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Uni­on ei­nigt sich auf Min­dest­lohn

Uni­on ei­nigt sich auf Min­dest­l­ohn­mo­dell - FDP pocht auf Ver­trag
26.04.2012 (dpa) - Die Uni­on hat sich nach mo­na­te­lan­gem Rin­gen auf ein Min­dest­l­ohn­mo­dell ver­stän­digt und setzt da­mit den Ko­ali­ti­ons­part­ner FDP er­neut un­ter Druck. Der Min­dest­lohn soll für Be­schäf­tig­te oh­ne Ta­rif­ver­trä­ge gel­ten. Fest­set­zen soll ihn ei­ne pa­ri­tä­tisch von Ar­beit­ge­bern und Ge­werk­schaf­ten be­setz­te Kom­mis­si­on, teil­ten Ver­tre­ter der Uni­ons­frak­ti­on am Mitt­woch in Ber­lin mit. Da­nach sol­len auch Dif­fe­ren­zie­run­gen nach Bran­chen, Re­gio­nen und Ar­beit­neh­mer­grup­pen mög­lich sein. Die FDP re­agier­te zu­rück­hal­tend, die Ar­beit­ge­ber se­hen in dem Mo­dell ei­nen ge­setz­li­chen Min­dest­lohn. SPD und Ge­werk­schaf­ten ist der Plan nicht am­bi­tio­niert ge­nug.

Ar­beits­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en (CDU) sag­te, das Mo­dell wer­de von Par­tei und Frak­ti­on ge­tra­gen. Es sei wich­tig, dass ein sol­cher Min­dest­lohn markt­wirt­schaft­lich ver­han­delt und um­ge­setzt wer­de. Man wol­le jetzt die Ge­sprä­che mit dem Ko­ali­ti­ons­part­ner FDP auf­neh­men, um mög­lichst noch in die­ser Le­gis­la­tur­pe­ri­ode ei­ne Lohn­un­ter­gren­ze fest­zu­le­gen. Die Uni­on setzt da­mit ei­nen Be­schluss des CDU-Par­tei­tags vom No­vem­ber um.

Das Ent­schei­den­de sei, dass die­se Lohn­un­ter­gren­ze nicht po­li­tisch fest­ge­setzt wer­de, son­dern "ein markt­wirt­schaft­lich or­ga­ni­sier­ter Min­dest­lohn" sei, sag­te von der Ley­en wei­ter. Uni­ons-Frak­ti­ons­vi­ze Mi­cha­el Fuchs sag­te, für ihn sei wich­tig, "dass die Ta­rif­au­to­no­mie in vol­ler Gän­ze er­hal­ten bleibt". Nach dem Uni­ons­mo­dell soll ein Sch­lich­ter ent­schei­den, falls sich die Kom­mis­si­on aus Ar­beit­ge­bern und Ge­werk­schaf­tern nicht auf ei­ne Lohn­un­ter­gren­ze ver­stän­di­gen kann. Kön­nen sich bei­de Sei­ten nicht auf ei­nen sol­chen Sch­lich­ter ei­ni­gen, soll die­ser per Los be­stimmt wer­den.

FDP-Chef Phil­ipp Rös­ler ver­wies auf den Ko­ali­ti­ons­ver­trag, in dem ein ge­setz­li­cher Min­dest­lohn nicht vor­ge­se­hen ist: "Für die Ko­ali­ti­on än­dert sich nichts." Der Wirt­schafts­mi­nis­ter be­ton­te, die so­zia­le Markt­wirt­schaft und die Ta­rif­ho­heit von Ge­werk­schaf­ten und Ar­beit­ge­bern hät­ten sich ge­ra­de in der Eu­ro-Schul­den­kri­se be­währt. Die­sen Weg sol­le die Re­gie­rung wei­ter­ge­hen. Auch FDP-Frak­ti­ons­chef Rai­ner Brü­der­le sag­te: "Es gilt das, was im Ko­ali­ti­ons­ver­trag steht." Der­zeit ha­be der Ar­beits­markt ganz an­de­re Pro­ble­me. Es ge­he dar­um, in vie­len Bran­chen ge­nü­gend Ar­beits­kräf­te zu be­kom­men.

Der hes­si­sche FDP-Lan­des­vor­sit­zen­de Jörg-Uwe Hahn kri­ti­sier­te die Min­dest­lohn-Plä­ne der CDU in­des scharf. "Das Mo­dell der Uni­on läuft im Er­geb­nis auf ei­ne Zwangs­ver­ge­werk­schaf­tung wei­ter Be­rei­che hin­aus und ver­stößt schon des­halb ge­gen Grund­prin­zi­pi­en un­se­res er­folg­rei­chen Wirt­schafts­mo­dells", sag­te Hahn "Han­dels­blatt On­line". Die Uni­on müs­se "ein­se­hen, dass sie sich in ei­ner Ko­ali­ti­on mit ei­ner li­be­ra­len Par­tei be­fin­det, die sich der so­zia­len Markt­wirt­schaft ver­pflich­tet fühlt".

Der DGB-Vor­sit­zen­de Mi­cha­el Som­mer ver­lang­te er­heb­li­che Nach­bes­se­run­gen von der Uni­on. Der Vor­schlag sei "völ­lig un­ge­nü­gend" kri­ti­sier­te er. "Wir brau­chen in Deutsch­land ei­nen ge­setz­li­chen Min­dest­lohn von min­des­tens 8,50 EUR in der St­un­de, der al­le dar­un­ter lie­gen­den Löh­ne kas­siert." Die stell­ver­tre­ten­de SPD-Vor­sit­zen­de Ma­nue­la Schwe­sig sag­te in Schwe­rin: "Der Vor­schlag ist ein Pseu­do-Min­dest­lohn und da­mit ei­ne Mo­gel­pa­ckung." Das CDU-Kon­zept wer­de nur in Be­rei­chen oh­ne Ta­rif­löh­ne wirk­sam und blen­de da­mit 13 Pro­zent al­ler Ar­beit­neh­mer aus, die für Ta­rif­löh­ne un­ter 8,50 EUR je St­un­de be­schäf­tigt sei­en, wie et­wa Fri­seu­rin­nen.

Ar­beit­ge­ber­prä­si­dent Die­ter Hundt sah in dem Mo­dell "nichts an­de­res als ei­nen ge­setz­li­chen Min­dest­lohn". Hundt be­grüß­te die Hal­tung Rös­lers. Der CDU-So­zi­al­po­li­ti­ker und Ver­tre­ter des Ar­beit­neh­mer­flü­gels sei­ner Par­tei, Karl-Jo­sef Lau­mann, sprach hin­ge­gen von ei­nem gro­ßen Er­folg. Lau­mann hat­te im ver­gan­ge­nen Herbst die De­bat­te in der CDU über ei­ne neue Min­dest­lohn­re­ge­lung an­ge­sto­ßen.

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Letzte Überarbeitung: 22. September 2016

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