Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: HIV-Infektion, Kündigung: Wartezeit, Wartezeitkündigung, Probezeit, Probezeitkündigung, Diskriminierung
   
Gericht: Arbeitsgericht Berlin
Akten­zeichen: 17 Ca 1102/11
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 21.07.2011
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen:
   

Ar­beits­ge­richt Ber­lin
Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben)
17 Ca 1102/11

Verkündet

am 21.07.2011

 

H.
als Ur­kunds­be­am­ter/in
der Geschäfts­stel­le
 


Im Na­men des Vol­kes

An­er­kennt­nis- und Schlus­s­ur­teil


In Sa­chen

pp


hat das Ar­beits­ge­richt Ber­lin, 17. Kam­mer, auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 21.07.2011
durch die Rich­te­rin am Ar­beits­ge­richt P. als Vor­sit­zen­de
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herr S. und Frau van A.
für Recht er­kannt:


I. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, dem Kläger ein qua­li­fi­zier­tes End­zeug­nis un­ter dem Be­en­di­gungs­da­tum 24.01.2011 zu er­tei­len.


II. Im Übri­gen wird die Kla­ge ab­ge­wie­sen.


III. Von den Kos­ten des Rechts­streits ha­ben der Kläger 4/5 und die Be­klag­te 1/5 zu tra­gen.


IV. Der Wert des Streit­ge­gen­stan­des wird auf EUR 11.220,-- fest­ge­setzt.

 

 

 

2

Tat­be­stand

Der am …….1987 ge­bo­re­ne Kläger war bei der Be­klag­ten, ei­nem Arz­nei­mit­tel­her­stel­ler, ab dem 06.12.2010 auf der Grund­la­ge des bis zum 05.12.2011 be­fris­te­ten An­stel­lungs­ver­tra­ges vom 01.12.2010 als che­misch-tech­ni­scher As­sis­tent ge­gen ei­ne mo­nat­li­che Vergütung von 2.200,00 EUR brut­to beschäftigt. In Ziff. 2 des An­stel­lungs­ver­tra­ges war ei­ne Pro­be­zeit von sechs Mo­na­ten ver­ein­bart (vgl. im Ein­zel­nen den An­stel­lungs­ver­trag Bl. 11 – 14 d. A.). Hin­sicht­lich der Tätig­kei­ten des Klägers im Ein­zel­nen wird auf die eben­falls am 01.12.2010 von den Par­tei­en un­ter­zeich­ne­te Stel­len­be­schrei­bung Be­zug ge­nom­men (vgl. Ko­pie Bl. 44 d. A.).

Nach der Ar­beits­auf­nah­me wur­de der Kläger, wie an­de­re Mit­ar­bei­ter auch, die im La­bor/Rein­raum­be­reich tätig sind, mit sei­nem Ein­verständ­nis vom Be­triebs­rat Dr. C. der Be­klag­ten am 08.12.2010 un­ter­sucht. Der Kläger ist HIV-in­fi­ziert und teil­te dies dem Be­triebs­arzt bei der Un­ter­su­chung am 08.12.2010 mit. In sei­ner dar­auf­hin am 14.12.2010 ge­fer­tig­ten schrift­li­chen Be­ur­tei­lung äußer­te der Be­triebs­arzt, dass er „Be­den­ken“ ge­gen ei­ne Ar­beit des Klägers im GMP-/Rein­raum­be­reich „ent­spre­chend der Be­auf­tra­gung vom 01.04.2010“ ha­be. Als Be­mer­kung zu evtl. Be­den­ken fügte Dr. C. an, dass die „Möglich­keit der ge­mein­sa­men Be­ra­tung zur Ein­satzmöglich­keit des Mit­ar­bei­ters, un­ter Ein­be­zie­hung des Mit­ar­bei­ters, des Be­triebs­arz­tes und der/des Ver­ant­wort­li­chen des Ein­satz­be­rei­ches“ be­ste­he (vgl. im Ein­zel­nen die Be­ur­tei­lung Bl. 16 d. A.). Hin­sicht­lich des In­halts der am 01.04.2010 sei­tens der Be­klag­ten er­folg­ten „Be­auf­tra­gung zur Durchführung von GMP-Un­ter­su­chun­gen“ (GMP = Good Ma­nu­fac­tu­ring Prac­tice, deutsch: Gu­te Her­stel­lungs­pra­xis) an Dr. C. als Be­triebs­arzt wird auf Bl. 46, 47 d. A. Be­zug ge­nom­men. In die­sem Schrei­ben teilt die Be­klag­te Dr. C. mit, dass bei ei­ner „GMP-Un­ter­su­chung“ u. a. Un­ter­su­chun­gen auf HIV durch­zuführen sind und dass Aus­schluss­kri­te­ri­en für Tätig­kei­ten im GMP-Be­reich chro­ni­sche Haut­er­kran­kun­gen im Be­reich der Ar­me, Un­ter­ar­me, Hände und Ge­sicht, chro­nisch ver­lau­fen­de He­pa­ti­tis B oder C und HIV sind.

