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Mil­lio­nen-Sank­tio­nen ge­gen Hartz-IV-Be­zie­her - 107 Eu­ro we­ni­ger

Hun­dert­tau­send­fach wer­den Hartz-IV-Be­zie­her we­gen Ver­stö­ßen ge­gen Vor­ga­ben des Job­cen­ters be­straft: Doch for­dern Sank­tio­nen nicht tau­send­fach Kri­mi­na­li­tät her­aus? Nun soll der Be­reich auf den Prüf­stand

10.07.2015. (dpa) - Lang­zeit­ar­beits­lo­sen in Deutsch­land ge­hen ho­he Sum­men we­gen Sank­tio­nen ver­lo­ren.

Rund 1,5 Mil­li­ar­den Eu­ro büß­ten Hartz-IV-Be­zie­her in den ver­gan­ge­nen sie­ben Jah­ren des­halb ein.

2014 be­ka­men die Be­trof­fe­nen im Schnitt 107 Eu­ro im Mo­nat we­ni­ger - die Sank­tio­nen mach­ten 182 Mil­lio­nen Eu­ro aus.

Das geht aus ei­ner Ant­wort der Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA) an die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Sa­bi­ne Zim­mer­mann (Lin­ke) her­vor, die der Deut­schen Pres­se-Agen­tur vor­liegt.

Der Hartz-IV-Re­gel­satz für Al­lein­ste­hen­de be­trägt mo­nat­lich 399 Eu­ro.

Sank­tio­nen wer­den et­wa ver­hängt, wenn Be­trof­fe­ne Ar­beits- oder Aus­bil­dungs­an­ge­bo­te ab­leh­nen, Vor­ga­ben des Job­cen­ters miss­ach­ten oder sons­ti­ge Maß­nah­men ver­wei­gern. Trotz lang­an­hal­ten­den Wi­der­stands aus Bay­ern wol­len Uni­on und SPD im Bun­des­tag die Re­geln da­für nun ver­ein­fa­chen.

"Wir pei­len an, ei­ne Re­form der ar­beits­markt­po­li­ti­schen In­stru­men­te und Rechts­ver­ein­fa­chun­gen für Lang­zeit­ar­beits­lo­se im Herbst auf den Weg zu brin­gen", sag­te der so­zi­al­po­li­ti­sche Spre­cher der Uni­ons­frak­ti­on, Karl Schie­wer­ling, der dpa. Für jun­ge Men­schen soll­ten Sank­tio­nen nicht weg­fal­len, aber "ver­nünf­tig" ge­stal­tet wer­den. "Die Job­cen­ter sol­len durch die Rechts­ver­ein­fa­chun­gen von Bü­ro­kra­tie ent­las­tet wer­den und sich ver­stärkt um Lang­zeit­ar­beits­lo­se küm­mern."

Die SPD-So­zi­al­ex­per­tin Kat­ja Mast sag­te der dpa, jün­ge­re Ar­beits­lo­se soll­ten bei Sank­tio­nen künf­tig so be­han­delt wer­den wie äl­te­re. "Au­ßer­dem müs­sen wir die Sinn­haf­tig­keit der Sank­tio­nen bei Gel­dern für die Un­ter­kunft in­fra­ge stel­len." Statt Men­schen in Ar­beit zu brin­gen, dro­he bei der Kür­zung von Miet­kos­ten­zu­schüs­sen Ob­dach­lo­sig­keit und ei­ne wei­te­re Ent­fer­nung vom Ar­beits­markt.

So­zi­al­ver­bän­de be­kla­gen, dass ge­ra­de vie­le jun­ge Men­schen we­gen Sank­tio­nen gar nicht mehr im Job­cen­ter vor­stel­lig wer­den und sich statt­des­sen auf ei­ge­ne Faust durch­schla­gen - not­falls kri­mi­nell. Rund 20 000 jun­ge Men­schen sol­len nach Schät­zun­gen aus der Be­treu­ung von Job­cen­ter oder Ju­gend­amt her­aus­ge­fal­len sein.

Ei­ne Bund-Län­der-Ar­beits­grup­pe hat­te be­reits vor ei­nem Jahr Sank­ti­ons­ver­ein­fa­chun­gen vor­ge­schla­gen. Un­ter-25-Jäh­ri­ge soll­ten et­wa nicht mehr stren­ger be­han­delt wer­den als Äl­te­re. Bay­ern hat­te aber sei­ne Ab­leh­nung klar­ge­macht. CSU-Chef Horst See­ho­fer hat­te sich spä­ter auch öf­fent­lich ge­gen Sank­ti­ons­ent­schär­fun­gen ge­stellt.

Lin­ke-Frak­ti­ons­vi­ze Zim­mer­mann sag­te der dpa, die Sank­tio­nen ver­stie­ßen ge­gen das Recht auf ein men­schen­wür­di­ges Exis­tenz­mi­ni­mum. DGB-Vor­stands­mit­glied An­ne­lie Bun­ten­bach sag­te: "Es gibt kei­nen Grund, Ju­gend­li­che här­ter zu be­stra­fen als Er­wach­se­ne." Der Prä­si­dent des So­zi­al­ver­band Deutsch­land, Adolf Bau­er, for­der­te: "Ei­ne Ar­beits­markt­re­form muss die Stig­ma­ti­sie­rung der Be­trof­fe­nen be­en­den."

Das So­zi­al­ge­richt Go­tha in Thü­rin­gen hat­te die ALG-II-Kür­zun­gen im Mai als ver­fas­sungs­wid­rig ein­ge­stuft. Nun soll das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt den Be­reich prü­fen. Das Ge­richt ur­teil­te in ei­nem Fall, bei dem ei­nem Mann das ALG II um 30 Pro­zent ge­kürzt wur­de, nach­dem er ei­ne Ar­beit ab­ge­lehnt hat­te - und er­neut um 30 Pro­zent nach Ab­leh­nung ei­ner Pro­be­tä­tig­keit.

Laut Schie­wer­ling sind auch wei­te­re Schrit­te ge­plant. "Wir müs­sen uns um die Men­schen küm­mern, die von der gu­ten Kon­junk­tur nicht pro­fi­tie­ren." Ein Kon­zept der CDU/CSU-Frak­ti­on sieht et­wa vor, dass die Job­cen­ter Ar­beit­ge­bern die Ein­stel­lung et­wa von Be­trof­fe­nen mit ge­sund­heit­li­chen Hemm­nis­sen er­leich­tern.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 21. Juni 2016

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