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Mi­ni­jobs in der Kri­tik: Sack­gas­se für Frau­en

Rund sie­ben Mil­lio­nen Men­schen ar­bei­ten in Mi­ni­jobs: Vie­le Be­trof­fe­ne füh­len sich dar­in wohl. Doch ein Sprung­brett für Frau­en in re­gu­lä­re Be­schäf­ti­gung sind sie nicht. Kri­ti­ker se­hen sie als Sack­gas­se

19.03.2013. (dpa) - Die meis­ten Frau­en mit ei­nem oder meh­re­ren Mi­ni­jobs blei­ben ge­ring­fü­gig be­schäf­tigt.

Ein Wech­sel in re­gu­lä­re Be­schäf­ti­gung wird um­so un­wahr­schein­li­cher, je län­ger der Mi­ni­job währt, geht aus ei­ner Stu­die für das Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­ri­um her­vor.

Die gro­ße Mehr­zahl der Frau­en - über 80 Pro­zent - se­hen das im Ge­gen­satz zu den Kri­ti­kern aber nicht als Sack­gas­se.

Über die im ver­gan­ge­nen Ok­to­ber ver­öf­fent­lich­te, da­mals aber un­be­ach­tet ge­blie­be­ne Stu­die be­rich­te­te zu­erst die "Süd­deut­sche Zei­tung" (Mon­tag).

Weil Mi­ni­job­bern ge­setz­li­che Rech­te wie Lohn­fort­zah­lung im Krank­heits­fall und Ur­laub häu­fig ver­wei­gert wer­den, wol­len SPD und Grü­ne im Bun­des­rat An­fang Mai ei­nen Vor­stoß zur schär­fe­ren Re­gu­lie­rung und Kon­trol­le von ge­ring­fü­gi­gen Ar­beits­ver­hält­nis­sen star­ten. Dies kün­dig­te NRW-Ar­beits­mi­nis­ter Gun­tram Schnei­der (SPD) am Mon­tag in Ber­lin an.

"Ob­wohl Mi­ni-Job­ber ar­beits­recht­lich al­len an­de­ren Be­schäf­tig­ten gleich­ge­stellt sind, wer­den sie von ei­ner Viel­zahl von Ar­beit­ge­bern als bil­li­ge Ar­beits­kräf­te zwei­ter Klas­se be­han­delt", kri­ti­sier­te Schnei­der. Ei­ne Ab­schaf­fung der Mi­ni­jobs sei aber nicht ge­plant, wohl aber ein Min­dest­lohn von 8,50 Eu­ro.

Das Fa­zit der Stu­die für das Fa­mi­li­en­mi­nis­te­ri­um ist ein­deu­tig: "Die Hür­de zu ei­ner re­gu­lä­ren Teil­zeit- oder Voll­zeit­stel­le wird erst durch den Mi­ni­job pur er­rich­tet bzw. mas­siv er­höht." Mi­ni­jobs sei­en "ein Pro­gramm zur Er­zeu­gung le­bens­lan­ger öko­no­mi­scher Ohn­macht und Ab­hän­gig­keit von Frau­en".

Der Un­ter­su­chung zu­fol­ge sind Frau­en, bei de­nen der Mi­ni­job kei­ne zu­sätz­li­che Ne­ben­be­schäf­ti­gung ist, im Durch­schnitt sechs Jah­re und sie­ben Mo­na­te ge­ring­fü­gig be­schäf­tigt. Bei Ver­hei­ra­te­ten sind es sie­ben Jah­re und ei­nen Mo­nat.

Da­ge­gen ha­ben nur 14 Pro­zent der Frau­en, die frü­her ei­nen Mi­ni­job als Haupt­be­schäf­ti­gung aus­üb­ten, heu­te ei­ne Voll­zeit­stel­le, 26 Pro­zent ei­ne Teil­zeit­stel­le mit min­des­tens 20 St­un­den pro Wo­che. Mehr als die Hälf­te frü­he­rer Mi­ni­job­ber ist nicht mehr er­werbs­tä­tig. Dies zei­ge, dass Mi­ni­jobs - an­ders als er­hofft - "nicht als Brü­cke in ei­ne so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Be­schäf­ti­gung wir­ken".

Nach ei­ner neu­en Stu­die des Rhei­nisch-West­fä­li­schen In­sti­tuts für Wirt­schafts­for­schung (RWI) ver­dient je­der zwei­te Mi­ni­job­ber we­ni­ger als 8,50 Eu­ro in der St­un­de. Zwei Drit­tel von ih­nen hat noch nie den ge­setz­lich zu­ste­hen­den be­zahl­ten Ur­laub ge­nom­men. 41 Pro­zent wird be­zahl­ter Ur­laub ge­ne­rell ver­wehrt. 39 Pro­zent der Ar­beit­ge­ber räu­men ein, im Krank­heits­fall den Lohn nicht wei­ter­zu­be­zah­len.

Aus Sicht des ar­beit­ge­ber­na­hen In­sti­tuts der deut­schen Wirt­schaft (IW) ent­spricht die Ar­beit im Mi­ni­job meist "den Wün­schen der Be­schäf­tig­ten" selbst. Ganz über­wie­gend ge­be es da­für per­sön­li­che Grün­de wie die Be­treu­ung von Kin­dern, "aber auch der Wunsch, Zeit für an­de­re Din­ge zu ha­ben". Nur 17 Pro­zent der ge­ring­fü­gig be­schäf­tig­ten Frau­en emp­fän­den ei­nen Mi­ni­job als "be­ruf­li­che Sack­gas­se".

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 24. November 2014

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