Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Arbeitsrecht aktuell
Jahr

Kün­di­gungs­schutz­kla­ge - An­fech­tung ei­nes Ver­gleichs

Die An­fech­tung ei­nes im Kün­di­gungs­schutz­pro­zess ge­schlos­se­nen Ver­gleichs ist nur in sel­te­nen Aus­nah­me­fäl­len mög­lich: Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10

13.04.2012. Ob ei­ne Kün­di­gung wirk­sam ist oder nicht, ist oft un­klar. Für ge­kün­dig­te Ar­beit­neh­mer emp­fiehlt sich dann ei­ne Kün­di­gungs­schutz­kla­ge. Denn selbst wenn man kein ernst­haf­tes In­ter­es­se (mehr) an der Fort­set­zung sei­nes Ar­beits­ver­hält­nis­ses hat, bie­tet ein Kün­di­gungs­schutz­pro­zess ei­nen gu­ten Rah­men, um sich auf ein ge­ord­ne­tes En­de des Ar­beits­ver­hält­nis­ses zu ei­ni­gen. Da­bei geht es meist um ei­ne Ab­fin­dung und um den In­halt des Zeug­nis­ses.

Das Er­geb­nis die­ser Ver­hand­lun­gen ist ein vor Ge­richt ver­ein­bar­ter Ver­gleich, d.h. ein Ver­trag, der zu­gleich den Kün­di­gungs­schutz­pro­zess be­en­det und da­mit ein Ur­teil über­flüs­sig macht. Ein sol­cher Ver­gleich ent­hält oft ei­ne Aus­gleichs­klau­sel, d.h. ei­nen „Schluss­strich“, dem zu­fol­ge al­le ge­gen­sei­ti­gen An­sprü­che mit dem Ver­gleich er­le­digt sind. Ob ei­ne sol­che Ge­ne­ral­ber­ei­ni­gung ei­ne gu­te Idee ist, soll­te man sich vor­her über­le­gen, denn die An­fech­tung ei­nes Ver­gleichs ist nur in sel­te­nen Aus­nah­me­fäl­len mög­lich, wie ein ak­tu­el­ler Fall des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Schles­wig-Hol­stein zeigt (Ur­teil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10).

Darf ein Arbeitnehmer im Kündigungsschutzprozess vor Abschluss eines Vergleichs Pflichtverstöße verschweigen?

Wer ei­ne Kündi­gung er­hal­ten hat, muss in­ner­halb von drei Wo­chen ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­he­ben, denn sonst steht die Wirk­sam­keit der Kündi­gung endgültig fest, § 4 Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) in Verb. mit § 7 KSchG. Dann ver­blei­ben meist nur we­ni­ge Wo­chen bis zu ei­ner Güte­ver­hand­lung, in der das Ge­richt ver­sucht, Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­ge­ber zu ei­ner gütli­chen Ei­ni­gung zu be­we­gen, d.h. zu ei­nem Ver­gleich.

Ein sol­cher Ver­gleich ist ein Ver­trag, der in § 779 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) ge­re­gelt ist. Er enthält oft ei­ne Aus­gleichs­klau­sel, der zu­fol­ge al­le ge­gen­sei­ti­gen Ansprüche er­le­digt sein sol­len. Das schützt bei­de Sei­ten vor späte­ren Nach­for­de­run­gen, ver­nich­tet aber an­de­rer­seits auch Ansprüche, an die man beim Ver­gleich nicht ge­dach­at hat. Wer aus die­sem Grun­de ei­nen Ver­gleich be­reut, kann ver­su­chen, ihn an­zu­fech­ten, z.B. we­gen „arg­lis­ti­ger Täuschung“ gemäß § 142 BGB in Verb. mit § 123 BGB. Das klappt aber nur sel­ten. Der Fall des LAG Schles­wig-Hol­stein zeigt, war­um.

Beim Aushandeln eines Vergleichs im Kündigungsschutzverfahren ist sich jeder selbst der Nächste

Ei­ne Zeit­ar­beits­fir­ma hat­te ih­rem Nie­der­las­sungs­lei­ter or­dent­lich gekündigt. An sei­nem letz­ten Ar­beits­tag vor Aus­spruch der Kündi­gung hat­te er noch ei­ne Kas­sen­ab­rech­nung vor­ge­nom­men. Der Ab­rech­nung zu­fol­ge hätten 8.450,13 EUR in der Kas­se sein müssen, tatsächlich wa­ren es nur 534,59 EUR. Sechs Wo­chen später fand vor dem Ar­beits­ge­richt ei­ne Güte­ver­hand­lung statt, denn in­zwi­schen hat­te der Nie­der­las­sungs­lei­ter Kündi­gungs­schutz­kla­ge ein­ge­reicht. Im Güte­ter­min ver­ein­bar­ten die Par­tei­en ei­nen Ver­gleich über die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses so­wie über ei­ne Ab­fin­dung von 3.300,00 EUR. Mit dem Ver­gleich soll­ten sämt­li­che ge­gen­sei­ti­gen Ansprüche er­le­digt sein.

Kurz dar­auf erklärte die Zeit­ar­beits­fir­ma die An­fech­tung des Ver­gleichs we­gen arg­lis­ti­ger Täuschung. Sie un­ter­stell­te dem Nie­der­las­sungs­lei­ter ei­ne Un­ter­schla­gung von 7.915,54 EUR und fühl­te sich durch den Ver­gleich übertölpelt. Die An­fech­tung ließen aber we­der das Ar­beits­ge­richt Lübeck (Ur­teil vom 07.10.2010, 2 Ca 1679/10) noch das LAG gel­ten. Denn der Nie­der­las­sungs­lei­ter hat­te den Fehl­be­trag an sei­nem letz­ten Ar­beits­tag den zuständi­gen An­sprech­part­nern ge­genüber of­fen­ge­legt. Außer­dem hat­te er kei­ne Al­lein­ver­ant­wor­tung für die Kas­se, die in der Ver­gan­gen­heit öfter schon Fehl­beträge auf­wies.

Fa­zit: Wer im Kündi­gungs­schutz­pro­zess ei­nen Ver­gleich ab­sch­ließt, be­en­det zu­gleich ein Ar­beits­verhält­nis und ein Ge­richts­ver­fah­ren. Die­ses Bündel durch ei­ne An­fechung noch ein­mal auf­zu­schnüren, be­las­tet nicht nur den Ver­trags- und Pro­zess­geg­ner, son­dern auch das Ge­richt. Dafür braucht man gu­te Gründe, die hier im Streit­fall nicht vor­la­gen. Denn der Ar­beit­ge­ber hat­te lan­ge vor dem Ver­gleich al­le nöti­gen In­for­ma­tio­nen. Ei­ne Täuschung im Rechts­sin­ne lag hier nicht vor.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 23. November 2015

Bewertung: Kün­di­gungs­schutz­kla­ge - An­fech­tung ei­nes Ver­gleichs 5.0 von 5 Sternen (1 Bewertung)

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880