Am 04.01.2011 fand ein Gespräch statt, an dem ne­ben dem Kläger der Be­triebs­arzt Dr. C., der Geschäftsführer Dr. H. so­wie die Per­so­nal­lei­te­rin Frau F. teil­nah­men. Grund des Gesprächs war das Er­geb­nis der be­triebsärzt­li­chen Un­ter­su­chung vom 08.12.2010. Dr. C. be­rich­te­te nach der Erläute­rung der Be­deu­tung der ärzt­li­chen Schwei­ge­pflicht von der HIV-In­fek­ti­on des Klägers. Dr. C. be­gründe­te sei­ne in dem me­di­zi­ni­schen Be­ur­tei­lungs­bo­gen

3

ver­merk­ten Be­den­ken mit die­ser In­fek­ti­on. Zwi­schen den Par­tei­en ist strei­tig, ob Dr. C. - wie vom Kläger be­haup­tet – wei­ter aus­geführt hat, dass er sel­ber kei­ne Be­den­ken an der Wei­ter­beschäfti­gung ha­be, da auf­grund der Über­tra­gungs­we­ge des Vi­rus ei­ne Über­tra­gung des­sen na­he­zu aus­ge­schlos­sen sei.
An die­sem Tag kündig­te die Be­klag­te mit ei­nem als „Kündi­gung während der Pro­be­zeit“ über­schrie­be­nen Schrei­ben mit Da­tum vom 04.01.2011 das Ar­beits­verhält­nis frist­gemäß zum 24.01.2011.

Mit der vor­lie­gen­den, bei Ge­richt am 21.01.2011 ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge wen­det sich der Kläger ge­gen die­se Kündi­gung, be­gehrt die Fest­stel­lung des Fort­be­ste­hens des Ar­beits­verhält­nis­ses zu un­veränder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen, die Zah­lung ei­ner an­ge­mes­se­nen Entschädi­gung in Höhe von drei Mo­nats­gehältern, und hat zunächst die Er­tei­lung ei­nes qua­li­fi­zier­ten Zwi­schen­zeug­nis­ses, hilfs­wei­se für den Fall der Ab­wei­sung der Fest­stel­lungs­anträge, die Er­tei­lung ei­nes qua­li­fi­zier­ten End­zeug­nis­ses ver­langt.

Der Kläger ist der An­sicht, die Be­klag­te als Ar­beit­ge­ber ha­be ihn als sym­ptom­lo­sen HIV-in­fi­zier­ten Ar­beit­neh­mer auch während der Pro­be­zeit nicht auf­grund der In­fek­ti­on wirk­sam kündi­gen können. Das Ver­hal­ten der Be­klag­ten ver­s­toße ge­gen die gu­ten Sit­ten, da ei­ne Kündi­gung auf­grund ei­ner Krank­heit, die nicht die Tätig­keit des An­ge­stell­ten be­ein­flus­sen könne, dem An­stands­gefühl al­ler bil­lig und ge­recht Den­ken­den wi­der­spre­che. Auch auf­grund des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes (AGG) sei der Dis­kri­mi­nie­rung von Be­wer­bern beim Zu­gang zu un­selbständi­ger und selbständi­ger Er­werbstätig­keit, un­abhängig von Tätig­keits­feld und be­ruf­li­cher Po­si­ti­on ein­sch­ließlich des be­ruf­li­chen Auf­stiegs ver­bo­ten. Das Ver­hal­ten der Be­klag­ten ver­s­toße da­her ge­gen ein ge­setz­li­ches Ver­bot. Im Übri­gen könne in der Arz­nei­mit­tel­her­stel­lung ei­ne HIV-In­fek­ti­on kein Aus­schluss­kri­te­ri­um für Tätig­kei­ten im GMP-Be­reich sein. Aus­schluss­kri­te­ri­um mag ei­ne an­ste­cken­de Krank­heit sein, da da­mit die Ver­un­rei­ni­gung der Präpa­ra­te ver­mie­den wer­de. Nach dem In­fek­ti­ons­schutz­ge­setz sei das HI-Vi­rus zwar ein Krank­heits­er­re­ger, hier­aus könne nicht zwangsläufig auf ei­ne an­ste­cken­de Krank­heit ge­schlos­sen wer­den. Der HI-Vi­rus gehöre zu den schwer über­trag­ba­ren Krank­heits­er­re­gern; außer­halb des men­sch­li­chen Körpers sei er nicht über­le­bensfähig, so dass selbst bei ei­ner Ver­let­zung ei­nes HIV-In­fi­zier­ten kei­ne In­fek­ti­ons­ge­fahr für Drit­te ste­he. Die Kündi­gung des Klägers auf­grund sei­ner HIV-In­fek­ti­on nicht ein­mal ei­nen Mo­nat nach des­sen Ar­beits­be­ginn sei ent­spre­chend der Ab­leh­nung ei­nes Be­wer­bers auf­grund sei­ner Be­hin­de­rung zu wer­ten.

4

Die HIV-In­fek­ti­on stel­le auf­grund ih­res Hin­der­nis­ses für die Teil­ha­be des Be­tref­fen­den am Be­rufs­le­ben ei­ne Be­hin­de­rung i. S. d. AGG dar. Der Kläger ha­be ent­spre­chend § 15 AGG ei­nen An­spruch auf Entschädi­gung in Höhe von drei Mo­nats­gehältern.

Der Kläger be­an­tragt,

1. fest­zu­stel­len dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen dem Kläger
und der Be­klag­ten durch die Kündi­gung vom 04. Ja­nu­ar 2011
nicht auf­gelöst wor­den ist;

2. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis auch nicht durch
an­de­re Be­en­di­gungs­tat­bestände en­det, son­dern zu
un­veränder­ten Be­din­gun­gen fort­be­steht;

3. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, dem Kläger ei­ne an­ge­mes­se­ne
Entschädi­gung in Höhe von drei Mo­nats­gehältern zu zah­len;

4. die Be­kla­ge zu ver­ur­tei­len, dem Kläger ein qua­li­fi­zier­tes
End­zeug­nis un­ter dem Be­en­di­gungs­da­tum 24.01.2011 zu
er­tei­len.
 

