Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Arbeitsrecht aktuell
Jahr

Ma­na­ger­ge­häl­ter im Wahl­kampf

Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on will stär­ke­re Rech­te der Haupt­ver­samm­lun­gen bei der Fest­le­gung von Vor­stands­ge­häl­tern: Ge­setz zur Ver­bes­se­rung der Kon­trol­le der Vor­stands­ver­gü­tung und zur Än­de­rung wei­te­rer ak­ti­en­recht­li­cher Vor­schrif­ten (Vorst­KoG)

31.08.2013. Seit der Fi­nanz­kri­se 2008 sind "über­zo­ge­ne" Ma­na­ger­ge­häl­ter in der Dis­kus­si­on.

Doch ob­wohl dar­über seit Jah­ren de­bat­tiert wird, gibt es nach wie vor kei­ne kla­ren Rechts­vor­schrif­ten, die re­geln wür­den, wel­che Ge­häl­ter an­ge­mes­sen sind und wel­che nicht.

Ging es in der Fi­nanz­kri­se noch um die Ge­häl­ter der Ma­na­ger der­je­ni­ger Ban­ken, die staat­li­che Hil­fen in An­spruch neh­men muss­ten, rich­tet sich der Un­mut be­reits seit län­ge­rem auch ge­gen die Ma­na­ger­ge­häl­ter, die Pri­vat­un­ter­neh­men oh­ne staat­li­che Un­ter­stüt­zung be­zah­len.

Die vor­läu­fig letz­te ge­setz­li­che Än­de­rung hat der Bun­des­tag am 27.06.2013 be­schlos­sen. Da­nach sol­len die Rech­te der Haupt­ver­samm­lung bei der Fest­set­zung von Vor­stands­be­zü­gen ge­stärkt wer­den: Ge­setz zur Ver­bes­se­rung der Kon­trol­le der Vor­stands­ver­gü­tung und zur Än­de­rung wei­te­rer ak­ti­en­recht­li­cher Vor­schrif­ten (Vorst­KoG).

Versuchte Deckelung von Managergehältern angeschlagener Banken während der Bankenkrise 2008

Als sich die große Ko­ali­ti­on 2008 da­zu ent­schloss, "sys­tem­re­le­van­te" Ban­ken vor der In­sol­venz zu be­wah­ren und da­her ei­nen Fi­nanz­markt­sta­bi­li­sie­rungs­fonds er­rich­te­te, war schnell klar, dass Ban­ken schlecht vom Staat Mil­li­ar­den­hil­fen in An­spruch neh­men, ih­ren Ma­na­gern aber wei­ter­hin ho­he Gehälter zah­len können.

Da­her ermäch­tigt das Ge­setz zur Er­rich­tung ei­nes Fi­nanz­markt­sta­bi­li­sie­rungs­fonds – Fi­nanz­markt­sta­bi­li­sie­rungs­fonds­ge­setz (FMStFG), vom 17.10.2008 die Bun­des­re­gie­rung da­zu, Maßnah­men zur Be­gren­zung von Ma­na­ger­gehältern zu er­grei­fen. Be­trof­fen wa­ren nur Un­ter­neh­men, die staat­li­che Hil­fen for­der­ten.

Auf die­ser Grund­la­ge er­ließ die Bun­des­re­gie­rung am 20.10.2008 die Ver­ord­nung zur Durchführung des Fi­nanz­markt­sta­bi­li­sie­rungs­fonds­ge­set­zes (Fi­nanz­markt­sta­bi­li­sie­rungs­fonds-Ver­ord­nung – FMStFV), die ein Jah­res­ge­halt von höchs­tens 500.000,00 EUR vor­sieht, al­ler­dings kei­ne kon­kre­ten Ein­griffs­grund­la­gen für Ge­haltskürzun­gen enthält (wir be­rich­te­ten in: Ar­beits­recht ak­tu­ell: 08/106 Her­ab­set­zung von Ma­na­ger­gehältern gemäß dem Ge­setz zur Er­rich­tung ei­nes Fi­nanz­markt­sta­bi­li­sie­rungs­fonds (FMStFG)).

