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Ar­beits­mi­nis­te­rin für deut­li­che Lohn­er­hö­hung im Ta­rif­streit der Me­tal­ler

Von der Ley­en für Kräf­ti­ges Lohn­plus: Die Ko­ali­ti­on ist ir­ri­tiert
13.02.2012 (dpa) - Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en (CDU) hat sich für kräf­ti­ge Lohn­er­hö­hun­gen in der an­ste­hen­den Ta­rif­run­de aus­ge­spro­chen und da­mit für Ir­ri­ta­tio­nen in der Ko­ali­ti­on ge­sorgt. Nach der Lohn­zu­rück­hal­tung der letz­ten Jah­re müss­ten die Ar­beit­neh­mer jetzt an den Er­fol­gen der Wirt­schaft be­tei­ligt wer­den, for­der­te sie in der "Bild am Sonn­tag".

Der stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de der Uni­ons­frak­ti­on im Bun­des­tag, Mi­cha­el Fuchs (CDU), kri­ti­sier­te den Vor­stoß. "Die Po­li­tik soll sich grund­sätz­lich aus der Lohn­fin­dung her­aus­hal­ten", sag­te er der Zei­tung "Sonn­tag ak­tu­ell". Ähn­lich äu­ßer­te sich sein FDP-Kol­le­ge Hein­rich Kolb. Wäh­rend sich auch der Prä­si­dent des Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des Ge­samt­me­tall, Mar­tin Kan­ne­gies­ser, "Be­leh­run­gen" durch von der Ley­en ver­bat, be­grüß­te IG-Me­tall-Chef Det­lef Wet­zel den Vor­stoß, ap­pel­lier­te aber zu­gleich an die Mi­nis­te­rin, sich selbst für Ver­bes­se­run­gen ein­zu­set­zen.

Von der Ley­en sprach sich für spür­ba­re Lohn­er­hö­hun­gen ober­halb der In­fla­ti­ons­ra­te aus. "In den letz­ten Jah­ren ha­ben wir in Deutsch­land ge­mein­sam flei­ßig ge­ar­bei­tet und Lohn­zu­rück­hal­tung ge­übt, da­mit wir gut aus der Kri­se kom­men", sag­te sie. Nun fah­re die deut­sche Wirt­schaft or­dent­li­che Ge­win­ne ein. "Jetzt müs­sen die Ar­beit­neh­mer dar­an be­tei­ligt wer­den, und sie müs­sen das Plus auch spü­ren." Im ver­gan­ge­nen Jahr lag die In­fla­ti­ons­ra­te bei 2,3 Pro­zent.

"Nie­mand muss uns be­leh­ren, was wir un­se­ren Mit­ar­bei­tern schul­den", sag­te Ge­samt­me­tall-Prä­si­dent Kan­ne­gies­ser der"Ber­li­ner Zei­tung" (Mon­tag). Die In­fla­ti­ons­ra­te be­steht zu mehr als der Hälf­te aus En­er­gie­preis­er­hö­hun­gen. "Wir ha­ben dar­auf kei­nen Ein­fluss", be­ton­te er.

Fuchs führ­te an, dass nicht si­cher sei, ob die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung so wei­ter­ge­he. "Ich hal­te es nicht für klug, Ar­beit­ge­bern und Ge­werk­schaf­ten Vor­ga­ben zu ma­chen, die wis­sen viel bes­ser, was mach­bar ist und was nicht", sag­te er.

FDP-Frak­ti­ons­vi­ze Kolb warn­te eben­falls vor Ein­mi­schun­gen in die Ta­rif­au­to­no­mie. "Die Ta­rif­part­ner brau­chen kei­ne ex­ter­nen Re­ge­l­an­wei­sun­gen", sag­te er "Sonn­tag ak­tu­ell".

Grü­nen-Frak­ti­ons­che­fin Re­na­te Kü­n­ast gab von der Ley­en in der Sa­che Recht. "Nach lan­ger Zu­rück­hal­tung und ak­tu­el­ler Ex­port­re­kor­de sind hö­he­re Lohn­ab­schlüs­se ei­ne Fra­ge der Ge­rech­tig­keit." Es ge­he in der Ta­rif­run­de um ei­ne Er­folgs­di­vi­den­de der Be­schäf­tig­ten. Kü­n­ast for­der­te von der Mi­nis­te­rin al­ler­dings Fort­schrit­te beim The­ma Lohn­un­ter­gren­ze: "Die Na­gel­pro­be ih­rer Wor­te wird die Tat sein - der Min­dest­lohn", sag­te sie dem Blatt.

"Das Ge­rech­tig­keits­emp­fin­den von Frau von der Ley­en kann ich nur be­grü­ßen", er­klär­te IG-Me­tall-Vi­ze Wet­zel auf dpa-An­fra­ge. Al­ler­dings kön­ne sie so­fort selbst die Vor­aus­set­zun­gen schaf­fen, um Nied­rig­löh­ne ein­zu­däm­men. "Um bei der Leih­ar­beit den Grund­satz "Glei­che Ar­beit - glei­ches Geld" si­cher­zu­stel­len, brau­chen wir ein Equal Pay-Ge­setz, ein Syn­chro­ni­sa­ti­ons­ver­bot und ein Ar­beit­neh­mer­über­las­sungs­getz. Das ist Auf­ga­be der Po­li­tik, an die­sen not­wen­di­gen Ta­ten wer­den wir die Ar­beits­mi­nis­te­rin mes­sen", sag­te Wet­zel.

Die Ge­werk­schaf­ten hat­ten in der ver­gan­ge­nen Wo­che 6,5 Pro­zent mehr Lohn für die Be­schäf­tig­ten der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie ge­for­dert. Auf 6,5 Pro­zent be­läuft sich auch die Lohn­for­de­rung im öf­fent­li­chen Dienst.

Der Vor­sit­zen­de des Deut­schen Ge­werk­schafts­bun­des (DGB), Mi­cha­el Som­mer ver­tei­dig­te die For­de­run­gen. Die Zahl 6,5 sei ra­tio­nal und wohl­be­grün­det, sag­te er der "Bild"-Zei­tung (Mon­tag). "Die Leu­te ha­ben die Na­se voll da­von, dass gu­te Ar­beit nicht über­all an­stän­dig be­zahlt wird." Som­mer kün­dig­te har­te Ver­hand­lun­gen und not­falls auch Streiks an: "Ta­rif­streit ist nichts für den Kna­ben­chor, Kampf ist nor­mal. Und selbst wenn ge­streikt wird, scheint wei­ter die Son­ne, der Welt­un­ter­gang fin­det nicht statt."

Laut ei­ner Um­fra­ge hält ei­ne Mehr­heit von 59 Pro­zent der Deut­schen die For­de­rung der Me­tal­ler nach 6,5 Pro­zent mehr Lohn und Ge­halt für ge­recht­fer­tigt. Wie das Em­nid-In­sti­tut für "Bild am Sonn­tag" her­aus­fand, ist dies im Fal­le des öf­fent­li­chen Diens­tes al­ler­dings an­ders. Hier hät­ten sich 51 Pro­zent der Be­frag­ten da­ge­gen aus­ge­spro­chen. Nur 45 Pro­zent hiel­ten ei­ne Er­hö­hung in die­sem Um­fang für an­ge­mes­sen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 18. November 2015

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