Die Be­klag­te er­kennt den Zeug­nis­an­spruch an und be­an­tragt im Übri­gen,
die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te be­strei­tet, dass Herr Dr. C. in dem Gespräch am 04.01.2011 ge­sagt ha­be, dass er sel­ber kei­ne Be­den­ken ge­gen ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung des Klägers ha­be. Dr. C. ha­be dem Kläger viel­mehr in dem Gespräch erläutert, dass die For­mu­lie­rung „Be­den­ken“ in der Be­ur­tei­lung so zu ver­ste­hen sei, dass ei­ne Tätig­keit im „GMP/Rein­raum­be­reich“ aus­ge­schlos­sen sei. Nach­dem Dr. C. die HIV-In­fek­ti­on mit­ge­teilt ha­be, ha­be der Geschäftsführer Dr. H. dar­auf erklärt, dass ei­ne HIV-In­fek­ti­on zur Kündi­gung zwin­ge. Dem ha­be Dr. C. nicht wi­der­spro­chen. Die Kündi­gung sei auch nicht et­wa be­reits vor dem Gespräch er­stellt wor­den. Viel­mehr ha­be Frau G. das Gespräch zwi­schen­durch ver­las­sen, um die Kündi­gung aus­zu­fer­ti­gen. Frau G. ha­be der den Schrift­satz un­ter­zeich­nen­den Rechts­anwältin auch von der Si­tua­ti­on be­rich­tet und erklärt, dass sie nun die Kündi­gung aus­fer­ti­gen wer­de.

Die Vor­ga­ben an den Be­triebs­arzt mit dem Schrei­ben vom 01.04.2010 sei­en in Zu­sam­men­ar­beit mit die­sem selbst un­ter an­de­rem auf der Grund­la­ge ei­ner Be­sich­ti­gung der Ar­beits­be­rei­che der Be­klag­ten er­ar­bei­tet wor­den. Bei der Be­auf­tra­gung des Be­triebs­arz­tes mit Schrei­ben vom 01.04.2010 mit den GMP-Un­ter­su­chun­gen stütze sich

5

die Be­klag­te auf ihr in­ter­nes Re­gel­werk zur Ge­sund­heitsüber­wa­chung we­gen Mit­ar­bei­ter­schutz und Pro­dukt­schutz ge­nannt „SOP“ = Stan­dard Ope­ra­ting Pro­ce­du­re“ (Stan­dard-Ar­beits­an­wei­sung, vgl. die An­la­ge B 4 Bl. 48 bis 62 d. A.). Die SOP ver­wei­se auf Sei­te 5 un­ter Ziff. 5 auf den EG GMP-Leit­fa­den und stel­le klar, dass er als Be­stand­teil der SOP gel­te. Die­ser GMP-Leit­fa­den sei der „Leit­fa­den der gu­ten Her­stel­lungs­pra­xis“, die An­la­ge 2 zur Be­kannt­ma­chung des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Ge­sund­heit zu § 2 Nr. 3 der Arz­nei­mit­tel- und Werk­stoff­her­stel­lungs­ver­ord­nung v. 27.10.2006. Im Ka­pi­tel 2 „Per­so­nal“ des GMP-Leit­fa­dens heiße es un­ter Ka­pi­tel „Per­so­nal­hy­gie­ne“ zu Ziff. 2.15, dass Vor­keh­run­gen ge­trof­fen wer­den soll­ten, die, so­weit prak­tisch möglich, si­cher­stel­len, dass in der Arz­nei­mit­tel­her­stel­lung nie­mand beschäftigt wer­de, der an ei­ner an­ste­cken­den Krank­heit lei­de oder of­fe­ne Ver­let­zun­gen an un­be­deck­ten Körper­tei­len auf­wei­se. Das In­fek­ti­ons­schutz­ge­setz, des­sen §§ 6, 7 und 34 eben­falls Be­stand­teil der SOP sei­en (An­la­ge 6), de­fi­nie­re in § 7 Abs. 3 In­fek­ti­ons­schutz­ge­setz „HIV und AIDS“ als Krank­heits­er­re­ger. Auf das Sta­di­um der In­fek­ti­on bzw. Krank­heit kom­me es da­mit nicht an. Die Arz­nei­mit­tel- und Werk­stoff­her­stel­lungs­ver­ord­nung (AMW­HV) stel­le die Um­set­zung der Richt­li­nie 2003/94/EG ins deut­sche Recht dar. Der ge­sam­te GMP-Leit­fa­den, der da­her auch EG GMP-Leit­fa­den ge­nannt wer­de, sei gel­ten­der Be­stand­teil der in­ter­nen Re­geln der Be­klag­ten. Da­bei sei die Um­set­zung des GMP-Leit­fa­dens durch den phar­ma­zeu­ti­schen Un­ter­neh­mer durch die Fest­le­gung ei­ge­ner Kri­te­ri­en in die­sem Be­reich die ein­zig mögli­che Vor­ge­hens­wei­se. Ei­ne sol­che Fest­le­gung durch die zuständi­ge Behörde selbst sei nicht zu er­rei­chen. Der phar­ma­zeu­ti­sche Un­ter­neh­mer tra­ge auch die al­lei­ni­ge Ver­ant­wor­tung für sein Han­deln. Die zuständi­ge Behörde über­wa­che dies nach § 64 AMG.

