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Voll ver­netzt - Licht und Schat­ten der di­gi­ta­len Ar­beits­welt

Ar­bei­ten zu je­der Ta­ges­zeit und von fast über­all aus - die di­gi­ta­le Re­vo­lu­ti­on hat vie­le Ge­sich­ter: Da­mit Un­ter­neh­men und Be­schäf­tig­te pro­fi­tie­ren, müs­sen die In­ter­es­sen gut aus­ta­riert wer­den

30.12.2014. (dpa) - Die Di­gi­ta­li­sie­rung hat die Ar­beits­welt längst voll er­fasst.

Schon jetzt macht die Ar­beit an Ta­blet, Note­book oder Smart­pho­ne vie­le Be­schäf­tig­te im Bü­ro, un­ter­wegs oder im Ho­me-Of­fice zu Dau­er­gäs­ten im In­ter­net.

Auch in der Pro­duk­ten­wick­lung und bei vie­len Pro­duk­ti­ons­pro­zes­sen geht nichts mehr oh­ne Soft­ware und Ver­net­zung.

Der Wan­del birgt kla­re Chan­cen - aber auch Ri­si­ken.

Wäh­rend die Ei­nen von neu­en Ge­schäfts­ide­en für Fir­men und ei­ner freie­ren Zeit­ein­tei­lung für die Mit­ar­bei­ter schwär­men, war­nen An­de­re vor ei­nem Ra­tio­na­li­sie­rungs­schub und for­dern Spiel­re­geln für die neue Ar­beits­welt.

Vor al­lem die stän­di­ge Er­reich­bar­keit durch E-Mails und Mo­bil­te­le­fo­nie bie­tet seit Jah­ren Dis­kus­si­ons­stoff. Ei­ni­ge Un­ter­neh­men bau­en aber mitt­ler­wei­le Däm­me ge­gen die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­flut. Sie bie­ten an, bei­spiels­wei­se dienst­li­che E-Mails, die Mit­ar­bei­ter wäh­rend ih­rer Ur­laubs­zei­ten be­kom­men, zu lö­schen, wie der Au­to­bau­er Daim­ler. Beim Ver­si­che­rungs­kon­zern Al­li­anz ap­pel­liert ei­ne Kam­pa­gne auch an die Ei­gen­ver­ant­wor­tung der Be­schäf­tig­ten: Auf Pla­ka­ten, die im Fir­men­ge­bäu­de aus­hän­gen, ist ein Mann mit Lap­top zu se­hen, da­ne­ben sei­ne klei­ne Toch­ter, die wohl lie­ber mit ihm spie­len wür­de. "Wie Sie Ihr Wo­chen­en­de ge­stal­ten, ent­schei­den Sie selbst", heißt es auf den Pla­ka­ten.

Der Tech­nik­kon­zern Bosch will das Mail-Di­ckicht auch im Ar­beits­all­tag lich­ten: Über ei­ne fir­men­in­ter­ne Platt­form kön­nen sich die Be­schäf­tig­ten zu Ar­beits­grup­pen zu­sam­men­fin­den und bei­spiels­wei­se Be­spre­chungs­pro­to­kol­le di­rekt be­ar­bei­ten, oh­ne noch viel elek­tro­ni­sche Post mit An­hän­gen an gro­ße Ver­tei­ler hin- und her­zu­schi­cken. In man­chen Fäl­len kön­nen so bis zu 30 Pro­zent des bis­he­ri­gen Mail-Pen­sums ein­ge­spart wer­den, sagt ein Un­ter­neh­mens­spre­cher.

