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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Mindestlohn, Sonderzahlung, AEntG
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Hamburg
Akten­zeichen: 5 Sa 33/09
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 06.01.2010
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 17.02.2009, 19 Ca 279/08

Nachgehend Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 4 AZR 168/10
   


Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg


Ur­teil

Im Na­men des Vol­kes


Geschäfts­zei­chen:

5 Sa 33/09
(19 Ca 279/08 ArbG Ham­burg)

 

In dem Rechts­streit

Verkündet am:
06. Ja­nu­ar 2010

 

Fer­schen
An­ge­stell­te
als Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le

Je 1 Ausf. m. RMB an

Kläg.-Vertr. m. EB
Bekl.-Vertr. m. EB

ab am:
 

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er­kennt das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg, 5. Kam­mer
auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 6. Ja­nu­ar 2010

durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Les­meis­ter als Vor­sit­zen­den

den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Bal­schu­weit
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Akens

für Recht:


Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 17. Fe­bru­ar 2009 – 19 Ca 279/08 – wird auf sei­ne Kos­ten zurück­ge­wie­sen.

Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

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R e c h t s m i t t e l b e l e h r u n g


Ge­gen die­ses Ur­teil kann Re­vi­si­on bei dem Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­legt wer­den. Die Re­vi­si­on kann nur dar­auf gestützt wer­den, dass das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts auf der Ver­let­zung ei­ner Rechts­norm be­ruht.

Die Re­vi­si­ons­schrift muss ent­hal­ten:
- die Be­zeich­nung des Ur­teils, ge­gen das die Re­vi­si­on ge­rich­tet wird;
- die Erklärung, dass ge­gen die­ses Ur­teil Re­vi­si­on ein­ge­legt wird.
Mit der Re­vi­si­ons­schrift soll ei­ne Aus­fer­ti­gung oder be­glau­big­te Ab­schrift des an­ge­foch­te­nen Ur­teils vor­ge­legt wer­den.

Die Re­vi­si­on ist zu be­gründen. Die Re­vi­si­ons­be­gründung muss ent­hal­ten:
- die Erklärung, in­wie­weit das Ur­teil an­ge­foch­ten und des­sen Auf­he­bung be­an­tragt wird (Re­vi­si­ons­anträge),
- die An­ga­be der Re­vi­si­ons­gründe, und zwar,
a) die be­stimm­te Be­zeich­nung der Umstände, aus de­nen sich die Rechts­ver­let­zung er­gibt,
b) so­weit die Re­vi­si­on dar­auf gestützt wird, dass das Ge­setz in Be­zug auf das Ver­fah­ren ver­letzt sei, die Be­zeich­nung der Tat­sa­chen, die den Man­gel er­ge­ben.

Die Re­vi­si­on kann nur ein Rechts­an­walt oder ei­ne Rechts­anwältin, der bzw. die bei ei­nem deut­schen Ge­richt zu­ge­las­sen ist, oder ei­ne Ge­werk­schaft, ei­ne Ver­ei­ni­gung von Ar­beit­ge­bern oder ein Zu­sam­men­schluss sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ein­le­gen und be­gründen. Dies gilt ent­spre­chend für ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der vor­ge­nann­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt, und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.

Die Frist für die Ein­le­gung der Re­vi­si­on (Not­frist) beträgt ei­nen Mo­nat, die Frist für die Be­gründung der Re­vi­si­on zwei Mo­na­te. Die Re­vi­si­ons­be­gründungs­frist kann auf An­trag ein­mal bis zu ei­nem wei­te­ren Mo­nat verlängert wer­den.

Die Re­vi­si­ons­frist und die Re­vi­si­ons­be­gründungs­frist be­gin­nen mit dem Ta­ge der von Amts we­gen er­folg­ten Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils des Lan­des­ar­beits­ge­richts, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

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Hin­weis:

1. Die An­schrift des Bun­des­ar­beits­ge­richts lau­tet:

Hu­go-Preuß-Platz 1 – 99084 Er­furt

2. Aus tech­ni­schen Gründen sind die Re­vi­si­ons­schrift, die Re­vi­si­ons­be­gründungs­schrift und die sons­ti­gen wech­sel­sei­ti­gen Schriftsätze im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren in sie­ben­fa­cher Aus­fer­ti­gung (und für je­den wei­te­ren Be­tei­lig­ten ei­ne Aus­fer­ti­gung mehr) bei dem Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­zu­rei­chen.

3. Zur Möglich­keit der Ein­le­gung der Re­vi­si­on mit­tels elek­tro­ni­schen Do­ku­ments wird auf die Ver­ord­nung vom 9. März 2006 (BGBl I, 519 ff) hin­ge­wie­sen.

 

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Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten um Vergütungs­dif­fe­ren­zen auf der Grund­la­ge des Gebäuderei­ni­ger­ta­rif­ver­trags und der Gebäuderei­ni­ger-Min­dest­lohn­ver­ord­nung. Hier­bei strei­ten die Par­tei­en um die Fra­ge, ob und wel­che Zah­lun­gen der Be­klag­ten beim Ver­gleich zwi­schen dem Ent­gelt des Klägers und dem je­wei­li­gen Min­dest­lohn zu berück­sich­ti­gen sind. Das sich er­ge­ben­de Zah­len­werk, wie es im erst­in­stanz­li­chen Ur­teil ent­wi­ckelt wird, ist un­strei­tig.

Der Kläger ist seit dem 1. Ja­nu­ar 2004 bei der Be­klag­ten beschäftigt und wird in der Hal­len­rei­ni­gung ein­ge­setzt. Die Be­klag­te ist zu­sam­men mit an­de­ren DB Ser­vice­ge­sell­schaf­ten Teil des DB Kon­zerns und er­bringt Dienst­leis­tun­gen im Be­reich der Db. Bei den DB Ser­vice­ge­sell­schaf­ten, al­so auch bei der Be­klag­ten, gel­ten im we­sent­li­chen für Ei­sen­bahn- und Ei­sen­bahn­in­fra­struk­tur­un­ter­neh­men ver­han­del­te und ab­ge­schlos­se­ne Ta­rif­verträge, die sie auf ih­re Ar­beits­verhält­nis­se an­wen­det.

Ent­gelt­re­ge­lun­gen fin­den sich na­ment­lich im Ent­gelt­rah­men­ta­rif­ver­trag für die Ar­beit­neh­mer ver­schie­de­ner Ge­sell­schaf­ten des Geschäfts­felds Ser­vices im UB Dienst­leis­tun­gen (ERTV DB Ser­vices, Anl. B 5, Bl. 122 bis 131 d.A.). Die An­la­ge 2 zum Ent­gelt­ta­rif­ver­trag für die Ar­beit­neh­mer und Aus­zu­bil­den­den der DB Ser­vices Nord GmbH (ETV DB Ser­vices Nord, Anl. B 6, Bl. 132 bis 136 d.A.) enthält die Lohn­ta­bel­le für ge­werb­li­che Ar­beit­neh­mer des Be­reichs Gebäude- und Ver­kehrs­diens­te. Für die Ent­gelt­grup­pe A 3, wel­cher der Kläger an­gehört, be­lief sich der St­un­den­lohn ab dem 1. April 2005 auf 7,56 €; seit dem 1. April 2008 beträgt er 7,90 €. Bei dem ERTV DB Ser­vices und dem ETV DB Ser­vices Nord han­delt es sich um fir­men­be­zo­ge­ne Ver­bands­ta­rif­verträge. Die Be­klag­te gewährt dem Kläger wei­te­re Ent­gelt­be­stand­tei­le, nämlich ta­rif­li­che Ein­mal­zah­lun­gen, ei­ne jähr­li­che Zu­wen­dung und Ur­laubs­geld so­wie vermögens­wirk­sa­me Leis­tun­gen. An­ders als die in der Spar­te Fahr­zeug­diens­te Beschäftig­ten erhält der Kläger kei­ne Ver­kehrs­mit­tel­zu­la­ge. Die Ein­mal­zah­lun­gen be­ru­hen auf dem 2. Ta­rif­ver­trag zur Ände­rung der Ta­rif­verträge für die Ar­beit­neh­mer der DB Ser­vices Nord GmbH (2. Ände­rungsTV DB Ser­vices Nord, Anl. B 10, Bl. 216 bis 223 d.A.), nach des­sen § 3 Abs. 1 der Ar­beit­neh­mer mit der Ent­gelt­zah­lung für Au­gust 2007 ei­ne „Erhöhung der Er­geb­nis­be­tei­li­gung als Ein­mal­zah­lung für be­son­de­re Leis­tung“ in Höhe von 600,- € erhält; nach § 4 Abs. 1 die­ses Ta­rif­ver­trags erhält der Ar­beit­neh­mer ei­ne „kon­junk­tur­be­ding­te Son­der­zah­lung“ in Höhe von 150,- € mit der Ent­gelt­zah­lung für den Mo­nat Ja­nu­ar 2008. Der Ta­rif­ver­trag ga­ran­tiert dem Ar­beit­neh­mer ei­nen Brut­to­ent­gelt­zu­wachs im Zeit­raum vom 1. Ju­li 2007 bis zum 30. Sep­tem­ber 2009 in Höhe von 1.500,- €; die­ser Be­trag ver­min­dert sich um 600,- € bzw. 150,- €, wenn der