Die Be­klag­te se­he zu ih­rer Ent­schei­dung kei­ne Al­ter­na­ti­ve. Die Ver­un­rei­ni­gung der von ihr her­ge­stell­ten Arz­nei­mit­tel mit Krank­heits­er­re­gern könne sie nicht ver­ant­wor­ten. Die Be­klag­te pro­du­zie­re ra­dio­ak­ti­ve Me­di­ka­men­te für Krebs­pa­ti­en­ten, die nach der Her­stel­lung nur 10 St­un­den wirk­sam sei­en. Der Schutz der Pa­ti­en­ten vor ei­ner Ver­un­rei­ni­gung fin­de aus­sch­ließlich im präven­ti­ven Be­reich statt. Die Fer­ti­gung fin­de in der höchs­ten Stu­fe an präven­ti­ven Maßnah­men statt, die in der Me­di­ka­men­ten­her­stel­lung be­ste­he, in der sog. asep­ti­schen Her­stel­lung. Dem Kläger sei­en im Rah­men ei­ner Schu­lung am 10.12.2010 im Übri­gen die in­ter­nen SOP-Re­geln über­ge­ben wor­den. Die Kündi­gung sei vor die­sem Hin­ter­grund frei von Willkür er­folgt. Ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung lie­ge nicht vor, da der Kläger kei­ne wahr­nehm­ba­ren funk­tio­nel­len Ein­schränkun­gen auf­wei­se.

6


Hin­sicht­lich der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten wird auf die zwi­schen den Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen Be­zug ge­nom­men.

Ent­schei­dungs­gründe

Hin­sicht­lich des Fort­be­ste­hens­an­tra­ges ist die Kla­ge be­reits un­zulässig. Der Kläger hat nicht das für ei­nen Fest­stel­lungs­an­trag er­for­der­li­che be­son­de­re Fest­stel­lungs­in­ter­es­se, § 256 Abs. 1 ZPO, da nicht er­sicht­lich ist, dass an­de­re Be­en­di­gungs­tat­bestände vor­lie­gen könn­ten als die mit dem ge­son­der­ten Fest­stel­lungs­an­trag an­ge­grif­fe­ne Kündi­gung vom 04.01.2011.

Die wei­ter­ge­hen­de Kla­ge ist zulässig, aber nur hin­sicht­lich des be­gehr­ten Zeug­nis­an­spru­ches be­gründet. Zur Er­tei­lung des qua­li­fi­zier­ten End­zeug­nis­ses mit dem Be­en­di­gungs­da­tum 24.01.01.2011 war die Be­klag­te durch Teil­ur­teil be­reits auf­grund des er­teil­ten An­er­kennt­nis­ses, § 307 ZPO, zu ver­ur­tei­len.

Hin­sicht­lich der wei­ter­ge­hen­den Ansprüche ist die Kla­ge durch Schlus­s­ur­teil als un­be­gründet ab­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te hat das Ar­beits­verhält­nis des Klägers durch die Kündi­gung vom 04.01.2011 mit der während der Pro­be­zeit gel­ten­den Kündi­gungs­frist von zwei Wo­chen zum 24.01.2011 auf­gelöst.

Die Kündi­gung ist nicht rechts­un­wirk­sam.

Die Kündi­gung kann nicht nach § 1 Abs. 1 KSchG we­gen feh­len­der so­zia­ler Recht­fer­ti­gung rechts­un­wirk­sam sein, da sie vor Ab­lauf der in § 1 Abs. 1 KSchG ge­re­gel­ten War­te­zeit von sechs Wo­chen aus­ge­spro­chen wor­den ist.

Die Kündi­gung ist nicht we­gen Ver­s­toßes ge­gen ein ge­setz­li­ches Ver­bot nach § 7 Abs. 1 AGG i. V. m. § 134 BGB nich­tig. § 7 Abs. 1 AGG i. V. m. § 1 AGG re­gelt ein Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot. Gem. § 7 Abs. 1 Halb­satz 1 AGG dürfen Beschäftig­te nicht we­gen ei­nes der in § 1 AGG ge­nann­ten Merk­ma­le be­nach­tei­ligt wer­den. § 2 AGG legt den An­wen­dungs­be­reich des AGG fest. In Be­zug auf den vor­lie­gend streit­ge­genständ­li­chen

7

Fall ei­ner Kündi­gung re­gelt § 2 Abs. 4 AGG, dass für Kündi­gun­gen aus­sch­ließlich die Be­stim­mun­gen zum all­ge­mei­nen und be­son­de­ren Kündi­gungs­schutz gel­ten. Soll­te mit die­ser Be­stim­mung die An­wend­bar­keit des AGG auf den Aus­spruch von Kündi­gun­gen aus­ge­schlos­sen sein, könn­te die Be­stim­mung we­gen Eu­ro­pa­rechts­wid­rig­keit un­an­wend­bar sein. Letzt­lich kann dies aber da­hin­ste­hen, denn die Kam­mer kann nicht an­neh­men, dass der Kläger durch die Kündi­gung we­gen ei­nes der in § 1 AGG ge­nann­ten Merk­ma­le be­nach­tei­ligt wor­den ist. Der Kläger be­ruft sich auf das Merk­mal der Be­hin­de­rung.

