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Mer­kel: EU-Staa­ten müs­sen mehr ge­gen Ju­gend­ar­beits­lo­sig­keit tun

Mit der ers­ten Kon­fe­renz im Kampf ge­gen die Ju­gend­ar­beits­lo­sig­keit weck­ten die 28 EU-Län­der gro­ße Er­war­tun­gen: Klar ist, die Ein­zel­staa­ten sind mehr ge­for­dert. Kri­ti­ker se­hen in dem Ber­li­ner Tref­fen nur ei­ne wei­te­re Show-Ver­an­stal­tung

04.07.2013. (dpa) - Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) ver­langt von den eu­ro­päi­schen Part­nern mehr En­ga­ge­ment im Kampf ge­gen die Ju­gend­ar­beits­lo­sig­keit.

Es sei mehr als nur Geld not­wen­dig, um die­se Kri­se zu meis­tern, mach­te Mer­kel am Mitt­woch bei ei­ner gro­ßen Kon­fe­renz mit Staats- und Re­gie­rungs­chefs der EU, mit Ar­beits- und So­zi­al­mi­nis­tern so­wie Chefs der na­tio­na­len Ar­beits­agen­tu­ren deut­lich.

Sie be­kräf­tig­te, dass im Kampf ge­gen Ju­gend­ar­beits­lo­sig­keit von nächs­tem Jahr an acht Mil­li­ar­den Eu­ro zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den sol­len, die noch nicht in den klas­si­schen Fi­nanz­struk­tu­ren ein­ge­plant sei­en.

Die Op­po­si­ti­on in Deutsch­land nann­te das Ber­li­ner Tref­fen ei­ne Show-Ver­an­stal­tung.

Der Eu­ro­päi­sche Rat hat­te sich En­de Ju­ni auf sechs Mil­li­ar­den Eu­ro für ein So­fort­pro­gramm "Ju­gend­garan­tie" ver­stän­digt. Frau­en und Män­nern bis 25 Jah­re soll da­mit spä­tes­tens vier Mo­na­te nach Be­ginn der Ar­beits­lo­sig­keit ein Ar­beits­platz, ei­ne Lehr­stel­le oder ein Prak­ti­kum an­ge­bo­ten wer­den. Die Mit­tel könn­ten sich noch um zwei Mil­li­ar­den Eu­ro er­hö­hen durch Geld aus an­de­ren Töp­fen.

In Eu­ro­pa sind der­zeit rund 5,5 Mil­lio­nen jun­ge Men­schen un­ter 25 Jah­ren oh­ne Ar­beit, die meis­ten da­von in den süd­li­chen Län­dern. Mer­kel mahn­te un­ter an­de­rem Ar­beits­markt­re­for­men in Part­ner­staa­ten an. Ar­beits­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en (CDU) sag­te, obers­tes Ge­bot sei die Qua­li­fi­zie­rung jun­ger Men­schen. An­ge­spro­chen wer­den soll­ten sie et­wa über die Ar­beits­ver­wal­tun­gen und Kam­mern.

Die Teil­neh­mer wa­ren sich ei­nig, dass ei­ne in meh­re­ren EU-Län­dern dro­hen­de Kre­dit­klem­me vor al­lem für klei­ne und mitt­le­re Fir­men ver­hin­dert wer­den müs­se. Ge­ra­de die­se Un­ter­neh­men stell­ten die meis­ten Ar­beits- und Aus­bil­dungs­plät­ze. Die Eu­ro­päi­sche In­ves­ti­ti­ons­bank (EIB) ha­be zu­ge­sagt, in den nächs­ten drei Jah­ren jähr­lich zu­sätz­lich sechs Mil­li­ar­den Eu­ro an Kre­di­ten be­reit­stel­len zu kön­nen, und zwar be­gin­nend ab Au­gust, sag­te von der Ley­en.

Der Prä­si­dent des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments, Mar­tin Schulz (SPD), sag­te, die Kon­fe­renz ha­be gro­ße "Er­war­tungs­hal­tun­gen ge­weckt, die wir er­fül­len müs­sen." In der Pflicht sei­en zu­nächst die na­tio­na­len Re­gie­run­gen. Frank­reichs Prä­si­dent François Hol­lan­de und Mer­kel sag­ten, bei der Fol­ge­kon­fe­renz im No­vem­ber in Pa­ris soll­ten Fort­schrit­te über­prüft wer­den. Mer­kel woll­te sich nicht auf ei­ne kon­kre­te Zahl fest­le­gen, wie stark die Ju­gend­ar­beits­lo­sig­keit in wel­chem Land ver­rin­gert wer­den sol­le.

Kri­tik kam von So­zi­al­de­mo­kra­ten und Ge­werk­schaf­ten: Für SPD-Kanz­ler­kan­di­dat Peer St­ein­brück ist der Ein­satz der Kanz­le­rin ge­gen die Ju­gend­ar­beits­lo­sig­keit in Eu­ro­pa völ­lig un­zu­rei­chend. "Wir brau­chen min­des­tens 20, 21 Mil­li­ar­den Eu­ro". Nö­tig sei­en mehr Wachs­tums­im­pul­se. Bei der ho­hen Zahl ar­beits­lo­ser Ju­gend­li­cher in Eu­ro­pa be­deu­te­ten die sechs Mil­li­ar­den Eu­ro, dass je­der pro Mo­nat mit rund 41 Eu­ro ge­för­dert wer­de. Das sei lä­cher­lich, sag­te St­ein­brück.

SPD-Chef Sig­mar Ga­bri­el mach­te Mer­kel mit­ver­ant­wort­lich für die Ju­gend­ar­beits­lo­sig­keit im Sü­den Eu­ro­pas. "Sie ist ei­ne Art Dieb, die der Ju­gend Eu­ro­pas die Zu­kunft stiehlt". Er nann­te es "ei­ne gro­ße Schan­de", dass weit mehr als ei­ne Bil­li­on Eu­ro für die Ret­tung von Ban­ken aus­ge­ge­ben wer­de, aber nur ein paar Mil­li­ar­den für bes­se­re Ar­beits­markt­chan­cen. CDU-Ge­ne­ral­se­kre­tär Her­mann Grö­he wies die At­ta­cke Ga­bri­els auf Mer­kel scharf zu­rück. "Sprü­che­klop­fer Ga­bri­el hat sich er­neut mas­siv im Ton ver­grif­fen", sag­te er.

Der Vor­sit­zen­de des Deut­schen Ge­werk­schafts­bun­des, Mi­cha­el Som­mer, sieht in der ho­hen Ju­gend­ar­beits­lo­sig­keit ei­nen Of­fen­ba­rungs­eid für die Staats- und Re­gie­rungs­chefs in Eu­ro­pa. "Die Zeit wohl­fei­ler Wor­te und Ab­sichts­er­klä­run­gen ist vor­bei." Nö­tig sei­en Ar­beits­be­schaf­fungs­maß­nah­men, Lohn­kos­ten­zu­schüs­se für jun­ge Be­schäf­tig­te oder Maß­nah­men ge­gen die Kre­dit­klem­me bei klei­nen Un­ter­neh­men. Die Ge­werk­schaf­ten hat­ten ei­ne Ge­gen­ver­an­stal­tung zum Spit­zen­tref­fen im Kanz­ler­amt or­ga­ni­siert.

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Letzte Überarbeitung: 9. Oktober 2014

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