Begrenzung von Vorstandsgehältern durch das Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung

Im Jah­re 2009 un­ter­nahm die große Ko­ali­ti­on so­dann ei­nen Ver­such, die Bezüge der Vor­stands­mit­glie­der großer Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten all­ge­mein zu be­gren­zen (wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 09/050 Ge­setz zur An­ge­mes­sen­heit der Vor­stands­vergütung (Vors­tAG)). Her­aus ka­men eher kos­me­ti­sche Ände­run­gen des Ak­ti­en­ge­set­zes (AktG) durch das "Ge­setz zur An­ge­mes­sen­heit der Vor­stands­vergütung, vom 31.07.2009".

Mit die­ser zum 05.08.2009 in Kraft ge­tre­te­nen Ge­set­zesände­rung wur­den die Auf­sichtsräte, die für die Verträge mit den Vor­stands­mit­glie­dern zuständig sind, da­zu ver­pflich­tet, bei der Fest­le­gung der Vor­stands­vergütung nicht nur die Auf­ga­ben und Leis­tun­gen des Vor­stands­mit­glieds so­wie die La­ge der Ge­sell­schaft zu berück­sich­ti­gen, son­dern auch da­zu, dar­auf zu ach­ten, dass die Vor­stands­gehälter "die übli­che Vergütung nicht oh­ne be­son­de­re Gründe über­stei­gen." (§ 87 Abs.1 AktG)

Außer­dem ist die Vergütungs­struk­tur bei börsen­no­tier­ten Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten seit­dem auf ei­ne "nach­hal­ti­ge Un­ter­neh­mens­ent­wick­lung aus­zu­rich­ten." Wer­den er­folgs­abhängi­ge va­ria­ble Vergütungs­be­stand­tei­le ver­ein­bart, sol­len die­se ei­ne mehrjähri­ge Be­mes­sungs­grund­la­ge ha­ben, um ei­nem kurz­fris­ti­gen Schie­len auf ak­tu­el­le Börsen­kur­se ent­ge­gen­zu­wir­ken.

Zu­dem sind Auf­sichtsräte seit Au­gust 2009 gemäß § 116 Satz 3 AktG zum Er­satz ver­pflich­tet, wenn sie ei­ne "un­an­ge­mes­se­ne Vergütung" fest­set­zen.

Kein Wun­der, dass die Ma­na­ger­vergütung ein wich­ti­ges The­ma des Bun­des­tags­wahl­kamp­fes im Herbst 2009 war (wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 09/164 Ma­na­ger­gehälter und Bun­des­tags­wahl 2009).

Gesetzliche Regelung der Vergütungssysteme in der Versicherungswirtschaft 2010

Ein wei­te­rer Schritt war dann das "Ge­setz über die auf­sichts­recht­li­chen An­for­de­run­gen an die Vergütungs­sys­te­me von In­sti­tu­ten und Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men, vom 21.07.2010", das das im Kre­dit­we­sen­ge­setz und im Ver­si­che­rungs­auf­sichts­ge­setz ge­re­gel­te Ri­si­ko­ma­nage­ment von Ban­ken und Ver­si­che­run­gen ergänzt.

Seit­dem sind Ban­ken und Ver­si­che­run­gen ver­pflich­tet, die Vergütungs­sys­te­me von Geschäfts­lei­tern und Mit­ar­bei­tern „an­ge­mes­sen“ und „trans­pa­rent“ zu ge­stal­ten und „auf ei­ne nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung“ der je­wei­li­gen Ein­rich­tung aus­zu­rich­ten (wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 10/146 Neu­es Ge­setz zur Vergütung in Ban­ken und Ver­si­che­run­gen).

Begrenzung von Vorstandsgehältern durch die Reform des Aktienrechts 2012 / 2013

Mitt­ler­wei­le hat der Bun­des­tags­wahl­kampf 2013 die En­de 2011 be­gon­ne­ne No­vel­lie­rung des AktG er­fasst.

Während der ursprüng­li­che Ge­setz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung nur die Be­tei­li­gungs­verhält­nis­se nicht börsen­no­tier­ter Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten trans­pa­ren­ter ma­chen und miss­bräuch­li­che An­fech­tungs­kla­gen von "Be­rufsklägern" wei­ter er­schwe­ren woll­te, wur­de in die Be­schluss­emp­feh­lung und den Be­richt des Rechts­aus­schus­ses vom 26.06.2013 auf die Schnel­le noch ei­ne Ände­rung von § 120 Abs.4 AktG auf­ge­nom­men.

