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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Betriebsrat: Anhörung, Anhörung des Betriebsrats
   
Gericht: Sächsisches Landesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 1 Sa 586/09
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 09.02.2010
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Leipzig, Urteil vom 2.09.2009, 15 Ca 5230/08
   

Säch­si­sches
Lan­des­ar­beits­ge­richt
Zwi­ckau­er Straße 54, 09112 Chem­nitz

Post­fach 7 04, 09007 Chem­nitz
 

Bit­te bei al­len Schrei­ben an­ge­ben:
Az.: 1 Sa 586/09
15 Ca 5230/08 ArbG Leip­zig

Verkündet am 09.02.2010

Im Na­men des Vol­kes

UR­TEIL

In dem Rechts­streit

...


hat das Säch­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt - Kam­mer 1 - durch den Präsi­den­ten des Lan­des­ar­beits­ge­richts ... als Vor­sit­zen­den und die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herrn ... und Herrn ... auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 9. Fe­bru­ar 2010


für R e c h t er­kannt:

Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Leip­zig vom 2. Sep­tem­ber 2009 – 15 Ca 5230/08 – wird auf Kos­ten der Kläge­rin

zurück­ge­wie­sen.

Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.


Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit der or­dent­li­chen be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung der Be­klag­ten vom 26. No­vem­ber 2008 zum 28. Fe­bru­ar 2009.


Die Be­klag­te be­treibt bun­des­weit zahl­rei­che Mo­de­fach­geschäfte. Die 1975 ge­bo­re­ne Kläge­rin war seit dem 1. Fe­bru­ar 2006 in dem Kauf­haus der Be­klag­ten in dem ... in ... zunächst als Mit­ar­bei­te­rin an der Kas­se und seit Sep­tem­ber 2008 als Mit­ar­bei­te­rin im Ver­kauf tätig. Ihr durch­schnitt­li­ches mo­nat­li­ches Brut­to­ge­halt be­trug


– Sei­te 2 –

1.234,04 Eu­ro. Über das Vermögen der Be­klag­ten wur­de mit Be­schluss des Amts­ge­richts Ha­gen vom 1. No­vem­ber 2008 (- 100 IN 128/08 -) das In­sol­venz­ver­fah­ren eröff­net und Ei­gen­ver­wal­tung im Sin­ne des § 270 In­sO an­ge­ord­net. Zum Sach­ver­wal­ter der Gläubi­ger wur­de Rechts­an­walt ... be­stellt. Als Sa­nie­rungs­maßnah­me plan­te die Be­klag­te die Sch­ließung et­wa der Hälf­te der 47 Mo­de­fach­geschäfte zum 28. Fe­bru­ar 2009 so­wie wei­te­re um­fang­rei­che Per­so­nal­ab­bau­maßnah­men in den fort­zuführen­den Fi­lia­len und der Haupt­fi­lia­le in ... Zur Um­set­zung die­ser Sa­nie­rungs­maßnah­men, ins­be­son­de­re zum Ab­schluss ei­nes In­ter­es­sen­aus­gleichs mit Na­mens­lis­te lud der Ge­samt­be­triebs­rats­vor­sit­zen­de in Ab­spra­che mit der Be­klag­ten zu ei­ner Be­triebsräte­ver­samm­lung am 17. No­vem­ber 2008 die Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den und ih­re Stell­ver­tre­ter al­ler 47 Mo­de­fach­geschäfte ein. Auf die­ser Be­triebsräte­ver­samm­lung kam es zu ei­nem In­ter­es­sen­aus­gleich mit Na­mens­lis­te zwi­schen der Be­klag­ten und dem Ge­samt­be­triebs­rat (An­la­ge B 2.1, Bl. 40 ff d. A.). Die­ser In­ter­es­sen­aus­gleich sah die Sch­ließung von 24 Fi­lia­len, dar­un­ter auch die Fi­lia­le in ... so­wie ei­nen Per­so­nal­ab­bau von mehr als ei­nem Drit­tel der ca. 3.700 Beschäftig­ten vor. Die Be­triebs­par­tei­en un­ter­schrie­ben nicht nur den In­ter­es­sen­aus­gleich, son­dern je­de ein­zel­ne Sei­te der in Be­zug ge­nom­me­nen Na­mens­lis­te. Die Na­mens­lis­te ent­hielt die Na­men al­ler 37 in der Fi­lia­le ... Beschäftig­ten, dar­un­ter auch den Na­men der Kläge­rin. Ent­spre­chend der Ankündi­gung in dem Ein­la­dungs­schrei­ben vom 12. No­vem­ber 2008 (An­la­ge B 9, Bl. 104 d. A.) wur­den den ört­li­chen Be­triebsräten je­weils der In­ter­es­sen­aus­gleich mit Na­mens­lis­te so­wie die Anhörun­gen zu den be­ab­sich­tig­ten Kündi­gun­gen über­ge­ben. An der Be­triebsräte­ver­samm­lung vom 17. No­vem­ber 2008 nahm nicht der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de der Fi­lia­le ... ..., son­dern u. a. die stell­ver­tre­ten­de Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de ... teil. Ihr wur­de das Anhörungs­schrei­ben vom 17. No­vem­ber 2008 (An­la­ge B 4.1, Bl. 60 ff d. A.) nebst der Na­mens­lis­te mit den 37 Na­men der zu kündi­gen­den Ar­beit­neh­mer der Fi­lia­le ... nebst ei­ner Lis­te ih­rer So­zi­al­da­ten über­ge­ben. Mit Schrei­ben vom 20. No­vem­ber 2008, ein­ge­gan­gen am 21. No­vem­ber 2008, zeig­te die Be­klag­te der ... in ... die be­ab­sich­tig­ten 37 Kündi­gun­gen un­ter Beifügung des In­ter­es­sen­aus­gleichs mit Na­mens­lis­te an. Auf den dar­auf er­gan­ge­nen Be­scheid der Bun­des­agen­tur für Ar­beit vom 24. No­vem­ber 2008 (An­la­ge B 5, Bl. 69 d. A.) wird Be­zug ge­nom­men. Dar­auf­hin kündig­te die Be­klag­te die Ar­beits­verhält­nis­se mit al­len 37 Mit­ar­bei­tern mit Kün-