Nach der Ge­set­zes­be­gründung ent­spricht der Be­griff der Be­hin­de­rung des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes den so­zi­al­recht­lich ent­wi­ckel­ten ge­setz­li­chen De­fi­ni­tio­nen in § 2 Abs. 1 Satz 1 SGB IX und § 3 BGG. Da­nach sind Men­schen be­hin­dert, wenn ih­re körper­li­che Funk­ti­on, geis­ti­ge Fähig­keit oder see­li­sche Ge­sund­heit mit ho­her Wahr­schein­lich­keit länger als sechs Mo­na­te von dem für das Le­bens­al­ter ty­pi­schen Zu­stand ab­wei­chen und da­her ih­re Teil­ha­be am Le­ben in der Ge­sell­schaft be­ein­träch­tigt ist (vgl. BAG 28.04.2011 – 8 AZR 515/10 demnächst EzA § 22 AGG Nr. 4). Ei­ne Be­hin­de­rung setzt da­nach nicht nur ei­ne bio­lo­gi­sche oder psy­chi­sche Ab­wei­chung von ei­nem ge­sun­den Men­schen vor­aus. Ent­schei­dend hin­zu­kom­men muss, dass die da­mit ein­her­ge­hen­de funk­tio­nel­le Ein­schränkung die Teil­ha­be am Le­ben be­ein­träch­tigt (vgl. Schleu­se­ner-Suckow-Voigt AGG Kom­men­tar zum All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­setz § 1 Rd­nr. 63, 2. Aufl.).
Die­se Vor­aus­set­zung ist vor­lie­gend nicht ge­ge­ben. Der Kläger selbst gibt an, dass er sym­ptom­los HIV-in­fi­ziert ist. Vor die­sem Hin­ter­grund ist nicht er­sicht­lich, dass sei­ne Er­kran­kung ein Hin­der­nis für die Teil­ha­be am ge­sell­schaft­li­chen Le­ben oder auch am Be­rufs­le­ben bil­det. Der im Kam­mer­ter­min sei­tens des Kläger­ver­tre­ters geäußer­te Ge­sichts­punkt, der Kläger ha­be fort­ge­setzt Me­di­ka­men­te ein­zu­neh­men und ei­ne HIV-In­fek­ti­on führe re­gelmäßig zu ei­ner An­er­ken­nung als Schwer­be­hin­der­ter mit ei­nem Grad von 10 %, ändert an dem Er­geb­nis nichts. Ei­ne fort­ge­setz­te Me­di­ka­men­ten­ein­nah­me führt für sich ge­nom­men zu kei­ner funk­tio­nel­len Ein­schränkung, die die Teil­ha­be am Le­ben be­ein­träch­ti­gen kann, im Ge­gen­teil kann sie da­zu führen, das HI-Vi­ren nicht mehr nach­weis­bar sein können. Ein nur 10-pro­zen­ti­ger Grad der Schwer­be­hin­de­rung im Sin­ne der Re­ge­lun­gen im Schwer­be­hin­der­ten­ge­setz hat kei­ne Aus­sa­ge­kraft bezüglich ei­ner be­ste­hen­den Be­ein­träch­ti­gung an der ge­sell­schaft­li­chen Teil­ha­be. Da­bei liegt ei­ne Be­hin­de­rung i. S. des Ge­set­zes nur dann vor, wenn das Dis­kri­mi­nie­rungs­merk­mal schon vor der Dis­kri­mi­nie­rung vor­ge­le­gen hat. Ei­ne Be­hin­de­rung i. S. der Be­ein­träch­ti­gung an der

8

ge­sell­schaft­li­chen Teil­ha­be liegt nicht vor, wenn die Be­ein­träch­ti­gung erst durch das Ver­hal­ten des Ar­beit­ge­bers her­vor­ge­ru­fen wird. Denn an­dern­falls läge bei je­der durch das Ver­hal­ten des Ar­beit­ge­bers her­vor­ge­ru­fe­nen Be­ein­träch­ti­gung ei­ne Be­hin­de­rung vor. Der Ge­set­zes­zweck lie­fe in die­sem Fall gänz­lich ins Lee­re.

Die Kündi­gung verstößt nicht ge­gen das Willkürver­bot nach § 242 BGB.

Der Grund­satz von Treu und Glau­ben in § 242 BGB bil­det ei­ne al­len Rech­ten, Rechts­la­gen und Rechts­nor­men im­ma­nen­te In­halts­be­gren­zung. Ei­ne ge­gen die­sen Grund­satz ver­s­toßen­de Rechts­ausübung ist als un­zulässig an­zu­se­hen. Bei Kündi­gun­gen ist die Vor­schrift des § 242 BGB ne­ben § 1 KSchG aber nur in be­schränk­tem Um­fang an­wend­bar. Das Kündi­gungs­schutz­ge­setz hat die Vor­aus­set­zun­gen und Wer­tun­gen des Grund­sat­zes von Treu und Glau­ben kon­kre­ti­siert und ab­sch­ließend ge­re­gelt, so­weit es um den Be­stand­schutz und das In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers an der Er­hal­tung sei­nes Ar­beits­plat­zes geht. Ei­ne Kündi­gung verstößt nur dann ge­gen § 242 BGB, wenn sie Treu und Glau­ben aus Gründen ver­letzt, die von § 1 KSchG nicht er­fasst sind (vgl. BAG 25.04.2001 – 5 AZR 360/99). Der durch die zi­vil­recht­li­chen Ge­ne­ral­klau­seln der §§ 138 und 242 BGB ver­mit­tel­te grund­recht­li­che Schutz ist um­so schwächer, je stärker die mit der klei­nen Be­triebs­klau­sel geschütz­ten Grund­recht­po­si­tio­nen des Ar­beit­ge­bers im Ein­zel­fall be­trof­fen sind. Es geht vor al­lem dar­um, Ar­beit­neh­mer vor willkürli­chen oder auf sach­frem­den Mo­ti­ven be­ru­hen­den Kündi­gun­gen zu schützen, z. B. vor Dis­kri­mi­nie­run­gen i. S. v. Ar­ti­kel 3 Abs. 3 GG (BVerfG 27.01.1998 – 1 Bvl 15/97 – BverfGE 97, 169), wo­bei der Ar­beit­neh­mer, an­ders als im Rah­men des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes in § 1 Abs. 2 Satz 4 KSchG ge­re­gelt, dar­zu­le­gen und zu be­wei­sen hat, dass die Kündi­gung nach § 242 BGB treu­wid­rig ist (BVerfG 27.01.1998 a.a.O.).

