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Lok­füh­rer be­schlie­ßen neu­en Bahn-Streik - Doch noch Spit­zen­ge­spräch?

Oh­ne ei­nen kon­kre­ten Zeit­punkt zu nen­nen, hat die Lok­füh­rer­ge­werk­schaft GDL ei­nen er­neu­ten Streik bei der Deut­schen Bahn be­schlos­sen: GDL-Chef We­sels­ky nennt noch ei­nen Aus­weg

19.02.2015. (dpa) - Kun­den der Deut­schen Bahn müs­sen wie­der mit Streiks der Lok­füh­rer rech­nen.

Die Füh­rungs­gre­mi­en der Ge­werk­schaft GDL ha­ben am Mitt­woch in Frank­furt den mitt­ler­wei­le sieb­ten Ar­beits­kampf in der Aus­ein­an­der­set­zung mit der Deut­schen Bahn AG be­schlos­sen.

Den ge­nau­en Zeit­punkt wie auch die ge­plan­te Dau­er des Streiks ließ die Ge­werk­schaft of­fen.

Man wer­de die Be­trof­fe­nen recht­zei­tig vor­her in­for­mie­ren, sag­te GDL-Chef Claus We­sels­ky.

Der GDL-Chef woll­te kei­ne ge­naue An­kün­di­gungs­frist nen­nen und lehn­te es auch ab, sich "von den Me­di­en" auf ei­ne Min­dest­dau­er des er­neu­ten Streiks von 100 St­un­den fest­le­gen zu las­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Hes­sen ha­be die­se Grö­ßen­ord­nung als recht­mä­ßig be­zeich­net. Das hei­ße al­ler­dings nicht, dass die Lok­füh­rer auch tat­säch­lich ge­nau so lang strei­ken müss­ten. Den Streik­zeit­punkt be­stim­me nach der grund­sätz­li­chen und ein­stim­mi­gen Zu­stim­mung der Gre­mi­en nun al­lein der ge­schäfts­füh­ren­de Vor­stand der GDL.

Bahn-Per­so­nal­vor­stand Ul­rich We­ber zeig­te kein Ver­ständ­nis für die neu­er­li­che Strei­kan­kün­di­gung. "Es gibt kei­ner­lei Ver­an­las­sung, der Ver­hand­lungs­stand ist ei­gent­lich so, dass wir zu Er­geb­nis­sen kom­men könn­ten", sag­te We­ber in Frank­furt. "Von da­her hal­te ich die­se an­ge­kün­dig­ten Streiks für un­ver­hält­nis­mä­ßig." Er ha­be aber we­gen des feh­len­den kon­kre­ten Ter­mins die Hoff­nung, den Ar­beits­kampf in Ge­sprä­chen mit der Ge­werk­schaft noch ab­wen­den zu kön­nen. Die GDL sol­le das Ge­sprächs­an­ge­bot der Bahn an­neh­men und den Ver­hand­lungs­tisch erst wie­der ver­las­sen, wenn es ein Er­geb­nis gibt: "Ul­ti­ma­ten zu set­zen bringt uns nicht wei­ter."

We­sels­ky for­der­te die Bahn er­neut auf, den von der Ge­werk­schaft in neun Punk­ten fest­ge­hal­te­nen Ver­hand­lungs­stand zu un­ter­zeich­nen und nicht wei­ter auf Zeit zu spie­len. "Wenn die Bahn be­reit ist, die­se Grund­la­ge mit­ein­an­der zu ver­ein­ba­ren, dann ha­ben wir das, was wir brau­chen." Die Bahn hat­te noch am Mor­gen ein Spit­zen­ge­spräch an­ge­bo­ten und die Un­ter­schrift un­ter das Neun-Punk­te-Pa­pier ab­ge­lehnt, weil es statt des Sach­stands ein­sei­tig Ma­xi­mal­for­de­run­gen der GDL ent­hal­te.