Ab­ar­bei­ten las­sen sich vie­le Auf­ga­ben mitt­ler­wei­le von je­dem Ort, der Zu­griff aufs In­ter­net bie­tet - ob von zu Hau­se, aus dem Zug oder aus ei­nem In­ter­net­ca­fé. Da­mit durch die fle­xi­ble­re Zeit­ein­tei­lung nicht Ar­beit und Frei­zeit im­mer stär­ker ver­schwim­men, ma­chen sich Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter da­für stark, dass Gren­zen ge­zo­gen wer­den wie beim Au­to­bau­er BMW: Auf Ba­sis ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung kön­nen sich die Mit­ar­bei­ter mo­bi­le Tä­tig­kei­ten als Ar­beits­zeit an­rech­nen las­sen und ih­re Auf­ga­ben er­le­di­gen, wann es am bes­ten in ih­ren Ta­ges­ab­lauf passt - und das ist bei man­chen Be­schäf­tig­ten eben erst um 20.00 Uhr abends, wenn der Haus­halt er­le­digt ist und die Kin­der im Bett lie­gen.

Ne­ben sol­chen po­si­ti­ven An­sät­zen gibt es aber auch pro­ble­ma­ti­sche Ent­wick­lun­gen, sagt Va­nes­sa Barth, Di­gi­ta­li­sie­rungs-Ex­per­tin beim IG-Me­tall-Vor­stand. Weil mehr Men­schen mo­bil ar­bei­ten, bie­ten man­che Fir­men nicht mehr für je­den Ar­beit­neh­mer ei­nen fes­ten Ar­beits­platz im Bü­ro an und set­zen zu­neh­mend auf die so­ge­nann­te Ver­trau­ens­ar­beits­zeit. Da­bei ste­hen die zu er­le­di­gen­den Auf­ga­ben, und nicht mehr der Zeit­auf­wand des Mit­ar­bei­ters im Vor­der­grund. "Das ist ei­ne Flat­rate auf die Ar­beits­zeit", sagt die Ge­werk­schaf­te­rin. So las­se sich auch nicht mehr kon­trol­lie­ren, wie viel Man­power für ein Pro­jekt nö­tig ist.

Auch das so­ge­nann­te Crowd­sour­cing, al­so die Ver­ga­be von Teil­auf­ga­ben an In­ter­net-User in al­ler Welt, sieht Barth zwie­späl­tig. Der Zu­gang zu Ar­beit wer­de zwar er­leich­tert, weil auf­wen­di­ge Be­wer­bungs­pro­zes­se weg­fal­len, doch sei­en die Aus­wahl der ge­leis­te­ten Ar­beit und die Be­zah­lung häu­fig in­trans­pa­rent.

Als Ver­hin­de­rer neu­er und fle­xi­ble­rer Ar­beits­mo­del­le will sich die Ge­werk­schaft al­ler­dings nicht ver­stan­den wis­sen - im Ge­gen­teil. Es ge­he dar­um, Ar­beit ge­mein­sam und auf Au­gen­hö­he zu ge­stal­ten, sagt Barth. Da­zu ge­hö­re auch die Wei­ter­bil­dung, da­mit bei­spiels­wei­se auch äl­te­re Be­schäf­tig­te als "Di­gi­tal Im­mi­grants" in der neu­en Ar­beits­welt nicht den An­schluss ver­lie­ren. Die­sen Punkt hat die IG Me­tall des­halb auch für die im Ja­nu­ar be­gin­nen­de Ta­rif­run­de auf die Agen­da ge­setzt.

Klar ist: Auf­hal­ten lässt sich der di­gi­ta­le Wan­del oh­ne­hin nicht - des­halb gilt es nach An­sicht von Wirt­schafts­ver­bän­den, die Chan­cen zu nut­zen. Der Bun­des­ver­band der Deut­schen In­dus­trie (BDI) et­wa setzt auf die neu­en Mög­lich­kei­ten, Pro­duk­te in­di­vi­du­ell auf die Ver­brau­cher zu­zu­schnei­den. Das könn­te letzt­lich zu ei­ner Neu­an­sied­lung in­tel­li­gen­ter Mas­sen­pro­duk­ti­on in Deutsch­land füh­ren, hofft BDI-Prä­si­dent Ul­rich Gril­lo.

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Letzte Überarbeitung: 12. April 2016

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