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Min­dest­l­ohn­ge­setz auf dem Weg - Op­po­si­ti­on kri­ti­siert Aus­nah­men

Lin­ke und Grü­ne sind nicht die ein­zi­gen, die die Re­gie­rungs­plä­ne für den ge­setz­li­chen Min­dest­lohn kri­ti­sie­ren: Auch in den Rei­hen der Uni­on gibt es Un­zu­frie­de­ne, die Nach­bes­se­run­gen im De­tail for­dern

06.06.2014. (dpa) - In 21 der 28 EU-Staa­ten gilt schon ein ge­setz­li­cher Min­dest­lohn - nun hat der Bun­des­tag auch in Deutsch­land ei­ne sol­che Re­ge­lung auf den Weg ge­bracht.

Die Ab­ge­ord­ne­ten de­bat­tier­ten am Don­ners­tag erst­mals das neue Ta­rif­pa­ket-Ge­setz, das ei­nen all­ge­mei­nen Min­dest­lohn von 8,50 Eu­ro vor­sieht.

Für Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) bringt das Vor­ha­ben mehr Ge­rech­tig­keit und ei­ne Stär­kung der Ta­rif­au­to­no­mie. Lin­ke und Grü­ne kri­ti­sier­ten die Aus­nah­men für jun­ge Leu­te un­ter 18 und für Lang­zeit­ar­beits­lo­se. Red­ner der Uni­on rie­fen nach zu­sätz­li­chen Über­gangs­re­ge­lun­gen für Bran­chen, die sich vom Min­dest­lohn "be­schwert" füh­len.

Nah­les ver­tei­dig­te die Neu­re­ge­lung ge­gen Kri­tik. "Fünf Mil­lio­nen Men­schen ar­bei­ten zu Dum­ping­löh­nen, oh­ne Min­dest­lohn wür­den sie nicht er­rei­chen, ei­ni­ger­ma­ßen an­stän­dig be­zahlt zu wer­den."

Mehr als drei Mil­lio­nen Ar­beit­neh­mer sei­en be­reits durch Bran­chen­min­dest­löh­ne ge­schützt, oh­ne dass es zu den von man­chen be­fürch­te­ten Ar­beits­platz­ver­lus­ten ge­kom­men sei. Den­noch ge­be es in der Ta­ri­fland­schaft "gro­ße wei­ße Fle­cken". "Wir brau­chen ein kla­re Gren­ze nach un­ten, und das geht nur mit ei­nem kla­ren ge­setz­li­chen Min­dest­lohn", sag­te die Mi­nis­te­rin.

In Kraft tre­ten soll das Ge­setz An­fang 2015. Vor­ge­se­hen sind Aus­nah­men für Ju­gend­li­che bis 18, für Lang­zeit­ar­beits­lo­se in den ers­ten sechs Mo­na­ten nach An­nah­me ei­ner Be­schäf­ti­gung und für Prak­ti­kan­ten. Für Bran­chen, für die ein lang­sa­me­rer An­stieg der Lohn­un­ter­gren­ze ta­rif­lich ver­ein­bart ist, gilt der ge­setz­li­che Min­dest­lohn erst ab 2017.

Die Neu­re­ge­lung ga­ran­tiert nach den Wor­ten von Nah­les, dass der flä­chen­de­cken­de Min­dest­lohn künf­tig nicht von der Po­li­tik, son­dern von den Ta­rif­part­nern fest­ge­legt wird: In ei­ner Kom­mis­si­on, die sich da­bei an der Ent­wick­lung der Ta­rif­löh­ne ori­en­tiert. "Wir ge­ben den So­zi­al­part­nern wie­der mehr Ein­fluss und Ge­stal­tungs­macht. Und wir ge­ben der Ar­beit wie­der ih­ren Wert zu­rück." Mit dem Ta­rif­pa­ket set­ze die gro­ße Ko­ali­ti­on "ein kla­res Zei­chen".

Das be­stritt die Op­po­si­ti­on. Die­se sieht in dem Ge­set­zes­pa­ket nur ei­nen über­fäl­li­gen, noch da­zu un­zu­rei­chen­den Schritt. "Hö­ren Sie auf mit den Aus­nah­me­re­ge­lun­gen für jun­ge Leu­te und Lang­zeit­ar­beits­lo­se", for­der­te Lin­ken-Frak­ti­ons­vi­ze Klaus Ernst. 8,50 Eu­ro lös­ten zu­dem das Pro­blem der Al­ters­ar­mut "über­haupt nicht". Uni­on und SPD ver­fehl­ten so ih­re ei­ge­nen Zie­le. Aus Lin­ken-Sicht ist die Min­dest­lohn-Re­ge­lung ein "Fli­cken­tep­pich".

Die Grü­nen ar­gu­men­tier­ten ähn­lich. Ein Si­cher­heits­netz mit lau­ter Lö­chern sei kein Si­cher­heits­netz, kri­ti­sier­te Vi­ze­frak­ti­ons­che­fin Kers­tin An­d­reae. Für die Ar­beits­markt­ex­per­tin der Grü­nen, Bri­git­te Poth­mer, sind die Aus­nah­men für Lang­zeit­ar­beits­lo­se "das Bau­ern­op­fer, das die SPD der Uni­on für den Min­dest­lohn ge­ben muss­te".

Aus den Rei­hen der Uni­on mahn­ten Ab­ge­ord­ne­te wie der ar­beits­markt- und so­zi­al­po­li­ti­sche Spre­cher Karl Schie­wer­ling (CDU) zu­sätz­li­che Über­gangs­re­ge­lun­gen und Aus­nah­men für Be­rei­che an, in de­nen sich Pro­ble­me durch den ge­setz­li­chen Min­dest­lohn ab­zeich­ne­ten. Ge­nannt wur­den Sai­son­ar­bei­ter, Ta­xi­fah­rer, aber auch Prak­ti­kan­ten. Kri­tik gab es dar­an, dass künf­ti­ge An­pas­sun­gen beim Min­dest­lohn sich al­lein am Ta­rif­lohn­in­dex des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes ori­en­tie­ren sol­len.

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Letzte Überarbeitung: 20. November 2015

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