Der GDL-Dach­ver­band Deut­scher Be­am­ten­bund kri­ti­sier­te die neu­er­li­che Strei­kan­dro­hung. Dem "Ta­ges­spie­gel" sag­te DBB-Vi­ze Klaus Dau­der­städt: "Zwei ak­tu­el­le Po­si­ti­ons­pa­pie­re lie­gen auf dem Tisch und müs­sen in Über­ein­stim­mung ge­bracht wer­den. Des­halb ist jetzt nicht die Zeit für Es­ka­la­ti­on, son­dern für in­ten­si­ve Ver­hand­lun­gen." Der DBB ent­schei­det über mög­li­che Streik­bei­hil­fen an ih­re Mit­glieds­or­ga­ni­sa­ti­on GDL.

Noch am Mor­gen sei­nes 56. Ge­burts­ta­ges hat­te We­sels­ky am Mitt­woch über die stän­di­gen Ver­hand­lungs­an­ge­bo­te der Bahn ge­spot­tet. Den Vor­wurf, er ha­be der Bahn die Pis­to­le auf die Brust ge­setzt, kon­ter­te er: "Wir ha­ben kei­ne Lust, die Pis­to­le hoch­zu­he­ben und zu sa­gen 'jetzt oder nie' und dann zu­zu­schau­en, dass Moos aus dem Lauf wächst, weil die Bahn uns im­mer wie­der zu Ver­hand­lun­gen ein­lädt."

Elf Ver­hand­lungs­run­den hät­ten ge­zeigt, dass die Bahn we­der wil­lens noch in der La­ge sei, den Ta­rif­kon­flikt zu be­en­den. We­sels­ky for­der­te den DB-Vor­stands­vor­sit­zen­den Rü­di­ger Gru­be und den Ei­gen­tü­mer Bund auf, die Ver­hand­lungs­füh­rung zum Ein­len­ken zu be­we­gen. "Bei­de sind in der Pflicht, die Es­ka­la­ti­on ab­zu­wen­den", er­klär­te der GDL-Chef.

Die Lok­füh­rer­ge­werk­schaft dringt auf ei­gen­stän­di­ge Ta­rif­ver­trä­ge auch für ih­re Mit­glie­der, die nicht Lok­füh­rer sind. Da­zu ge­hö­ren vor al­lem Zug­be­glei­ter und Lok­ran­gier­füh­rer. Au­ßer­dem will die GDL 5 Pro­zent mehr Geld und ei­ne Ar­beits­zeit­ver­kür­zung bei gleich­zei­ti­gem Ab­bau des mas­si­ven Über­stun­den­bergs er­rei­chen. Die Bahn wie auch die GDL-Kon­kur­renz­ge­werk­schaft EVG leh­nen da­ge­gen un­ter­schied­li­che Ta­rif­re­ge­lun­gen für ein und die­sel­be Be­rufs­grup­pe ab.

Der kom­pli­zier­te Ta­rif­kon­flikt war erst­mals im Herbst es­ka­liert. Nach zwei Warn­streiks im Sep­tem­ber folg­ten auf Grund­la­ge ei­ner wei­ter­hin gül­ti­gen Ur­ab­stim­mung bis An­fang No­vem­ber vier län­ge­re Streiks. Es fiel je­weils ein Groß­teil des Zug­ver­kehrs in ganz Deutsch­land aus.

Un­ter­des­sen teil­te die EVG nach Ver­hand­lun­gen mit der Bahn mit, es ha­be wei­te­re Fort­schrit­te ge­ge­ben. So sei Ein­ver­neh­men in der Fra­ge er­zielt wor­den, dass am En­de der Ver­hand­lun­gen ein Ta­rif­ver­trag zur "zu­kunfts­fä­hi­gen Wei­ter­ent­wick­lung" des Ent­gelt­sys­tems ste­hen müs­se. Die nächs­ten Run­den sei­en für den 5. März und 25. März ge­plant. Dann müss­ten kon­kre­te Er­geb­nis­se er­zielt wer­den. Die EVG ver­langt un­ter an­de­rem auch sechs Pro­zent Ein­kom­mens­zu­wachs, min­des­tens je­doch 150 Eu­ro pro Mo­nat.

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Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

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