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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Annahmeverzug
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 5 AZR 564/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 17.11.2011
   
Leit­sätze: Die Zu­mut­bar­keit an­der­wei­ti­ger Ar­beit iSv. § 11 Satz 1 Nr. 2 KSchG und der ar­beits­ver­trag­li­che Beschäfti­gungs­an­spruch sind recht­lich un­abhängig.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Wuppertal, Urteil vom 9.02.2010, 8 Ca 1605/09
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 21.07.2010, 7 Sa 422/10
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT


5 AZR 564/10
7 Sa 422/10
Lan­des­ar­beits­ge­richt
Düssel­dorf

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
17. No­vem­ber 2011

UR­TEIL

Met­ze, Ur­kunds­be­am­ter

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Be­klag­te, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­onskläge­rin,

pp.

Kläger, Be­ru­fungs­be­klag­ter und Re­vi­si­ons­be­klag­ter,

hat der Fünf­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 17. No­vem­ber 2011 durch den Vi­ze­präsi­den­ten des Bun­des­ar­beits­ge­richts Dr. Müller-Glöge, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Laux, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Biebl so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Feld­mei­er und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Chris­ten für Recht er­kannt:
 


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1. Auf die Re­vi­si­on der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 21. Ju­li 2010 - 7 Sa 422/10 - teil­wei­se auf­ge­ho­ben.


2. Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Wup­per­tal vom 9. Fe­bru­ar 2010 - 8 Ca 1605/09 - teil­wei­se ab­geändert und die Kla­ge auch in-so­weit ab­ge­wie­sen, als die Be­klag­te ver­ur­teilt wor­den ist, an den Kläger mehr als 1.563,72 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus 260,62 Eu­ro seit dem 7. April 2009 und aus wei­te­ren 1.303,10 Eu­ro seit dem 1. Ju­li 2009 zu zah­len.


3. Von den Kos­ten des Rechts­streits ers­ter In­stanz ha­ben der Kläger 91 % und die Be­klag­te 9 %, von den Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens der Kläger 90 % und die Be­klag­te 10 % zu tra­gen. Die Kos­ten der Re­vi­si­on hat der Kläger zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über An­nah­me­ver­zugs­vergütung. 


Der 1954 ge­bo­re­ne Kläger ist seit 1994 bei der Be­klag­ten bzw. de­ren Rechts­vorgänge­rin als Haus­meis­ter beschäftigt ge­gen ei­ne mo­nat­li­che Vergütung von zu­letzt 2.315,82 Eu­ro brut­to nebst ei­ner Be­reit­schafts­zu­la­ge iHv. 260,62 Eu­ro brut­to. Nach der ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung gehören zu den Auf­ga­ben des Klägers die War­tung zen­tra­ler Hei­zungs­an­la­gen und Wasch­ma­schi­nen, die Über­wa­chung von Auf­zugs­an­la­gen, die Ausführung klei­ne­rer Re­pa­ra­tu­ren im Miets­haus­be­sitz, die Pfle­ge und Sau­ber­hal­tung der Grünan­la­gen, Müll­bo­xen und Kel­lerräume so­wie die Schnee- und Eis­be­sei­ti­gung, die Be­ge­hung von Woh­nun­gen und die Post­ver­tei­lung. Außer­dem sol­len leich­te all­ge­mei­ne Büroar­bei­ten wie Post­ver­sand, Sch­ließdienst und Über­wa­chung des Fahr­zeug­parks ein­sch­ließlich Fahr­dienst über­nom­men wer­den.
 


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Zum 17. April 2007 ver­setz­te die Be­klag­te den Kläger in die Ab­tei­lung Wohn­um­feld­pfle­ge, die sich im We­sent­li­chen mit gärt­ne­ri­schen Ar­bei­ten im Außen­be­reich der Im­mo­bi­li­en be­fasst. Da­ge­gen er­hob der Kläger Kla­ge auf Beschäfti­gung als Haus­meis­ter mit den im Ar­beits­ver­trag vor­ge­se­he­nen Auf­ga­ben, der das Ar­beits­ge­richt Wup­per­tal mit Ur­teil vom 20. Sep­tem­ber 2007 (- 8 Ca 1574/07 -) statt­gab. Be­ru­fung und Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de der Be­klag­ten blie­ben er­folg­los (LAG Düssel­dorf 3. Ju­li 2008 - 11 Sa 1908/07 -; BAG 3. De­zem­ber 2008 - 5 AZN 941/08 -).