Die der­zei­ti­ge Fas­sung die­ser Vor­schrift lau­tet:

"Die Haupt­ver­samm­lung der börsen­no­tier­ten Ge­sell­schaft kann über die Bil­li­gung des Sys­tems zur Vergütung der Vor­stands­mit­glie­der be­sch­ließen. Der Be­schluss be­gründet we­der Rech­te noch Pflich­ten; ins­be­son­de­re lässt er die Ver­pflich­tun­gen des Auf­sichts­rats nach § 87 un­berührt. Der Be­schluss ist nicht nach § 243 an­fecht­bar."

Künf­tig soll die­se Vor­schrift fol­gen­den In­halt ha­ben (Ände­run­gen fett):

"Die Haupt­ver­samm­lung der börsen­no­tier­ten Ge­sell­schaft be­sch­ließt jähr­lich über die Bil­li­gung des vom Auf­sichts­rat vor­ge­leg­ten Sys­tems zur Vergütung der Vor­stands­mit­glie­der. Die Dar­stel­lung des Sys­tems hat auch An­ga­ben zu den höchs­tens er­reich­ba­ren Ge­samt­bezügen, auf­ge­schlüsselt nach dem Vor­sit­zen­den des Vor­stands, des­sen Stell­ver­tre­ter und ei­nem ein­fa­chen Mit­glied des Vor­stands, zu ent­hal­ten. Der Be­schluss berührt nicht die Wirk­sam­keit der Vergütungs­verträge mit dem Vor­stand; er ist nicht nach § 243 an­fecht­bar."

Be­gründet wird die­se Ände­rung mit dem Ziel, die Ei­gentümer­rech­te bei der Aus­ge­stal­tung der Vor­stands­vergütung zu stärken. Das sei "sys­tem­kon­form", da die Haupt­ver­samm­lung be­reits jetzt über die Bil­li­gung des Sys­tems zur Vergütung der Vor­stands­mit­glie­der be­sch­ließen kann.

Künf­tig muss sie ei­nen sol­chen Be­schluss fas­sen, was die Re­chen­schafts­pflicht der Auf­sichtsräte ge­genüber den Ei­gentümern verschärft, so die Ge­set­zes­be­gründung des Rechts­aus­schus­ses. Außer­dem ver­spricht man sich ei­ne größere Trans­pa­renz der Vor­stands­vergütung, weil die ma­xi­mal er­reich­ba­ren Ge­samt­bezüge auf­ge­schlüsselt wer­den müssen.

Al­ler­dings soll der Be­schluss der Haupt­ver­samm­lung ("say on pay") den Auf­sichts­rat nur im In­nen­verhält­nis bin­den, d.h. im Verhält­nis von Ge­sell­schaft und Auf­sichts­rat, nicht aber im Außen­verhält­nis zwi­schen Ge­sell­schaft und Vor­stand. Die hier im Außen­verhält­nis zwi­schen Ge­sell­schaft und Vor­stand aus­ge­han­del­ten Verträge sind da­her auch dann wirk­sam und ver­schaf­fen den Vor­stands­mit­glie­dern ver­trag­li­che Rech­te, wenn sich der Auf­sichts­rat über den Be­schluss der Haupt­ver­samm­lung hin­weg­setzt.

Managergehälter im Bundestagswahlkampf 2013

Bei der letz­ten Übe­r­ar­bei­tung des Ge­set­zes­tex­tes änder­te der Rechts­aus­schuss flugs auch den bis­he­ri­gen Ar­beits­ti­tel des Ge­set­zes ("Ge­setz zur Ände­rung des Ak­ti­en­ge­set­zes (Ak­ti­en­rechts­no­vel­le 2012)") wer­be­wirk­sam in "Ge­setz zur Ver­bes­se­rung der Kon­trol­le der Vor­stands­vergütung und zur Ände­rung wei­te­rer ak­ti­en­recht­li­cher Vor­schrif­ten (Vorst­KoG)" ab.