Vor­lie­gend hat die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis in den ers­ten sechs Mo­na­ten der Beschäfti­gung - in der Pro­be­zeit - un­strei­tig we­gen der HIV-In­fek­ti­on gekündigt. Der Willkürvor­wurf schei­det aber dann aus, wenn ein ir­gend­wie ge­ar­te­ter ein­leuch­ten­der Grund für die Rechts­ausübung vor­liegt (vgl. da­zu BAG – 5 AZR 360/99 vom 25.04.2001, NZA 2002, 87, LAG Ber­lin vom 28.05.2002, 3 Sa 442/02).

Die in die­sem Zu­sam­men­hang von der Be­klag­ten vor­ge­tra­ge­nen Gründe für den Aus­spruch der Kündi­gung las­sen kei­ne sach­frem­den Mo­ti­ve er­ken­nen. Die Be­klag­te hat dar­ge­tan, das sie als Me­di­ka­men­ten­her­stel­ler nach den gel­ten­den recht­li­chen Be­stim­mun­gen (GMP-Leit­fa­den als An­la­ge 2 zur Be­kannt­ma­chung des Mi­nis­te­ri­ums für Ge­sund­heit) Vor­keh­run­gen zu tref­fen hat, die si­cher­stel­len, dass in der Arz­nei­mit­tel­her­stel­lung nie­mand beschäftigt wird, der an ei­ner an­ste­cken­den Krank­heit lei­det oder of­fe­ne Ver­let­zun­gen an un­be­deck­ten Körper­stel­len auf­weist Die Be­klag­te hat wei­ter

9

dar­ge­tan, dass sie auf der Grund­la­ge des GMP-Leit­fa­dens in Zu­sam­men­ar­beit mit dem Be­triebs­arzt Dr. C. ihr in­ter­nes Re­gel­werk zur Ge­sund­heitsüber­wa­chung (SOP-Re­geln) ein­sch­ließlich der dort vor­ge­ge­be­nen For­mu­la­re er­stellt hat­te, das vor­sah, dass u. a. ei­ne HIV-In­fek­ti­on den Ein­satz ei­nes Mit­ar­bei­ters im Rein­raum­be­reich aus­sch­ließt. Dies zeigt, dass die Be­klag­te bei Aus­spruch der Kündi­gung nicht willkürlich ge­ra­de in Be­zug auf den Kläger ge­han­delt hat, son­dern kei­ne an­de­re Al­ter­na­ti­ve zur Um­set­zung des Re­gel­werks ge­se­hen hat, als die, die Kündi­gung aus­zu­spre­chen. Die Um­set­zung der SOP-Re­geln durch Aus­spruch der Kündi­gung wird auch nicht da­durch willkürlich, dass die SOP-Re­geln in der HIV-In­fek­ti­on ei­nen Aus­schluss­grund für den Ein­satz ei­nes Mit­ar­bei­ters im Rein­raum­be­reich se­hen, ob­wohl die HIV-In­fek­ti­on kei­ne an­ste­cken­de Krank­heit i. S. des Ka­pi­tels 2 Ziff. 2.15 des GMP-Leit­fa­dens ist, son­dern „nur“ ein Krank­heits­er­re­ger in § 7 Abs. 3 des In­fek­ti­ons­schutz­ge­set­zes. Die Be­klag­te hat in die­sem Zu­sam­men­hang als nach­voll­zieh­ba­res Mo­tiv für ihr Han­deln an­ge­ge­ben, dass sie die al­ler­letz­te Si­cher­heit ha­ben woll­te, dass jeg­li­ches Rest­ri­si­ko in Be­zug auf ei­ne Über­tra­gung des HI-Vi­rus aus­ge­schlos­sen wird. Es ist of­fen­sicht­lich, dass ein Irr­tum in die­sem Be­reich Men­schen gefähr­den würde und auch für das Un­ter­neh­men exis­tenz­be­dro­hend bis ver­nich­tend wäre. Des­halb ist es im Er­geb­nis auch un­er­heb­lich, ob Dr. C. – wie vom Kläger be­haup­tet – in dem Gespräch am 04.01.2011 geäußert hat, dass auf­grund der Über­ra­gungs­we­ge des Vi­rus ei­ne Über­tra­gung des­sen „na­he­zu“ aus­ge­schlos­sen sei. Für an­de­re Mo­ti­ve als die ge­nann­ten ist der Kläger als Ar­beit­neh­mer be­weis­pflich­tig. Für ei­nen sol­chen Be­weis ist der Kläger be­weisfällig ge­blie­ben.

