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Min­dest­lohn­pa­ket steht - mit ein paar Aus­nah­men

Es ist ein zen­tra­les Pro­jekt der gro­ßen Ko­ali­ti­on: Mil­lio­nen Bür­ger sol­len dank 8,50 Eu­ro Min­dest­lohn mehr Geld in der Ta­sche ha­ben. Die Wirt­schaft sieht da­durch Jobs in Ge­fahr - doch nun steht das Pa­ket

20.03.2014. (dpa) - Beim ge­setz­li­chen Min­dest­lohn von 8,50 Eu­ro pro St­un­de wird es kaum Aus­nah­men ge­ben.

Nur Ju­gend­li­che un­ter 18, Prak­ti­kan­ten, Eh­ren­amt­li­che und Lang­zeit­ar­beits­lo­se sol­len aus­ge­nom­men wer­den, wie Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) am Mitt­woch in Ber­lin mit­teil­te.

Zu­vor hat­te sie den Ent­wurf zur Ab­stim­mung mit den an­de­ren Mi­nis­te­ri­en frei­ge­ge­ben.

Sie sprach von ei­ner "gu­ten Nach­richt.

Nach An­ga­ben von SPD-Par­tei­chef und Wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Ga­bri­el pro­fi­tie­ren vier Mil­lio­nen Be­schäf­tig­te von der Re­ge­lung. Der Min­dest­lohn ge­fähr­det laut ifo-In­sti­tut bis zu 900 000 Ar­beits­plät­ze.

Nach dem der Nach­rich­ten­agen­tur dpa vor­lie­gen­den Re­fe­ren­ten­ent­wurf sol­len Lang­zeit­ar­beits­lo­se für ein hal­bes Jahr von der Lohn­un­ter­gren­ze aus­ge­nom­men wer­den, wenn sie ei­nen neu­en Job an­neh­men. "Wir wol­len, dass Lang­zeit­ar­beits­lo­se kei­ne Nach­tei­le ha­ben", sag­te Nah­les. Für sie sol­len Ar­beit­ge­ber nach der Ka­renz­zeit Lohn­kos­ten­zu­schüs­se er­hal­ten.

Tei­le der Uni­on so­wie die Ar­beit­ge­ber po­chen da­ge­gen auf ein hö­he­res Startal­ter als 18 Jah­re. Die SPD woll­te zu­nächst prak­tisch kei­ne Aus­nah­men bei ih­rem Lieb­lings­pro­jekt Min­dest­lohn zu­las­sen.

Am 2. April soll das Ka­bi­nett das Min­dest­l­ohn­ge­setz be­schlie­ßen, be­vor sich Bun­des­tag und Bun­des­rat da­mit be­fas­sen. Er soll ab 2015 gel­ten, mit der Ein­schrän­kung, dass ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen die Mar­ke von 8,50 Eu­ro bis En­de 2016 un­ter­schrei­ten kön­nen. Ab An­fang 2017 sol­len dann flä­chen­de­ckend 8,50 Eu­ro pro St­un­de gel­ten.

Am Vor­abend hat­ten sich Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU), CSU-Chef Horst See­ho­fer und SPD-Chef Sig­mar Ga­bri­el zu dritt über letz­te De­tails ge­ei­nigt.

Ga­bri­el sag­te der Deut­schen Pres­se-Agen­tur: "Dass der Min­dest­lohn bald im Ge­setz­blatt steht, ist ein ge­mein­sa­mer Er­folg der SPD, der Ge­werk­schaf­ten und auch der Uni­on." Kein Ar­beit­neh­mer in Deutsch­land wer­de künf­tig un­ter 8,50 Eu­ro ver­die­nen. "Das be­trifft vier Mil­lio­nen Men­schen." Der Wirt­schafts­mi­nis­ter be­grüß­te, dass es kei­ne Bran­chen­aus­nah­men ge­be. Da die Re­ge­lung auf Ar­beit­neh­mer be­schränkt ist, gibt es auch für Prak­ti­kan­ten kei­nen Min­dest­lohn.