– Sei­te 3 –

di­gun­gen vom 26. No­vem­ber 2008 zum 28. Fe­bru­ar 2009. Die streit­ge­genständ­li­che Kündi­gung (An­la­ge K 4, Bl. 8 d. A.) wur­de der Kläge­rin am 27. No­vem­ber 2008 über­ge­ben. Das­sel­be Schrei­ben ging ihr per Post am 28. No­vem­ber 2008 zu.

Die Kläge­rin hat vor­ge­tra­gen, die Kündi­gun­gen sei­en un­wirk­sam, weil vor Aus­spruch der Kündi­gung nicht er­kenn­bar ge­we­sen sei, dass kei­ne frei­en Stel­len in an­de­ren Fi­lia­len vor­han­den ge­we­sen sei­en. Es wer­de auch die ord­nungs­gemäße so­zia­le Aus­wahl be­strit­ten. Die­se ha­be sich auch auf an­de­re Fi­lia­len er­stre­cken müssen, denn es sei äußerst zwei­fel­haft, ob die Fi­lia­le ... ein ei­genständi­ger Be­trieb i. S. d. §§ 1, 23 KSchG sei. Je­den­falls führe die nicht ord­nungs­gemäß er­folg­te Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge zur Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung. Die Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge vom 20. No­vem­ber 2008 sei un­wirk­sam, weil die Be­klag­te kei­ne Stel­lung­nah­me des ört­li­chen Be­triebs­ra­tes bei­gefügt ha­be. Dass ei­ne Stel­lung­nah­me des ört­li­chen Be­triebs­ra­tes der .. vor­ge­legt wer­den müsse, er­ge­be auch ei­ne an­hand der Richt­li­nie 98/59/EG richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung des § 17 Abs. 3 Satz 2 i. V. m. Abs. 2 Satz 1 KSchG. Des­halb sei die Vor­la­ge des mit dem Ge­samt­be­triebs­rat ab­ge­schlos­se­nen In­ter­es­sen­aus­gleichs nicht aus­rei­chend. Sch­ließlich sei der Be­triebs­rat nicht ord­nungs­gemäß be­tei­ligt wor­den. Es sei nicht aus­rei­chend, dass das Anhörungs­schrei­ben vom 17. No­vem­ber 2008 der stell­ver­tre­ten­den Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den ... über­ge­ben wor­den sei. Es hätte dem Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den ... über­ge­ben wer­den müssen. Zur Ver­hin­de­rung des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den ... und zu ei­nem ent­spre­chen­den Be­schluss des Be­triebs­ra­tes ha­be die Be­klag­te nichts vor­ge­tra­gen. Ein Ver­hin­de­rungs­fall wer­de be­strit­ten. Sch­ließlich wer­de be­strit­ten, dass die Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den vom 24. No­vem­ber 2008 (An­la­ge B 4.2, Bl. 68 d. A.) der Be­klag­ten vor Aus­spruch der Kündi­gung zu­ge­gan­gen sei.


Die Kläge­rin hat be­an­tragt,

fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en durch die or­dent­li­chen Kündi­gun­gen der Be­klag­ten vom 26. No­vem­ber 2008 nicht be­en­det wird.


– Sei­te 4 –

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie hat vor­ge­tra­gen, die Kündi­gung sei auf­grund der Sch­ließung der Fi­lia­le ... zum 28. Fe­bru­ar 2009 wirk­sam. Freie Stel­len sei­en nicht vor­han­den ge­we­sen. Ei­ne so­zia­le Aus­wahl sei nicht er­for­der­lich ge­we­sen, weil al­le Ar­beit­neh­mer des Be­trie­bes in ... ent­las­sen wor­den sei­en. Die Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge sei ord­nungs­gemäß er­folgt. Dies er­ge­be sich aus § 125 Abs. 2 In­sO. Sch­ließlich sei auch der Be­triebs­rat ord­nungs­gemäß an­gehört wor­den. Die stell­ver­tre­ten­de Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de ha­be in die­ser Funk­ti­on das Anhörungs­schrei­ben ent­ge­gen­neh­men dürfen.