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Ar­beit­neh­mer kei­ne Erhöhung der Er­geb­nis­be­tei­li­gung bzw. kon­junk­tur­be­ding­te Son­der­zah­lung er­hal­ten hat (§ 5 Abs. 1 2. Ände­rungsTV DB Ser­vices Nord). Gemäß § 11 ERTV DB Ser­vices erhält der Kläger jähr­lich im No­vem­ber ei­ne jähr­li­che Zu­wen­dung („Weih­nachts­geld“), die sich in der Spar­te, der der Kläger an­gehört, auf das 75-fa­che des St­un­den­lohns beläuft. Ei­ne ent­spre­chen­de Zah­lung er­hielt der Kläger in Höhe von 581,25 € mit dem Ent­gelt für No­vem­ber 2007 (Anl. K 1, Bl. 13 d.A.). Darüber hin­aus erhält der Kläger gemäß § 10 ERTV DB Ser­vices für je­den ge­nom­me­nen Ur­laubs­tag ein Ur­laubs­geld in Höhe von 15,34 €. Während der Lauf­zeit des Ta­rif­ver­trags über die An­pas­sung der Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen für die Ar­beit­neh­mer der DB Ser­vices Re­gio­nal­ge­sell­schaf­ten des UB Dienst­leis­tun­gen (BeSi­An­pas­sungsTV DB Ser­vices Re­gio­nal­ge­sell­schaf­ten, Anl. B 8, Bl. 185 bis 187 d.A.) gilt dies al­ler­dings erst ab dem sechs­ten Ur­laubs­tag; die­se Re­ge­lung steht im Zu­sam­men­hang mit dem Beschäfti­gungs­si­che­rungs­ta­rif­ver­trag (BeSiTV, Anl. B 7, Bl. 137 bis 184 d.A.), der den da­von be­trof­fe­nen Beschäftig­ten, auch dem Kläger, auf­grund ta­rif­li­cher Kündi­gungs­be­schränkun­gen ei­ne ge­wis­se Beschäfti­gungs­ga­ran­tie gewährt. So er­hielt er im No­vem­ber 2007 ein Ur­laubs­geld in Höhe von 153,40 € und im Fe­bru­ar 2008 in Höhe von 76,70 € (Anl. K 1, Bl. 13 und 18 d.A.). Fer­ner erhält der Kläger vermögens­wirk­sa­me Leis­tun­gen in Höhe von 13,29 € mo­nat­lich.

Mit Be­kannt­ma­chung vom 19. März 2004 (Anl. B 1, Bl. 88 f. d.A.) wur­de mit ge­wis­sen Ein­schränkun­gen der Rah­men­ta­rif­ver­trag für die ge­werb­li­chen Beschäfti­gen in der Gebäuderei­ni­gung (Rah­menTV Gebäuderei­ni­gung) vom 4. Ok­to­ber 2003 (Anl. B 2, Bl. 92 bis 111 d.A.) mit Wir­kung vom 1. April 2004 für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärt. Die­ser sieht in § 3 Punkt 3.7 Zu­schläge für Mehr-, Nacht-, Sonn- und Fei­er­tags­ar­beit vor. Mit Be­kannt­ma­chung vom 21. April 2004 (Anl. B 1, Bl. 90 f. d.A.) wur­de auch der Lohn­ta­rif­ver­trag für die ge­werb­lich Beschäftig­ten in der Gebäuderei­ni­gung (LohnTV Gebäuderei­ni­gung) vom 4. Ok­to­ber 2004 (Anl. B 3, Bl. 112 bis 119 d.A.) mit Wir­kung vom 1. April 2004 für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärt. Die­ser sieht in § 2 („Löhne“) für Ham­burg ab dem 1. Ja­nu­ar 2005 in der Lohn­grup­pe 1 ei­nen St­un­den­lohn von 7,87 € vor, der mit Wir­kung zum 1. März 2008 auf 8,15 € erhöht wur­de. Der LohnTV Gebäuderei­ni­gung trat mit Ab­lauf des 29. Fe­bru­ar 2008 außer Kraft (Be­kannt­ma­chung vom 6. Ju­ni 2008, Anl. B 11). Im Gebäuderei­ni­ger­hand­werk wur­de in­zwi­schen ei­ne Re­ge­lung über die Gewährung ei­nes Ur­laubs­gel­des ein­geführt; für all­ge­mein­ver­bind­lich wur­de sie je­doch nicht erklärt.

Mit Wir­kung zum 1. Ju­li 2007 trat das Ers­te Ge­setz zur Ände­rung des Ar­beit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­set­zes in Kraft, wo­durch un­ter an­de­rem die Be­stim­mun­gen des § 1 Abs. 1 AEntG auf das Gebäuderei­ni­ger­hand­werk er­streckt wur­den. Mit­hin be­zieht sich seit­dem auch die Ver­ord­nungs­ermäch­ti­gung des § 1 Abs. 3a i.V.m. Abs. 1 AEntG auf das

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Gebäuderei­ni­ger­hand­werk. Hier­von mach­te das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ar­beit und So­zia­les Ge­brauch und er­ließ am 27. Fe­bru­ar 2008 die Ver­ord­nung über zwin­gen­de Ar­beits­be­din­gun­gen im Gebäuderei­ni­ger­hand­werk (Gebäuderei­ni­ger-Min­dest­lohn­ver­ord­nung), die zum 1. März 2008 in Kraft trat. Nach ih­rem § 1 Satz 1 fin­den die in der An­la­ge zu der Ver­ord­nung auf­geführ­ten Rechts­nor­men des Ta­rif­ver­trags zur Re­ge­lung der Min­destlöhne für ge­werb­li­che Ar­beit­neh­mer in der Gebäuderei­ni­gung im Ge­biet der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land (TV Min­dest­lohn) vom 9. Ok­to­ber 2007 auf al­le nicht an ihn ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer An­wen­dung, die un­ter sei­nen am 1. März 2008 gülti­gen Gel­tungs­be­reich fal­len. Die Par­tei­en zie­hen nicht in Zwei­fel, dass sie un­ter die­sen Gel­tungs­be­reich fal­len. Zu den nach der Gebäuderei­ni­ger-Min­dest­lohn­ver­ord­nung gel­ten­den Vor­schrif­ten des TV Min­dest­lohn gehört auch des­sen § 2 Nr. 1 Buchst. a), wo­nach mit Wir­kung vom 1. Ja­nu­ar 2008 der St­un­den­lohn der Lohn­grup­pe 1 in Ham­burg 8,15 € beträgt. Er sieht je­doch nicht die Zah­lung von Nacht-, Sonn- und Fei­er­tags- so­wie Über­stun­den­zu­schlägen vor.

