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Lohn­kluft bleibt: Frau­en ver­die­nen ein Fünf­tel we­ni­ger

Bis zum 21. März müss­ten Frau­en in die­sem Jahr ar­bei­ten, um auf das glei­che Durch­schnitts­ge­halt wie ih­re männ­li­chen Kol­le­gen zu kom­men: Wie man die Lohn­lü­cke zwi­schen den Ge­schlech­tern schlie­ßen könn­te und wie groß sie tat­säch­lich ist - dar­über wird wei­ter ge­strit­ten

19.03.2014. (dpa) - Frau­en ver­die­nen in Deutsch­land wei­ter­hin deut­lich schlech­ter als Män­ner.

Un­ge­ach­tet al­ler Gleich­stel­lungs­be­stre­bun­gen be­trug die Lohn­lü­cke im ver­gan­ge­nen Jahr un­ver­än­dert 22 Pro­zent auf Ba­sis der St­un­den­löh­ne, wie das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt am Diens­tag in Wies­ba­den mit­teil­te.

Mit ei­nem re­gis­trier­ten Brut­to-St­un­den­lohn von 15,56 Eu­ro la­gen die Frau­en wie in den Vor­jah­ren deut­lich hin­ter den Män­nern mit 19,84 Eu­ro.

Rund zwei Drit­tel der Dif­fe­renz er­klä­ren die Sta­tis­ti­ker mit struk­tu­rel­len Grün­den: Frau­en ar­bei­ten eher in schlech­ter be­zahl­ten Be­ru­fen wie Rei­ni­gungs­kraft (Frau­en­an­teil 85 Pro­zent) oder Ver­käu­fe­rin (73 Pro­zent), eher in Teil­zeit und im Schnitt auf nied­ri­ge­ren Füh­rungs­stu­fen.

Das letz­te Drit­tel der Lohn­lü­cke zwi­schen den Ge­schlech­tern lässt sich dar­aus aber nicht er­klä­ren. Das be­deu­tet, dass Frau­en bei ver­gleich­ba­rer Tä­tig­keit und Qua­li­fi­ka­ti­on sie­ben Pro­zent we­ni­ger ver­dien­ten als ih­re männ­li­chen Kol­le­gen. Dies kön­ne auf fa­mi­li­en­be­ding­te Er­werbs­un­ter­bre­chun­gen zu­rück­zu­füh­ren sein, die für vie­le Frau­en ei­nen Kar­rie­re­knick be­deu­te­ten. Wäh­rend Män­ner ab 30 Jah­ren ih­re Ver­diens­te noch re­gel­mä­ßig stei­ger­ten, sta­gnie­re der durch­schnitt­li­che St­un­den­lohn bei den Frau­en.

Deut­lich sind die Un­ter­schie­de zwi­schen Mann und Frau bei In­ha­bern von Voll­zeit­jobs in West­deutsch­land mit ei­ner Lü­cke von 20 Pro­zent. Bei Teil­zeit be­trug die Lohn­kluft zwi­schen den Ge­schlech­tern hin­ge­gen nur vier Pro­zent. Im Os­ten ist der Ver­dienst­ab­stand all­ge­mein deut­lich klei­ner als im Wes­ten.

Zur Über­win­dung des Lohn­rück­stan­des for­der­te der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB) neue ge­setz­lich ver­an­ker­te Ar­beits­zeit­mo­del­le. "Frau­en dür­fen durch Er­werbs­un­ter­bre­chun­gen und un­frei­wil­li­ge Teil­zeit kei­ne be­ruf­li­chen Nach­tei­le er­fah­ren - da­ge­gen brau­chen wir den Rechts­an­spruch auf Rück­kehr aus Teil­zeit und ver­bind­li­che Re­geln für be­fris­te­te Teil­zeit", sag­te die DGB-Gleich­stel­lungs­ex­per­tin An­ja Weusthoff in Ber­lin.

Die Po­si­tio­nen des DGB wer­den auch vom Bun­des­fo­rum Män­ner und dem Deut­schen Frau­en­rat ge­teilt. Die Ver­bän­de se­hen in dem von Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Ma­nue­la Schwe­sig (SPD) vor­ge­schla­ge­nen 32-St­un­den-Wo­chen-Mo­dell für El­tern ei­nen Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung. Der Vor­stoß war von Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) je­doch um­ge­hend wie­der kas­siert wor­den.

Der Ar­beit­ge­ber­ver­band Ge­samt­me­tall warn­te vor fal­schen Schluss­fol­ge­run­gen und po­li­ti­schen Sym­bol­for­de­run­gen. Die sta­tis­ti­sche Lohn­lü­cke zeich­ne ein schie­fes Bild und sei er­klär­bar, sag­te Haupt­ge­schäfts­füh­rer Oli­ver Zan­der auf Grund­la­ge von Un­ter­su­chun­gen des In­sti­tuts der deut­schen Wirt­schaft (IW). "Zieht man die Fak­to­ren Qua­li­fi­ka­ti­on, Be­rufs­er­fah­rung, Bran­chen­zu­ge­hö­rig­keit und fa­mi­li­en­be­ding­ten Aus­zei­ten ab, schrump­fen die 22 Pro­zent Ein­kom­mens­un­ter­schied zwi­schen Män­nern und Frau­en auf 1,9 Pro­zent zu­sam­men."

Der "Equal Pay Day" mar­kiert je­nen Tag, bis zu dem Frau­en über den Jah­res­wech­sel hin­aus ar­bei­ten müss­ten, um rech­ne­risch auf das durch­schnitt­li­che Jah­res­ge­halt männ­li­cher Be­schäf­tig­ter zu kom­men. In die­sem Jahr ist es der kom­men­de Frei­tag (21. März).

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 18. November 2015

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