Das Ar­beits­ge­richt Leip­zig hat mit Ur­teil vom 2. Sep­tem­ber 2009 (15 Ca 5230/08) die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Ins­be­son­de­re sei die Be­triebs­rats­anhörung ord­nungs­gemäß er­folgt. Wer­de der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de zur Überg­a­be von Anhörungs­un­ter­la­gen ein­ge­la­den und er­schei­ne statt­des­sen sein Stell­ver­tre­ter, so könne das nicht zu­las­ten des Ar­beit­ge­bers ge­hen. Viel­mehr könne der Ar­beit­ge­ber von ei­ner Ver­hin­de­rung des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den aus­ge­hen. Auch sei die Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge ord­nungs­gemäß er­folgt. Nach § 125 Abs. 2 In­sO rei­che es aus, wenn statt der Stel­lung­nah­me des Be­triebs­ra­tes ein In­ter­es­sen­aus­gleich, gleichgültig ob mit dem Be­triebs­rat oder Ge­samt­be­triebs­rat ab­ge­schlos­sen, bei­gefügt wer­de. We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten wird auf das an­ge­foch­te­ne Ur­teil (Bl. 116 ff. d. A.) ver­wie­sen. Ge­gen das der Kläge­rin am 9. Sep­tem­ber 2009 zu­ge­stell­te Ur­teil hat sie mit Schrift­satz vom 1. Ok­to­ber 2009, wel­cher beim Säch­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richt am 5. Ok­to­ber 2009 ein­ge­gan­gen ist, Be­ru­fung ein­ge­legt. Die Be­ru­fungs­be­gründung ist beim Säch­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richt in­ner­halb der verlänger­ten Frist am 19. No­vem­ber 2009 ein­ge­gan­gen.


Die Kläge­rin trägt vor, ent­ge­gen dem an­ge­foch­te­nen Ur­teil sei­en die streit­ge­genständ­li­chen Kündi­gun­gen un­wirk­sam, weil der Be­triebs­rat nicht ord­nungs­gemäß an­gehört wor­den sei. Zunächst sei dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die na­ment­li­che Be­nen­nung der Kläge­rin in der Na­mens­lis­te des In­ter­es­sen­aus­gleichs nicht die er­for­der­li­che Anhörung des ört­li­chen Be­triebs­ra­tes er­set­ze. Schon des­halb sei die Anhörung des Be­triebs­ra­tes nicht ord­nungs­gemäß. Hin­zu­kom­me, dass dem stell­ver­tre­ten­den Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den ein Anhörungs­schrei­ben nur dann über­ge­ben


– Sei­te 5 –

wer­den dürfe, wenn der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de nach § 26 Abs. 2 Satz 2 Be­trVG ver­hin­dert sei. Es wer­de nach wie vor ei­ne Ver­hin­de­rung des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den ... be­strit­ten. Im Übri­gen könne auch die Ein­la­dung zur Be­triebsräte­kon­fe­renz durch den Ge­samt­be­triebs­rat nicht der Be­klag­ten zu­ge­rech­net wer­den. Die streit­ge­genständ­li­che Kündi­gung sei auch un­wirk­sam, weil der An­zei­ge nach § 17 KSchG kei­ne Stel­lung­nah­me des ört­li­chen Be­triebs­ra­tes bei­gefügt ge­we­sen sei. Die Beifügung der Stel­lung­nah­me des ört­li­chen Be­triebs­ra­tes sei Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung. Die Vor­la­ge ei­nes mit dem Ge­samt­be­triebs­rat ab­ge­schlos­se­nen In­ter­es­sen­aus­gleichs rei­che nicht. Sinn und Zweck des re­strik­tiv aus­zu­le­gen­den § 125 Abs. 2 In­sO sei es, nur ei­ne Stel­lung­nah­me des ört­li­chen Be­triebs­ra­tes ge­ge­be­nen­falls durch Ab­schluss ei­nes In­ter­es­sen­aus­gleichs aus­rei­chen zu las­sen. Die­ses Er­geb­nis ge­bie­te auch ei­ne eu­ro­pa­rechts­kon­for­me Aus­le­gung des § 17 KSchG gemäß der Richt­li­nie 98/89/EG.

Die Kläge­rin be­an­tragt,

un­ter Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Leip­zig vom 2. Sep­tem­ber 2009 (15 Ca 5230/08) fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en durch die or­dent­li­chen Kündi­gun­gen der Be­klag­ten vom 26. No­vem­ber 2008 nicht be­en­det wird.

Die Be­klag­te be­an­tragt, die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen. Sie ver­tei­digt das an­ge­foch­te­ne Ur­teil mit Rechts­ausführun­gen.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie auf das Pro­to­koll nach § 313 Abs. 2 Satz 2 ZPO i. V. m. § 66 Abs. 7 ArbGG hin­ge­wie­sen.

– Sei­te 6 –

Ent­schei­dungs­gründe


A.

Die Be­ru­fung der Kläge­rin ist zulässig. Sie ist nach § 64 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Abs. 2 lit. c) ArbGG an sich statt­haft und auch im Übri­gen form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet (§§ 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 ArbGG; 519, 520 ZPO).