Die Be­klag­te gewährt seit An­fang 2008 ih­ren Ar­beit­neh­mern, die nach den DB Ser­vices Ta­rif­verträgen den Min­dest­lohn nicht er­rei­chen, auch dem Kläger, ei­nen so­ge­nann­ten Min­dest­lohn­aus­gleich („MLA“). Die­sen stellt die Be­klag­te als über­ta­rif­li­che Leis­tung dar und be­misst ihn der Höhe nach als Dif­fe­renz zwi­schen dem Min­dest­lohn des Gebäuderei­ni­ger­hand­werks im Sin­ne des AEntG und den Ent­gelt­be­stand­tei­len der Ta­rif­verträge DB Ser­vices, so­weit die Be­klag­te sie als min­dest­lohn­wirk­sam an­sieht. Dem­ent­spre­chend er­hielt der Kläger – im Ge­gen­satz zu den in der Fahr­zeug­rei­ni­gung Beschäftig­ten – in den Mo­na­ten Fe­bru­ar bis Ju­ni 2008 ei­nen Min­dest­lohn­aus­gleich in Höhe von 5,84 € (Fe­bru­ar 2008), 66,47 € (März), 55,- € (April), 52,38 € (Mai) und 44,31 € (Ju­ni, Anl. K 1, Bl. 19, 20, 22 bis 24 d.A.). Fer­ner erhält der Kläger zusätz­lich zum Mehr­ar­beits­zu­schlag von 25% auf den St­un­den­lohn nach dem ETV DB Ser­vices Nord ei­nen wei­te­ren Mehr­ar­beits­zu­schlag. Die­ser in den Ent­gel­tab­rech­nun­gen als „Überst. 25% MLA“ be­zeich­ne­te Zu­schlag beträgt 25% der Dif­fe­renz zwi­schen dem St­un­den­lohn nach dem ETV DB Ser­vices Nord von 7,90 € und dem Min­dest­stun­den­lohn von 8,15 €. Ei­nen sol­chen Min­dest­lohn­aus­gleich er­hielt der Kläger in den Mo­na­ten März und Ju­ni 2008 in Höhe von 12,98 € bzw. 4,46 € (Anl. K 1, Bl. 20 und 24 d.A.). Außer in die­sen bei­den Mo­na­ten er­brach­te er aus­weis­lich der je­wei­li­gen Ent­gel­tab­rech­nun­gen Über­stun­den im De­zem­ber 2007.

Der Kläger macht Vergütungs­dif­fe­ren­zen für den Zeit­raum vom 1. Ju­li 2007 bis zum 30. Ju­ni 2008 gel­tend. Mit Ab­rech­nun­gen für die­sen Zeit­raum (Anl. K 1, Bl. 8 bis 24 d.A.) gewähr­te ihm die Be­klag­te ei­nen St­un­den­lohn von 7,56 € (bis En­de März 2008) bzw. von 7,90 € (ab An­fang April 2008) so­wie – je­doch nicht in je­dem Mo­nat – Sonn-, Fei­er­tags- und

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Nacht­schicht­zu­schläge, fer­ner Lohn­fort­zah­lung, Ur­laubs­lohn und Über­stun­den­vergütung. Der Kläger for­dert die Be­rech­nung und Leis­tung sei­ner Ar­beits­vergütung statt auf der Grund­la­ge des ihm gewähr­ten St­un­den­loh­nes auf der Grund­la­ge von § 1 Abs. 1 AEntG in Ver­bin­dung mit dem Lohn­ta­rif­ver­trag in der Gebäuderei­ni­gung (bis zum 29. Fe­bru­ar 2008) bzw. § 1 Abs. 3a AEntG in Ver­bin­dung mit der Gebäuderei­ni­ger-Min­dest­lohn­ver­ord­nung und dem TV Min­dest­lohn (ab dem 1. März 2008). So er­rech­net der Kläger für je­den Mo­nat wei­ter­ge­hen­de Vergütungs­ansprüche, de­ren Be­rech­nung er in der Klag­schrift vom 22. Au­gust 2008 (Bl. 3 bis 6 d.A.) in ein­zel­nen dar­stellt. Hier­auf wird we­gen der Ein­zel­hei­ten der Be­rech­nung Be­zug ge­nom­men. An Ein­zel­pos­ten for­dert der Kläger wei­ter­ge­hen­de Vergütung für Zeit­lohn, Sonn- und Fei­er­tags- so­wie Nacht­schicht­zu­schläge, Lohn­fort­zah­lung, Ur­laubs­lohn so­wie Über­stun­den. Der Kläger be­schränkt sei­ne Be­an­stan­dung auf die Po­si­tio­nen des Zeit­lohns und der Zu­schläge. Da­bei er­rech­net er die Dif­fe­renz aus dem ge­for­der­ten St­un­den­lohn von 7,87 € bzw. 8,15 € und dem von der Be­klag­ten gewähr­ten St­un­den­lohn von 7,56 € bzw. 7,90 €. Die von der Be­klag­ten in den Ab­rech­nun­gen aus­ge­wie­se­nen und ge­zahl­ten Zu­schläge be­rech­net der Kläger eben­falls auf der Grund­la­ge des ge­for­der­ten St­un­den­lohns, der Höhe – al­so dem Pro­zent­satz – nach je­doch nach Maßga­be der fir­men­be­zo­ge­nen Ver­bands­ta­rif­verträge bei der Be­klag­ten.

Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, nach Auf­nah­me der Ta­rif­verträge des Gebäuderei­ni­ger­hand­werks in die Re­ge­lun­gen des AEntG zum 1. Ju­li 2007 stünden ihm wei­ter­ge­hen­de Vergütungs­ansprüche auf­grund der Dif­fe­renz zwi­schen dem St­un­den­lohn nach den all­ge­mein­ver­bind­li­chen Gebäuderei­ni­ger­ta­rif­verträgen und dem ETV DB Ser­vices Nord zu. So­weit die Lohn­be­stim­mun­gen der Gebäuderei­ni­ger­ta­rif­verträge nicht ent­sen­de­recht­lich zwin­gend sei­en, kämen die Ar­beits­be­din­gun­gen des spe­zi­el­le­ren Ta­rif­ver­trags, al­so des ERTV DB Ser­vices bzw. des ETV DB Ser­vices Nord, zur An­wen­dung. Die Ein­mal­zah­lun­gen, die jähr­li­chen Zu­wen­dun­gen, das Ur­laubs­geld und die vermögens­wirk­sa­men Leis­tun­gen sei­en nicht als min­dest­lohn­wirk­sa­me Ent­gelt­be­stand­tei­le zu qua­li­fi­zie­ren. Bei den Ein­mal­zah­lun­gen fol­ge dies be­reits aus ih­rer ta­rif­ver­trag­li­chen Be­zeich­nung und ih­rem Ein­mal­cha­rak­ter. Die jähr­li­che Zu­wen­dung die­ne der Be­loh­nung der Be­triebs­treue; zu­min­dest ha­be sie Misch­cha­rak­ter, da sie nicht nur zusätz­li­che Vergütung sei. Sie sei nicht min­dest­lohn­re­le­vant, weil sie nicht un­wi­der­ruf­lich ge­leis­tet wer­de, son­dern bei vor­zei­ti­gem Aus­schei­den zurück­ge­for­dert wer­den könne. Bei den vermögens­wirk­sa­men Leis­tun­gen han­de­le es sich nicht um ei­nen Vergütungs­be­stand­teil, der an­tei­lig auf die zu ver­rech­nen­de Zeit­ein­heit be­zahlt wird, wes­halb die Qua­li­fi­ka­ti­on als min­dest­lohn­wirk­sam aus­schei­de.

