Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Arbeitsrecht aktuell
Jahr

Leih­ar­beit: Glei­che Ar­beit, we­ni­ger Lohn

Leih­ar­beit­neh­mer be­kom­men bei glei­cher Ar­beit we­ni­ger Lohn als Stamm­kräf­te: Ber­tels­mann-Stu­die zur Zeit­ar­beit be­legt Lohn­un­ter­schied zwi­schen Zeit­ar­beit­neh­mern und Stamm­kräf­ten

10.04.2012. Ob es Be­rich­te über Leih­ar­beit­neh­mer sind, die trotz ih­res Jobs auf Ar­beits­lo­sen­geld II an­ge­wie­sen sind, ob es um die Ein­füh­rung von Min­dest­löh­nen in der Leih­ar­beits­bran­che geht oder um die Fol­gen der Ta­rif­un­fä­hig­keit der Ta­rif­ge­mein­schaft Christ­li­cher Ge­werk­schaf­ten für Zeit­ar­beit und Per­so­nal­ser­vice­agen­tu­ren (CG­ZP) - die Zeit­ar­beit ist seit Jah­ren in al­ler Mun­de.

Kaum ver­wun­der­lich, denn im­mer­hin be­schäf­tigt die Bran­che der­zeit na­he­zu 900.000 Men­schen.

Doch schei­nen die Pro­ble­me bei der Be­zah­lung von Zeit­ar­bei­tern mit der Ein­füh­rung ei­nes all­ge­mein­ver­bind­li­chen ta­rif­li­chen Min­dest­lohns nicht be­ho­ben zu sein. Ei­ne Stu­die, die das Rhei­nisch-West­fä­li­sche In­sti­tut für Wirt­schafts­for­schung (RWI) im Auf­trag der Ber­tels­mann Stif­tung durch­ge­führt hat, ent­hält neue Zah­len, die ei­ne sol­che Schief­la­ge bei der Be­zah­lung von Leih­ar­beit­neh­mern un­ter­mau­ern.

Der Stu­die zu­fol­ge boomt die Leih­ar­beits­bran­che. Et­wa je­de drit­te der bei der Bun­des­agen­tur für Ar­beit ge­mel­de­ten of­fe­nen Stel­len wird von ei­nem Zeit­ar­beits­be­trieb an­ge­bo­ten. Zu den Kun­den der Ver­lei­her­be­trie­be zäh­len meist mitt­le­re und gro­ße Un­ter­neh­men. Da­bei grei­fen Groß­un­ter­neh­men eher als Mit­tel­ständ­ler auf die Leih­ar­beit als In­stru­ment ei­nes fle­xi­blen Per­so­nal­ma­nage­ments zu­rück.

In der Leih­ar­beit be­schäf­tigt sind über­pro­por­tio­nal vie­le Män­ner, Per­so­nen mitt­le­ren Al­ters, Aus­län­der und Ar­beit­neh­mer oh­ne ab­ge­schlos­se­ne Be­rufs­aus­bil­dung. Deut­lich über­re­prä­sen­tiert sind Fer­ti­gungs­be­ru­fe, wo­hin­ge­gen Dienst­leis­tungs­be­ru­fe und tech­ni­sche Be­ru­fe in der Leih­ar­beits­bran­che sel­te­ner an­zu­tref­fen sind. Den größ­ten An­teil der Leih­ar­beit­neh­mer stel­len nach wie vor die Hilfs­ar­bei­ter.

Die vor­lie­gen­de Un­ter­su­chung wi­der­legt die oft ge­äu­ßer­te Be­fürch­tung, dass Zeit­ar­beit ein­ge­setzt wird, um die Stamm­be­schäf­tig­ten zu er­set­zen. Of­fen­bar ist eher das Ge­gen­teil der Fall, denn nur ein ge­rin­ger An­teil der Kun­den­be­trie­be baut Zeit­ar­beit auf und gleich­zei­tig die Stamm­be­leg­schaft ab. Öf­ter ist zu be­ob­ach­ten, dass Un­ter­neh­men, die Leih­ar­bei­ter be­schäf­ti­gen, ih­re Stamm­be­leg­schaft lang­fris­tig eher auf­stockt ha­ben.

Die Stu­die ent­hält aber nicht nur gu­te Nach­rich­ten, son­dern auch schlech­te. Denn die durch­schnitt­li­chen Ent­gel­te in der Zeit­ar­beit un­ter­schrei­ten deut­lich die an­sons­ten üb­li­chen Löh­ne und Ge­häl­ter. In den neu­en Bun­des­län­dern la­gen die mo­nat­li­chen Brut­to­ent­gel­te so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ger voll­zeit­be­schäf­tig­ter Män­ner und Frau­en in der Zeit­ar­beit im De­zem­ber 2010 rund 40 Pro­zent un­ter den ent­spre­chen­den Durch­schnitts­ein­kom­men in der Ge­samt­wirt­schaft.

