Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Arbeitsrecht aktuell
Jahr

Kün­di­gungs­schutz­kla­ge oh­ne Kün­di­gungs­schutz­pro­zess

Ei­ne Kün­di­gungs­schutz­kla­ge wird nicht rechts­hän­gig, wenn die für den Ar­beit­ge­ber be­stimm­te Ab­schrift der Kla­ge­schrift nicht kor­rekt be­glau­bigt ist: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg Ur­teil vom 20.02.2013, 4 Sa 93/12

24.04.2013. Wer als Ar­beit­neh­mer ei­ne Kün­di­gung er­hal­ten hat, kann de­ren Wirk­sam­keit mit ei­ner Kün­di­gungs­schutz­kla­ge ge­richt­lich über­prü­fen las­sen. Wie je­de Kla­ge muss auch ei­ne Kün­di­gungs­schutz­kla­ge von dem, der sie bei Ge­richt ein­reicht, ei­gen­hän­dig un­ter­schrie­ben wer­den.

Ei­ne nicht un­ter­schrie­be­ne Kün­di­gungs­schutz­kla­ge ist un­zu­läs­sig, und dann hat der Klä­ger ein Pro­blem. Da­her ge­ben sich An­wäl­te (je­den­falls meis­tens) viel Mü­he bei ih­rer Un­ter­schrift, die sie un­ter ih­re Kla­ge­schrif­ten set­zen.

Das soll­ten sie aber auch tun, wenn sie die Ab­schrift der Kün­di­gungs­schutz­kla­ge be­glau­bi­gen, die für den Ar­beit­ge­ber be­stimmt ist. Denn wenn der Be­glau­bi­gungs­ver­merk auf der die­ser Ab­schrift fehlt, kann die Kla­ge nicht zu­ge­stellt wer­den. Über ei­nen sol­chen Fall hat­te vor kur­zem das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ba­den-Würt­tem­berg zu ent­schei­den: LAG Ba­den-Würt­tem­berg Ur­teil vom 20.02.2013, 4 Sa 93/12.

Wie pingelig müssen Kündigungsschutzklagen und Beglaubigungsvermerke auf den Klageabschriften unterschrieben werden?

Anwälte ha­ben oft we­nig Zeit. Aber wenn es dar­um geht, ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge ein­zu­rei­chen, soll­te man ein "slob­bie" sein, d.h. zu den slow but bet­ter working peop­le gehören. Denn so­viel Zeit muss im­mer sein, dass man als An­walt ei­ne or­dent­lich und vollständig ge­schrie­be­ne Un­ter­schrift un­ter die Kla­ge­schrift setzt.

Und mit Un­ter­schrift ist der vol­le Na­mens­zug ge­meint, d.h. der vollständig aus­ge­schrie­be­ne Nach­na­me und nicht et­wa nur ein Hand­zei­chen ("Pa­ra­phe"). Rechts­an­walt Max Mus­ter­mann muss da­her sei­nen gan­zen "Mus­ter­mann" un­ter die Kla­ge­schrift schrei­ben und nicht nur ein Hand­zei­chen wie "M. M." oder "Mu." oder "Musm".

Denn ei­ne sol­che Un­ter­schrift gehört gemäß § 253 Abs. 4 Zi­vil­pro­zess­ord­nung (ZPO) in Verb. mit § 130 Nr.6 ZPO zu den we­sent­li­chen Er­for­der­nis­sen ei­ner Kla­ge­schrift. Und oh­ne Un­ter­schrift ist ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge un­zulässig und da­her ab­zu­wei­sen (LAG Hamm, Ur­teil vom 17.11.2011, 8 Sa 781/11).

Da­bei kann man sich als Kläger bzw. kla­gen­der An­walt zwar theo­re­tisch dar­auf be­ru­fen, dass ein sol­cher Man­gel gemäß § 295 Abs.1 ZPO "ge­heilt" wird, weil sich nämlich die Ge­gen­par­tei oh­ne Be­an­stan­dung die­ses - ihr be­kann­ten - Form­feh­lers zur Sa­che geäußert hat. Doch ei­ne sol­che "rüge­lo­se Ein­las­sung" kommt sel­ten vor. Denn dass das Ori­gi­nal der Kla­ge­schrift kei­ne kor­rek­te Un­ter­schrift enthält, kann der Be­klag­te nicht wis­sen, weil sich die Ori­gi­nal­kla­ge­schrift in der Ge­richts­ak­te be­fin­det.