Außer­dem bügel­te der Aus­schuss er­war­tungs­gemäß mit der Mehr­heit der Ver­tre­ter der Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on die Vor­schläge der SPD und der Grünen ab.

Die SPD hat­te ge­for­dert, die steu­er­li­che Ab­setz­bar­keit von Vor­stands­gehältern als Be­triebs­aus­ga­ben der Ak­ti­en­ge­sell­schaft auf 500.000,00 EUR pro Jahr zu be­gren­zen und darüber hin­aus­ge­hen­de Gehälter nur zu 50 Pro­zent ab­zugsfähig zu ma­chen.

Außer­dem ver­lang­te die SPD, den Auf­sichts­rat durch ei­ne Ände­rung von § 87 AktG künf­tig da­zu zu ver­pflich­ten, ei­ne strikt ein­zu­hal­ten­de Höchst­gren­ze für das Verhält­nis der Gehälter ein­zel­ner Vor­stands­mit­glie­der und dem durch­schnitt­li­chen Ar­beit­neh­mer­ein­kom­men des Un­ter­neh­mens fest­zu­le­gen und bei der Vergütungs­ver­ein­ba­run­gen mit Vorständen ein­zu­hal­ten.

Ähn­li­che lau­te­ten die Re­form­vor­schläge der Grünen, die sich eben­falls mit der von der Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on befürwor­te­ten Ände­rung von § 120 Abs.4 AktG nicht an­freun­den konn­ten. An­ders als die SPD wol­len die Grünen die Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten nicht da­zu ver­pflich­ten, ein be­stimm­tes Verhält­nis von Vor­stands­gehältern und Ar­beit­neh­mer­ein­kom­men fest­zu­le­gen. Al­ler­dings soll­te das tatsächli­che Verhält­nis die­ser Bezüge er­mit­telt und ge­genüber der Haupt­ver­samm­lung of­fen­ge­legt wer­den.

Mitt­ler­wei­le ist das Vorst­KoG in der von der Re­gie­rungs­mehr­heit befürwor­te­ten Fas­sung vom Bun­des­tag am 27.06.2013 an­ge­nom­men wor­den. Da sich der Bun­des­rat al­ler­dings noch da­mit be­fas­sen muss, ist nicht da­mit zu rech­nen, dass es noch vor der Wahl Ge­setz wird. Zwar kann der Bun­des­rat durch ei­nen Ein­spruch das Ge­setz letzt­lich nicht ver­hin­dern, aber sei­ne Ver­ab­schie­dung so lan­ge verzögern, dass es vor der Bun­des­tags­wahl nicht mehr in Kraft tre­ten kann.

So hat der Jus­tiz­mi­nis­ter Nord­rhein-West­fa­lens Tho­mas Kut­scha­ty (SPD) vor zwei Wo­chen an­gekündigt, die SPD wer­de das Vorst­KoG am 20.09.2013 im Bun­des­rat stop­pen (wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 13/235 NRW-Jus­tiz­mi­nis­ter will Ma­na­ger­gehälter auf ei­ne Mil­li­on Eu­ro de­ckeln).

Bewertung der Vorschläge - oder was Spitzenmanager und Spitzenfußballern unterscheidet

In der ak­tu­el­len De­bat­te bemüht sich je­der zu be­to­nen, dass "ex­or­bi­tan­te" Ma­na­ger­gehälter ein erns­tes The­ma sei­en. So heißt es in dem Ent­schließungs­an­trag der Frak­tio­nen der CDU und der FDP vom 26.06.2013:

"Der Deut­sche Bun­des­tag nimmt die Sor­ge, dass bei der Ma­na­ger­vergütung das Maß ver­lo­ren ge­he und der in­ne­re Zu­sam­men­halt der Ge­sell­schaft gefähr­det sei, sehr ernst."

An­ge­sichts die­ser weit ver­brei­te­ten tie­fen Sor­gen­fal­ten möch­te man ket­ze­risch ein­wer­fen, dass die La­ge hoff­nungs­los, aber nicht ernst sei. Denn woll­te man Ge­halts­ober­gren­zen ernst­haft dis­ku­tie­ren, müss­te man sich auch an­de­re Ein­kom­mens­mil­li­onäre an­schau­en, z.B. Fern­seh­stars oder Pro­fi­fußbal­ler.