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Der Kläger hat be­an­tragt,

1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger 734,12 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah-len;

2. fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, das Ar­beits­verhält­nis auf Ba­sis ei­nes Min­des­tent­gelts pro St­un­de von 8,15 € brut­to un­ter Berück­sich­ti­gung des mo­nat­li­chen Leis­tungs­um­fan­ges ab­zu­rech­nen und den sich dar­aus er­ge­ben­den Net­to­be­trag an den Kläger zu zah­len.


Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Sie hat vor­ge­tra­gen, Ansprüche auf wei­ter­ge­hen­de Vergütung bestünden nicht. Die Ta­rif­kon­kur­renz, die auf­grund der Gel­tung der all­ge­mein­ver­bind­li­chen Gebäuderei­ni­ger­ta­rif­verträge und der ei­ge­nen fir­men­be­zo­ge­nen Ver­bands­ta­ri­fe ent­ste­he, sei nach dem Spe­zia­litäts­grund­satz da­hin zu lösen, dass letz­te­re als das für die ge­sam­te Be­leg­schaft spe­zi­el­le­re Ta­rif­werk an­zu­wen­den sei­en. Dies müsse auch im Gel­tungs­be­reich des § 1 Abs. 1 AEntG gel­ten; dass die Recht­spre­chung des BAG im Gel­tungs­be­reich des AEntG gleich­wohl die Re­ge­lun­gen des all­ge­mein­ver­bind­li­chen Ta­rif­werks an­wen­den wol­le, stoße auf ver­fas­sungs­recht­li­che Be­den­ken, weil die gleich­zei­ti­ge Gel­tung von Min­dest­lohn­ta­rif­verträgen und im übri­gen von Re­ge­lun­gen fir­men­be­zo­ge­ner Ver­bands­ta­rif­verträge das Ta­rif­gefüge aus dem Gleich­ge­wicht brin­ge und so zu un­trag­ba­ren Ver­wer­fun­gen führe. Doch könne dies al­len­falls für den ent­sen­de­recht­lich zwin­gen­den Teil des all­ge­mein­ver­bind­li­chen Ta­rif­werks gel­ten. Auch dann aber kämen im An­wen­dungs­be­reich des AEntG die ei­ge­nen Ta­rif­verträge der Be­klag­ten zur An­wen­dung, weil die­se güns­ti­ger sei­en als der ent­sen­de­recht­lich gel­ten­de Teil der all­ge­mein­ver­bind­li­chen Gebäuderei­ni­ger­ta­rif­verträge. In­ner­halb der auf den Ar­beits­lohn zu be­schränken­den Sach­grup­pe sei­en die fir­men­be­zo­ge­nen Ver­bands­ta­rif­verträge der Be­klag­ten güns­ti­ger; bei die­sem Ver­gleich dürf­ten nur die ent­sen­de­recht­lich zu for­dern­den Ent­gelt­be­stand­tei­le den als min­dest­lohn­wirk­sam zu be­trach­ten­den gewähr­ten Lohn­be­stand­tei­len ge­genüber­ge­stellt wer­den. Die Gebäuderei­ni­ger-Min­dest­lohn­ver­ord­nung sei eben­so wie die Post-Min­dest­lohn­ver­ord­nung un­wirk­sam, weil sie ih­re Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge des § 1 Abs. 3a

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AEntG über­schrei­te, denn während nach die­ser die Ver­ord­nung nur für Außen­sei­ter gel­ten könne, er­stre­cke die Gebäuderei­ni­ger-Min­dest­lohn­ver­ord­nung die Wir­kun­gen des TV Min­dest­lohn auf al­le nicht an ihn ge­bun­de­nen, al­so auch auf an­der­wei­tig ta­rif­ge­bun­de­ne Ar­beits­ver­trags­par­tei­en.

Je­den­falls gewähre die Be­klag­te bei rich­ti­ger Be­trach­tung mehr als den Min­dest­lohn, weil ein Ver­gleich des Min­dest­lohns mit dem gewähr­ten Lohn nicht auf den St­un­den­grund­lohn be­schränkt wer­den dürfe, son­dern noch wei­te­re Lohn­be­stand­tei­le in den Ver­gleich als min­dest-lohn­wirk­sam ein­zu­be­zie­hen sei­en, nämlich die ta­rif­li­chen Ein­mal­zah­lun­gen, die jähr­li­che Zu­wen­dung und das Ur­laubs­geld so­wie die vermögens­wirk­sa­men Leis­tun­gen, die sämt­lich als min­dest­lohn­wirk­sam an­zu­se­hen sei­en. Un­abhängig von der Be­zeich­nung der ta­rif­li­chen Ein­mal­zah­lun­gen gemäß 2. Ände­rungsTV DB Ser­vices Nord sei­en die­se Beträge Teil der Ent­gelt­run­de 2007 ge­we­sen, mit de­nen die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en das Ziel ver­folgt hätten, rech­ne­risch das St­un­den­ent­gelt nach dem Ab­lauf der bis­he­ri­gen St­un­den­lohn­ta­bel­len zu erhöhen. Da sich die­se Ein­mal­zah­lun­gen als pau­scha­le Ta­rif­loh­nerhöhung dar­stell­ten und rech­ne­risch das St­un­den­ent­gelt erhöhen soll­ten, sei­en sie ra­tier­lich für die je­wei­li­gen Mo­na­te, in de­nen der Brut­to­ent­gelt­zu­wachs ga­ran­tiert wer­den soll­te, zu berück­sich­ti­gen, al­so die Ein­mal­zah­lung in Höhe von 600,- € für die Mo­na­te Ju­li bis De­zem­ber 2007 mit je­weils 100,- € und die Ein­mal­zah­lung in Höhe von 150,- € für die Mo­na­te Ja­nu­ar bis März 2008 mit je­weils 50,- €. Min­dest­lohn­wirk­sam sei­en fer­ner die jähr­li­che Zu­wen­dung und das Ur­laubs­geld. Ih­re Un­wi­der­ruf­lich­keit zei­ge sich dar­an, dass es ei­ne Rück­zah­lungs­pflicht, et­wa im Fall des vor­zei­ti­gen Aus­schei­dens, nicht ge­be. Min­dest­lohn­wirk­sam sei­en schließlich auch die vermögens­wirk­sa­men Leis­tun­gen.

Wenn­gleich der Rah­menTV Gebäuderei­ni­gung ge­wis­se Zu­schläge vor­se­he, könne der Kläger dar­aus kei­ne Ansprüche her­lei­ten, weil die dies­bezügli­chen Ta­rif­nor­men mit Aus­nah­me der Über­stun­den­zu­schläge nicht zu den nach § 1 Abs. 1 AEntG („Min­des­tent­geltsätze ein­sch­ließlich Über­stun­densätze“) ent­sen­de­recht­lich gel­ten­den Ta­rif­ver­trags­nor­men gehörten; außer­halb des AEntG aber würden die Vor­schrif­ten des Rah­menTV Gebäuderei­ni­gung durch die spe­zi­el­le­ren Vor­schrif­ten der fir­men­be­zo­ge­nen Ver­bands­ta­rif­verträge der Be­klag­ten ver­drängt. Da der TV Min­dest­lohn nicht die Zah­lung von Nacht-, Sonn- und Fei­er­tags- so­wie Über­stun­den­zu­schlägen vor­sieht, könne sich die Be­rech­nung der von der Be­klag­ten ge­zahl­ten Zu­schläge nicht nach dem St­un­den­lohn des TV Min­dest­lohn rich­ten.