B.

Die Be­ru­fung der Kläge­rin ist un­be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt Leip­zig hat die Kla­ge zu Recht ab­ge­wie­sen. Die streit­ge­genständ­li­che Kündi­gung vom 26. No­vem­ber 2008 ist wirk­sam. Sie hat das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nach Ab­lauf der or­dent­li­chen Kündi­gungs­frist zum 28. Fe­bru­ar 2009 auf­gelöst.

I.

Die streit­ge­genständ­li­che Kündi­gung vom 26. No­vem­ber 2008 gilt nicht be­reits nach den §§ 4, 7 KSchG als wirk­sam, denn die Kläge­rin hat in­ner­halb der Drei-Wo­chen-Frist Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­ho­ben. Die Kündi­gung ist der Kläge­rin am 27. No­vem­ber 2008 über­ge­ben wor­den und da­mit zu­ge­gan­gen. Die da­ge­gen er­ho­be­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge ging beim Ar­beits­ge­richt Leip­zig am 8. De­zem­ber 2008 und da­mit recht­zei­tig ein.

Es han­delt sich um ei­ne ein­heit­li­che Kündi­gung vom 26. No­vem­ber 2008. Es lie­gen nicht des­halb zwei je­weils ge­trennt auf ih­re Wirk­sam­keit zu über­prüfen­de Kündi­gun­gen vor, weil die Be­klag­te der Kläge­rin am 27. No­vem­ber 2008 die Kündi­gung vom 26. No­vem­ber 2008 über­ge­ben und ihr die­sel­be Kündi­gung noch­mals per Post zu­ge­schickt hat. Im Hin­blick auf die Iden­tität der Kündi­gungs­schrei­ben ist von ei­ner Kündi­gung aus­zu­ge­hen. An­halts­punk­te dafür, dass die Be­klag­te zwei Kündi­gun­gen ha­be aus­spre­chen wol­len, sind nicht er­kenn­bar (sie­he hier­zu BAG, Ur­teil vom 23. Ju­ni 2009 – 2 AZR 474/07 – AP Nr. 47 zu § 626 BGB Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lun-


– Sei­te 7 –

gen). Viel­mehr ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die Be­klag­te durch Überg­a­be und Zu­sen­dung der­sel­ben Kündi­gung de­ren Zu­gang si­cher­stel­len woll­te.


II.

Die Kündi­gung ist auch nicht nach § 1 Abs. 1 und 2 Satz 1 in Ver­bin­dung mit Abs. 5 Satz 1 KSchG un­wirk­sam. Da­nach ist ei­ne Kündi­gung so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt und da­mit un­wirk­sam, wenn sie u. a. nicht durch drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se, die ei­ner Wei­ter­beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers in dem Be­trieb ent­ge­gen­ste­hen, be­dingt ist. Sind bei ei­ner Kündi­gung auf­grund ei­ner Be­triebsände­rung nach § 111 Be­trVG die Ar­beit­neh­mer, de­nen gekündigt wer­den soll, in ei­nem In­ter­es­sen­aus­gleich zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat na­ment­lich be­zeich­net, so wird ver­mu­tet, dass die Kündi­gung durch drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se im Sin­ne des Abs. 2 be­dingt ist.


Ge­gen die Ver­mu­tung der Be­triebs­be­dingt­heit hat die Kläge­rin in der Be­ru­fungs­in­stanz nichts mehr vor­ge­tra­gen. In dem wirk­sa­men mit dem nach § 50 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG zuständi­gen Ge­samt­be­triebs­rat zu­stan­de ge­kom­me­nen In­ter­es­sen­aus-gleich ist die Kläge­rin na­ment­lich be­zeich­net. An­halts­punk­te, die die Ver­mu­tung der Be­triebs­be­dingt­heit der streit­ge­genständ­li­chen Kündi­gung wi­der­le­gen, sind we­der vor­ge­tra­gen noch er­sicht­lich. Ins­be­son­de­re wur­de die die Kündi­gung be­gründen­de Be­triebs­sch­ließung zum 28. Fe­bru­ar 2009 um­ge­setzt.


III.

Die Kündi­gung ist auch nicht nach § 1 Abs. 3 in Ver­bin­dung mit Abs. 5 Satz 2 KSchG un­wirk­sam. Die nach § 1 Abs. 3 Satz 3 KSchG dar­le­gungs- und be­weis­pflich­ti­ge Kläge­rin hat im Be­ru­fungs­ver­fah­ren ei­ne ver­meint­li­che Feh­ler­haf­tig­keit der so­zia­len Aus­wahl, ins­be­son­de­re im Hin­blick auf ei­ne Ver­ken­nung des Be­triebs­be­griffs nicht mehr gerügt.


– Sei­te 8 –

IV.


Die Kündi­gung ist auch nicht des­halb un­wirk­sam, weil, wie die Kläge­rin meint, die Be­klag­te die be­ab­sich­tig­te Mas­sen­ent­las­sung nicht ord­nungs­gemäß der Bun­des­agen­tur für Ar­beit an­ge­zeigt ha­be.


