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Kün­di­gungs­schutz - Aus­lands­ver­trag zählt bei War­te­zeit mit

Be­schäf­ti­gungs­zei­ten auf Ba­sis ei­nes aus­län­di­schem Ar­beits­ver­trags wer­den auf die Kün­di­gungs­schutz-War­te­zeit an­ge­rech­net: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 07.07.2011, 2 AZR 12/10
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03.02.2012. Ar­beit­neh­mer ge­nie­ßen ge­mäß § 1 Abs.1 Kün­di­gungs­schutz­ge­seetz (KSchG) erst nach ei­ner mehr als sechs­mo­na­ti­gen Dau­er des Ar­beits­ver­hält­nis­ses Kün­di­gungs­schutz.

Kün­digt der Ar­beit­ge­ber da­her wäh­rend der ers­ten sechs Mo­na­te, braucht die Kün­di­gung nicht den An­for­de­run­gen des KSchG zu ent­spre­chen, d.h. es be­steht Kün­di­gungs­frei­heit.

In ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ent­schie­den, dass auf die sechs­mo­na­ti­ge War­te­zeit auch Ar­beits­ver­hält­nis­se an­zu­rech­nen sind, die der Ar­beit­neh­mer auf der Grund­la­ge von Ar­beits­ver­trä­gen zu­rück­ge­legt hat, die aus­län­di­schem Recht un­ter­lie­gen: BAG, Ur­teil vom 07.07.2011, 2 AZR 12/10.

Kann der Arbeitnehmer die sechsmonatige Wartezeit bis zum Entstehen des Kündigungsschutzes auch auf der Grundlage von Arbeitsverträgen zurücklegen, die nicht dem deutschen Arbeitsrecht unterfallen?

Kündi­gungs­schutz auf der Grund­la­ge des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes (KSchG) können Ar­beit­neh­mer erst in An­spruch neh­men, wenn sie mehr als sechs Mo­na­te in dem­sel­ben Be­trieb oder Un­ter­neh­men beschäftigt sind. Vor Ab­lauf die­ser sechs­mo­na­ti­gen War­te­zeit kann der Ar­beit­ge­ber ei­nem Ar­beit­neh­mer auch oh­ne Kündi­gungs­grund kündi­gen.

Bis­lang noch nicht klar ent­schie­den ist die Fra­ge, ob die War­te­zeit des § 1 Abs.1 KSchG auch erfüllt ist, wenn der Ar­beit­neh­mer zwar länger als sechs Mo­na­te bei dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber beschäftigt ist, da­bei aber zunächst auf der Grund­la­ge ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges, der ausländi­schem Recht un­ter­liegt.

An­ders ge­sagt: Zählen ausländi­sche Ar­beits­verträge mit, wenn es um die War­te­zeit für den ge­setz­li­chen Kündi­gungs­schutz geht? Die­se Fra­ge hat das BAG in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung geklärt: BAG, Ur­teil vom 07.07.2011, 2 AZR 12/10.

Der Streitfall: Bankangestellter wird zwei Monate auf Basis eines lettischen Arbeitsvertrags eingesetzt, danach fünf Monate auf Basis eines deutschen Vertrags

Im Streit­fall hat­te ei­ne let­ti­sche Bank im April 2008 für ih­re Münch­ner Zweig­stel­le ei­nen Fi­li­al­lei­ter auf Grund­la­ge ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges ein­ge­stellt, der sich nach let­ti­schem Recht rich­te­te. Im Ju­ni wur­de die­ser let­ti­sche Ar­beits­ver­trag auf­ge­ho­ben (an ei­nem Frei­tag) und we­ni­ge Ta­ge später (am nächs­ten Mon­tag) ein neu­er Ar­beits­ver­trag nach deut­schem Recht ab­ge­schlos­sen.

Im De­zem­ber kündig­te die Bank dann das „neue“ Ar­beits­verhält­nis un­ter Hin­weis auf ei­ne ver­trag­li­che ver­ein­bar­te Pro­be­zeit. Außer­dem be­rief sich die Bank dar­auf, dass das KSchG gar nicht an­wend­bar sei, da ja die sechs­mo­na­ti­ge ge­setz­li­che War­te­zeit noch nicht ab­ge­lau­fen sei.

Mit sei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge hat­te der Fi­li­al­lei­ter in der ers­ten In­stanz kei­nen Er­folg. Das Ar­beits­ge­richt Ber­lin mein­te nämlich, dass das let­ti­sche Ar­beits­verhält­nis für die War­te­zeit kei­ne Rol­le spie­le.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg (Ur­teil vom 06.10.2009, 7 Sa 569/09) ent­schied da­ge­gen zu­guns­ten des Fi­li­al­lei­ters, da es sei­ner Mei­nung nach nur auf das Be­ste­hen ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses für mehr als sechs Mo­na­te an­kommt, nicht aber auf die Fra­ge, ob die­se War­te­zeit teil­wei­se un­ter Gel­tung ei­nes ausländi­schen Ver­trags­rechts zurück­ge­legt wur­de. Und zu­sam­men­ge­rech­net war der Fi­li­al­lei­ter von April bis De­zem­ber 2008 und da­mit seit mehr als sie­ben Mo­na­ten beschäftigt (wir be­rich­te­ten darüber in: Ar­beits­recht ak­tu­ell 10/061 Kündi­gungs­schutz durch ausländi­sches Ar­beits­verhält­nis).

BAG: Der Zweck der Wartezeit wird auch erfüllt, wenn der Arbeitnehmer auf Basis eines ausländischen Arbeitsvertrags beschäftigt wird

Die pro Ar­beit­neh­mer er­gan­gen LAG-Ent­schei­dung hat das BAG nun­mehr bestätigt.

Denn der Zweck der sechs­mo­na­ti­gen Wart­zeit be­steht dar­in, dem Ar­beit­ge­ber Zeit zu ge­ben, den Ar­beit­neh­mer näher ken­nen­zu­ler­nen und ihn einschätzen zu können.

Dies ist dem Ar­beit­ge­ber aber auch auf Grund­la­ge ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses nach ausländi­schem Recht möglich. So­mit galt im Streit­fall das KSchG, und da die Bank kei­ne Kündi­gungs­gründe vor­wei­sen konn­te, war die Kündi­gung un­wirk­sam.

Fa­zit: Das Ur­teil des BAG ist zu­recht pro Ar­beit­neh­mer er­gan­gen, da sich der Re­ge­lung des § 1 Abs.1 KSchG kein An­halts­punkt dafür ent­neh­men lässt, dass nur Beschäfti­gungs­zei­ten auf der Grund­la­ge von Ar­beits­verträgen zählen, die deut­schem Ar­beits­recht un­ter­lie­gen. Ent­schei­dend ist al­lein, ob der zu­letzt gekündig­te Ver­trag deut­schem Recht un­ter­liegt. Ist das der Fall, muss der Ar­beit­ge­ber da­mit le­ben, dass es gemäß § 1 Abs.1 KSchG nur auf die Ge­samt­dau­er der Beschäfti­gung an­kommt.

Im Er­geb­nis hat das BAG da­mit den Kündi­gungs­schutz von Ar­beit­neh­mern mul­ti­na­tio­na­ler Un­ter­neh­men gestärkt. Gekündig­ten Ar­beit­neh­mern ist zu ra­ten, sich nicht vor­schnell von ei­ner ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Pro­be­zeit ent­mu­ti­gen zu las­sen, son­dern zunächst ein­mal über­prüfen zu las­sen, wie es mit der ge­setz­li­chen War­te­zeit steht.

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Letzte Überarbeitung: 31. Mai 2014

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