Der An­trag zu 2. sei man­gels Fest­stel­lungs­in­ter­es­ses un­zulässig, da der Kläger die vor­ran­gi­ge Leis­tungs­kla­ge zu er­he­ben ha­be. Fer­ner sei der An­trag nicht hin­rei­chend

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be­stimmt, weil die Par­tei­en ge­ra­de darüber strit­ten, wel­che Ent­gelt­be­stand­tei­le zu berück­sich­ti­gen sind, wenn es um die Fra­ge geht, ob ein St­un­den­lohn von 8,15 € brut­to ge­zahlt wird.


Durch das dem Kläger am 24. März 2009 zu­ge­stell­te Ur­teil vom 17. Fe­bru­ar 2009, auf das zur nähe­ren Sach­dar­stel­lung Be­zug ge­nom­men wird, hat das Ar­beits­ge­richt den Zah­lungs­an­trag als un­be­gründet, den Fest­stel­lungs­an­trag als un­zulässig zurück­ge­wie­sen. Die Be­ru­fung wur­de zu­ge­las­sen.

Hier­ge­gen rich­tet sich die am 24. April 2009 ein­ge­leg­te und mit am 24. Ju­ni 2009 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründe­te Be­ru­fung des Klägers, nach­dem die Be­ru­fungs­be­gründungs­frist am 20. Mai 2009 bis zum 24. Ju­ni 2009 verlängert wor­den war.

Der Kläger trägt vor, die Ar­beits­be­din­gun­gen des Ta­rif­ver­tra­ges für das Gebäuderei­ni­ger­hand­werk würden für sein Ar­beits­verhält­nis gel­ten, so­weit sie für zwin­gend an­wend­bar erklärt sei­en, im Übri­gen rich­te­ten sich die Ar­beits­be­din­gun­gen nach den spe­zi­el­le­ren fir­men­be­zo­ge­nen Ta­rif­verträgen. Dies sei kei­ne „Ro­si­nen­pi­cke­rei“. Die ta­rif­li­che Ein­mal­zah­lung, die der Kläger mit der Ent­gelt­zah­lung für den Mo­nat Au­gust 2007 in Höhe von € 600,- er­hal­ten ha­be, sei nicht min­dest­lohn­wirk­sam. Auf­grund der Be­zeich­nung als Er­geb­nis­be­tei­li­gung für be­son­de­re Leis­tun­gen könne die Ein­mal­zah­lung ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts nicht als pau­scha­le Erhöhung des Ar­beits­lohns ein­ge­ord­net wer­den. Hätten die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ei­ne pau­scha­le Erhöhung des Ta­rif­lohns vor­neh­men wol­len, hätten sie die Zah­lung auch ent­spre­chend be­zeich­nen können. Dies sei aber nicht ge­sche­hen. Statt­des­sen sei aus­drück­lich ei­ne Erhöhung der Er­geb­nis­be­tei­li­gung zu­ge­sagt wor­den. Das Ur­laubs­geld, das der Kläger im Fe­bru­ar 2008 er­hal­ten ha­be, sei kein min­dest­lohn­wirk­sa­mer Vergütungs­be­stand­teil. Ur­laubs­geld sei ein für die Dau­er des Ur­laubs über das Ar­beits­ein­kom­men hin­aus gewähr­ter Be­zug, der unpfänd­bar sei und in der Re­gel oh­ne Rück­sicht auf Ar­beits­leis­tung oder An­we­sen­heit ge­zahlt wer­de. Das Ur­laubs­geld könne auch so aus­ge­stal­tet wer­den, dass der An­spruch vom Be­ste­hen des Ur­laubs­an­spruchs abhängig sei. Es sei auch nicht zu­zu­ge­ste­hen, dass ei­ne re­gelmäßig ge­zahl­te mo­nat­li­che vermögens­wirk­sa­me Leis­tung ein min­dest­lohn­wirk­sa­mer Ent­gelt­be­stand­teil sein könne. Auch die Fest­stel­lungs­kla­ge sei zulässig, da sie der ein­fa­che­re Weg ge­genüber ei­ner im­mer neu zu er­he­ben­den Leis­tungs­kla­ge sei.

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Der Kläger be­an­tragt,

un­ter Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 17. Fe­bru­ar 2009 – 19 Ca 279/08 –

1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger 734,12 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah­len;

2. fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, das Ar­beits­verhält­nis auf Ba­sis ei­nes Min­des­tent­gelts pro St­un­de von 8,15 € brut­to un­ter Berück­sich­ti­gung des mo­nat­li­chen Leis­tungs­um­fan­ges ab­zu­rech­nen und den sich dar­aus er­ge­ben­den Net­to­be­trag an den Kläger zu zah­len.


Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te hält die Be­ru­fung für teil­wei­se un­zulässig, weil sich die Be­ru­fungs­be­gründung dar­auf be­schränke, die Min­dest­lohn­wirk­sam­keit ver­schie­de­ner Ent­gelt­be­stand­tei­le in Fra­ge zu stel­len. Im Übri­gen ver­tei­digt die Be­klag­te das erst­in­stanz­li­che Ur­teil mit Rechts­ausführun­gen.

Hin­sicht­lich des wei­te­ren Vor­brin­gens der Par­tei­en, ih­rer Be­weis­an­trit­te und der von ih­nen über­reich­ten Un­ter­la­gen so­wie ih­rer Rechts­ausführun­gen wird ergänzend auf den ge­sam­ten Ak­ten­in­halt Be­zug ge­nom­men.


Ent­schei­dungs­gründe

I. Die Be­ru­fung des Klägers ist gemäß § 64 Abs. 1 und 2 a ArbGG statt­haft und im Übri­gen form- und frist­gemäß ein­ge­legt und be­gründet wor­den und da­mit zulässig (§§ 64 Abs. 6, 66 ArbGG, 519, 520 ZPO). Mit der Be­ru­fungs­be­gründung wird er­kenn­bar die rich­ti­ge An­wen­dung des ma­te­ri­el­len Rechts gerügt, § 520 Abs. 3 Nr. 2 ZPO. Der Kläger stellt je­den­falls hin­sicht­lich der Fra­ge der min­dest­lohn­wirk­sa­men wei­te­ren Vergütungs­be­stand­tei­le

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sei­ne von der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts ab­wei­chen­de Rechts­an­sicht dar und be­gründet die­se.

II. Mit ausführ­li­cher, über­zeu­gen­der Be­gründung hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Dem folgt das Be­ru­fungs­ge­richt nach ei­ge­ner Prüfung im Er­geb­nis und in der Be­gründung.
1. Zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt er­kannt, dass der Kläger kei­nen An­spruch auf Zah­lung von 734,12 € brut­to hat Ein An­spruch des Klägers be­steht ins­be­son­de­re we­der auf der Grund­la­ge von § 1 Abs. 1 AEntG i.V.m. dem Rah­menTV und dem LohnTV Gebäuderei­ni­gung noch auf der Grund­la­ge von § 1 Abs. 3a AEntG i.V.m. der Gebäuderei­ni­ger-Min­dest­lohn­ver­ord­nung und § 2 des TV Min­dest­lohn.

Für den Zeit­raum Ju­li 2007 bis 29. Fe­bru­ar 2008, der vor dem In­kraft­tre­ten der Gebäuderei­ni­ger-Min­dest­lohn­ver­ord­nung i.V.m. dem TV Min­dest­lohn liegt, be­steht kein An­spruch auf wei­ter­ge­hen­de Vergütung, auch nicht auf der Grund­la­ge von § 1 Abs. 1 AEntG i.V.m. dem Rah­menTV und dem LohnTV Gebäuderei­ni­gung.