1. Die Kläge­rin weist al­ler­dings zu­tref­fend dar­auf hin, dass ei­ne Kündi­gung dann rechts­un­wirk­sam ist, wenn sie der Ar­beit­ge­ber vor ei­ner nach § 17 Abs. 1 KSchG er­for­der­li­chen, den ge­setz­li­chen An­for­de­run­gen ent­spre­chen­den An­zei­ge aus­ge­spro­chen hat (BAG, Ur­teil vom 28. Mai 2009 – 8 AZR 273/08 – AP Nr. 370 zu § 613 a BGB; BAG, Ur­teil vom 23. März 2006 – 2 AZR 343/05 – AP Nr. 21 zu § 17 KSchG 1969 je­weils mit um­fang­rei­chen wei­te­ren Nach­wei­sen). Ist die nach § 17 Abs. 1 KSchG er­for­der­li­che An­zei­ge ord­nungs­gemäß er­folgt, so hin­dert die Ent­las­sungs­sper­re nach § 18 Abs. 1 KSchG we­der den Aus­spruch ei­ner Kündi­gung nach An­zei­ge der Mas­sen­ent­las­sung bei der Bun­des­agen­tur für Ar­beit während des Laufs der Sperr­frist nach § 18 Abs. 1 und Abs. 2 KSchG noch verlängert die Sperr­frist die ge­setz­li­chen Kündi­gungs­fris­ten (BAG, Ur­teil vom 6. No­vem­ber 2008 – 2 AZR 935/07 – AP Nr. 4 zu § 18 KSchG 1969). Der Ar­beit­ge­ber ist nach § 17 Abs. 3 Satz 2 KSchG ver­pflich­tet, der schrift­li­chen An­zei­ge ei­ne Stel­lung­nah­me des Be­triebs­ra­tes zu den Ent­las­sun­gen bei­zufügen. Nach § 1 Abs. 5 Satz 4 KSchG bzw. § 125 Abs. 2 In­sO er­setzt ein mit der An­zei­ge an die Bun­des­agen­tur für Ar­beit vor­ge­leg­ter In­ter­es­sen­aus­gleich mit Na­mens­lis­te die Stel­lung­nah­me des Be­triebs­ra­tes nach § 17 Abs. 3 Satz 2 KSchG.


2. Un­ter Berück­sich­ti­gung die­ser Rechts­grundsätze hat die Be­klag­te die be­ab­sich­tig­ten Mas­sen­ent­las­sun­gen und da­mit auch die be­ab­sich­tig­te Kündi­gung der Kläge­rin der Bun­des­agen­tur für Ar­beit ord­nungs­gemäß an­ge­zeigt. Dass die An­zei­ge die not­wen­di­gen In­for­ma­tio­nen im Sin­ne des § 17 Abs. 3 Satz 4 KSchG ent­hielt, ist nicht be­strit­ten, er­gibt sich im Übri­gen aus dem In­halt des vor­ge­leg­ten In­ter­es­sen­aus­gleichs. Die Beifügung des In­ter­es­sen­aus­gleichs mit Na­mens­lis­te er­setz­te die Stel­lung­nah­me des Be­triebs­ra­tes nach § 17 Abs. 3 Satz 2 KSchG, so dass die Stel­lung­nah­me des ört­li­chen Be­triebs­ra­tes des Be­trie­bes in Leip­zig ent­behr­lich war.


– Sei­te 9 –

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin ist § 1 Abs. 5 Satz 4 KSchG bzw. § 125 Abs. 2 In­sO nicht re­strik­tiv da­hin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass ein In­ter­es­sen­aus­gleich nur dann die Stel­lung­nah­me des Be­triebs­ra­tes er­setzt, wenn der In­ter­es­sen­aus­gleich zwi­schen dem Ar­beit­ge­ber und dem ört­li­chen Be­triebs­rat, nicht aber zwi­schen dem Ar­beit­ge­ber und dem Ge­samt­be­triebs­rat ab­ge­schlos­sen wor­den ist. Ei­ne am Wort­laut ori­en­tier­te Aus­le­gung der §§ 1 Abs. 5 Satz 4 KSchG bzw. § 125 Abs. 2 In­sO lässt ei­ne sol­che Ein­schränkung nicht zu. Auch ge­bie­tet ei­ne te­leo­lo­gi­sche Aus­le­gung nicht ei­ne sol­che Re­strik­ti­on. Die An­zei­ge­pflicht nach § 17 KSchG dient primär ar­beits­markt­po­li­ti­schen Zwe­cken. Der Ar­beits­ver­wal­tung soll die Möglich­keit ver­schafft wer­den, recht­zei­tig Maßnah­men zur Ver­mei­dung oder we­nigs­tens zur Verzöge­rung von Be­las­tun­gen des Ar­beits­mark­tes ein­zu­lei­ten und für an­der­wei­ti­ge Beschäfti­gun­gen der Ent­las­se­nen zu sor­gen (BAG, Ur­teil vom 23. März 2006, a. a. O. mit um­fang­rei­chen wei­te­ren Nach­wei­sen). Ei­ner an die­sem Zweck ori­en­tier­te In­for­ma­ti­ons­pflicht genügt die Vor­la­ge ei­nes In­ter­es­sen­aus­gleichs un­abhängig da­von, ob er mit dem Be­triebs­rat oder mit Ge­samt­be­triebs­rat ab­ge­schlos­sen wor­den ist. Sch­ließlich ge­bie­tet auch ei­ne an der so­ge­nann­ten Mas­sen­ent­las­sungs­richt­li­nie 98/59/EG ori­en­tier­te richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung ei­ne sol­che Re­strik­ti­on nicht. Die Richt­li­nie 98/59/EG enthält kei­ne Re­ge­lung, wo­nach der An­zei­ge ei­ne Stel­lung­nah­me des ört­li­chen Be­triebs­ra­tes bei­zufügen ist. Auch der Eu­ropäische Ge­richts­hof ver­langt das nicht. Ins­be­son­de­re in sei­ner Ent­schei­dung vom 10. Sep­tem­ber 2009 lässt der EuGH ei­ne Kon­sul­ta­ti­on mit der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung genügen; die Zuständig­keit ei­ner be­stimm­ten Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung, ins­be­son­de­re aus­sch­ließlich des ört­li­chen Be­triebs­ra­tes ver­langt er nicht (EuGH, Ur­teil vom 10. Sep­tem­ber 2009 – C-44/08 – NZA 2009, 1083). Die Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge er­folg­te so­mit ord­nungs­gemäß. Die verhäng­te Sperr­frist stand dem Aus­spruch der Kündi­gung nicht ent­ge­gen.