Nach­dem der Kläger seit dem 16. April 2007 auf­grund ei­ner psy­chi­schen Er­kran­kung durch­ge­hend ar­beits­unfähig ge­we­sen war, kündig­te die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis mit Schrei­ben vom 19. Mai 2008 per­so­nen­be­dingt zum 31. De­zem­ber 2008 und be­gehr­te im Kündi­gungs­schutz­pro­zess hilfs­wei­se die Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses zu die­sem Zeit­punkt. Das Ar­beits­ge­richt Wup­per­tal gab der Kündi­gungs­schutz­kla­ge mit Ur­teil vom 25. No­vem­ber 2008 (- 4 Ca 1599/08 -) statt und wies den Auflösungs­an­trag der Be­klag­ten ab. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten wies das Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf zurück (25. Ju­ni 2009 - 5 Sa 107/09 -).

Nach En­de sei­ner Ar­beits­unfähig­keit ar­bei­te­te der Kläger seit dem 18. Ju­ni 2008 un­ter Vor­be­halt in der Ab­tei­lung Wohn­um­feld­pfle­ge. Mit An­walt-schrei­ben vom 16. De­zem­ber 2008 ließ er mit­tei­len, die Tätig­keit in der Wohn­um­feld­pfle­ge sei mit dem rechts­kräfti­gen Ob­sie­gen im Ver­set­zungs­rechts­streit hinfällig, und ver­lang­te, nach sei­nem Weih­nachts­ur­laub als Haus­meis­ter ein­ge­setzt zu wer­den. Dar­auf ant­wor­te­te die Be­klag­te, ei­ne Beschäfti­gung als Haus­meis­ter kom­me bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Kündi­gungs­schutz­pro­zes­ses nicht in Be­tracht. Bis da­hin bot sie dem Kläger an, zu an­sons­ten un­veränder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen - al­ler­dings oh­ne Zah­lung ei­ner Be­reit­schafts­zu­la­ge - in der Wohn­um­feld­pfle­ge (wei­ter) zu ar­bei­ten.

Am 5. Ja­nu­ar 2009 bot der Kläger sei­ne Ar­beits­leis­tung als Haus­meis­ter an. Nach­dem er zunächst zum Schneeräum­en ein­ge­setzt wor­den war, for­der­te ihn die Be­klag­te auf, die an­ge­bo­te­ne Tätig­keit in der Wohn­um­feld­pfle­ge aus­zuüben. Der Kläger ver­ließ dar­auf­hin den Be­trieb und teil­te mit An­walt-
 


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schrei­ben vom sel­ben Ta­ge mit, er sei je­der­zeit be­reit, sei­ne ver­trag­lich ge­schul­de­ten Haus­meis­tertätig­kei­ten auf­zu­neh­men.


Seit dem 16. Ju­li 2009 beschäftigt die Be­klag­te den Kläger als Haus­meis­ter im Ob­jekt T.


Mit sei­ner am 16. April 2009 ein­ge­reich­ten Kla­ge hat der Kläger An­nah­me­ver­zugs­vergütung für den Zeit­raum 5. Ja­nu­ar bis 15. Ju­li 2009 ver­langt und gel­tend ge­macht, ei­ne An­rech­nung un­ter­las­se­nen Er­werbs kom­me nicht in Be­tracht. Die an­ge­bo­te­ne Zwi­schen­beschäfti­gung in der Wohn­um­feld­pfle­ge sei ihm nicht mehr zu­mut­bar ge­we­sen, seit rechts­kräftig fest­ge­stan­den ha­be, dass die Be­klag­te ihm ei­ne sol­che Tätig­keit nicht zu­wei­sen durf­te. Sei­ner Wie­der­beschäfti­gung als Haus­meis­ter hätten drin­gen­de Gründe nicht ent­ge­gen­ge­stan­den.


Der Kläger hat zu­letzt sinn­gemäß be­an­tragt, 


die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 16.364,51 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus 2.243,62 Eu­ro seit dem 7. April 2009, aus 12.915,45 Eu­ro seit dem 1. Ju­li 2009 so­wie aus 1.205,44 Eu­ro seit dem 1. Au­gust 2009 zu zah­len.


Die Be­klag­te hat Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt und gel­tend ge­macht, der Kläger ha­be durch die Nicht­fort­set­zung der Beschäfti­gung in der Wohn­um­feld­pfle­ge böswil­lig sei­ne Er­werbs­ob­lie­gen­heit ver­letzt.


Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge im We­sent­li­chen statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung der Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ge­steht die Be­klag­te die Be­reit­schafts­zu­la­ge für die Mo­na­te Ja­nu­ar bis Ju­ni 2009 nebst Zin­sen zu und ver­folgt im Übri­gen ih­ren Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag wei­ter. Der Kläger be­an­tragt die Zurück­wei­sung der Re­vi­si­on.
 


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Ent­schei­dungs­gründe


Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ist be­gründet. Im Um­fang der ein­ge­leg­ten Re­vi­si­on hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das der Kla­ge statt­ge­ben­de Ur­teil des Ar­beits­ge­richts zu Un­recht zurück­ge­wie­sen. Der Kläger kann über das von der Be­klag­ten Zu­ge­stan­de­ne hin­aus ei­ne An­nah­me­ver­zugs­vergütung nicht mehr be­an­spru­chen.

I. Die Be­klag­te be­fand sich im streit­be­fan­ge­nen Zeit­raum in­fol­ge ih­rer un­wirk­sa­men Kündi­gung zum 31. De­zem­ber 2008 im An­nah­me­ver­zug, oh­ne dass es ei­nes An­ge­bots des Klägers (§ 296 BGB) be­durft hätte (vgl. nur BAG 27. Au­gust 2008 - 5 AZR 16/08 - Rn. 16, AP BGB § 615 Nr. 124 = EzA BGB 2002 § 615 Nr. 26; 26. Sep­tem­ber 2007 - 5 AZR 870/06 - Rn. 21, BA­GE 124, 141 - je­weils mwN). Das steht zwi­schen den Par­tei­en auch außer Streit.

II. Auf die An­nah­me­ver­zugs­vergütung (§ 615 Satz 1 BGB) muss sich der Kläger nach § 11 Satz 1 Nr. 2 KSchG an­rech­nen las­sen, was er bei der Be­klag­ten zu ver­die­nen böswil­lig un­ter­las­sen hat.

1. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat sei­ne Auf­fas­sung, der Kläger ha­be es nicht böswil­lig un­ter­las­sen, an­der­wei­ti­ge Einkünf­te zu er­zie­len, im We­sent­li­chen da­mit be­gründet, die dem Kläger an­ge­bo­te­ne Tätig­keit in der Wohn­um­feld­pfle­ge sei die­sem zwar an sich zu­mut­bar ge­we­sen, es hätten aber kei­ne drin­gen­den Gründe dafür vor­ge­le­gen, den Kläger nicht mit der ver­trags­gemäßen Tätig­keit als Haus­meis­ter zu beschäfti­gen. Im streit­be­fan­ge­nen Zeit­raum ha­be rechts­kräftig fest­ge­stan­den, dass die Be­klag­te dem Kläger ei­ne Tätig­keit in der Wohn­um­feld­pfle­ge nicht im We­ge des Di­rek­ti­ons­rechts zu­wei­sen könne. Un­ter die­sen Umständen ha­be der Kläger ei­ne Tätig­keit im Be­reich der Wohn­um­feld-pfle­ge als ei­ne ge­gen Treu und Glau­ben ver­s­toßen­de Maßre­ge­lung emp­fin­den dürfen und müssen.
 


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2. Das hält der re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prüfung nicht un­ein­ge­schränkt stand.