So soll Stürmer­star Ro­bert Le­wan­dow­ski im Au­gust 2013 laut Spie­gel.On­line ei­ne be­schei­de­ne Ge­halts­erhöhung von et­wa fünf Mil­lio­nen Eu­ro für die letz­ten zehn Ver­trags­mo­na­te bei sei­nem Ar­beit­ge­ber Bo­rus­sia Dort­mund her­aus­ge­han­delt ha­ben.

Franck Ribéry (Bay­ern München) soll laut ei­ner von Bild.de Mit­te Ja­nu­ar 2013 er­stell­ten Über­sicht der Top-Ver­die­ner im Pro­fi­fußball zehn Mil­lio­nen Eu­ro pro Jahr ver­die­nen, der für den VfL Wolfs­burg ki­cken­de Bra­si­lia­ner Die­go Ri­bas da Cun­ha 8,2 Mil­lio­nen Eu­ro und der Schal­ker Klaas-Jan Hun­te­laar im­mer­hin 6,5 Mil­lio­nen.

Außer­dem müssen sich Spit­zen­fußbal­ler mit ei­nem so kar­gen Grund­ge­halt in der Re­gel nicht be­gnügen. Denn es kom­men Sieg­prämi­en und Ein­nah­men aus Wer­be­verträgen hin­zu. Da­mit dürf­ten vie­le Spit­zen­fußbal­ler deut­lich mehr kas­sie­ren als vie­le Top-Ma­na­ger.

Aber wäre ein sol­cher Ver­gleich von Ma­na­gern und Pro­fi­fußbal­lern fair? Nein, er wäre un­fair, und das liegt an fol­gen­den Fak­to­ren:

Ers­tens der Sams­tags­fak­tor: Die Fußball­mil­li­onäre sor­gen je­den Sams­tag für ein un­ter­halt­sa­mes Bun­des­li­ga-Spek­ta­kel. Sie lie­fern uns "Emo­tio­nen pur", und das soll­te gefälligst anständig be­zahlt wer­den. Die­sen Spaß können uns die meist älte­ren Her­ren in Na­del­strei­fen natürlich nicht bie­ten.

Zwei­tens der Harm­lo­sig­keits­fak­tor: Die Un­ter­neh­mens­bos­se kas­sie­ren nicht nur Mil­lio­nen, son­dern sie schwin­gen dafür auch noch die Knu­te des Ka­pi­tals. Letzt­lich wer­den sie fürs Aus­beu­ten an­de­rer Men­schen be­zahlt. Die Fußball­mil­li­onäre sind da­ge­gen im Grun­de ih­res Her­zens ein­fa­che Jungs, die gu­ten Fußball spie­len wol­len. Sie sind harm­los.

Drit­tens der Ju­gend­li­cher-Held-Fak­tor: Die ex­or­bi­tant be­zahl­ten Ma­na­ger ver­die­nen ihr Geld mit Zah­len und Bi­lan­zen, d.h. mit hin­terhälti­gen The­men. Sie sind grau, alt und ver­schla­gen. Da­ge­gen sind die Fußball­mil­li­onäre ju­gend­li­che Hel­den. Sie stürmen, kämp­fen, sie­gen - oder müssen ei­ne Nie­der­la­ge hin­neh­men. Al­lein die Dra­ma­tik ih­rer hel­den­haf­ten Exis­tenz recht­fer­tigt je­den Eu­ro, den sie kas­sie­ren.

Vier­tens der Ma­se­ra­ti-Fak­tor: Was ma­chen ei­gent­lich die über­be­zahl­ten Ma­na­ger mit ih­ren Mil­lio­nen? Wir wis­sen es nicht, aber wir wol­len es auch gar nicht wis­sen. Si­cher wer­den sie ihr Geld für so lang­wei­li­ge Din­ge wie Bau­spar­verträge, Ak­ti­en oder Le­bens­ver­si­che­run­gen aus­ge­ben. Der Reich­tum der Fußball­mil­li­onäre da­ge­gen glänzt, und sie las­sen uns als Zaungäste an ih­rem Reich­tum teil­ha­ben. Man sieht sie in teu­ren Sport­wa­gen und an der Sei­te kon­sum­lus­ti­ger Mo­dels. Das macht sie sym­pa­thisch.