V.

Die Kündi­gung ist auch nicht nach § 102 Abs. 1 Satz 3 Be­trVG un­wirk­sam.


– Sei­te 10 –

1. Nach § 102 Abs. 1 Satz 2 Be­trVG hat der Ar­beit­ge­ber dem Be­triebs­rat die Gründe für die Kündi­gung mit­zu­tei­len, d. h. der Ar­beit­ge­ber muss schrift­lich oder münd­lich den Be­triebs­rat ne­ben nähe­ren In­for­ma­tio­nen über die Per­son des be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers die Art und den Zeit­punkt der Kündi­gung und die sei­ner An­sicht nach maßge­ben­den Kündi­gungs­gründe mit­tei­len (ständi­ge Recht­spre­chung sie­he BAG, Ur­teil vom 23. Ju­ni 2009, a. a. O.; BAG, Ur­teil vom 22. Ok­to­ber 2008 – 2 AZR 163/07 – AP Nr. 18 zu § 1 KSchG 1969 Na­mens­lis­te; BAG, Ur­teil vom 15. No­vem­ber 1995 – 2 AZR 974/94 – AP Nr. 73 zu 102 Be­trVG 1972 je­weils mit wei­te­ren Nach­wei­sen). Der für den Ar­beit­ge­ber maßge­ben­de Sach­ver­halt ist un­ter An­ga­be der Tat­sa­chen, aus de­nen der Kündi­gungs­ent­schluss her­ge­lei­tet wird, näher so zu be­schrei­ben, dass der Be­triebs­rat oh­ne zusätz­li­che ei­ge­ne Nach­for­schung in die La­ge ver­setzt wird, die Stich­hal­tig­keit der Kündi­gungs­gründe zu prüfen und sich über ei­ne Stel­lung­nah­me schlüssig zu wer­den. Kommt der Ar­beit­ge­ber die­sen An­for­de­run­gen an sei­ne Mit­tei­lungs­pflicht nicht oder nicht rich­tig nach, un­ter­lau­fen ihm in­so­weit bei der Durchführung der Anhörung Feh­ler, so ist die Kündi­gung un­wirk­sam.

Die Anhörung des Be­triebs­ra­tes nach § 102 Abs. 1 und Abs. 2 Be­trVG voll­zieht sich in zwei auf­ein­an­der­fol­gen­den Ver­fah­rens­ab­schnit­ten. Die­se sind nach ih­rem Zuständig­keits- und Ver­ant­wor­tungs­be­reich von­ein­an­der ab­zu­gren­zen. So hat zunächst der Ar­beit­ge­ber un­ter Be­ach­tung der in § 102 Abs. 1 Be­trVG be­schrie­be­nen Er­for­der­nis­se das Anhörungs­ver­fah­ren ein­zu­lei­ten. Im An­schluss dar­an ist es Auf­ga­be des Be­triebs­ra­tes sich mit der be­ab­sich­tig­ten Kündi­gung zu be­fas­sen und darüber zu ent­schei­den, ob und wie er Stel­lung neh­men will. Die Tren­nung die­ser bei­den Ver­ant­wor­tungs­be­rei­che ist we­sent­lich für die Ent­schei­dung der Fra­ge, wann ei­ne Kündi­gung im Sin­ne des § 102 Abs. 1 Satz 3 Be­trVG „oh­ne Anhörung des Be­triebs­ra­tes aus­ge­spro­chen“ und des­we­gen un­wirk­sam ist. Da im Re­ge­lungs­be­reich des § 102 Abs. 1 Be­trVG so­wohl dem Ar­beit­ge­ber als auch dem Be­triebs­rat Feh­ler un­ter­lau­fen können, ermöglicht die­se Ab­gren­zung ei­ne sach­ge­rech­te Ant­wort auf die Fra­ge, wem im Ein­zel­fall ein Feh­ler zu­zu­rech­nen ist. Nur wenn dem Ar­beit­ge­ber der bei ihm ob­lie­gen­den Ein­lei­tung des Anhörungs­ver­fah­rens ein Feh­ler un­terläuft, liegt dar­in ei­ne Ver­let­zung des § 102 Abs. 1 Be­trVG mit der Fol­ge


