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Kün­di­gung we­gen Be­lei­di­gung nicht oh­ne Ab­mah­nung

Ei­ne or­dent­li­che ver­hal­tens­be­ding­te Kün­di­gung we­gen ei­ner Be­lei­dung ("Ja­wohl mein Füh­rer") setzt ei­ne vor­he­ri­ge Ab­mah­nung we­gen ei­nes ähn­li­chen Pflicht­ver­sto­ßes vor­aus: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 20.01.2011, 11 Sa 353/10

10.08.2011. Ge­nießt ein Ar­beit­neh­mer Kün­di­gungs­schutz, braucht der Ar­beit­ge­ber für ei­ne or­dent­li­che Kün­di­gung ei­nen Grund im Sin­ne von § 1 Kün­di­gungs­schutz­ge­setz (KSchG).

Das kann z.B. ein Pflicht­ver­stoß sein, der zu ei­ner ver­hal­tens­be­ding­ten Kün­di­gung be­rech­tigt.

Ei­ne sol­che Kün­di­gung ist in al­ler Re­gel nur rech­tens, wenn der Ar­beit­neh­mer schon ein­mal we­gen ei­nes ähn­li­chen Pflicht­ver­sto­ßes ab­ge­mahnt wur­de, d.h. der Kün­di­gungs­an­lass muss ei­nen Wie­der­ho­lungs­fall dar­stel­len.

Zwar kann bei ei­nem ex­trem schwe­ren Fehl­ver­hal­ten ei­ne Ab­mah­nung ent­behr­lich sein, doch ist dann meist ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung die rich­ti­ge Re­ak­ti­on. Ist sie "ge­ra­de so eben" nicht mehr ver­hält­nis­mä­ßig und da­mit un­wirk­sam, füh­len sich vie­le Ar­beit­ge­ber da­zu be­rech­tigt, dann "zu­min­dest" ei­ne or­dent­li­che ver­hal­tens­be­ding­te Kün­di­gung aus­zu­spre­chen, und zwar auch oh­ne vor­he­ri­ge ein­schlä­gi­ge Ab­mah­nung. Da­mit lie­gen sie aber meist falsch, wie ein Fall des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Rhein­land-Pfalz zeigt (Ur­teil vom 20.01.2011, 11 Sa 353/10).

Ein Be­reichs­lei­ter ei­nes Le­bens­mit­tel-Dis­coun­ters hat­te die An­wei­sung ei­nes Vor­ge­setz­ten mit den Wor­ten „Ja­wohl, mein Füh­rer“ kom­men­tiert, sich da­für aber spä­ter ent­schul­digt. We­gen die­ser Be­lei­di­gung er­hielt er ei­ne au­ßer­or­dent­li­che Kün­di­gung und klag­te ge­gen sie mit Er­folg. Dar­auf­hin setz­te es ei­ne or­dent­li­che ver­hal­tens­be­ding­te Kün­di­gung. Auch sie war un­wirk­sam, weil ei­ne vor­he­ri­ge ein­schlä­gi­ge Ab­mah­nung fehl­te, so das Ar­beits­ge­richt Ko­blenz (Ur­teil vom 08.06.2010, 12 Ca 137/10) und das LAG.

Fa­zit: Hier lag ei­ne Be­lei­di­gung vor, die an sich zu ei­ner or­dent­li­chen ver­hal­tens­be­ding­ten Kün­di­gung be­rech­ti­gen wür­de. Aber vor al­lem we­gen der Ent­schul­di­gung mein­te das LAG, dass der Ar­beit­neh­mer im Fal­le ei­ner Ab­mah­nung ver­mut­lich sein Ver­hal­ten än­dern wür­de, so dass der Ar­beit­ge­ber ei­ne Ab­mahnng statt ei­ner Kün­di­gung hät­te aus­spre­chen müs­sen. Ar­beit­neh­mern ist zu ra­ten, sich für schlüpf­ri­ge oder ge­schmack­lo­se Be­mer­kun­gen so­fort zu ent­schul­di­gen, wenn die­se als Be­lei­di­gung be­wer­tet wer­den.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 15. Februar 2017

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