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Män­ner­do­mä­ne adé: Mar­g­ret Sucka­le lei­tet Che­mie-Ar­beit­ge­ber­ver­band

Wirt­schafts­ver­bän­de sind mäch­tig, sie spre­chen für Hun­der­te oder so­gar Tau­sen­de Un­ter­neh­men: An ih­rer Spit­ze sa­ßen bis­her fast aus­nahms­los Män­ner. In der Che­mie­in­dus­trie hat sich das nun mit Mar­g­ret Sucka­le ge­än­dert

08.06.2013. (dpa) - Der mäch­ti­ge Che­mie-Ar­beit­ge­ber­ver­band hat sich am Frei­tag ein­stim­mig ei­ne Frau zur Prä­si­den­tin ge­wählt - ein No­vum für die In­dus­trie mit ih­ren rund 550 000 Be­schäf­tig­ten.

Mar­g­ret Sucka­le, Vor­stands­mit­glied bei der BASF und bis­her Ver­bands-Vi­ze-Che­fin, wird den Che­mie­ver­band künf­tig füh­ren.

Sucka­le hat sich bun­des­weit ei­nen Na­men er­kämpft als Per­so­nal­che­fin der Bahn, die sie auch im bein­hart ge­führ­ten Ta­rif­streit mit den Lo­ko­mo­tiv­füh­rern 2007/2008 ver­trat.

Zum welt­größ­ten Che­mie­kon­zern BASF stieß die 57-Jäh­ri­ge dann vor vier Jah­ren.

2011 zog sie als ers­te Frau in der Un­ter­neh­mens­ge­schich­te in den Vor­stand des Bran­chen­pri­mus ein. Zu­stän­dig ist die Ma­na­ge­rin un­ter an­de­rem für das Per­so­nal. Zu­gleich ver­ant­wor­tet sie als Stand­ort­lei­te­rin den BASF-Stamm­sitz in Lud­wigs­ha­fen, der als größ­tes Che­mie­ge­län­de der Welt gilt.

Ne­ben Sucka­le gab es bis­her nur we­ni­ge Frau­en, die in der Welt der Ver­bän­de das Sa­gen hat­ten - dar­un­ter Ga­brie­le Sons, die von 2010 bis 2012 Haupt­ge­schäfts­füh­re­rin beim Ar­beit­ge­ber­ver­band Ge­samt­me­tall war und Eri­ka Em­me­rich, die von 1989 bis 1996 als Prä­si­den­tin dem Ver­band der Au­to­mo­bil­in­dus­trie (VDA) vor­stand.

Als ers­te Frau an der Spit­ze ei­ner DGB-Ge­werk­schaft hat sich Mo­ni­ka Wulf-Ma­thies in den 80er Jah­ren her­vor­ge­tan. Zwölf Jah­re führ­te sie die mäch­ti­ge Ge­werk­schaft Öf­fent­li­che Diens­te, Trans­port und Ver­kehr (ÖTV), die spä­ter in der Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft Ver­di auf­ging.

Die Wahl der BASF-Ma­na­ge­rin Sucka­le macht Frau­en­ver­bän­den Hoff­nung auf mehr: "Die Ver­bands­welt ist ei­ne aus­ge­spro­che­ne Män­ner­do­mä­ne. Wenn dort jetzt ei­ne Frau an die Spit­ze ge­wählt wird, ist das ei­ne wich­ti­ge und rich­ti­ge Ent­schei­dung, und sie war über­fäl­lig", sagt Mo­ni­ka Schulz-St­re­low, Prä­si­den­tin der Initia­ti­ve Frau­en in die Auf­sichts­rä­te (Fi­dAR). Zu hof­fen sei, dass Sucka­le als Vor­bild wir­ke: "Nach Frau Sucka­les Wahl wird si­cher der ei­ne oder an­de­re Ver­band sa­gen, da gibt es jetzt die ei­ne und es klappt, dann kön­nen wir uns das auch trau­en."

Ein sol­cher Im­puls kann nach Zah­len von Fi­dAR nicht scha­den: Dem­nach steigt die Zahl der Frau­en in den Füh­rungs­eta­gen der 160 bör­sen­ori­en­tier­ten Top-Un­ter­neh­men zwar, aber nur äu­ßerst lang­sam. Zwölf Jah­re nach der Selbst­ver­pflich­tung der Wirt­schaft, mehr Frau­en in Auf­sichts­rä­te und Vor­stän­de zu be­ru­fen, lag ihr An­teil En­de März ins­ge­samt bei 11,1 Pro­zent.

Ei­ne Frau al­lein kann laut Schulz-St­re­low al­ler­dings nicht viel aus­rich­ten: "Stu­di­en zei­gen, dass erst, wenn zwei bis drei Frau­en Teil ei­nes Gre­mi­ums sind, sie nicht mehr als Frau­en, son­dern als nor­ma­le Ge­sprächs­teil­neh­mer wahr­ge­nom­men wer­den." Wün­schens­wert wä­re des­halb, dass we­nigs­tens je­der drit­te Auf­sichts­rats­pos­ten mit ei­ner Frau be­setzt wä­re.

Nach dem Aus für die Auf­sichts­rats-Frau­en­quo­te im Bun­des­tag sei Sucka­les Wahl ein be­son­ders wich­ti­ges Si­gnal, sagt auch El­ke Holst, For­schungs­di­rek­to­rin für Gen­der Stu­dies am Deut­schen In­sti­tut für Wirt­schafts­for­schung (DIW): "Oh­ne grö­ße­ren Druck fürch­te ich, neh­men die An­stren­gun­gen wie­der ab. Das wä­re fa­tal, denn die Un­ter­neh­men müs­sen vor­sor­gen für den de­mo­gra­fi­schen Wan­del." Das gel­te auch aus Sicht der Frau­en: "Jun­ge Frau­en brau­chen viel mehr weib­li­che Vor­bil­der." Und je mehr Frau­en es in Spit­zen­po­si­tio­nen schaff­ten, um­so bes­ser könn­ten sie den Weg für an­de­re eb­nen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 7. Mai 2014

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