– Sei­te 11 –

der Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung. Mängel, die im Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Be­triebs­ra­tes lie­gen, führen grundsätz­lich nicht zur Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung (so aus­drück­lich BAG, Ur­teil vom 6. Ok­to­ber 2005 – 2 AZR 316/04 – AP Nr. 150 zu § 102 Be­trVG 1972 mit wei­te­ren Nach­wei­sen).


Zur Ent­ge­gen­nah­me von Erklärun­gen, mit de­nen der Ar­beit­ge­ber den Be­triebs­rat nach § 102 Be­trVG zu ei­ner be­ab­sich­tig­ten Kündi­gung anhört, ist nach § 26 Abs. 2 Satz 2 Be­trVG der Vor­sit­zen­de und im Ver­hin­de­rungs­fal­le sein Ver­tre­ter be­rech­tigt. Zur Ent­ge­gen­nah­me sind auch ein­zel­ne Mit­glie­der des Be­triebs­ra­tes be­rech­tigt, wenn der Be­triebs­rat sie zum Emp­fang be­vollmäch­tigt hat. Nimmt ein Be­triebs­rats­mit­glied ei­ne Erklärung des Ar­beit­ge­bers ent­ge­gen, oh­ne ei­ne Emp­fangs­voll­macht zu ha­ben, so ist die Erklärung ge­genüber dem Be­triebs­rat den­noch wirk­sam er­folgt, wenn der Ar­beit­ge­ber von ei­ner Be­vollmäch­ti­gung aus­ge­hen konn­te (so BAG, Ur­teil vom 6. Ok­to­ber 2005, a. a. O.). Noch wei­ter­ge­hend will das Lan­des­ar­beits­ge­richt München (Ur­teil vom 9. Au­gust 2006 – 9 Sa 1251/05 –) von ei­ner Emp­fangs­bo­ten­stel­lung ei­nes ein­fa­chen Be­triebs­rats­mit­glieds im­mer dann aus­ge­hen, wenn der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de und sein Stell­ver­tre­ter im Be­trieb nicht an­we­send sind.

2. Un­ter Zu­grun­de­le­gung die­ser Rechts­grundsätze ist die Anhörung des zuständi­gen Be­triebs­ra­tes des Be­triebs in Leip­zig ord­nungs­gemäß er­folgt.

Mit dem Anhörungs­schrei­ben vom 17. No­vem­ber 2008 in­for­mier­te die Be­klag­te den Be­triebs­rat über al­le we­sent­li­chen die Kündi­gung be­gründen­den Umstände. Ins­be­son­de­re wur­de das In­sol­venz­ver­fah­ren, die un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung, ins­be­son­de­re die Be­triebs­sch­ließung des Be­trie­bes in Leip­zig zum 28. Fe­bru­ar 2009 so­wie der Kündi­gungs­ter­min nach § 113 In­sO dar­ge­legt. Die­sem Anhörungs­schrei­ben war ei­ne Na­mens­lis­te, auf der sich auch der Na­me der Kläge­rin be­fand, eben­so wie ei­ne Über­sicht der So­zi­al­da­ten der zur Kündi­gung vor­ge­se­he­nen Ar­beit­neh­mer bei­gefügt. Die Un­ter­rich­tung war so­mit ord­nungs­gemäß.

Die Be­klag­te hat das Anhörungs­schrei­ben nebst An­la­gen auch der zum Emp­fang