Und wenn das Ge­richt die Par­tei­en auf die feh­len­de Un­ter­schrift hin­weist, wird sich der be­klag­te Ar­beit­ge­ber auf die­sen Form­m­an­gel natürlich auch be­ru­fen. Denn wenn die Kla­ge ein­mal man­gels Un­ter­schrift als un­zulässig ab­ge­wie­sen wird, hat der be­klag­te Ar­beit­ge­ber den Streit um die Wirk­sam­keit der Kündi­gung endgültig ge­won­nen, weil ei­ne er­neu­te Kündi­gungs­schutz­kla­ge we­gen der mitt­ler­wei­le lan­ge ab­ge­lau­fe­nen Drei­wo­chen­frist (§ 4 in Verb. mit § 7 Kündi­gungs­schutz­ge­setz - KSchG) ab­zu­wei­sen wäre.

Frag­lich ist, wel­che Fol­gen es hat, wenn nicht (oder nicht nur) das in der Ge­richt be­find­li­che Ori­gi­nal der Kla­ge­schrift kei­ne kor­rek­te Un­ter­schrift trägt, son­dern (auch) die Ab­schrift der Kla­ge, die dem Ar­beit­ge­ber vom Ge­richt zu­zu­stel­len ist. Die­se Ab­schrift muss be­glau­bigt sein, d.h. ei­nen ge­richt­li­chen oder vom kla­gen­den An­walt stam­men­den Ver­merk tra­gen, dem zu­fol­ge die Ab­schrift mit dem Ori­gi­nal der Kla­ge übe­rein­stimmt.

Der Streitfall: Nicht nur die Kündigungsschutzklage ist mit einem Namenskürzel "unterschrieben", sondern auch die beglaubigte Abschrift

Im Streit­fall ging es um ei­ne or­dent­li­che be­triebs­be­ding­te Kündi­gung, die ein In­sol­venz­ver­wal­ter aus­ge­spro­chen hat­te und ge­gen die sich der gekündig­te Ar­beit­neh­mer mit Hil­fe ei­ner Rechts­anwältin in­ner­halb der Drei­wo­chen­frist ge­richt­lich zur Wehr setz­te, nämlich mit ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge.

Lei­der war die Kündi­gungs­schutz­kla­ge aber von der Anwältin nur mit den An­fangs­buch­sta­ben ih­res Vor- und Nach­na­mens „R. T.“ un­ter­zeich­net. Und auch die von der Anwältin bei­gefügte "be­glau­big­te Ab­schrift" der Kla­ge­schrift trug nur ei­nen auf­ge­stem­pel­ten Ver­merk „Be­glau­big­te Ab­schrift“, un­ter dem sich wie­der­um das Na­menskürzel „R. T.“ be­fand. In der ei­gent­li­chen Un­ter­schrifts­zei­le der Ab­schrift der Kla­ge­schrift be­fand sich kei­ne Un­ter­schrift.

Die­se „be­glau­big­te Ab­schrift“ wur­de dem be­klag­ten In­sol­venz­ver­wal­ter vom Ar­beits­ge­richt Stutt­gart zu­ge­stellt. Später wies das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge als un­be­gründet ab, weil es der Mei­nung war, der Ver­wal­ter hätte zu­recht gekündigt.

LAG Baden-Württemberg: Ohne korrekt unterschriebenen Beglaubigungsvermerk keine wirksame Klagezustellung

In dem da­ge­gen vom Ar­beit­neh­mer an­ge­streng­ten Be­ru­fungs­ver­fah­ren vor dem LAG Ba­den-Würt­tem­berg wies das LAG dar­auf hin, dass die Kla­ge­schrift nicht ord­nungs­gemäß un­ter­schrie­ben war. Außer­dem kam her­aus, dass auch die "be­glau­big­te Ab­schrift" der Kla­ge in Wahr­heit kei­ne kor­rek­te be­glau­big­te Ab­schrift war.

