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Män­ner in Frau­en­jobs gel­ten als Exo­ten

Der Hahn im Korb – Män­nern mit Frau­en­jobs ist Auf­merk­sam­keit si­cher
23.04.2012 (dpa/tmn) – Sie gel­ten oft als eher zar­te Ty­pen und müs­sen sich fra­gen las­sen, ob nicht in ei­nem an­de­ren Job mehr drin ge­we­sen wä­re.

"Auch in Fa­mi­lie und Freun­des­kreis kommt es häu­fig zu Si­tua­tio­nen, in de­nen sie sich den Vor­wurf ge­fal­len las­sen müs­sen, sie hät­ten ja nichts Rich­ti­ges ge­lernt", sagt Brit­ta Mat­thes vom In­sti­tut für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung in Nürn­berg. Das hin­de­re vie­le Män­ner dar­an, ei­nen ver­meint­li­chen Frau­en­be­ruf zu wäh­len.

Je­ne, die es doch wa­gen, müs­sen ei­ni­ges aus­hal­ten kön­nen, denn sie ste­chen her­vor. "Dass ich als Mann in mei­nem Job in der Un­ter­zahl bin, ist noch un­ter­trie­ben", stellt Pe­ter Blie­ßen fest, der als Me­di­zi­ni­scher Fach­an­ge­stell­ter in ei­ner Pra­xis für On­ko­lo­gie und Hema­to­lo­gie in Hil­des­heim ar­bei­tet. Die Sta­tis­tik gibt ihm recht. Die Ge­sund­heits­per­so­nal­rech­nung des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes zeigt, dass nur je­der hun­derts­te Me­di­zi­ni­sche Fach­an­ge­stell­te – um­gangs­sprach­lich: Sprech­stun­den­hil­fe – ein Mann ist.

Blie­ßen selbst ist über Um­we­ge da­zu ge­kom­men. "Ich woll­te ei­gent­lich ei­nen eher kauf­män­ni­schen Be­ruf ma­chen", er­in­nert er sich. Nach dem Schul­ab­schluss be­gann er ei­ne Aus­bil­dung zum Steu­er­fach­an­ge­stell­ten. Die­se mach­te er al­ler­dings nicht zu En­de, weil er zur Bun­des­wehr ein­ge­zo­gen wur­de. "Im Nach­hin­ein bin ich glück­lich dar­über", ver­si­chert Blie­ßen. Denn nach­dem er im Sa­ni­täts­dienst ein­ge­setzt wur­de, ent­schied er sich für sei­nen Traum­be­ruf, den er nun seit zehn Jah­ren aus­übt.

Ähn­lich sei es bei vie­len Män­nern, die sich für ei­nen Frau­en­be­ruf ent­schie­den ha­ben, glaubt Udo Beck­mann vom Ver­band Bil­dung und Er­zie­hung in Ber­lin. "Män­ner, die im Zi­vil­dienst in Kin­der­ta­ges­stät­ten oder an­de­ren päd­ago­gi­schen Ein­rich­tun­gen tä­tig wa­ren, ha­ben oft ih­re Be­rufs­vor­stel­lun­gen ver­än­dert", sagt er. "In die­ser Zeit ha­ben sie ge­merkt: Das ist doch was für mich."

Wie bei den me­di­zi­ni­schen Fach­an­ge­stell­ten sind Män­ner auch an Grund­schu­len und in der Be­treu­ung noch jün­ge­rer Kin­der eher die Aus­nah­me. Im Jahr 2009 wa­ren laut Sta­tis­ti­schem Bun­des­amt nur 7,2 Pro­zent der Mit­ar­bei­ter in Kin­der­ta­ges­stät­ten männ­lich. Ein Wert, der sich bis heu­te nur we­nig ver­än­dert ha­ben dürf­te. Noch we­ni­ger Män­ner ar­bei­ten le­dig­lich in Haus- und er­näh­rungs­wirt­schaft­li­chen Be­ru­fen (5,1 Pro­zent) und als Kos­me­ti­ker (3,4 Pro­zent).

Än­dern wer­de sich die Si­tua­ti­on erst, wenn das Image des Leh­rer­be­rufs und die Be­zah­lung sich ver­bes­sern. "Wenn die Aus­bil­dung gleich­wer­tig ist, soll­te es kei­ne Un­ter­schie­de in der Be­zah­lung päd­ago­gi­scher Be­ru­fe ge­ben", for­dert Beck­mann. So wür­de an­er­kannt, dass Ar­beit mit klei­nen Kin­dern zwar an­ders ist, aber nicht we­ni­ger wert.