– Sei­te 12 –

nach § 26 Abs. 2 Satz 2 Be­trVG die stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de des Be­triebs­ra­tes nur im Fal­le der Ver­hin­de­rung des Vor­sit­zen­den des Be­triebs­ra­tes emp­fangs­be­rech­tigt. Ei­ne wirk­sa­me Überg­a­be des Anhörungs­schrei­bens an die stell­ver­tre­ten­de Be­triebs­ra­tes­vor­sit­zen­de liegt hier des­halb vor, weil die Be­klag­te auf­grund der Ge­samt­umstände von ei­ner Ver­hin­de­rung des Vor­sit­zen­den des Be­triebs­ra­tes aus­ge­hen durf­te. Ent­spre­chend der vom Bun­des­ar­beits­ge­richt an­er­kann­ten Kon­stel­la­ti­on, dass ein ein­fa­ches Be­triebs­rats­mit­glied als emp­fangs­be­vollmäch­tigt gilt, wenn der Ar­beit­ge­ber von ei­ner Be­vollmäch­ti­gung aus­ge­hen durf­te, gilt auch die stell­ver­tre­ten­de Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de als emp­fangs­be­rech­tigt, wenn der Ar­beit­ge­ber von ei­ner Ver­hin­de­rung des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den aus­ge­hen durf­te. Im vor­lie­gen­den Fall konn­te die Be­klag­te das Anhörungs­schrei­ben der stell­ver­tre­ten­den Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den als Emp­fangs­be­rech­tig­te des Be­triebs­ra­tes über­ge­ben, denn sie durf­te von ei­ner Ver­hin­de­rung des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den aus­ge­hen. Der Ge­samt­be­triebs­rats­vor­sit­zen­de hat in Ab­spra­che mit der Be­klag­ten die Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den und ih­re Stell­ver­tre­ter zu ei­ner Be­triebsräte­be­spre­chung am 17. No­vem­ber 2008 ge­la­den. In die­sem Schrei­ben wur­den als Ta­ges­ord­nungs­punk­te u. a. der In­ter­es­sen­aus­gleich und der So­zi­al­plan mit­ge­teilt. Außer­dem wur­de aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Geschäfts­lei­tung an die­sem Tag die Anhörung zu den be­ab­sich­tig­ten Kündi­gun­gen den Be­triebsräten über­ge­ben wol­le. Für den Be­triebs­rat des Be­trie­bes Leip­zig ist oh­ne An­ga­be von Gründen nicht der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de, son­dern des­sen Stell­ver­tre­te­rin und ein wei­te­res Mit­glied er­schie­nen. In ei­ner der­ar­ti­gen Fall­kon­stel­la­ti­on, in der der ge­la­de­ne Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de grund­los nicht er­scheint, son­dern sei­ne Stell­ver­tre­te­rin den Ter­min wahr­nimmt, darf der Ar­beit­ge­ber dar­auf ver­trau­en, dass der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de ver­hin­dert ist. Dies gilt um­so mehr, als es im vor­lie­gen­den Fall um ei­ne lang­fris­tig an­gekündig­te Ein­la­dung zu ei­nem sehr be­deu­ten­den, die Exis­tenz des Un­ter­neh­mens berühren­den Ter­mins ging. Hier durf­te die Be­klag­te an­neh­men, dass der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de die­sen Ter­min nur dann nicht wahr­nimmt, wenn er tatsächlich ver­hin­dert war.


Die Be­triebs­rats­anhörung ist so­mit ord­nungs­gemäß am 17. No­vem­ber 2008 ein­ge­lei­tet wor­den. Ob die Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats vom 24. No­vem­ber 2008 bei


– Sei­te 13 –

der Be­klag­ten ein­ge­gan­gen ist, kann da­hin­ste­hen, denn die Kündi­gung ging der Kläge­rin nach Ab­lauf der einwöchi­gen Frist im Sin­ne des § 102 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG zu.


C.

Die Be­ru­fung der Kläge­rin war des­halb mit der Kos­ten­fol­ge des § 97 Abs. 1 ZPO zurück­zu­wei­sen.

Die Re­vi­si­on wur­de nach § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung zu­ge­las­sen.

– Sei­te 14 –

Rechts­mit­tel­be­leh­rung


Ge­gen die­ses Ur­teil kann von d. Be­ru­fungskläge­rin


Re­vi­si­on


ein­ge­legt wer­den.

Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb

ei­ner Not­frist von ei­nem Mo­nat


schrift­lich beim Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­legt wer­den.

Die An­schrift des Bun­des­ar­beits­ge­richts lau­tet:

Post­fach, 99112 Er­furt
oder
Hu­go-Preuß-Platz 1, 99084 Er­furt

Te­le­fon: (03 61) 26 36 - 0
Te­le­fax: (03 61) 26 36 - 20 00.


Sie ist gleich­zei­tig in­ner­halb


ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten

schrift­lich zu be­gründen.


Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.


Die Re­vi­si­ons­schrift und die Be­gründung der Re­vi­si­on müssen von ei­nem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Pro­zess­be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:


1. Rechts­anwälte,


2. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­ber­verbänden so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände und Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,

3. Ju­ris­ti­sche Per­so­nen, die die Vor­aus­set­zun­gen des § 11 Abs. 2 Satz 2 Nr. 5 ArbGG erfüllen.

– Sei­te 15 –

In den Fällen der Zif­fern 2 und 3 müssen die Per­so­nen, die die Re­vi­si­ons­schrift und die Be­gründung un­ter­zeich­nen, die Befähi­gung zum Rich­ter­amt ha­ben.


Bezüglich der Möglich­kei­ten elek­tro­ni­scher Ein­le­gung und Be­gründung der Re­vi­si­on - ei­ne Ein­le­gung per E-Mail ist aus­ge­schlos­sen! - wird ver­wie­sen auf die Ver­ord­nung über den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr beim Bun­des­ar­beits­ge­richt vom 9. März 2006 (BGBl. I S. 519).


Die Re­vi­si­on kann nur dar­auf gestützt wer­den, dass das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts auf der Ver­let­zung ei­ner Rechts­norm be­ruht.

Für die wei­te­ren Be­tei­lig­ten ist ge­gen die Ent­schei­dung kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

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