96). Bei der Anhörung zu ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung nach § 78 Abs. 2 HPVG gibt es zu­dem kein Stu­fen­ver­fah­ren, so dass ei­ne Be­tei­li­gung des Ge­samt­per­so­nal­rats nach § 52 Abs. 2 HPVG eben­falls nicht in Be­tracht kommt.


IV. Als un­ter­le­ge­ne Par­tei hat der Kläger gemäß § 91 Abs. 1 ZPO die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen.

Kreft 

Schmitz-Scho­le­mann 

Ra­chor

Be­cker­le 

B. Schipp

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 2 AZR 825/09  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880