Im Bun­des­ge­biet West be­trägt die Dif­fe­renz bei den Frau­en rund 40 Pro­zent. Bei den Män­nern be­trägt der Un­ter­schied so­gar gan­ze 50 Pro­zent. Und der Ver­gü­tungs­rück­stand hält sich über die Jah­re: Für kei­ne der o.g. Ar­beit­neh­mer­grup­pen hat sich der Rück­stand auf die Ent­gel­te ver­gleich­ba­rer Ar­beit­neh­mer au­ßer­halb der Zeit­ar­beits­bran­che seit 2003 nen­nens­wert ge­än­dert.

Al­ler­dings weist die Stu­die auch dar­auf hin, dass sich die Lohn­un­ter­schie­de teil­wei­se durch in­di­vi­du­el­le Merk­ma­le der Zeit­ar­bei­ter er­klä­ren las­sen. Denn sie kom­men häu­fig nach lan­ger Ar­beits­lo­sig­keit in ei­nen Ent­lei­her­be­trieb und müs­sen dort zu­nächst ein­ge­ar­bei­tet wer­den. Zu­dem zeich­nen sich ih­re Le­bens­läu­fe häu­fig durch Brü­che und Ar­beits­lo­sig­keit aus. Ih­re Pro­duk­ti­vi­tät ist da­mit an­fangs ge­rin­ger als die ih­rer Kol­le­gen aus der Stamm­be­leg­schaft, so­lan­ge sie nicht mit ih­ren neu­en Auf­ga­ben ver­traut sind.

Da­mit un­ter­schei­den sich Leih­ar­beit­neh­mer, zu­min­dest zu Be­ginn ih­rer Tä­tig­keit im Ent­lei­her­be­trieb, von den durch­schnitt­li­chen Be­schäf­tig­ten und die­se Un­ter­schie­de schla­gen sich üb­li­cher­wei­se in ei­nem ge­rin­ge­ren Lohn nie­der. Da­zu kommt, dass es sich hier­bei oft um An­lern- oder Aus­hilfs­tä­tig­kei­ten han­delt, ins­be­son­de­re wenn die Leih­ar­beit­neh­mer über kei­ne ab­ge­schlos­se­ne Be­rufs­aus­bil­dung ver­fü­gen.

Da­mit lässt sich je­doch nur ein Teil des Lohn­ge­fäl­les er­klä­ren. Die For­de­rung, die­ses Ge­fäl­le im Lau­fe der Zeit ab­zu­bau­en, ist da­her be­rech­tigt. Denn ar­bei­tet ein Leih­ar­bei­ter über län­ge­re Zeit für das­sel­be Un­ter­neh­men, stei­gert er dort auch sei­ne Leis­tung.

Die Stu­die zeigt so­mit, dass Leih­ar­beit für Ar­beits­lo­se ei­ne „Brü­cke“ zu­rück ins Er­werbs­le­ben schla­gen kann. Wür­de man be­reits ab Be­ginn des Leih­ar­beits­ein­sat­zes an ei­ne glei­che Be­zah­lung von Leih­ar­beit­neh­mern und Stamm­kräf­ten vor­schrei­ben, wür­den sich vor­aus­sicht­lich die Chan­cen für Leih­ar­beit­neh­mer ver­rin­gern, über die Leih­ar­beit wie­der in Be­schäf­ti­gung zu kom­men. Denn auch das hat die vor­lie­gen­de Er­he­bung be­legt: Die Stamm­be­leg­schaft wird durch Leih­ar­beit eher auf­ge­baut als dass sie durch Leih­ar­beit er­setzt wird.

Fa­zit: Ob­wohl die Stu­die zeigt, dass Leih­ar­beit nicht den Ef­fekt hat, re­gu­lä­re Be­schäf­ti­gung zu ver­drän­gen, kann sie die den­noch die Stamm­be­leg­schaft un­ter Druck set­zen und ei­nen Bei­trag da­zu leis­ten, dass de­ren Lohn­ni­veau ab­ge­senkt wird.

Des­halb spricht sich die Ber­tels­mann-Stu­die da­für aus, die Be­zah­lung von Leih­ar­bei­tern an die Ver­gü­tung der Stamm­kräf­te an­zu­glei­chen, wenn der Ar­beits­ein­satz in dem­sel­ben Ein­satz­un­ter­neh­men län­ger als drei Mo­na­te dau­ert („Equal Pay“). Da­mit wür­den et­wa 490.000 von 910.000 Zeit­ar­bei­tern in Deutsch­land deut­lich mehr Ge­halt be­kom­men, so schät­zen die Wis­sen­schaft­ler.

Ei­ne sol­che An­he­bung auf „Equal Pay“ wür­de die Ge­fahr ver­rin­gern, dass zum Stich­tag der An­he­bung die vor­han­de­nen Leih­ar­beit­neh­mer durch neue er­setzt wer­den, um ei­ne An­glei­chung der Löh­ne zu ver­mei­den. In die­sem Fall müss­ten die Ar­beit­ge­ber ei­ne hö­he­re Fluk­tua­ti­ons­ra­te ein­kal­ku­lie­ren und stän­dig neue Kräf­te ein­ar­bei­ten. Ein sol­cher er­heb­li­cher Zeit­auf­wand wird sich oft­mals nicht für sie rech­nen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 18. November 2015

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880