Nach § 1 Abs. 1 Satz 1, 3 und 4 AEntG ist ein un­ter den Gel­tungs­be­reich ei­nes für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärten Ta­rif­ver­trags des Gebäuderei­ni­ger­hand­werks fal­len­der Ar­beit­ge­ber mit Sitz im In­land ver­pflich­tet, sei­nem im räum­li­chen Gel­tungs­be­reich die­ses Ta­rif­ver­tra­ges beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer min­des­tens die in dem Ta­rif­ver­trag vor­ge­schrie­be­nen Ar­beits­be­din­gun­gen zu gewähren, die Min­des­tent­geltsätze ein­sch­ließlich der Über­stun­densätze oder die Dau­er des Er­ho­lungs­ur­laubs, das Ur­laubs­ent­gelt oder ein zusätz­li­ches Ur­laubs­geld zum Ge­gen­stand ha­ben.

Bei dem Rah­menTV und dem LohnTV Gebäuderei­ni­gung han­delt es sich um für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärte Ta­rif­verträge, un­ter de­ren Gel­tungs­be­reich die Be­klag­te fällt und in de­ren räum­li­chen Gel­tungs­be­reich der Kläger beschäftigt ist. Sie ha­ben auch Min­dest-ent­geltsätze ein­sch­ließlich der Über­stun­densätze zum Ge­gen­stand.

Die Kam­mer folgt dem Ar­beits­ge­richt auch, so­weit es of­fen ge­las­sen hat, ob die­se nach § 1 Abs. 1 Satz 1 und 3 bis 5 AEntG gel­ten­den ta­rif­ver­trag­li­chen Be­stim­mun­gen des Gebäuderei­ni­ger­hand­werks durch die DB Ser­vices Ta­rif­verträge der Be­klag­ten ver­drängt wer­den auf­grund des, wie die Be­klag­te meint, auch in­so­weit an­zu­wen­den­den Spe­zia­litätsprin­zips oder je­den­falls auf­grund des Güns­tig­keits­prin­zips (vgl. BAG, Ur­teil vom 18. Ok­to­ber 2006 – 10 AZR 576/05 – AP Nr. 25 zu § 1 TVG Ta­rif­verträge).

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Denn je­den­falls sind die dem Kläger da­nach zu­ste­hen­den Ansprüche durch Erfüllung er­lo­schen (§ 362 Abs. 1 BGB), weil die Be­klag­te dem Kläger Leis­tun­gen gewährt hat, die die Höhe der gel­tend ge­mach­ten Ansprüche (zu­min­dest) er­rei­chen.

Das Ar­beit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­setz ver­folgt den Zweck, Ar­beit­neh­mern Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen zu ga­ran­tie­ren. Für die Fra­ge, ob ei­nem Ar­beit­neh­mer im kon­kre­ten Fall min­des­tens die ge­setz­lich ga­ran­tier­ten Ar­beits­be­din­gun­gen gewährt wer­den, sind die­se mit den im kon­kre­ten Fall ver­ein­bar­ten Ar­beits­be­din­gun­gen zu ver­glei­chen. Da­bei ist auf die Grundsätze zurück­zu­grei­fen, die das Bun­des­ar­beits­ge­richt beim Güns­tig­keits­ver­gleich von ta­rif­li­chen und ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen nach § 4 III TVG her­aus­ge­ar­bei­tet hat. Da­nach ist ein Sach­grup­pen­ver­gleich vor­zu­neh­men. Ver­gleich­bar sind die Re­ge­lun­gen, die mit­ein­an­der in ei­nem sach­li­chen Zu­sam­men­hang ste­hen (vgl. BAG v. 20.04.1999 – 1 ABR 72/98 – BA­GE 91, 210 = NZA 99, 887, Tz 112). Beim Ver­gleich von un­ter­schied­li­chen Leis­tun­gen kommt es dar­auf an, ob die­se funk­tio­nal gleich­wer­tig sind.

Funk­tio­nal gleich­wer­tig für die Si­che­rung ei­nes Min­dest­ein­kom­mens des Ar­beit­neh­mers sind al­le Zah­lun­gen des Ar­beit­ge­bers, die ei­ne Ge­gen­leis­tung für die Ar­beits­leis­tung des Ar­beit­neh­mers dar­stel­len. Da­zu gehören auch Zu­la­gen und Son­der­zah­lun­gen, für die der Ar­beit­neh­mer außer der Ar­beits­leis­tung kei­ne wei­te­re Ge­gen­leis­tung (z. B. Be­triebs­treue) zu er­brin­gen hat. Ob ei­ne Zu­la­ge ein „re­la­tiv selbständi­ger Vergütungs­be­stand­teil“ ist, wor­auf das BAG im Rah­men ei­nes Güns­tig­keits­ver­gleichs nach § 4 III TVG ab­ge­stellt hat (BAG v. 10.12.1965 – 4 AZR 411/65 – BA­GE 18, 22) kommt es nicht an, so­fern auch der selbständi­ge Vergütungs­be­stand­teil dem Ar­beit­neh­mer als Ge­gen­leis­tung für sei­ne Ar­beits­leis­tung zu­fließt (vgl. BAG v. 05.08.2009 – 10 AZR 634/08 – ju­ris).

In der deut­schen Kom­men­tar­li­te­ra­tur wird – so­weit er­sicht­lich nicht um­strit­ten – un­ter Be­zug­nah­me auf die Recht­spre­chung des EuGH (Ur­teil vom 14. April 2005 Rs. C-341/02 – zi­tiert nach ju­ris) an­ge­nom­men, dass mitt­ler­wei­le „al­le zusätz­li­chen Zah­lun­gen bei der Kon­trol­le des Min­dest­lohns berück­sich­tigt [wer­den], die das ar­beits­ver­trag­li­che Verhält­nis zwi­schen Leis­tung und Ge­gen­leis­tung nicht zum Nach­teil des Ar­beit­neh­mers verändern“ (ErfK/Schlach­ter, § 2 AEntG Rn. 5). Ein­be­zo­gen wer­den sol­len da­her über ein 13. und 14. Mo­nats­ge­halt hin­aus auch ei­ne an­tei­lig ge­zahl­te Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on und Ur­laubs­geld (ErfK/Schlach­ter, a.a.O). Auch Zah­lun­gen, die im Ar­beits­ver­trag als Dif­fe­renz­aus­gleich zwi­schen dem hei­mi­schen Lohn und dem nach § 1 AEntG ge­schul­de­ten Lohn aus­ge­wie­sen sind, wer­den als Be­stand­teil des Ge­samt­ta­rif­stun­den­lohns berück­sich­tigt (ErfK/Schlach­ter, a.a.O.). Die­ser vom Ar­beits­ge­richt ge­teil­ten An­sicht schließt sich die Be­ru­fungs­kam­mer an. Es ist sach­lich nicht ge­recht­fer­tigt, in for­ma­ler Be­trach­tung bei dem Ver­gleich des

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Min­dest­lohns und des gewähr­ten Lohns al­lein die St­un­den­grundlöhne ein­an­der ge­genüber­zu­stel­len. Viel­mehr sind auch al­le sons­ti­gen Leis­tun­gen, die dem Ar­beit­neh­mer wie Lohn zu­gu­te­kom­men, in die Be­trach­tung ein­zu­be­zie­hen. Weil an­sons­ten in sach­lich nicht zu recht­fer­ti­gen­der Wei­se die Ein­hal­tung des Min­dest­lohns von der Zu­sam­men­set­zung ver­schie­de­ner Lohn­be­stand­tei­le ab­hin­ge, ist von ei­nem „ef­fek­ti­ven“ Lohn aus­zu­ge­hen.


Da­nach wur­de dem Kläger in dem Zeit­raum Ju­li 2007 bis Fe­bru­ar 2008 ein Min­des­tent­gelt­satz (§ 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Fall 1 AEntG) gewährt, der den nach dem LohnTV Gebäuderei­ni­gung zu be­an­spru­chen­den Min­des­tent­gelt­satz über­stieg. In die­sem Zeit­raum be­lief sich der St­un­den­lohn nach § 2 des LohnTV Gebäuderei­ni­gung für Ham­burg ab dem 1. Ja­nu­ar 2005 für die im Fall des Klägers an­zu­wen­den­den Lohn­grup­pe 1 auf 7,87 €.