Das LAG hob da­her das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Stutt­gart auf und ver­wies die Sa­che zum Zwe­cke ei­ner ord­nungs­gemäßen Kla­ge­zu­stel­lung und zur er­neu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Ar­beits­ge­richt zurück. Denn ei­ne Kla­ge war nie ord­nungs­gemäß er­ho­ben wor­den, weil die dem Ver­wal­ter zu­ge­stell­te "be­glau­big­te Ab­schrift" der Kla­ge man­gels kor­rek­ter Un­ter­zeich­nung des Be­glau­bi­gungs­ver­merks gar kei­ne zu­stel­lungsfähi­ge Ab­schrift der Ori­gi­nal­kla­ge­schrift war. Da­her war die Kla­ge nie rechtshängig ge­wor­den und das Ar­beits­ge­richt hätte gar kein Ur­teil fällen dürfen.

Im vor­lie­gen­den Fall ist zu er­war­ten, dass das Ar­beits­ge­richt ei­ne Ko­pie der bei Ge­richts­ak­te be­find­li­chen Ori­gi­nal­kla­ge­schrift an­fer­tigt und die­se Ko­pie selbst mit ei­nem Be­glau­bi­gungs­ver­merk ver­sieht. Dann erhält der Be­klag­te knapp zwei Jah­re nach Aus­spruch der Kündi­gung erst­mals ei­ne kor­rekt be­glau­big­te Ab­schrift ei­ner Kla­ge­schrift, die ih­rer­seits nicht un­ter­schrie­ben ist, so dass die Kla­ge als un­zulässig ab­zu­wei­sen ist.

Fa­zit: Übli­cher­wei­se rei­chen Anwälte ne­ben der Kla­ge­schrift (Ori­gi­nal) ei­ne von ih­nen be­glau­big­te Ab­schrift (= Fo­to­ko­pie) der Kla­ge­schrift bei Ge­richt ein, da­mit das Ge­richt die be­glau­big­te Ab­schrift an den Be­klag­ten zu­stel­len kann. Dann muss die be­glau­big­te Ab­schrift bzw. der auf ihr an­ge­brach­te Be­glau­bi­gungs­ver­merk vom An­walt un­ter­schrie­ben sein. Auch hier genügt kei­ne Pa­ra­phe, wie das LAG Ba­den-Würt­tem­berg klar­ge­stellt hat.

Wie wich­tig ein pin­ge­li­ger Be­glau­bi­gungs­ver­merk ist, wird klar, wenn man sich den Fall so vor­stellt, dass die Ori­gi­nal­kla­ge­schrift kor­rekt un­ter­schrie­ben wor­den wäre. Dann wäre nämlich die hier ver­stri­che­ne Zeit zwi­schen Ein­rei­chung und Zu­stel­lung der Kla­ge viel zu lang, um die Drei­wo­chen­frist noch als ge­wahrt an­se­hen zu können.

Denn wenn durch die Zu­stel­lung ei­nes Schrift­sat­zes (z.B. ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge) ei­ne Frist ge­wahrt wer­den soll (z.B. die Drei­wo­chen­frist der § 4 und § 7 KSchG), wird die Frist gemäß § 167 ZPO nur dann mit Ein­rei­chung des Schrift­sat­zes bei Ge­richt ge­wahrt, wenn des­sen Zu­stel­lung "demnächst er­folgt". Da­von kann je­den­falls dann nicht mehr die Re­de sein, wenn zwi­schen Ein­rei­chung der Kündi­gungs­schutz­kla­ge und Zu­stel­lung ei­ner kor­rekt be­glau­big­ten Ab­schrift mehr als fünf oder sechs Mo­na­te lie­gen.

Das trau­ri­ge Er­geb­nis sol­cher an­walt­li­chen Fehl­leis­tun­gen sind Kündi­gungs­schutz­kla­gen oh­ne Kündi­gungs­schutz­pro­zes­se, d.h. der An­walt reicht letzt­lich nutz­lo­se Pa­pie­re bei Ge­richt ein.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 25. Oktober 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Autorenprofil

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880