Aus den Rei­hen der Uni­ons-Frak­ti­on kam Lob für den Ent­wurf. Der Vor­sit­zen­de der Ar­beit­neh­mer­grup­pe, Pe­ter Weiß (CDU, be­ton­te: "Un­ge­ach­tet noch zu klä­ren­der De­tails wird deut­lich, dass es kei­nen Fli­cken­tep­pich von Min­dest­lohn­re­ge­lun­gen ge­ben wird." Es sei fair, dass Rent­ner, Mi­ni­job­ber und Stu­die­ren­de ge­nau­so wie al­le an­de­ren be­zahlt wer­den, die die glei­che Ar­beit leis­ten. "So stel­len wir zu­gleich auch si­cher, dass Be­schäf­tig­te und Be­trie­be künf­tig in al­len Be­rei­chen dar­auf zäh­len kön­nen, dass sie nicht mehr ver­zer­ren­den Ef­fek­ten auf Löh­ne und Wett­be­werb aus­ge­lie­fert sind", sag­te Weiß.

Mas­si­ve Kri­tik kam von der Links­frak­ti­on: "Wenn ein all­ge­mei­ner ge­setz­li­cher Min­dest­lohn jun­gen Er­wach­se­nen un­ter 18 Jah­ren und Lang­zeit­er­werbs­lo­sen vor­ent­hal­ten wird, ver­dient er sei­nen Na­men nicht, son­dern bleibt ein Schwei­zer Kä­se", sag­te der Lin­ken-Po­li­ti­ker Klaus Ernst. Es sei "völ­lig in­ak­zep­ta­bel", dass gut ei­ne Mil­li­on Lang­zeit­er­werbs­lo­se vom Min­dest­lohn aus­ge­nom­men wer­den sol­len.

Der Prä­si­dent des So­zi­al­ver­bands Deutsch­land (SoVD), Adolf Bau­er wer­te­te das ge­plan­te Pa­ket als gro­ßen Er­folg. "Es ist seit Jah­ren über­fäl­lig." Zu­gleich kri­ti­sier­te er die an­ge­kün­dig­ten Aus­nah­men für Lang­zeit­ar­beits­lo­se und jun­ge Men­schen un­ter 18. "Auch für sie muss der Grund­satz ei­nes ge­rech­ten Lohns für gu­te Ar­beit gel­ten."

Die Ein­füh­rung ge­fähr­det laut ifo-In­sti­tut bis zu 900 000 Ar­beits­plät­ze. "Be­son­ders stark ne­ga­tiv be­trof­fen sind die heu­ti­gen Auf­sto­cker", sag­te ifo-Ex­per­te Ron­nie Schöb von der FU Ber­lin. Be­schäf­tig­te, die er­gän­zen­des Ar­beits­lo­sen­geld II be­zie­hen, hät­ten kaum et­was von der Lohn­er­hö­hung, sei­en aber ei­nem viel hö­he­ren Ar­beits­platz­ri­si­ko aus­ge­setzt. Stei­ge der St­un­den­lohn ei­nes al­lein­ste­hen­den Auf­sto­ckers von 5 Eu­ro auf 8,50 Eu­ro, er­hö­he sich sein Net­to-Ein­kom­men we­gen der Ver­rech­nung mit dem ALG II nur um 60 Eu­ro oder 6,1 Pro­zent. Für den Ar­beit­ge­ber aber er­höh­ten sich die Ar­beits­kos­ten um 70 Pro­zent.

Hun­dert­tau­sen­de Ar­beit­neh­mer wä­ren trotz Min­dest­lohns wei­ter auf Hartz IV an­ge­wie­sen. 41 Pro­zent oder et­wa 740 000 der al­lein­ste­hen­den Hartz-IV-Emp­fän­ger bräuch­ten selbst bei ei­ner Voll­zeit­be­schäf­ti­gung er­gän­zen­de Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen, weil ih­re Wohn­kos­ten mehr als 345 Eu­ro mo­nat­lich be­tra­gen, schreibt die "Pas­sau­er Neue Pres­se" (Mitt­woch) un­ter Be­ru­fung auf die Bun­des­agen­tur für Ar­beit. Die Links­frak­ti­on im Bun­des­tag sieht dar­in den Be­leg für ih­re For­de­rung nach ei­nem hö­he­ren Min­dest­lohn. Sie for­dert mit zehn Eu­ro zu be­gin­nen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 24. September 2014

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