Zwar be­trug der St­un­den­grund­lohn nach dem ETV An­la­ge 2 zum ETV DB Ser­vices Nord für ge­werb­li­che Ar­beit­neh­mer des Be­reichs Gebäude- und Ver­kehrs­diens­te in der Ent­gelt­grup­pe A 3, wel­cher der Kläger an­gehört, ab dem 1. April 2005 le­dig­lich 7,56 €, während der St­un­den­satz nach § 1 Abs. 1 AEntG i.V.m. dem LohnTV Gebäuderei­ni­gung 7,87 € be­trug. Gleich­wohl wur­de die sich dar­aus er­ge­ben­de Dif­fe­renz durch wei­te­re, min­dest­lohn­wirk­sa­me Leis­tun­gen (zu­min­dest) aus­ge­gli­chen:

Als min­dest­lohn­wirk­sam ist die ta­rif­li­che Ein­mal­zah­lung gemäß § 3 Abs. 1 des 2. Ände­rungsTV DB Ser­vices Nord (Anl. B 10, Bl. 216 bis 223 d.A.) an­zu­se­hen, wo­nach der Kläger mit der Ent­gelt­zah­lung für Au­gust 2007 ei­ne „Erhöhung der Er­geb­nis­be­tei­li­gung als Ein­mal­zah­lung für be­son­de­re Leis­tung“ in Höhe von 600,- € und im Ja­nu­ar 2008 mit € 150,-erhält. Die­se Beträge wur­den dem Kläger tatsächlich ge­leis­tet (Anl. K 1, Bl. 10 d.A.).

Zu Recht ver­tritt das Ar­beits­ge­richt die Auf­fas­sung, wo­nach sich auch die Zah­lung die­ses ta­rif­li­chen Ein­mal­be­trags als ei­ne pau­scha­le Ta­rif­loh­nerhöhung dar­stellt, die als Be­stand­teil der ta­rif­li­chen Ent­gelt­run­de rech­ne­risch be­zo­gen auf die Dau­er der Lauf­zeit des Ta­rif­ver­tra­ges das St­un­den­ent­gelt des ein­zel­nen Ar­beit­neh­mers erhöht; al­ler­dings gilt dies im Fall der Ein­mal­zah­lung gemäß § 3 Abs. 1 des 2. Ände­rungsTV DB Ser­vices Nord nicht be­zo­gen auf die ge­sam­te Lauf­zeit des Ta­rif­ver­tra­ges, son­dern be­zo­gen auf das zwei­te Halb­jahr 2007 mit € 600,- und in den ers­ten drei Mo­na­ten des Jah­res 2008 mit € 150,-. Dies folgt aus ei­ner Aus­le­gung der ge­nann­ten ta­rif­ver­trag­li­chen Be­stim­mung.

Ei­ne ta­rif­li­che Ein­mal­zah­lung kann als pau­scha­le Ta­rif­loh­nerhöhung aus­zu­le­gen sein. Nach der Recht­spre­chung des BAG (Ur­teil vom 27. Au­gust 2008 – 5 AZR 820/07 – AP Nr. 36 zu §

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307 BGB ) ist un­ter ei­ner Ta­rif­loh­nerhöhung die Erhöhung des re­gelmäßigen Ent­gelt­be­trags zu ver­ste­hen. Bei ei­nem St­un­den­lohn liegt sie in der Erhöhung des je Ar­beits­stun­de zu zah­len­den Ent­gelt­be­trags, bei ei­nem Mo­nats­lohn in der Erhöhung des mo­nat­lich zu zah­len­den Ent­gelt­be­trags. Ei­ne Ta­rif­loh­nerhöhung setzt aber nicht die ,ta­bel­len­wirk­sa­me’ Erhöhung des Ta­rif­lohns vor­aus. Der Be­griff ,Ein­mal­zah­lung’ ist so­wohl als Aus­druck für ei­ne pau­scha­le Loh­nerhöhung als auch zur Kenn­zeich­nung ei­ner von der kon­kre­ten Ge­gen­leis­tung un­abhängi­gen Son­der­zah­lung gebräuch­lich. Wel­che Art der Vergütung vor­liegt, muss durch Aus­le­gung des Ta­rif­ver­trags er­mit­telt wer­den. Die Ein­mal­zah­lung kann als Ge­gen­leis­tung pau­schal, even­tu­ell nachträglich, für meh­re­re Lohn­zah­lungs­pe­ri­oden vor­ge­se­hen sein und wird da­durch nicht zur Son­der­zah­lung.

Die Aus­le­gung er­gibt, dass die Ein­mal­zah­lung gemäß § 3 Abs. 1 des 2. Ände­rungsTV DB Ser­vices Nord als pau­scha­le Erhöhung des Ar­beits­lohns ein­zu­ord­nen ist. Dies folgt bei sys­te­ma­ti­scher Be­trach­tung aus der Re­ge­lung in § 5 des 2. Ände­rungsTV DB Ser­vices Nord („Ga­ran­tier­ter Brut­to­ent­gelt­zu­wachs“), des­sen Abs. 1 Satz 1 be­stimmt, dass der Ar­beit­neh­mer An­spruch auf ei­nen Brut­to­ent­gelt­zu­wachs im Zeit­raum vom 1. Ju­li 2007 bis zum 30. Ju­ni 2009 in Höhe von 1.500,- € („Min­dest­be­trag“) hat. In § 5 Abs. 4 des 2. Ände­rungsTV DB Ser­vices Nord heißt es: „Bei der Er­mitt­lung des Brut­to­ent­gelt­zu­wach­ses nach Abs. 1 wird fol­gen­des berück­sich­tigt: a) die Erhöhung der Er­geb­nis­be­tei­li­gung nach § 3; b) die kon­junk­tur­be­ding­te Son­der­zah­lung nach § 4 […]“.Dar­aus folgt, dass die in § 3 Abs. 1 ge­re­gel­te Erhöhung der Er­geb­nis­be­tei­li­gung zur Erhöhung des ga­ran­tier­ten Brut­to­ent­gelt­zu­wach­ses beiträgt und sich als pau­scha­le Erhöhung des Ta­rif­lohns dar­stellt. An­ge­sichts ih­res ta­rif­loh­nerhöhen­den Cha­rak­ters ist es sach­ge­recht, die Ein­mal­zah­lung von 600,- € im zwei­ten Halb­jahr 2007 als Erhöhung des Ta­rif­lohns um 100,- € in den Mo­na­ten Ju­li bis De­zem­ber 2007 und um je­weils € 50,- in den ers­ten drei Mo­na­ten des Jah­res 2008 zu be­wer­ten.

Zwar wird die Ein­mal­zah­lung aus­weis­lich der Über­schrift des § 4 des 2. Ände­rungsTV DB Ser­vices Nord als „Erhöhung der Er­geb­nis­be­tei­li­gung“ be­zeich­net. Al­ler­dings kommt der Be­zeich­nung der Zah­lung nach An­sicht des Ar­beits­ge­richts, die von der Be­ru­fungs­kam­mer ge­teilt wird, nur ge­rin­ges Ge­wicht zu. Denn das in der Normüber­schrift ge­nann­te „Er­geb­nis“ oder die „Er­geb­nis­be­tei­li­gung“, de­ren Erhöhung in Re­de steht, ist we­der dem Wort­laut der Norm nach noch sonst von Be­deu­tung für den An­spruch und sei­ne Vor­aus­set­zun­gen. Hängt der An­spruch je­doch tatsächlich – wie hier - von ei­nem Er­geb­nis nicht er­kenn­bar ab, so ist es der Sa­che nach nicht ge­recht­fer­tigt, der Ein­mal­zah­lung den Cha­rak­ter ei­ner mit ei­nem be­stimm­ten Er­geb­nis zu­sam­menhängen­den Son­der­zah­lung bei­zu­le­gen, mag zunächst die Be­zeich­nung auch dar­auf hin­deu­ten.