a) Nach § 11 Satz 1 Nr. 2 KSchG muss sich der Ar­beit­neh­mer auf das Ar­beits­ent­gelt, das ihm der Ar­beit­ge­ber für die Zeit nach der Ent­las­sung schul­det, an­rech­nen las­sen, was er hätte ver­die­nen können, wenn er es nicht böswil­lig un­ter­las­sen hätte, ei­ne ihm zu­mut­ba­re Ar­beit an­zu­neh­men. Die Vor­schrift ist in­halts­gleich mit § 615 Satz 2 BGB (BAG 11. Ok­to­ber 2006 - 5 AZR 754/05 - Rn. 18, AP BGB § 615 Nr. 119 = EzA BGB 2002 § 615 Nr. 18). Bei­de Be­stim­mun­gen stel­len dar­auf ab, ob dem Ar­beit­neh­mer nach Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) so­wie un­ter Be­ach­tung des Grund­rechts auf freie Ar­beits­platz­wahl (Art. 12 GG) die Auf­nah­me ei­ner an­der­wei­ti­gen Ar­beit zu­mut­bar ist. Da­bei kommt ei­ne An­rech­nung auch in Be­tracht, wenn die Beschäfti­gungsmöglich­keit bei dem Ar­beit­ge­ber be­steht, der sich mit der An­nah­me der Diens­te des Ar­beit­neh­mers im Ver­zug be­fin­det. Maßge­bend sind die Umstände des Ein­zel­falls. Die Un­zu­mut­bar­keit der Ar­beit kann sich un­ter ver­schie­de­nen Ge­sichts­punk­ten er­ge­ben. Sie kann ih­ren Grund in der Per­son des Ar­beit­ge­bers, der Art der Ar­beit und den sons­ti­gen Ar­beits­be­din­gun­gen ha­ben. Auch ver­trags­recht­li­che Umstände sind zu berück­sich­ti­gen. Al­ler­dings ist die nicht­ver­trags­gemäße Ar­beit nicht oh­ne wei­te­res mit un­zu­mut­ba­rer Ar­beit gleich­zu­set­zen. Wie § 615 Satz 2 BGB schließt § 11 Satz 1 Nr. 2 KSchG den Fall mit ein, dass der Ar­beit­ge­ber nur ver­trags­wid­ri­ge Ar­beit an­bie­tet. Denn das An­ge­bot ver­trags­ge­rech­ter Ar­beit zwecks Erfüllung des be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses würde den An­nah­me­ver­zug be­en­den (vgl. nur BAG 24. Sep­tem­ber 2003 - 5 AZR 500/02 - zu I der Gründe, BA­GE 108, 27). Viel­mehr han­delt der Ar­beit­neh­mer böswil­lig, dem ein Vor­wurf dar­aus ge­macht wer­den kann, dass er während des An­nah­me­ver­zugs trotz Kennt­nis al­ler ob­jek­ti­ven Umstände vorsätz­lich untätig bleibt oder die Auf­nah­me der Ar­beit be­wusst ver­hin­dert (st. Rspr., zB BAG 7. Fe­bru­ar 2007 - 5 AZR 422/06 - Rn. 15 mwN, BA­GE 121, 133).


b) Aus­ge­hend von die­sen Grundsätzen hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt in re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den­der Wei­se in Übe­rein­stim­mung mit dem Ar­beits­ge­richt an­ge­nom­men, die Tätig­keit in der Wohn­um­feld­pfle­ge sei dem
 


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Kläger „an sich“ zu­mut­bar ge­we­sen. Es han­del­te sich da­bei um ei­nen Aus­schnitt der Auf­ga­ben ei­nes Haus­meis­ters. Mit der Ar­beit in der Wohn­um­feld-pfle­ge war we­der ei­ne Ände­rung des Ar­beits­orts noch ei­ne Sta­tus­ver­schlech­te­rung der­ge­stalt ver­bun­den, dass der Kläger vor­ma­li­gen Kol­le­gen oder so­gar Un­ter­ge­be­nen un­ter­stellt ge­we­sen wäre. Die Un­zu­mut­bar­keit folgt auch nicht dar­aus, dass die Be­klag­te für die Tätig­keit in der Wohn­um­feld­pfle­ge kei­ne Be­reit­schafts­zu­la­ge zah­len woll­te. Der Kläger hat we­der fi­nan­zi­el­le Pro­ble­me durch ei­ne vorüber­ge­hen­de Nicht­zah­lung der Be­reit­schafts­zu­la­ge noch die Aus­sicht auf ei­nen an­der­wei­ti­gen Ar­beits­platz mit bes­se­ren Ver­dienstmöglich­kei­ten gel­tend ge­macht. Auf die or­dent­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten zum 31. De­zem­ber 2008, die nicht auf das Ver­hal­ten des Klägers gestützt war (zur mögli­chen Un­zu­mut­bar­keit der Wei­ter­ar­beit bei ei­ner ver­hal­tens­be­ding­ten Kündi­gung, vgl. BAG 24. Sep­tem­ber 2003 - 5 AZR 500/02 - zu II 2 der Gründe mwN, BA­GE 108, 27), hat der Kläger die Un­zu­mut­bar­keit der (Wei­ter-)Ar­beit in der Wohn­um­feld­pfle­ge eben­so we­nig gestützt wie auf den Auflösungs­an­trag der Be­klag­ten.