Fünf­tens der Blut-Schweiß-und-Tränen-Fak­tor: Die Ma­na­ger sind fei­ge Ses­sel­fur­zer, die Fußbal­ler ris­kie­ren da­ge­gen je­den Sams­tag ih­re Kno­chen. Wie wich­tig der Blut-Schweiß-und-Tränen-Fak­tor ist, zeigt sich im­mer dann, wenn "die Ein­stel­lung" nicht stimmt. Dann wird schnell Kri­tik an "fau­len" Fußball­mil­li­onären laut. Da­her soll­te man sich als Fußbal­ler ei­ne Fri­sur wie Ma­rio Go­mez bes­ser nicht leis­ten.

Sechs­tens der Geld-schießt-To­re-Fak­tor: Geld schießt eben doch To­re, und da­her muss die Bun­des­li­ga mit den im Aus­land ge­zahl­ten Mil­lio­n­en­ga­gen mit­hal­ten. Sonst wan­dern die gu­ten Spie­ler nach Eng­land oder Spa­ni­en ab, und das will kein deut­scher Fußball­fan. Aber Spit­zen­ma­na­ger, die für 500.000,00 EUR oder für ei­ne Mil­li­on pro Jahr ar­bei­ten, die wird es doch wohl ge­ben, oder et­wa nicht? Und wenn dafür kein Top-Ma­na­ger aus dem Aus­land kom­men will, dann um so bes­ser, dann macht den Job eben ein be­schei­de­ner Deut­scher.

Fazit: Mindestlöhne statt Gehaltsobergrenzen

Fa­zit: Es ist ein Ar­muts­zeug­nis für die CDU und die SPD, dass sie nicht schon zur Zeit iher großen Ko­ali­ti­on auf ei­nen für al­le Bran­chen ein­heit­lich gel­ten­den Min­dest­lohn ha­ben ei­ni­gen können. Denn das ist wirk­lich ein wich­ti­ges Ziel, wenn es um Ein­kom­mens­ge­rech­tig­keit geht.

Natürlich kann man darüber hin­aus auch ei­ne Be­gren­zung von Ma­na­ger­gehältern for­dern, aber dann müss­te man be­gründen, war­um ver­gleich­ba­re Ge­halts­ober­gren­zen nicht auch für an­de­re Be­rufs­grup­pen gel­ten soll­ten wie z.B. für Spit­zen­fußbal­ler, die mögli­cher­wei­se auch "über­be­zahlt" sind (was im­mer das heißt).

Denn die oben her­aus­ge­stell­ten Un­ter­schie­de die­ser bei­den Be­rufs­grup­pen recht­fer­ti­gen ver­fas­sungs­recht­lich ge­se­hen si­cher kei­ne Un­gleich­be­hand­lung. Es wäre da­her ein Ver­s­toß ge­gen den Gleich­heits­satz (Art.3 Abs.1 Grund­ge­setz - GG), pri­va­ten Ar­beit­ge­bern Ge­halts­ober­gren­zen spe­zi­ell für ei­ne be­stimm­te Be­rufs­grup­pe vor­zu­ge­ben, an­de­re Be­rufs­grup­pen da­ge­gen oh­ne trif­ti­ge Sach­gründe da­von aus­zu­neh­men.

Ab­ge­se­hen da­von sind Ge­halts­ober­gren­zen mas­si­ve Ein­schränkun­gen der Be­rufs­frei­heit (Art.12 GG), die durch ent­spre­chend wich­ti­ge Ein­griffs­zie­le ge­recht­fer­tigt wer­den müss­ten. Ein dif­fu­ses Un­be­ha­gen an an­geb­lich "ex­or­bi­tan­ten" Gehältern ist aber kein sach­lich nach­voll­zieh­ba­res Ein­griffs­ziel. Denn die Ge­halts­kos­ten fal­len Pri­vat­un­ter­neh­men zur Last und nicht dem Staat, der viel­mehr durch die Ein­kom­men­steu­er an Spit­zen­gehältern kräftig mit­ver­dient.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 27. September 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880