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Die Ein­mal­zah­lung ist auch als min­dest­lohn­wirk­sam an­zu­se­hen, denn auch sie gehört im Sin­ne der ge­nann­ten De­fi­ni­ti­on bei der Kon­trol­le des Min­dest­lohns zu den zu berück­sich­ti­gen­den Zah­lun­gen, die das ar­beits­ver­trag­li­che Verhält­nis zwi­schen Leis­tung und Ge­gen­leis­tung nicht zum Nach­teil des Ar­beit­neh­mers verändern. Durch die Ein­mal­zah­lung wird die dem Kläger gewähr­te Leis­tung erhöht, oh­ne dass die Be­klag­te dafür von ihm ei­ne Ge­gen­leis­tung for­dern könn­te. Die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen se­hen ei­ne Ge­gen­leis­tung des Ar­beit­neh­mers nicht vor.

Nach der nicht im Streit be­find­li­chen Be­rech­nung des Ar­beits­ge­richts er­gibt sich da­mit, dass dem Kläger bei Berück­sich­ti­gung der Ein­mal­zah­lun­gen (und seit An­fang des Jah­res 2008 mit dem Min­dest­lohn­aus­gleich) nicht un­ter dem Min­dest­lohn lie­gen­de Ent­gel­te ge­zahlt wur­den. Es wird Be­zug ge­nom­men auf die erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dungs­gründe (S. 16, 19, Bl. Bl. 277, 280 d.A.), § 69 Abs. 2 ArbGG.

Hin­sicht­lich der in der Be­ru­fungs­be­gründung nicht an­ge­grif­fe­nen Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts zu den Über­stun­densätzen, Ur­laubs­geld und Sonn-, Fei­er­tags- und Nacht­schicht­zu­schlägen wird Be­zug ge­nom­men auf das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil (S. 16, 17, Bl. 277, 278 d.A.), § 69 Abs. 2 ArbGG.

Auch für die Zeit ab März 2008 nach dem Wirk­sam­wer­den der Gebäuderei­ni­ger-Min­dest­lohn­ver­ord­nung i.V.m. dem TV Min­dest­lohn be­steht kein An­spruch auf wei­ter­ge­hen­de Vergütung auf der Grund­la­ge von § 1 Abs. 3a Satz 1 AEntG i.V.m. der Gebäuderei­ni­ger-Min­dest­lohn­ver­ord­nung i.V.m. § 2 TV Min­dest­lohn.

In­so­weit kann ins­be­son­de­re da­hin­ste­hen, ob die Gebäuderei­ni­ger-Min­dest­lohn­ver­ord­nung rechts­wirk­sam ist. Denn je­den­falls sind auch in die­sem Zeit­raum die dem Kläger da­nach i.V.m. § 2 TV Min­dest­lohn zu­ste­hen­den Ansprüche durch Erfüllung er­lo­schen (§ 362 Abs. 1 BGB), weil die Be­klag­te dem Kläger Leis­tun­gen gewährt hat, die die Höhe der gel­tend ge­mach­ten Ansprüche (zu­min­dest) er­rei­chen.

In den Mo­na­ten Fe­bru­ar bis Ju­ni 2008 ist der von der Be­klag­ten gewähr­te Min­dest­lohn­aus­gleich als min­dest­lohn­wirk­sam an­zu­er­ken­nen und in die Ver­gleichs­be­rech­nung ein­zu­stel­len. Er erfüllt ge­ra­de­zu bei­spiel­haft – wie das Ar­beits­ge­richt zu Recht ausführt - und in ty­pi­scher Wei­se die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner nach der ge­nann­ten De­fi­ni­ti­on min­dest­lohn­wirk­sa­men Zah­lung, denn es ent­spricht ge­ra­de sei­nem Zweck, ei­ne Dif­fe­renz zwi­schen dem ent­sen­de­recht­lich zu be­an­spru­chen­den Min­dest­lohn und dem

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gewähr­ten Lohn aus­zu­glei­chen und die­sen auf das Ni­veau des Min­dest­lohns an­zu­he­ben; ei­ne Ge­gen­leis­tung des Ar­beit­neh­mers wird auch hier nicht ver­langt und ist nicht Vor­aus­set­zung für die Gewährung des Min­dest­lohn­aus­gleichs.

Min­dest­lohn­wirk­sam ist fer­ner das dem Kläger im Fe­bru­ar in Höhe von 76,70 € gewähr­te Ur­laubs­geld. Die­ses wird von der in der Kom­men­tar­li­te­ra­tur ver­tre­te­nen An­sicht bei­spiel­haft als ein min­dest­lohn­wirk­sa­mer Vergütungs­be­stand­teil auf­geführt (vgl. ErfK/Schlach­ter, a.a.O., § 2 AEntG Rn. 5). Dem hat sich das Ar­beits­ge­richt und ihm fol­gend die Be­ru­fungs­kam­mer nach den zu­vor ge­nann­ten Rechts­grundsätzen an­ge­schlos­sen. Das Ur­laubs­geld ist dem Kläger ge­zahlt wor­den und es ver­bleibt ihm; ei­ne Ver­pflich­tung zur Rück­zah­lung ist nicht er­kenn­bar. Sei­ne Gewährung war von kei­ner Ge­gen­leis­tung des Ar­beit­neh­mers abhängig.

Glei­ches gilt schließlich für die in Höhe von 13,29 € mo­nat­lich gewähr­ten vermögens­wirk­sa­men Leis­tun­gen. Auch sie sind min­dest­lohn­wirk­sam, denn sie verändern das Verhält­nis von Leis­tung und Ge­gen­leis­tung aus­sch­ließlich zum Vor­teil des Klägers, weil sie gewährt wer­den, oh­ne dass die Be­klag­te ei­ne Ge­gen­leis­tung zu for­dern be­rech­tigt wäre. Ge­gen die­sen Stand­punkt spre­chen­de Ge­sichts­punk­te las­sen sich auch nicht dem Vor­trag des Klägers ent­neh­men.

Dies führt da­zu, dass der gewähr­te Lohn höher war als der nach dem TV Min­dest­lohn be­an­spruch­te. Auch in­so­weit wird auf die Be­rech­nung des Ar­beits­ge­richt in sei­nem Ur­teil (S. 19, 20, Bl. 280, 281 d.A.) Be­zug ge­nom­men, § 69 Abs. 2 ArbGG.

Die Leis­tungs­kla­ge ist da­her zu Recht als un­be­gründet ab­ge­wie­sen wor­den.

2. Der Klag­an­trag zu 2. ist nicht zulässig. Er ist nicht hin­rei­chend be­stimmt, § 253 ZPO, denn es blie­be of­fen, wel­che Lohn­be­stand­tei­le auf der vom Kläger gewünsch­ten Ba­sis von € 8,15 ab­zu­rech­nen wären, der Streit würde nicht gelöst. Darüber hin­aus fehlt das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se, § 256 ZPO, weil ein ein­fa­che­rer Weg ge­ge­ben ist, um das­sel­be Ziel zu er­rei­chen. Dies ist der Fall, wenn ei­ne Leis­tungs- bzw. Un­ter­las­sungs­kla­ge er­ho­ben wer­den kann. In­so­weit wird auf die Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts Be­zug ge­nom­men (S. 21, Bl. 282 d.A.).

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III. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 ZPO. Die ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Zu­las­sung der Re­vi­si­on lie­gen vor, § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG, denn es gibt ei­ne Viel­zahl von Gebäuderei­ni­gern bei der Be­klag­ten.

 

Les­meis­ter  

Bal­schu­weit  

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