Die­se ob­jek­ti­ve Zu­mut­bar­keit ei­ner Beschäfti­gung in der Wohn­um­feld­pfle­ge bestätigt die sub­jek­ti­ve Einschätzung des Klägers, der in der Zeit vom 18. Ju­ni 2008 bis zu sei­nem Ur­laub im De­zem­ber 2008 bis auf kürze­re Ar­beits­unfähig­keits­zei­ten tatsächlich in der Wohn­um­feld­pfle­ge ar­bei­te­te.


c) Der Ein­tritt der Rechts­kraft der Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts im Ver­set­zungs­rechts­streit mit der Zurück­wei­sung der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de im De­zem­ber 2008 (§ 72a Abs. 5 Satz 6 ArbGG), änder­te ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Vor­in­stan­zen an der Zu­mut­bar­keit der Beschäfti­gung in der Wohn­um­feld­pfle­ge bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Kündi­gungs­schutz­pro­zes­ses nichts. Der An­spruch auf ei­ne be­stimm­te Beschäfti­gung im be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis be­dingt als sol­cher nicht die Un­zu­mut­bar­keit jed­we­der an­de­ren Tätig­keit im Rah­men ei­ner Pro­zess­beschäfti­gung. § 11 Satz 1 Nr. 2 KSchG re­gelt nicht Rech­te und Pflich­ten aus dem Ar­beits­ver­trag, son­dern die nach an­de­ren Maßstäben zu be­ur­tei­len­de Ob­lie­gen­heit, aus Rück­sicht­nah­me ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber ei­nen zu­mut­ba­ren Zwi­schen­ver­dienst
 


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zu er­zie­len (vgl. BAG 7. Fe­bru­ar 2007 - 5 AZR 422/06 - Rn. 17, BA­GE 121, 133). Das zeigt ge­ra­de der ge­setz­li­che Re­gel­fall der böswil­lig bei ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber un­ter­las­se­nen Ar­beit, die not­wen­di­ger­wei­se auf ei­ner an­de­ren ver­trag­li­chen Grund­la­ge statt­ge­fun­den hätte (vgl. BAG 26. Sep­tem­ber 2007 - 5 AZR 870/06 - Rn. 23, BA­GE 124, 141).

d) Rechts­feh­ler­haft hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­dem drin­gen­de Gründe für das An­ge­bot der Be­klag­ten, den Kläger bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Kündi­gungs­schutz­pro­zes­ses nicht mit der ar­beits­ver­trag­lich ge­schul­de­ten, son­dern ei­ner an­de­ren Tätig­keit zu beschäfti­gen, ver­langt. Das Be­ste­hen drin­gen­der Gründe für das An­ge­bot ob­jek­tiv ver­trags­wid­ri­ger Ar­beit ist ein Kri­te­ri­um für böswil­li­ges Un­ter­las­sen iSv. § 615 Satz 2 BGB im un­strei­tig be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis, in dem der Ar­beit­neh­mer ver­trags­gemäße Ar­beit zu ver­trags­gemäßen Be­din­gun­gen er­war­ten darf (vgl. BAG 7. Fe­bru­ar 2007 - 5 AZR 422/06 - Rn. 3, 18, BA­GE 121, 133). Für die Ob­lie­gen­heit des Ar­beit­neh­mers nach § 11 Satz 1 Nr. 2 KSchG im gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis ist da­ge­gen der ar­beits­ver­trag­li­che Beschäfti­gungs­an­spruch grundsätz­lich oh­ne Be­lang. Auf­grund der Un­si­cher­heit über den Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses nach Ab­lauf der Kündi­gungs­frist und vor ei­ner rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung im Kündi­gungs­schutz­pro­zess stand im streit­be­fan­ge­nen Zeit­raum ge­ra­de nicht fest, dass die Be­klag­te den Kläger als Haus­meis­ter beschäfti­gen muss­te. Es stand noch nicht ein­mal fest, ob sie den Kläger über­haupt noch auf der Grund­la­ge ei­nes be­ste­hen­den Ar­beits­ver­trags zu beschäfti­gen hat­te.

III. Die Höhe des­sen, was sich der Kläger nach § 11 Satz 1 Nr. 2 KSchG auf sei­nen An­nah­me­ver­zugs­an­spruch an­rech­nen las­sen muss, ent­spricht - so­weit in der Re­vi­si­on noch streit­ge­genständ­lich - der ver­ein­bar­ten Vergütung, so dass der Kläger für den streit­be­fan­ge­nen Zeit­raum nichts mehr ver­lan­gen kann.
 


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IV. Nach § 92 Abs. 1 ZPO ha­ben von den Kos­ten des Rechts­streits ers­ter In­stanz der Kläger 91 % und die Be­klag­te 9 %, von den Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens der Kläger 90 % und die Be­klag­te 10 % zu tra­gen. Der Kläger hat die Kos­ten der Re­vi­si­on gem. § 91 Abs. 1 ZPO zu tra­gen.


Müller-Glöge 

Laux 

Biebl

Feld­mei­er 

Chris­ten

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