"Män­ner in Frau­en­be­ru­fen er­hal­ten de­fi­ni­tiv we­ni­ger Lohn als Män­ner in ge­schlechts­kon­for­men Be­ru­fen", stellt auch Mat­thes fest. "Au­ßer­dem ist es so, dass Frau­en­be­ru­fe ge­ne­rell we­ni­ger ech­te Auf­stiegs­mög­lich­kei­ten bie­ten." Wer an ei­ner Grund­schu­le ar­bei­tet, kön­ne höchs­tens Schul­lei­ter wer­den – bei ei­nem Lohn, der ver­gleich­bar ist mit dem Ein­stiegs­ge­halt ei­nes Leh­rers an Gym­na­si­en und Be­rufs­schu­len. Noch be­schränk­ter sind die Kar­rie­re­mög­lich­kei­ten in der Kran­ken- und Al­ten­pfle­ge oder im Be­reich Ge­bäu­de­rei­ni­gung und Raum­pfle­ge – wei­te­re klas­si­sche Do­mä­nen weib­li­cher Ar­beits­kräf­te.

"Män­ner in Frau­en­be­ru­fen über­neh­men al­ler­dings sehr häu­fig Lei­tungs­funk­tio­nen", sagt Mat­thes. Es sind al­so oft die Exo­ten, die die be­schränk­ten Mög­lich­kei­ten des Auf­stiegs nut­zen kön­nen. Da­durch ver­die­nen sie im Schnitt bes­ser als ih­re Kol­le­gin­nen. "Sie be­kom­men aber nicht ge­ne­rell mehr Lohn. Das kommt ein­fach da­durch, dass Män­ner mehr Auf­ga­ben über­neh­men und sel­te­ner in Teil­zeit ar­bei­ten", er­klärt die Ar­beits­markt­ex­per­tin.

Aus per­sön­li­cher Er­fah­rung be­stä­ti­gen kann das Pe­ter Blie­ßen. Er ist Mit­glied im Prü­fungs­aus­schuss des Ver­bands me­di­zi­ni­scher Fach­be­ru­fe und auch im Pra­xi­s­all­tag hat er ei­ni­ge Son­der­auf­ga­ben über­nom­men. "Es wird ja gern ge­sagt, dass Män­ner bes­ser mit Tech­nik um­ge­hen kön­nen als Frau­en", sagt Blie­ßen. Ob das stimmt, sei da­hin­ge­stellt. Er je­den­falls ist mit die­ser Be­grün­dung zum Ge­rä­te­be­auf­trag­ten ge­wor­den.

Reich wer­den kön­ne in sei­nem Be­ruf aber nie­mand. "Wä­re es mir um Geld ge­gan­gen, hät­te ich ei­ne Leh­re bei der Bank ge­macht", sagt er. Doch die täg­li­che Ar­beit mit Men­schen sei we­sent­lich er­fül­len­der und ab­wechs­lungs­rei­cher. Mit Vor­ur­tei­len und fra­gen­den Bli­cken kön­ne er gut um­ge­hen, und sie sei­en auch sel­te­ner ge­wor­den. Ge­ra­de in sei­ner An­fangs­zeit sei es durch­aus pas­siert, dass neue Pa­ti­en­ten der Pra­xis ihn mit "Herr Dok­tor" an­ge­spro­chen ha­ben. Nach­dem er sie auf­klärt, sei­en vie­le po­si­tiv über­rascht. "Die meis­ten Leu­te sind sehr of­fen und fin­den es toll, mal ei­nen Mann vor sich zu ha­ben."

Zu viel po­si­ti­ve Auf­merk­sam­keit kann al­ler­dings ge­nau­so zum Pro­blem wer­den wie Spöt­te­lei­en. "Per­ma­nent ge­lobt und als be­son­ders dar­ge­stellt zu wer­den, auch dar­auf muss man sich ein­stel­len", warnt Mat­thes. Stän­di­ge Auf­merk­sam­keit ist Män­nern in Frau­en­be­ru­fen ga­ran­tiert – so oder so.

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Letzte Überarbeitung: 22. September 2016

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