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Lok­füh­rer vor län­ge­ren Streiks - Ur­ab­stim­mung ein­ge­lei­tet

Jetzt tickt die Uhr: Wenn Lok­füh­rer­ge­werk­schaft und Bahn nicht doch noch ei­nen Weg zu­rück an den Ver­hand­lungs­tisch fin­den, wird wohl An­fang Ok­to­ber ei­ne Streik­wel­le be­gin­nen

12.09.2014. (dpa) - Der Deut­schen Bahn und ih­ren Fahr­gäs­ten dro­hen im Ok­to­ber län­ge­re Streiks.

Die Ge­werk­schaft Deut­scher Lo­ko­mo­tiv­füh­rer (GDL) be­schloss am Don­ners­tag, die Ur­ab­stim­mung über ei­nen Ar­beits­kampf bei dem Un­ter­neh­men ein­zu­lei­ten.

Bis zur Aus­zäh­lung der Stim­men am 2. Ok­to­ber wer­de es kei­ne wei­te­ren Warn­streiks ge­ben, teil­te die GDL mit.

In der ver­gan­ge­nen Wo­che hat­ten Lok­füh­rer zwei­mal meh­re­re St­un­den die Ar­beit nie­der­ge­legt, was zu zahl­rei­chen Zu­g­aus­fäl­len führ­te.

Der fest­ge­fah­re­ne Ta­rif­kon­flikt bei der Luft­han­sa er­schwert die Rei­se­pla­nung der­zeit zu­sätz­lich.

Der GDL-Vor­sit­zen­de Claus We­sels­ky sag­te nach ei­ner Vor­stands­sit­zung in Ei­se­nach, er rech­ne mit ei­ner ho­hen Zu­stim­mung bei dem Mit­glie­der­ent­scheid. Um re­gu­lä­re Streiks zu er­mög­li­chen, müs­sen bei der Ur­ab­stim­mung 75 Pro­zent der Ge­werk­schafts­mit­glie­der mit Ja stim­men. Der Be­schluss des Haupt­vor­stands für die Ur­ab­stim­mung er­folg­te laut GDL ein­stim­mig.

Die Ta­rif­ver­hand­lun­gen mit der bun­des­ei­ge­nen Bahn wur­den am 20. Au­gust nach der drit­ten Run­de er­geb­nis­los be­en­det. Die GDL for­dert fünf Pro­zent mehr Geld und zwei St­un­den we­ni­ger Wo­chen­ar­beits­zeit. Sie will das nicht nur für Lok­füh­rer, son­dern auch für Zug­be­glei­ter, Spei­se­wa­gen-Gas­tro­no­men, Lok­ran­gier­füh­rer und an­de­re Be­rufs­grup­pen durch­set­zen. Für die­se Be­schäf­tig­ten hat bis­lang die Ei­sen­bahn- und Ver­kehrs­ge­werk­schaft (EVG) die Ta­rif­ver­trä­ge aus­ge­han­delt.

Die GDL lehn­te am Don­ners­tag das jüngs­te An­ge­bot der Bahn ab, in dem Ta­rif­streit mit Mo­de­ra­to­ren wei­ter­zu­kom­men. Für die­se Auf­ga­be ha­be die Bahn die Vor­sit­zen­den von Be­am­ten­bund (DBB) und Ge­werk­schafts­bund (DGB), Klaus Dau­der­städt und Rei­ner Hoff­mann, vor­ge­schla­gen, teil­te die GDL mit.

Die Bahn sei aber nicht von ih­ren "Ein­schrän­kun­gen und Vor­be­din­gun­gen" ab­ge­rückt. Sie ha­be zu­dem ih­re fun­da­men­ta­len Po­si­tio­nen ge­gen Ta­rifp­lu­ra­li­tät und Ko­ali­ti­ons­frei­heit wie­der­holt, heißt es in der GDL-Er­klä­rung. "Auf Zeit spie­len und da­bei wei­ter vom Zug­per­so­nal Über­stun­den ver­lan­gen, wird es mit der GDL je­doch nicht ge­ben", sag­te We­sels­ky.

Die Bahn kri­ti­sier­te, es feh­le bei der GDL "jeg­li­che Be­reit­schaft, über­haupt zu ei­ner Ei­ni­gung zu kom­men". Das se­he man schon dar­an, dass selbst zu nichts ver­pflich­ten­de An­ge­bo­te wie die Ein­la­dung zu mo­de­rier­ten Ge­sprä­chen rund­weg ab­ge­lehnt wür­den. "An­ge­sichts die­ser Droh­ge­bär­den feh­len ei­nem die Wor­te", heißt es in ei­ner Mit­tei­lung des Kon­zerns.

Bahn­chef Rü­di­ger Gru­be sag­te der "Bild"-Zei­tung (Frei­tag), man kön­ne die Ta­rif­for­de­rung der GDL nicht er­fül­len. "Die Ge­häl­ter bei der Bahn sind seit 2007 im Schnitt um ein Vier­tel ge­stie­gen. Im Üb­ri­gen ver­lan­gen die Lok­füh­rer auch ei­ne Kür­zung der Wo­chen­ar­beits­zeit von 39 auf 37 St­un­den. Das al­les zu­sam­men er­gibt ei­ne Lohn­for­de­rung von 15 Pro­zent. Das ist un­er­füll­bar."

Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) be­kräf­tig­te an­ge­sichts der Streiks von Lok­füh­rern und Pi­lo­ten ih­re Ab­sicht, in Kür­ze ei­nen Ge­setz­ent­wurf zur Ta­rif­ein­heit vor­zu­le­gen. Vie­le Men­schen zeig­ten Un­ver­ständ­nis für die­se Streiks, sag­te sie im Bun­des­tag. Das Prin­zip "ein Be­trieb, ein Ta­rif­ver­trag" sol­le in Deutsch­land wie­der gel­ten.

Grund­sätz­lich soll­te aus Sicht der SPD-Po­li­ti­ke­rin das So­li­da­ri­täts­prin­zip gel­ten, näm­lich: "Al­le strei­ken ge­mein­sam für al­le." Nun schau­ten we­ni­ge nur auf sich, sag­te Nah­les. Dass ei­ni­ge Spar­ten­ge­werk­schaf­ten im ei­ge­nen In­ter­es­se "vi­ta­le Funk­tio­nen un­se­re ge­sam­ten Lan­des lahm­le­gen, ist nicht in Ord­nung. Es un­ter­gräbt ... den Zu­sam­men­halt und un­se­rem Land, und es legt auch die Axt an die Wur­zeln der Ta­rif­au­to­no­mie."

Nach wie vor un­ge­löst ist auch der Ta­rif­kon­flikt um die Über­gangs­ver­sor­gung der Luft­han­sa-Pi­lo­ten. Schon vier­mal ha­ben sie des­we­gen die Ar­beit nie­der­ge­legt. Zu­letzt wa­ren am Mitt­woch Tau­sen­de Pas­sa­gie­re in Mün­chen be­trof­fen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 18. November 2015

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