Der gel­tend ge­mach­te Entschädi­gungs­an­spruch ist nicht be­gründet.

Die Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen für den gel­tend ge­mach­ten Entschädi­gungs­an­spruch nach § 15 Abs. 2 AGG sind nicht erfüllt. Nach § 15 Abs. 2 Satz 1 AGG kann der Beschäftig­te we­gen ei­nes Scha­dens, der nicht Vermögens­scha­den ist, ei­ne an­ge­mes­se­ne Entschädi­gung ver­lan­gen. Auch der Entschädi­gungs­an­spruch setzt ei­nen Ver­s­toß ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot gem. § 7 Abs. 1 i. V. m. § 1 AGG vor­aus.

10

Auch hier muss das Merk­mal der Be­hin­de­rung vor­lie­gen. Wie be­reits im Zu­sam­men­hang mit der Fra­ge der Wirk­sam­keit der Kündi­gung fest­ge­stellt, liegt ei­ne Be­hin­de­rung nicht vor. Die Kla­ge war auch hin­sicht­lich des Entschädi­gungs­an­spruchs ab­zu­wei­sen.

Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus §§ 46 Abs. 2 ArbGG, 92 Abs. 1 ZPO.
Die Kos­ten wa­ren der Be­klag­ten in­so­weit auf­zu­er­le­gen, als sie mit dem Zeug­nis­an­spruch un­ter­le­gen ist.

Die Ent­schei­dung über den Wert des Streit­ge­gen­stan­des er­geht gem. §§ 42 Abs. 3 GKG, 61 Abs. 1, 46 Abs. 2 ArbGG, 3 ff. ZPO.
Da­nach er­schien es an­ge­mes­sen, den Streit­wert für den Fest­stel­lungs­an­trag hin­sicht­lich der Kündi­gung nach ei­ner Brut­to­mo­nats­vergütung zu be­mes­sen, da der Kläger zum Zeit­punkt der Kündi­gung noch nicht ein hal­bes Jahr beschäftigt war. Für den Fort­be­ste­hens­an­trag war 1/10 des Wer­tes des Fest­stel­lungs­an­tra­ges hin­sicht­lich der Kündi­gung an­zu­set­zen. Der Zeug­nis­an­spruch war mit ei­ner Brut­to­mo­nats­vergütung von 2.200,00 EUR zu be­mes­sen. Hin­zu­zu­rech­nen wa­ren drei Brut­to­mo­nats­vergütun­gen, d. h. ein Wert von 6.600,00 EUR für den Entschädi­gungs­an­spruch.

 

 

 

 

 

 

 

11


Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses An­er­kennt­nis­ur­teil kann von der Be­klag­ten Be­ru­fung ein­ge­legt wer­den.
Die Be­ru­fungs­schrift muss von ei­nem Rechts­an­walt oder ei­nem Ver­tre­ter ei­ner Ge­werk­schaft bzw. ei­ner Ar­beit­ge­ber­ver­ei­ni­gung oder ei­nes Zu­sam­men­schlus­ses sol­cher Verbände ein­ge­reicht wer­den.
Die Be­ru­fungs­schrift muss in­ner­halb
 


ei­ner Not­frist von ei­nem Mo­nat


bei dem

Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg,
Mag­de­bur­ger Platz 1, 10785 Ber­lin ,


ein­ge­gan­gen sein. Die Be­ru­fungs­schrift muss die Be­zeich­nung des Ur­teils, ge­gen das die Be­ru­fung ge­rich­tet wird, so­wie die Erklärung ent­hal­ten, dass Be­ru­fung ge­gen die­ses Ur­teil ein­ge­legt wer­de.
Die Be­ru­fung ist gleich­zei­tig oder in­ner­halb ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten in glei­cher Form schrift­lich zu be­gründen.

Wei­te­re Statt­haf­tig­keits­vor­aus­set­zun­gen er­ge­ben sich aus § 64 Abs.2 ArbGG:
"Die Be­ru­fung kann nur ein­ge­legt wer­den,
a) wenn sie in dem Ur­teil zu­ge­las­sen wor­den ist,
b) wenn der Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des 600 Eu­ro über­steigt,
c) in Rechts­strei­tig­kei­ten über das Be­ste­hen, das Nicht­be­ste­hen oder die Kündi­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses oder
d) wenn es sich um ein Versäum­nis­ur­teil han­delt, ge­gen das der Ein­spruch an sich nicht statt­haft ist, wenn die Be­ru­fung oder An­schluss­be­ru­fung dar­auf gestützt wird, dass der Fall schuld­haf­ter Versäum­ung nicht vor­ge­le­gen ha­be."
Für d. Kläger/in ist kei­ne Be­ru­fung ge­ge­ben.
GE­GEN DIE KOS­TEN­EN­TSCHEI­DUNG kann von d. d. Be­klag­ten so­for­ti­ge Be­schwer­de ein­ge­legt wer­den, wenn ge­gen das An­er­kennt­nis­ur­teil selbst die Be­ru­fung statt­haft ist und der Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des zwei­hun­dert Eu­ro über­steigt.
Die Be­schwer­de muss in­ner­halb ei­ner Not­frist von zwei Wo­chen nach Zu­stel­lung der Ent­schei­dung bei dem Ar­beits­ge­richt Ber­lin oder dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Mag­de­bur­ger Platz 1, 10785 Ber­lin , schrift­lich ein­ge­gan­gen sein oder zu Pro­to­koll der Geschäfts­stel­le erklärt wer­den. Die Be­schwer­de­schrift muss die Be­zeich­nung der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung so­wie die Erklärung ent­hal­ten, dass Be­schwer­de ge­gen sie ein­ge­legt wer­de. Die Be­schwer­de soll be­gründet wer­den.

