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Kün­di­gungs­schutz­kla­ge und Be­triebs­über­gang

Die Kün­di­gungs­schutz­kla­ge führt al­lein der Be­triebs­ver­käu­fer, wenn er vor Be­triebs­über­gang ge­kün­digt hat: Lan­des­ar­beits­ge­richt Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Ur­teil vom 20.09.2011, 5 Sa 333/10
11.11.2011. Bei ei­nem Be­triebs­über­gang im Sin­ne von § 613a Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) wird der Be­triebs­er­wer­ber kraft Ge­set­zes au­to­ma­tisch neu­er Ar­beit­ge­ber al­ler Ar­beit­neh­mer des Be­trie­bes. Auch Ar­beits­ver­hält­nis­se, die vor dem Be­triebs­über­gang vom al­ten In­ha­ber ge­kün­digt wor­den wa­ren und nur noch bis zum En­de der Kün­di­gungs­frist lau­fen, ge­hen auf den Be­triebs­er­wer­ber über.

Wehrt sich ein vom al­ten Be­triebs­in­ha­ber ge­kün­dig­ter Ar­beit­neh­mer ge­gen die Kün­di­gung mit ei­ner Kün­di­gungs­schutz­kla­ge, stellt sich für den Be­triebs­er­wer­ber die Fra­ge, ob er bei die­sem Kün­di­gungs­schutz­pro­zess „ein Wört­chen mit­zu­re­den“ hat. Nein, hat er nicht, so das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Meck­len­burg-Vor­pom­mern (Ur­teil vom 20.09.2011, 5 Sa 333/10).

Kündigungsschutzklage vor Betriebsübergang: Wer muss verklagt werden?

Ein Be­triebsüber­gang liegt kurz ge­sagt dann vor, wenn nur der In­ha­ber wech­selt und an­sons­ten al­les weit­ge­hend beim Al­ten bleibt. Die „Iden­tität“ des Be­triebs, al­so die kon­kre­te Mi­schung aus Be­triebs­abläufen, Kun­den­be­zie­hun­gen, tech­ni­schen Ein­rich­tun­gen, Ar­beits­verhält­nis­sen usw., „lebt“ dann wei­ter. Da­her gibt es bei ei­nem Be­triebsüber­gang - an­ders als bei ei­ner Be­triebs­still­le­gung - auch kei­nen Grund für be­triebs­be­ding­te Kündi­gun­gen.

Trotz­dem spre­chen Be­triebs­verkäufer vor dem Be­triebsüber­gang oft noch be­triebs­be­ding­te Kündi­gun­gen aus, um den Be­trieb mit ei­ner nach den Käuferwünschen "ge­sund­ge­schrumpf­ten" Be­leg­schaft über­ge­ben zu können. Ar­beit­neh­mer, die sich ge­gen sol­che Kündi­gun­gen mit ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge weh­ren, ha­ben gu­te Chan­cen, ih­ren Pro­zess zu ge­win­nen. Von ei­ner er­folg­rei­chen Kündi­gungs­schutz­kla­ge be­trof­fen ist dann der Er­wer­ber: Er muss die Ar­beit­neh­mer, die sich wie­der hin­ein­ge­klagt ha­ben, wei­ter beschäfti­gen.

Ge­winnt der Ar­beit­neh­mer sei­ne ge­gen den al­ten Be­triebs­in­ha­ber ge­rich­te­te Kündi­gungs­schutz­kla­ge in der ers­ten In­stanz vor dem Ar­beits­ge­richt, fragt sich da­her, ob der Er­wer­ber da­ge­gen Be­ru­fung ein­le­gen kann.

LAG Mecklenburg-Vorpommern: Die Kündigungsschutzklage liegt allein in der Hand des Betriebsverkäufers, wenn er die streitige Kündigung ausgesprochen hat

Ei­ne wirt­schaft­lich an­ge­schla­ge­ne Dru­cke­rei ent­ließ zu En­de Au­gust 2009 vie­le Ar­beit­neh­mer und stell­te den Be­trieb zu die­sem Stich­tag of­fi­zi­ell ein. Schon im Sep­tem­ber wur­de aber am sel­ben Ort, mit der­sel­ben Druck­ma­schi­ne und mit Tei­len der al­ten Be­leg­schaft ein „neu­er“ Be­trieb eröff­net. Ei­ne der gekündig­ten Ar­beit­neh­me­rin­nen er­hob Kündi­gungs­schutz­kla­ge und ver­lang­te vom neu­en Be­triebs­in­ha­ber Wei­ter­beschäfti­gung.

Das Ar­beits­ge­richt Schwe­rin ging von ei­nem Be­triebsüber­gang aus, hielt die Kündi­gung des­halb für un­wirk­sam und ver­ur­teil­te den Neu­in­ha­ber zur Wei­ter­beschäfti­gung (Ur­teil vom 24.11.2010, 55 Ca 1545/09). Ge­gen das Ur­teil wehr­te sich nur der Neu­in­ha­ber. Das LAG stell­te klar, dass das nur hin­sicht­lich des Wei­ter­beschäfti­gungs­an­tra­ges zulässig war. Da aber durch das mitt­ler­wei­le rechts­kräfti­ge Ur­teil des Ar­beits­ge­richts fest­stand, dass die Kündi­gung un­wirk­sam war, muss­te der Er­wer­ber die Ar­beit­neh­mer wei­ter beschäfti­gen und be­zah­len.

Fa­zit: Kündigt ein Be­triebs­veräußerer vor dem Be­triebsüber­gang ei­nem Ar­beit­neh­mer und er­hebt die­ser Kündi­gungs­schutz­kla­ge, ist der Er­wer­ber dem Pro­zes­s­er­geb­nis aus­ge­lie­fert. Er kann sein Ri­si­ko nur da­durch ver­rin­gern, dass er dem kla­gen­den Ar­beit­neh­mer ei­ne be­fris­te­te (Pro­zess-) Beschäfti­gung an­bie­tet, und natürlich kann er auch selbst vor­sorg­lich kündi­gen. Und für gekündig­te Ar­beit­neh­mer gilt: Ne­ben der Kündi­gungs­schutz­kla­ge, die sich ge­gen den al­ten Be­triebs­in­ha­ber rich­tet, soll­te man zu­gleich den neu­en In­ha­ber ver­kla­gen, nämlich auf Beschäfti­gung und auf Zah­lung von An­nah­me­ver­zugs­lohn. Dann stei­gen die Chan­cen, ei­ne gu­te Ab­fin­dung her­aus­zu­schla­gen.

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Letzte Überarbeitung: 19. Dezember 2013

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