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Streit um Min­dest­lohn - Nah­les will kei­ne Aus­nah­men zu­las­sen

Die Kri­tik am Min­dest­lohn reißt nicht ab. Nach der ers­ten Le­sung im Bun­des­tag kom­men er­neut Be­den­ken vom Wirt­schafts­flü­gel der Uni­on und aus der Wirt­schaft. Mi­nis­te­rin Nah­les hält da­ge­gen: Sie will die "Ge­ne­ra­ti­on Prak­ti­kum" be­en­den

09.06.2014. (dpa) - Im Ko­ali­ti­ons­streit um Aus­nah­men vom ge­plan­ten Min­dest­lohn zeigt sich Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les kom­pro­miss­los.

"Ich kann nur da­vor war­nen, dar­auf zu wet­ten, dass die po­li­ti­sche Ver­ab­re­dung für ir­gend­ei­ne Bran­che am En­de nicht gilt", sag­te die SPD-Po­li­ti­ke­rin der "Welt am Sonn­tag".

Min­dest­lohn-Kri­ti­ker in der Uni­ons­frak­ti­on ma­chen wei­ter ge­gen den Ge­setz­ent­wurf mo­bil und for­dern deut­lich mehr Aus­nah­men.

Der Bun­des­tag hat­te sich am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag zum ers­ten Mal mit dem Ge­setz be­fasst. Es soll noch vor der Som­mer­pau­se ver­ab­schie­det wer­den. Der Min­dest­lohn von 8,50 Eu­ro pro St­un­de soll dann vom kom­men­den Ja­nu­ar an für al­le ab 18 Jah­ren gel­ten. Aus­nah­men gibt es bis 2017 für Bran­chen mit ei­nem über­re­gio­nal gül­ti­gen Ta­rif­ver­trag. Prin­zi­pi­ell aus­ge­nom­men sind Pflicht­prak­ti­kan­ten und ehe­ma­li­ge Lang­zeit­ar­beits­lo­se für die ers­ten sechs Mo­na­te im neu­en Job.

Nah­les gab sich über­zeugt: "Ab 1. Ja­nu­ar 2017 gilt für al­le Bran­chen und für al­le Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer ein Min­dest­lohn von 8,50 Eu­ro." Sie sei nicht be­reit, über die­se Grund­fra­ge zu ver­han­deln. Im Bun­des­tag geht Nah­les «von ei­ner gro­ßen Mehr­heit» für das Ge­setz aus.

Aus der Uni­ons­frak­ti­on kommt in­des har­sche Kri­tik. Das Vor­ha­ben wi­der­spre­che "Geist und Buch­sta­ben des Ko­ali­ti­ons­ver­trags", sag­te der Vor­sit­zen­de des Wirt­schafts­aus­schus­ses im Bun­des­tag, Pe­ter Ram­sau­er (CSU), der "Welt am Sonn­tag". Er for­der­te, Rent­ner, Prak­ti­kan­ten, stu­den­ti­sche Hilfs­kräf­te und Zei­tungs­aus­trä­ger vom Min­dest­lohn aus­zu­neh­men. Uni­ons-Frak­ti­ons­vi­ze Mi­cha­el Fuchs (CDU) will au­ßer­dem Aus­nah­men für Sai­son­ar­bei­ter und Ern­te­hel­fer. Er hal­te es auch für falsch, den Min­dest­lohn mit 18 Jah­ren be­gin­nen zu las­sen. "Ich bin nicht be­reit, den Ent­wurf von Frau Nah­les ein­fach ab­zu­ni­cken", er­klär­te Fuchs in der "Welt am Sonn­tag".

Die SPD-Mi­nis­te­rin hält da­ge­gen, sie wer­de das Mo­dell der "Ge­ne­ra­ti­on Prak­ti­kum" be­en­den. Wer ei­ne Aus­bil­dung oder ein Stu­di­um ab­sol­viert ha­be, wer­de "nicht mehr mo­na­te­lang für lau aus­ge­nutzt wer­den".

Auch die Al­ters­gren­ze - 18 Jah­re - sieht sie mit Voll­jäh­rig­keit und Ju­gend­ar­beits­schutz gut be­grün­det. Nah­les sag­te, sie wol­le "kei­ne Hin­ter­tür­chen für neue Ge­schäfts­mo­del­le auf­ma­chen". "Bei ei­ner Gren­ze von 21 Jah­ren oder mehr wür­den doch Re­gal­ein­räu­mer in den Su­per­märk­ten oder Mit­ar­bei­ter von Call­cen­tern plötz­lich nur noch ei­ner ganz be­stimm­ten Al­ters­grup­pe an­ge­hö­ren."

Der CDU-So­zi­al­flü­gel un­ter­stützt die Plä­ne. "Wenn mehr als ein Fünf­tel der Ar­beit­neh­mer im Nied­rig­lohn­sek­tor ar­bei­ten, ist ein all­ge­mei­ner Min­dest­lohn un­be­dingt not­wen­dig", sag­te der Bun­des­vi­ze der Christ­lich De­mo­kra­ti­schen Ar­beit­neh­mer­schaft (CDA), Chris­ti­an Bä­um­ler, "Han­dels­blatt On­line".

Der CDA-Vi­ze wies dar­auf hin, dass die Uni­on im Ko­ali­ti­ons­ver­trag ta­rif­li­che Über­gangs­fris­ten bis 2017 durch­ge­setzt ha­be. "Wer Nach­ver­hand­lun­gen zum Min­dest­lohn for­dert, setzt Ver­hand­lungs­er­fol­ge der Uni­ons­par­tei­en aufs Spiel und muss sich dann auch mit Dis­kus­sio­nen über an­de­re Be­stand­tei­le des Ko­ali­ti­ons­ver­trags wie das Nein zu Steu­er­er­hö­hun­gen aus­ein­an­der­set­zen", warn­te Bä­um­ler.

Der Bun­des­ver­band der Deut­schen In­dus­trie (BDI) sieht das gänz­lich an­ders: "Wir brau­chen Aus­nah­me­re­ge­lun­gen, um mit dem Min­dest­lohn nicht zu viel Un­heil an­zu­rich­ten", be­kräf­tig­te BDI-Prä­si­dent Ul­rich Gril­lo in der "Rhei­ni­schen Post" (Sams­tag). "Die Prak­ti­ka für jun­ge Leu­te müs­sen für die Un­ter­neh­men be­zahl­bar blei­ben, sonst er­schwe­ren wir die­ser Ge­ne­ra­ti­on den Ein­stieg in ei­nen qua­li­fi­zier­ten Be­ruf." Auch die Al­ters­gren­ze 18 Jah­re hält Gril­lo wei­ter­hin für zu nied­rig.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 20. November 2015

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