Der Schrift­form wird auch durch Ein­rei­chung ei­nes elek­tro­ni­schen Do­ku­ments im Sin­ne des § 46 c ArbGG genügt. Nähe­re In­for­ma­tio­nen da­zu fin­den sich auf der In­ter­net­sei­te un­ter www.ber­lin.de/erv.

Al­le Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung der Ent­schei­dung, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach ih­rer Verkündung.

Da­bei ist zu be­ach­ten, dass das Ur­teil mit der Ein­le­gung in den Brief­kas­ten oder ei­ner ähn­li­chen Vor­rich­tung für den Pos­t­emp­fang als zu­ge­stellt gilt. Dies gilt nicht bei Zu­stel­lun­gen ge­gen Emp­fangs­be­kennt­nis gemäß § 174 ZPO.

12


Wird bei der Par­tei ei­ne schrift­li­che Mit­tei­lung ab­ge­ge­ben, dass das Ur­teil auf der Geschäfts­stel­le ei­nes Amts­ge­richts oder ei­ner von der Post be­stimm­ten Stel­le nie­der­ge­legt ist, gilt das Schriftstück mit der Ab­ga­be der schrift­li­chen Mit­tei­lung als zu­ge­stellt, al­so nicht erst mit der Ab­ho­lung der Sen­dung.
Das Zu­stel­lungs­da­tum ist auf dem Um­schlag der Sen­dung ver­merkt.

Für d. Kläger/in ist kei­ne so­for­ti­ge Be­schwer­de ge­ge­ben.

 

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Schluss-Ur­teil kann von d. Kläger/in Be­ru­fung ein­ge­legt wer­den.

Die Be­ru­fungs­schrift muss von ei­nem Rechts­an­walt oder ei­nem Ver­tre­ter ei­ner Ge­werk­schaft bzw. ei­ner Ar­beit­ge­ber­ver­ei­ni­gung oder ei­nes Zu­sam­men­schlus­ses sol­cher Verbände ein­ge­reicht wer­den.

Die Be­ru­fungs­schrift muss in­ner­halb
 


ei­ner Not­frist von ei­nem Mo­nat


bei dem
 


Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg,
Mag­de­bur­ger Platz 1, 10785 Ber­lin ,


ein­ge­gan­gen sein.

Die Be­ru­fungs­schrift muss die Be­zeich­nung des Ur­teils, ge­gen das die Be­ru­fung ge­rich­tet wird, so­wie die Erklärung ent­hal­ten, dass Be­ru­fung ge­gen die­ses Ur­teil ein­ge­legt wer­de.
Die Be­ru­fung ist gleich­zei­tig oder in­ner­halb

ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten

in glei­cher Form schrift­lich zu be­gründen.

Der Schrift­form wird auch durch Ein­rei­chung ei­nes elek­tro­ni­schen Do­ku­ments im Sin­ne des § 46 c ArbGG genügt. Nähe­re In­for­ma­tio­nen da­zu fin­den sich auf der In­ter­net­sei­te un­ter www.ber­lin.de/erv.

Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­setz­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Da­bei ist zu be­ach­ten, dass das Ur­teil mit der Ein­le­gung in den Brief­kas­ten oder ei­ner ähn­li­chen Vor­rich­tung für den Pos­t­emp­fang als zu­ge­stellt gilt. Dies gilt nicht bei Zu­stel­lun­gen ge­gen Emp­fangs­be­kennt­nis gemäß § 174 ZPO.
Wird bei der Par­tei ei­ne schrift­li­che Mit­tei­lung ab­ge­ge­ben, dass das Ur­teil auf der Geschäfts­stel­le ei­nes Amts­ge­richts oder ei­ner von der Post be­stimm­ten Stel­le nie­der­ge­legt ist, gilt das Schriftstück mit der Ab­ga­be der schrift­li­chen Mit­tei­lung als zu­ge­stellt, al­so nicht erst mit der Ab­ho­lung der Sen­dung.
Das Zu­stel­lungs­da­tum ist auf dem Um­schlag der Sen­dung ver­merkt.
Für d. Be­klag­te/n ist kei­ne Be­ru­fung ge­ge­ben.

 

13


Von der Be­gründungs­schrift wer­den zwei zusätz­li­che Ab­schrif­ten zur Un­ter­rich­tung der eh­ren­amt­li­chen Rich­ter er­be­ten.

Wei­te­re Statt­haf­tig­keits­vor­aus­set­zun­gen er­ge­ben sich aus § 64 Abs.2 ArbGG :
"Die Be­ru­fung kann nur ein­ge­legt wer­den,
a) wenn sie in dem Ur­teil zu­ge­las­sen wor­den ist,
b) wenn der Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des 600 Eu­ro über­steigt,
c) in Rechts­strei­tig­kei­ten über das Be­ste­hen, das Nicht­be­ste­hen oder die Kündi­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses oder
d) wenn es sich um ein Versäum­nis­ur­teil han­delt, ge­gen das der Ein­spruch an sich nicht statt­haft ist, wenn die Be­ru­fung oder An­schluss­be­ru­fung dar­auf gestützt wird, dass der Fall schuld­haf­ter Versäum­ung nicht vor­ge­le­gen ha­be."
 

gez. P.

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 17 Ca 1102/11  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880